Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 52 (29.12.1922)
- Date
- 1922-12-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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und mannigfaltig ist auch der Inhalt. Die hebräischen Dichter singen auch von weltlichen Dingen, und mancher, wie der übermütige Immanuel Romi, der jüdische Freund Tante Alighieris, hat Wohlgefallen am Schlüpfrigen. Allein das Tiefste der hebräischen Poesie bleibt wie in der Bibel das Religiöse. Das Religiöse ist ein Heiligtum der hebräischen Poesie, das Allerheiligste. Wer mit den Herausgebern die 16 Jahrhunderte dichterischen Schaffens durchwandert, merkt bald, daß nicht nur die dichterische Schöpferkraft des jüdischen Volkes, sondern auch die hebräische Sprache lebendig geblieben ist. Biele von den Gedichten unserer Sammlung sind ins Deutsche übertragen worden, aber keine Nachbildung kann auch nur eine Ahnung von der leuchtenden Schönheit und Wärme des Originals vermitteln. Wer hebräisch versteht, dem wird das vorliegende Buch weihevolle Stunden und Ewigkeitsgedanken bringen. Dr. Bergmann. Literarische Nachrichten. ' Die hier angezeigten Werke können keiner eingehenden Würdigung unterzogen werden, weil ihr Erscheinen längere Zeit, teilweise mehrere Jahre zurückliegt. Die im Jahre 1922 erschienenen Bücher besprechen wir bis zum 1. Juli 1923. Die Redaktion. Zur Besprechung gingen ein: „Die Briefe Peter Hilles" und „Der Wunderrrbbi", von Else Lasker-Schüler, Verlag Paul C a s s i r e r, Berlin W. 10., Eugen Hoeflich, Feuer im Osten, Verlag E. P. Tal är. To., Leipzig. Wien, Zürich. — In dem von orientalischem Geiste durchgluteten, schönen und aufrüttelnden Buch pflanzt «in am Judentum leidender Europäer die Fahne der Menschheitserlösung durch Bruderliebe auf. Ariel Bension, Die Hochzeit des Todes. Mit einem Geleit von Richard Beer -Hofmann, Verlag E. P. Tal L Co. Elijah u Rappeport, Das Buch Jeschua des Elijahu Ben Lasar, Verlag E. P. Tal & Co. Magnus Schwantje, Hat der Mensch das Recht, Fleisch zu essen?, Verlag „Bund für radikale Ethik", Berlin D. 15. — Diese grundlegenden Ausführungen 6es Bundesvorsitzendcn bereichern uns durch die Klarheit der Begriffsbildung. Emil Felden, Die Sünde wider das Volk, Verlag Oldenburg & Co., Berlin SW. 48. — Mit diesem Kampsroman hat der bekannte Hauptpfarrer an der St. Martinikirchc in Bremen Dinters Schmutzbuch „Die Sünde wider das B l n t" geistvoll und vernichtend widerlegt. *+«44»4«»4444444444»4444»44444»4 4 »»4« 444 444444« >♦♦♦«♦» »♦♦♦♦♦ «»♦♦♦♦+♦»♦*«*♦♦♦♦♦♦♦ Antworten ♦♦♦44444? »♦♦4«»» ♦♦444444444444444»444»444444»444»44»4444♦♦♦444444444444444444444 Hei«; Joel, Berlin. „Ehe wir diese Stunde der Andacht schließen, wollen wir uns mit denen, die ihrer teuren Verklärten gedenken, in frommem Gebete vereinigen." So leitet, in Berliner Synagogen, der Rabbiner das Schlußkaddisch ein. Ob also die übrigen Kaddischgebete nicht in frommem Geist gesprochen werden sollen, warum gerade dieses Kaddisch herausgehobcn werde, fragen Sic. Und knüpfen daran die Forderung, daß der Dorspruch des Rabbiners „als leere und widerspruchsvolle Förmlichkeit" ans dem Gottesdienst entfernt werde. Der Ansicht können wir uns nicht anschließcn. „Keinen Kadosch wird man sagen. . . /' E. I. Porihky hat's, nach Heines Vorgang, als schlimmste Seelenächtnng beseuszt. Wir leiden an dem Uebersluß der Kadoschs. Man begnüge sich mit dem Schlußkaddisch, — und die Aufforderung des Rabbiners wird mit ihm eine der Würde des Totcngebets entsprechende Einheit bilden. I AtiSaoter c&lumnlftreTlBemper ftliqild tiaeret» Sie schreiben! „Das Judentum hat unser Vaterland zugrunde gerichtet" —' und verschweigen Ihren Lesern, welch' große Zahl jüdischer Soldatengräber, jüdischer Kriegskrüppel, Kriegerwaisen und Krkegerwitwen cs in Deutschland gibt. Eigenartig ist Ihre Wahrheit, eigenartig ist Ihre Liebe, Herr Domprediger. Sie schreiben: „Das deutsche Schrifttum wird geleitet und beherrscht von 260 satzungsgemäß rein jüdischen Geschichte- und Literaturvereinen, die zu einem Verband zusammengeschlossen sind und einen unsprengbaren, alles ihnen unvorteilhaft Erscheinende ausschließenden Ring bilden", — und beweisen damit zweierlei: 1. Ihre Unkenntnis des deutschen Schrifttums; 2. Ihren Wunsch, den Verband jüdischer Geschichts- und Literaturvereine zu verleumden. Sie schreiben von „dem großen Hassen der Bensi Berith gegen die Gojun, die ihnen auf der Stufe niederer Tiere stehen" und schämen sich nicht, trotz dieser Verleumdung den Namen Christi im Munde zu führen, von dessen Geist sie an. scheinend