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Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-03-09 · 10 (9.3.1923) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
10 (9.3.1923)
Date
1923-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IMchOeraleZeitunL Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die Geschästsfielle V«sahrf.Al.5000.- Anreigen: Grundpreis für die 3'/, cm breite mm-Zeile Al. 0.15, Familienanzeigeu Al. 0.10. Bei Wiederholung Ermäßigung. Der Grundpreis wird mit der am Lrjcheinuligstage gültigen Schlüsselzahl des Buches, kb Händier-Börfenvereius multipliziert, m czs Die „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint jeden Freitag, je dreiwöchentlich als wiffeufchaftliche Beilage „Liberales Judentum" und „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugeudvereine". Ar. 10 « Berlin, y. Alär? 1923 » 3. Jahrgang Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin W. S, Alauerftraße 22 lBereiniguug für das liberale Judentum e. B.), Fernruf: Amt Jeutrum ISS. Aureigeu-Auuahme bei der Geschäftsstelle Sämtliche Zahlungen: Postscheckkonto Berlin AW. 7 Ar.l Z70S9(Bereinigung für das liberale Iudeotum e.B.). Lufruf! Die Jüdisch-liberale Jeitung ist den Mitgliedern der liberalen Vereinigung bisher im Milgliedsbeilrag, also unentgeltlich, geliefert worden. Die ungeheuerliche Steigerung aller Kosten läßt ein derartiges Vorgehen weiterhin nicht mehr zu. Line Nummer kostet jetzt schon über eine halbe Million Mark. Mit weiteren Preissteigerungen ist zu rechnen. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der die Probe gemacht werden mutz, ob unsere Mitglieder und Freunde für ihre liberale Weltanschauung die Opfer bringen können, welche Juden anderer Richtungen schon längst gebracht haben. Die grotzen jüdischen Tageszeitungen gesetzestreuer und zionistischer Richtung sind bekanntlich schon lange zum Abonnement übergegangen und erhalten sich auf diese Weise. Wenn unsere Freunde nicht wünschen, daß die letzte liberale jüdische Zeitung in Deutschland verschwindetwenn unsere Freunde nicht wünschendaß die jüdische Oeffentlichkeit fortan lediglich durch orthodoxe und zionistische Berichterstattung beeinflusst werden solldann ist es ihre Pflicht zu helfen. Wir haben den Abonnementsbeitrag niedrig auf Mk. 3000.— für das Quartal April-Zuli festgesetzt und ersuchen unsere Mitglieder, auf beigefügter Zahlkarte diesen Beitrag umgehend einzusendeuda wir rechtzeitig vorher wissen müssenob genügend Abonnenten vorhanden sinddie es uns ermöglichenunsere Zeitung weiter herauszugeben. Wir hoffen auf das bestimmteste, datz das liberale Judentum in Deutschland stark genug sein wird, um diese Probe, die ja nur ein geringes Geldopfer erfordert, zu bestehen. Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum L. V. Die Redaktion der „Jüdil'ch-liberaleu Zeitung." E: Aus dem Zuhalt: Aufforderung jam Abonnement. — Heinrich Stern: Ende oder Anfang? * Zur jüdischen Frauenbewegung. Elfe Dormitzer: Die Stellung der Frau im liberalen Zudentum. — Bettina Brenner: Entwicklung und Ziele jüdischer Frauenarbeit im jüdischen Frauenbund. — 3. Wolfsfohu: Die jüdische Frau und der Antisemitismus. — H. K.: Don den Mädchenklubs des jüdischen Frauenbundes. Herbert Goldschmidt: Der Antisemitismus als Dekadenz-Erscheinung. — Heuriqoe de Bascouceüoe: Die Königin von. Saba. § § § § § § Ol« Mich« fficfjcnnxirt. — Büchertllch. § I § ■e/De/ae/ae/DG/De/öe/öG/DG/De/öG/aG/DG/DG/DG/aG/DG/aG/ae/oB Ende oder Anfang? Von Rechtsanwalt Heinrich Stern, Vorsitzender der Vereinigung für das liberale 3udentum Unsere Leser ersehen aus dem beigefügten Aufruf, datz unsere Jeitung vor einem kritischen Wendepunkt steht. Verhallt der Aufruf, durch welchen wir zum Abonnement auffordern, ergebnislos, so mutz die liberale Jeitung eingehen. Manch Liner, der stch liberal nennt, wird bei dieser Ankündigung die Achseln zucken und sagen: Run gut, dann mutz es eben ohne die liberale Jeitung gehen. Wir aber stehen auf dem Standpunkt, datz wir mit diesem Aufruf die deutschen liberalen Juden vor eine Entscheidung stellen, die nichts Geringeres betrifft als die Frage: Liehen wir am Lnde unserer liberalen Organisation oder am Anfang? Wenn unter den 6000 Mitgliedern der Vereinigung nicht mindestens drei Viertel zum Abonnement übergehen, also von den 600 000 Juden in Deutschland nicht mindestens 1 Prozent das kleine Opfer für die liberale Lache bringt, welches ihnen das Abonnement zumulet, dann ist das Todesurteil über den Liberalismus unwiderruflich, und es braucht ihm niemand eine Träne nachzuweinen. Nicht an schönen Worten, nicht an der Begeisterung allein erkennt man die Stärke einer Anschauung, sondern an der Opfertat, die sie auszulösen imstande ist. Was verlangen wir? Wir verlangen von unseren Mitgliedern einen Vierteljahresbeitrag für die Jeitung, der einer halben Friedensmark entspricht. Für 5000 Mark bekommt man gerade einen sehr mäßigen Theaterplatz. Wir muten also unseren Mitgliedern zu, datz sie sich in einem Vierteljahr