Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 5 (2.2.1923)
- Date
- 1923-02-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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finb inhaltlich noch so verschiedene Bewegungen wie hie -er Pharisäer, der Karäer, der spanischen Philosophenschulen und nicht zuletzt der Reformbewegung seit Mendelssohn liberale Bewegungen. Betrachten wir so unsere Anschauungen und Bestrebungen, so sind wir wahrhaft liberale Zuden! Rechtsanwalt Stern: Das Verdienst der äugend ist es, daß sie wieder theoretisiert, daß sie wieder von Religion spricht. Der alte Liberalismus hat das Gerippe der Gemeindeverfassung geschaffen; unsere Sache ist es nun, die Gemeindestuben mit religiös-liberalem Geiste?u erfüllen. Sn der Religion hat auch der Zndividualismus gewiß sein Recht, aber er muß seine Ergänzung finden im Gemeinschaftsleben. Der Gemeinschaftsgedanke ist es, — weit mehr als das praktische Ziel — der dem Zionismus feine große Anziehungskraft geschaffen hat. Davon müssen wir lernen. Den Gemeinschaftsgedanken müssen wir auf die religiöse Grundlage heben. Sn eminentem Sinne jüdisch ist es darum, wenn jüdische Menschen in jüdischer Gemeinschaft etwas für jüdische Menschen arbeiten. Auch die Schaffung des Eentralvereins war ein Ausdruck jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins. Bor allem aber soll sich dies in der kleinsten und engsten jüdischen Gemeinschaft wiederspiegeln: im jüdischen Hause. Rabbiner Dr. Bogelstein: Rach einem Dank für die Referate bemerkt Redner zu dem Gedanken Ellen Littmanns über die Entwicklung, die sie im Sinne.einer Höherentwicklung auffasse, folgendes: Schon Geiger hat von einer fortdauernden Entwicklung, die er durch alle Phasen der Geschichte verfolgte, gesprochen. Da gibt es keine Höhepunkte, weil auf diese ja Stillstand folgen müßte. Das wichtigste ist, daß die Religion etwas Lebendiges bleibt. Sie muß in einem so dauernden Flusse der Entwicklung bleiben, daß sie stets mit den Anforderungen der Zeit in Einklang gebracht werden kann. Um den rechten Standpunkt zu finden, müssen wir immer zweierlei fragen: 1. Steht die Entwicklung im Einklang mit dem, was Zudentum an sich ist? 2. Steht sie im Einklänge mit dem, was die Zeit fordert? Um diese Fragen kommt auch die Orthodoxie nicht herum, auch sie muß sich dem Gesetz der Entwicklung beugen, aber sie tut es widerwillig oder unbewußt, weil sie immer die Religion in ein starres Dogma und starre Formen zu pressen sucht. Zur Frage der Offenbarung, wie sie Ellen Littmann aufgefaßt hat, die die Annahmen der einmaligen Offenbarung ablehnt und auf dem Boden fortdauernder Offenbarung steht, müsse er bemerken, daß er bezüglich des ersten Punktes ihr nicht beipflichten könne. Niemals und nirgends ist eine Gemeinschaft allein aus dem Denken heraus zu dem ethischen Monotheismus gekommen. Dieser Gedanke müsse also den Führern des Volkes wie eine Eingebung — vielleicht etwa der künstlerischen Konzeption vergleichbar — gekommen sein. Wie das geschehen, könnten Menschen nie und nimmermehr ergründen. Nicht den Begriff der Offenbarung gelteeszuleugnen, sonderndieAnnahme der Verbalinspiralion. Die Bibel ist uns ein Buch, das von Menschen für Menschen geschrieben ist. Um zusammenzufassen: Selbsterziehung ist unsere Aufgabe, die schärfste Wahrhaftigkeit Bedingung, die Ziele, die erreicht werden sollen, können nur in langsamer, dauernder Arbeit erreicht werden. Ausgangspunkt und Ziel alles Strebens aber ist: Gost! — Zur Verteidigung der Richtlinien gegenüber den Angriffen von Ellen Littmann müsse er betonen, daß diese keineswegs einen neuen Schulchan aruch darstellen. Richtlinien sind keine Gesetze, sie sollen vielmehr den jeweiligen Stand der Entwicklung bezeichnen. Rechtsanwalt Dr. Schweitzer sieht einen Fortschritt im liberalen Lager durch die Referate dokumentiert. Die scharfe Trennung gegenüber der Orthodoxie sei endlich durchgeführt, wenigstens im theoretischen Sinne. Noch auf der Posener Tagung mit ihren Richtlinien habe das Mißverständnis obgewaltet, als ob der Unterschied von Liberalismus und Orthodoxie darauf hinausliefe, daß wir einige Gebote weniger Hallen als die Orthodoxie. Er habe den Eindruck, als habe man damals noch nicht gewagt, die Konsequenzen des eigenen Denkens zu ziehen. Die Gefahr der Orthodoxie liege in unserer eigenen Zaghaftigkeit, damit sei nicht t>k Gefahr nach außen hin gemeint — diese sei gering gegenüber der Gefahr nach innen. Die Zugend bekomme einen falschen Begriff von Religiosität. Die Richtlinien seien nicht nur in ihrem praktischen, sondern auch im theoretischen Teile bedenklich. Da sei festgelegt, ob Gott allwissend sei oder nicht, und dadurch die Auffassung erweckt, als wollte man gegenüber letzten Fragen irgendeine fertige Lösung bringen. Trotz Ellen Littmann und Ernst Seligsohn glaube er doch an eine Gottesidee; unter ihr ist aber nichts Relatives, sondern etwas Absolutes, Ewiges zu verstehen. Wir ständen vor einer Fülle von Zweifelsfragen und müßten am meisten eines vermeiden: in dem jungen Zuden den Eindruck zu . erwecken, als ob wir ein fertiges Sgstem gäben. Rechtsanwalt Dr. Spitz: Die bedauerliche Zurückhaltung der Zugend in dieser Diskussion zwinge noch einmal die Frage aufzuwerfen: ob wir eine Zugendbewegung seien. Die Antwort laute: wenn wir es noch nicht seien, müßten wir es werden. Hirschfeld hält dies nicht für möglich, weil wir nicht die Lebensreform auf unsere Zahnen geschrieben hätten. Aber wenn wir unsere Aufgabe recht erfaßten, wenn wir die Gottsucher, die Stillen im Lande, an uns zögen und uns in die Bibel versenkten und dann, um uns blickend, das unheilige Getümmel unserer Tage betrachteten, dann würden wir merken, wie weit wir innerlich von dieser Zeit entfernt seien, und würden gleichfalls zur Forderung der Lebensreform kommen. Zei den praktischen Forderungen, welche die jüdischllberale Zugend aufstelle. dürfe ste sich nicht durch die Rücksicht auf die Orthodoxie lösten lassen. Die Schilderung in den Denkwürdigkeiten der Glücket von Hameln, wie Glücket darauf verzichten muß, ihrem sterbenden Mann den Todesschweiß von der Stirne zu wijchen, weil sie nach der wörtlich ausgelegten biblischen Vorschrift gerade „unrein" ist, zeigt deutlich, wie sich Abgründe zwischen orthodoxer Auffassung und Menschlichkeit auftun können. So dürfe uns die Rücksicht auf die Orthodoxie auch nicht hindern, in der Frage der Einrichtung von Gottesdiensten am Sonntag das zu tun, was die Entwicklung und insbesondere die Rücksicht auf die religiösen Bedürfnisse der Zugend erheische. Gerade unter den wirtschaftlich noch unselbständigen Zugendlichen seien sehr viele, denen ihre Berufsarbeit den Besuch des Sabbatgollesdienstes zur Unmöglichkeit