allenfalls einen Theaterabend entziehen, um den Gegenwert dem Judentum dienstbar zu machen. Man kann auch sagen, datz wir verlangen, unsere Mitglieder mögen uns das zur Verfügung stellen, was eine Tafel halbwegs anständiger Schokolade kostet. Aus diesen Daten können unsere Leser selbst die nötigen Vergleichsmatzstäbe ziehen. In den letzten Nummern finden sich Mitteilungen über die Gaben aus dem Reich, welche für unsere Jeitung gespendet wurden. Ls war immerhin erfreulich, datz das Interesse sich durch solche Gaben dokumentiert hat. Aber die Höhe dieser Beiträge wird doch bei Vielen Kopfschütteln ausgelöst haben. Glauben unsere Freunde wirklich, datz man mit Beträgen von 250,—, 500,— und auch 1000,— Mark eine Bewegung stützen und fördern kann? Ls genügt uns nicht, datz unsere Mitglieder von ihrem Verdienst soviel geben, wie sie etwa für eine elektrische Bahnfahrt ausgeben, datz sie etwa einen überflüssigen Pfennigbetrag, nach Friedensmark gerechnet, an uns abführen. Wir verlangen ein Opfer, wir verlangen also» daß sich unsere Mitglieder um der Sache willen eine Lntsagung auferlegen, eine Lntsagung, die übrigens für ängstliche Gemüter dadurch erträglich gemacht wird, datz ja bekanntlich alle Beiträge an uns steuerabzugsfähig find. Ls geht aber darum, und das mutz ganz klar und unumwunden ausgesprochen werden, daß der Beitrag für die liberale Sache nicht immer an hundertster oder tausendster Stelle rangieren darf, hinter allen anderen Iwecken, für die man gibt, sondern der Liberale hat die Pflicht, an seine Organisation in erster Reihe zu denken. Denn an uns denkt niemand, wenn wir nicht se!bst an uns denken. All die großen neutralen Wohlfahrtseinrichtungen, denen wir nur das beste Gelingen wünschen können, wurden in allererster Linie von unseren Freunden ins Leben gerufen und wahrlich tätig gefördert. Liberale sind es auch, die in den Gemeinden die sinkenden sozialen Linrichtungen stützen, Liberale sind es auch, die zu den grotzen charitativen Sammlungen in erster Linie geben. Das ist gewiß gut und sott hoch anerkannt werden. Wir machen aber unsere Freunde darauf aufmerksam, datz, wenn sie Politik auf weite Sicht treiben wollen, sie unsere Organisation nicht verfallen lassen dürfen. Wenn es keine liberale Organisation, liberale Propaganda und liberalen Veröffentlichungen mehr gibt, werden die Strömungen nationaler und mystischer Richtung ungehindert das jüdische Leben überfluten können, und auch die großen sozialen und kulturellen Linrichtungen werden in die Hände von Persönlichkeiten kommen, mit deren jüdischer Weltanschauung wir nicht einverstanden sind. Ungehindert wird dann wieder der Instand zurückkehren, datz das offizielle Judentum orthodox ist unter der wohlwollenden Unterstützung der Nationalen, daß man dann zwar sehr gern die materielle Unterstützung und die ideelle Förderung der Liberalen annehmen wird, ihnen ober keinerlei Entscheidung Uber die Führung der Geschäfte, über den Ausbau und die Gestaltung all der Anstalten und Organisationen überlassen wird, zu deren Gründung und Stützung sie das Meiste beigetragen haben. Ls handelt sich nicht nur um die Gleichberechtigung der Liberalen neben den anderen Juden, sondern, was viel wichtiger ist, um die Gleichberechtigung des liberalen Judentums als Weltanschauung und tätig wirkender jüdischer Kraft neben Orthodoxie und Iionismus. Die Kraftprobe konnte in letzter Jeit nicht gemacht werden. Die grotzen Richtungen im Judentum haben den Burgfrieden gewahrt, weil der äußere Feind an die Pforte des Tempels klopfte. Aber es wird eine Jeit kommen, und sie ist nicht fern, wo wir auch einmal wieder kämpfen werden müssen. Kommt die preußische Landesorganisation demnächst zustande, so werden Wahlen stattzufinden haben (in anderen Teilen Deutschlands wird es ja ähnlich sein); diese Wahlen werden vorbereitet und geleitet werden müssen durch eine liberale Presse. Berauben sich die Liberalen ihres einzigen Sprachrohrs, so geben sie damit den Kampf auf und schallen sich aus. Das wird das Ende des liberalen Judentums in. Deutschland sein. Wir glauben nicht an dieses Ende, weil es solch ein Ende nicht geben darf. Wir glauben daran, datz unsere liberalen Freunde, die so viel für Andere getan haben, stch einmal darauf besinnen werden, daß sie auch einmal für stch selbst geben müssen. Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gottl Rach alljüdischer Auffassung wird das neue jüdische Leben ausgehen von dem „Heiligen Rest", der übrigbleiben wird aus Verflachung, Versumpfung, Gleichgültigkeit und Abfall. Auch wir glauben daran, daß dieser „Heilige Rest", dieses Häuflein gesinnungstüchliger, stolzer und opferfreudiger Juden, bei uns vorhanden ist, und daß diese Schar begeisterungsfähiger und begeisterter Männer den Grundstein legen wird zu neuem Wirken und neuem Leben. Ende oder Anfang? Rein oder Ja? W i r stellen die Frage, an L u ch wird es sein, die Antwort zu erteilenl JugendvereiuL-Auzeigeu SM" letzte Leite.

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