mache. Schon um dieser willen müsse er die Forderung von Ellen Littmann nach Einführung von Sonntagsgottesdiensten warm unterstützen. Weit auf am Sonntag die Sguagogen für alle, die hineinwollen! Marlin G o l d n e r : Er komme aus einem Kreise von Menschen, die nicht wüßten, was liberal und was orthodox sei, es nicht wissen könnten, nicht wissen wollten. Zweimal sei hier von der jüdischen Tat gesprochen und zweimal gesagt worden, es gäbe keine jüdische Tat. Ob man das wirklich so sicher sagen könne? Er erinnere an die Zabel vom Weisen und der Eeder. Hieße es nicht auch für uns: Bäume sind alle — Du aber bist eine Leder? Ethisch ist alle Tat, Gestalt wird sie in unserer Relgion als jüdische Tat. Wie scheiden Sie als Liberale zwischen Ewigem und Vergänglichem? Man kann sagen: „D a s Ewige ist unser Gott" — urch kann doch Schma sagen wie unsere Voreltern? Zch glaube, inan kann das nicht. Die Form, die vor uns steht, ist in ein Gefäß gegossen worden von Menschen, die Zuden waren. Zn eine Form, die uns überkommen ist. Warum sollen wir sie ändern? Um eine Zdee zu erhalten? Um überhaupt zu erhalten? Vielleicht kann man versuchen, zu ändern von innen heraus. Und noch ein anderes. Wir sprechen das Schma. Sprechen wir es nur von uns, bekennen wir es nicht für alle, vor uns. nach uns, mit uns? Heißt es nicht einfach, nur seine eigene Eitelkeit, sein eigenes Selbst und alles, was „Zch" heißt, hervorschieben, wenn man sich aufbäumt gegen die Verpflichtung, die man eingegangen ist? Tue ich nicht besser, mein ganzes Sein hineinzustecken in die Worte, die nicht mehr meine Worte sind, weil es die Worte meiner Menschen sind? Sie kennen das Sündenbekenntnis vom Zom Kippur. Keiner von uns hat die Sünden begangen und trotzdem müssen wir und können wir es beten — nicht für uns, für die Gesamtheit. Es ist vom Gottesdienst gesprochen worden und von der Trennung von Mann und Frau. Zst es recht, da etwas zu ändern, ist es nicht auch hier denkbar, daß wir e i n m a l, dann wenn wir vor Gott treten, allein sein wollen, wir allein und mit uns die, die auf uns folgen, unsere Söhne, und die, die vor uns waren, unsere Väter? MaxVogelstein: Unser „Anderssein" ist durch die Offenbarung gegeben! Als Träger des lebendigen Gotteswortes, das wir am Sinai auf uns genommen haben, müssen wir anders sein, sind wir anders. Und dies Gotteswort wirkt durch alle Geschlechter in uns und fordert seine Auswirkung. Mit dieser Auffassung von der Offenbarung ist die Forderung Ellen Littmann's, mit dem traditionellen, vernunftwidrigen Offeubarungsglauben an die Überschreitung aller Naturgesetze zu brechen, abzulehnen. Ein so ungeheures Ereignis bedingte es, daß sich sein Schildere! nicht der gewöhnlichen Ausdrücke, sondern einer methaphorischen Sprache bediente. Für sein Empfinden geriet bei der Offenbarung die Natur aus ihren ewigen Geleisen. Das Gotteswort haben wir am Sinai auf uns genommen. Es lebt in uns. Alle Geschlechts rZsraels , auch die späteren, haben am Sinai gestanden, wie ein altes weises Wort sagt. Dies Gotteswort wirkt sich in allem aus, was jüdisch ist und prägt allem den Stempel auf. Aus dem Begriff der Offenbarung und der Thora ergeben sich grundlegende Momente für die Auffassung des Zudentums. Es ist falsch, das Wort „Thora" mit „Gesetz" wiederzugeben, sondern es heißt: „Weisung", „Weistum". „Richtlinien". Sie will dem Menschen den Weg weisen, den er als Mensch zu gehen hat. Sie rechnet nicht mit den Zahrzehnten des Menschenlebens, sondern mit den Zahrtausenden des Völkerlebens. Auf dieser wohl festen, aber nicht starren Grundlage haben die Propheten weiter gebaut. Zn diesem Sinne haben die großen Lehrer des Talmuds gewirkt. Sie, die man mit Unrecht unproduktiv und verknöchert genannt hat, haben sich ihre Religion geschaffen. Wie sie, darf jedes Geschlecht auf der gleichen Grundlage seine Religion sich schaffen und so die alte Religion erfüllen. Doch dürfen wir von der Religion nicht so wie Lilienthal sagen, daß ihr Ziel und Zweck sei, den Menschen sittlich und gut zu machen. Das ist viel zu wenig! Sie hat die Aufgabe, den Menschen zum Menschen zu machen. Dabei wirkt in ihr in erster Linie das mit, was der „Rationalist" Geiger in die Worte faßte: „Religion ist der Zubel der Seele" oder das in jenem Goethewort in der Marienbader Elegie zum Ausdruck kommt: Zn unsres Busens Reine wogt ein Streben, Uns einem Hohern, Reinern, Unbekannten, Aus Dankbarkeit freimütig hinzugeben, Enträtselnd uns den ewig Ungenannten; Wir heißen's fromm sein. — Aus dieser Religiosität heraus sollen wir auch an die Frage des Sabbat Herangehen. Wohl mag der Versuch gemacht werden, denen, die am Sonnabend nicht in die Sgnagoge kommen können, einen Gottesdienst zu geben, aber der Sabbat mit all dem Großen, das er in sich birgt, besonders aber die Zreitagabendfeier mMe» wir uns erhalten! Erich Bager erwidert Martin Goldner auf feine Frage, woher wir das Recht nähmen, am Ueberkommenen zu rütteln. Er weist darauf hin, daß die religiösen Lehren und Vorschriften von Anfang an nichts Feststehendes gewesen seien, sondern immer in Entwicklung oder Aenderung begriffen wären. Man denke nur an den großen Unterschied der jüdischen Religion vor und nach dem Exil. Wenn auch dem Deuteronomium plötzlich das Gebot auftrete, nur an einer einzelnen Stelle Gott zu verehren, so sei das ein großer Bruch mit der Gepflogenheit, auf. allen Höhen Gott zu verehren. Wenn dann weiter das Gebet anstelle des Opfers gesetzt wurde, so sei das auch eine ganz radikale Aenderung. Und ferner: wenn Kabbalistik und Mystizismus zur Herrschaft gelangten, so waren doch auch dies keine Akte der Willkür, des Uebermuts, sondern ein M ü s s e n, das aus dem ganzen Wesen der jüdischen Gemeinschaft, der jüdischen Menschen entsprang. Warum sollen wir anders sein als jene? Warum sollen nicht auch wir ändern dürfen, wenn wir Religion als tiefes Erlebnis empfinden? Wenn wir uns recht prüfen, hoffen auch wir, die rechte und wahre Offenbarung zu erhallen! Antwort. Auf der Delegiertenversammlung der „Zlis" in Breslau am 25.!2. 22 warf eines der jugendlichen Mitglieder (oder war es ein Gast) die Frage auf, ob und wie weit, wir überhaupt berechtigt seien, Reformen einzuführen und an Althergebrachtem zu rütteln. Seme Worte machten liefen Eindruck auf die Versammlung, weil sie nicht aus Zweifelsucht und Lust am Disputieren, sondern aus inneren Kämpfen und Ringen zu kommen schienen. Die Antwort, die ihm wurde, schien ihm nicht zu genügen; die vorgerückte Zeit machte der Debatte ein Ende. So sei heute nochmals in zwiefacher Art erwidert. — Zunächst durch eine kleine, an und für sich unwichtige Begebenheit, die einen Vergleich mit der aufgeworfenen Frage zuläßt. Zwei in Berlin als noch jugendliche Zunggefellen lebende Brüder veranlaßten nach der Pensionierung ihres alten Vaters die Ellern aus einer kleinen Provinzstadt, nach dort zu ziehen. Da war denn in der doch beschränkteren Wohnung manches von den alten, durch die langen Zahre liebgewordenen Gegenständen im Wege, und es war nicht leicht, die alten Leute zur Zortgabe oder gar Vernichtung an und für sich wertloser Dinge und kleiner, teilweise sogar defekter Rippsachen zu bewegen. Aber schließlich sah man ein, daß es ohne diese viel schöner und gemütlicher aussah. Und 20 Zahre später — der Vater war inzwischen gestorben und der ältere der Brüder verheiratet — kam nach dem Kriege eine Schwiegertochter in die Räume, entfernte weiter Wertloses, brachte neues Eigenes mit, öffnete Schränke und Kästen und stellte schöne Sachen, die sonst nur zu ganz besonderen Gelegenheiten hervorgeholt wurden. zum täglichen Gebrauch hin. Und siehe da. die Wohnung sah um vieles schöner und gemütlicher aus und gefiel auch der alten Mutter besser. So ist's auch mit Zudentum und Liberalismus; der hat im vorigen Zahrhundert etwas mit alten, überlebten Zeremonien und Riten aufgeräumt, die Alten murrten zuerst, haben sich aber schließlich ganz unwissentlich bei den neuen Formen sehr wohlgefühlt. Run kommen wir Neueren und wollen auch noch manches wertlos gewordene abschaffen, dafür anderes, vor allem aber verborgene Kostbarkeiten ans Tageslicht und damit erst recht zur Geltung bringen. Die alte Mutter, das Zudentum, wird sich auch in der neuen Umgebung sehr wohl fühlen. — Und nun noch eine Antwort auf andere Art. Ritualgegenstände, wie Seforim, Talessim, Tefillim. werden im Laufe der Zeit durch besondere Umstände früher oder später „possul", d. h. religionsgesetzlich nicht mehr verwendungsfähig; sie müssen dann ausgebessert oder vernichtet werden. Auch ganze religiöse Zeremonien, Gebräuche und Gebete sind manchmal dem Geschick unterworfen, „possul" zu werden. Wenn wir merken und fühlen, daß diese Zeit gekommen, müssen wir sie ändern, verbessern oder, wenn das nicht möglich, aufgeben. Das ist nicht nur unser Recht, sondern sogar unsere Pflicht als denkende, wahrhaftige Anhänger eines lebendigen, ewig jungen Zudentums. — Z. Wo! fssohn - Breslau. Aaturgefiihl. Bon Rabbiner Dr. Gottschalk. Wenn man sich die Bilder der neujüdischen Maler auf ihr Verhältnis zur Natur hin ansteht, so freut man sich, zu erkennen, daß ihr Blick auch darauf eingestellt ist. Lesser Urg und Hermann Struck in ihren mehr düsteren Farben, Liebermann und Levitan in helleren stnd Künstler des Raturbildes. Und was von den neujüdischen Malern, gilt von den neujüdischen Dichtern und.— was besonders zu beachten — auch von den ostjüdischen. „Wieder blüht es auf den Feldern, wieder grünt es in den Wäldern, wieder glänzt es überall, wieder singt die Nachtigall" — dichtet Rosenfeld. Bialik steht am Meer und gibt seiner Stimmung in den Worten Ausdruck: „Meeresstille raunt Geheimnis. Tiefes Schweigen überall, unten an dem Mühlenbach plätschert, rauscht der Wasserfall." Und Pere; redet seine Palme an: „Dein Schatten, Palme, birgt Zauber. An deinem saftgrünen Stamm schwindet mein Ungemach hin." Wenn sich so aber der neue Zude wieder der Natur zuwendet, ist er nicht durchaus damit der alte? Strömen die Psalmen nicht von Zeugnissen dafür über, daß in unsern Vätern ein starkes religiöses Raturgefühl