auch nicht einen Hauch verspürt haben? Fürwahr, Herr Domprediger, eigenartig ist Ihre Wahrheit, eigenartig ist Ihre Liebe. Doch nicht nur eigenartig ist was Sie sagen, unsinnig ist's auch, unsinnig wie die Lösung die Sie gefunden haben: Verbrüderung von Antisemitismus und Judenmisston. — „Lüge und falsches Zeugnis, Verleumdung und Verdächtigung Beschimpfung und Ehrabschneiderei— da? ist die Taktik des Antisemitismus". Dieser Satz von Johannes Müller tut Ihnen weh? Er sagt die Wahrheit. Domprediger Bernhard Goesch, Schwerin. „Wahrheit und Liebe! — jedes Urteil, das wir fällen, für jedes Wort, das wir Prägen, für jede Zeile, die wir schreiben, sollen das unsere Leitsterne sein". Mit diesen Worten beginnen sie ihre Schrift über „Die Judenfrage und wir Christen", die kürzlich in der Deutschen Evangelischen Verlagsg e s e l l s ch a f t erschien. Ein edler Vorsatz. Leider aber nur ein Vorsatz. Oder auch das nicht einmal? Vielleicht nur ein Täuschungsmanöver? Seien Sie ehrlich, Herr Domprediger: Der Leitstern Ihrer Schrift ist nicht Wahrheit und Liebe, es ist, verzeihen Sie, wenn die Wahrheit hart klingt, die Verleumdung. Nachdruck sämtlicher Originalbeiträge nur mit Ge» nehmigung der Redaktion gestattet. Eingesandte Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Rückporto beiliegt. Ill sälsspss die geborene Mgenöreich. Ein Großstadtroman von Oskar JonS Miltman. (Schluß.) - Krausnicker las das Schreiben bedächtig, wie es seine Art war: „Mr. Jonas Rosenthal, Berlin, Germany, 44 Klosterstraße. Vor dem Unterzeichneten Rechtsanwalt und Notar hat der ihm von Person bekannte Mr. Siegfried Rosenthal, New Pork City 82 W. 124 Street wohnhaft, letztwillig und jedenfalls mit Gültigkeit vom 1. Oktober d. Js. verfügt: Es soll dem Fräulein Regina Tugendreich oder ihren rechtmäßigen Erben aus seinem Vermögen der Betrag von 100 000 Mark nach der Währung der Vereinigten Staaten ausgezahlt werben. Er ersucht Sie, als seinen Bruder, indem er alle Unkosten zu ersetzen verspricht, diese Dame, die ihm vor seiner Auswanderung hierher nahe gestanden hat und im Jahre 1887 in Berlin wohnhaft war, ausfindig zu machen, damit auf dem Konsulatswege alles Erforderliche veranlaßt wird. Für den Fall, daß die genannte Regina Tugendreich ohne leibliche Erben verstorben sein sollte, ist eine anderweitige Bestimmung getroffen. Ich sehe Ihrer Antwort binnen Monatsfrist entgegen. , % Mit vorzüglicher Hochachtung W. B. Sorsby, ' Attorney and notary. 2 Broad Street New Dort City". Krausnicker sah immer wieder auf das Papier und räusperte sich: „Setzen Sie sich doch, mein lieber Herr Rosenthal, falls Sie eS nicht sehr eilig haben." Jonas nahm gehorsam seinen Platz ein. „Es ist mir doppelt lieb", fuhr der Rabbiner fort, „daß Sie mich in§ Vertrauen ziehen. Denn zufällig kenne ich sogar das frühere Fräulein Tugendreich und ihre Kinder. Ilnd nun — Sie dürfen es als eine Fügung Gottes betrachten, — ist Ihnen zwar die Mutter noch unbekannt, aber unsere Minni Witt keine Fremde. Sie ist Ihres Bruders Tochter, und wenn ich es auch schon früher gewußt und für mich behalten habe, nach diesem Brief und, da Sie schon vorher bereit waren, den Kindern den Weg zu ebnen, darf ich Ihnen alles sagen." — JonaS weinte in sich hinein, aber sein Schluchzen war Freude und Dank. Krausnicker näherte sich ihn: in Ergriffenheit: „Ich freue mich, daß ich als erster gratulieren kann. Sie haben sich wirklich gute? ansgebeten. Wie beruhigt wird Ihre Gattin sein!"- Es war eine fröhliche Hochzeit. Zuerst die Trauung in der Liudenstraße! Die Diener trugen die großen Kerzen voran, Theodor Sachs führte Regina, dann kamen Rosenthals. Jettchcn sah um sich die Creme von Berlin und ihre getreuen Heerscharen, die bis zum allerletzten Winkel den Tempel füllten. Die Stangen des Trauhimmels hielten die Heroen des Ratskellers, Brahm, Levy und Jadi und natürlich Bruder Ottchen, dem der neue Eckardhut mit sanfter Gewalt aufs Haupt gepreßt werden mußte. Fräulein Ballerstedt tvar ebenfalls unter den Zuschauern und meinte wehmütig im Kreise der F. und F. Angestellten: „ES ist ganz gut, daß mal eine von uns ihr Glück macht!" Als das Brautpaar durch den Mittelgang schritt, erhob sich jenes impulsive Bewnnderungsah, das Minnis Schönheit beanspruchen konnte, und während unter Deckerts Meisterhand die herrliche Ludwigsburger Orgel ihre süßen Weisen perlte, erfüllte sich der Segen der frommen Großmutter Michele. Auch zwei alte Bekannte hatte der Zufall zu diesem feierlichen Akt geführt. Herr Lippmann und Propst Skladny waren nach Berlin gekommen, um einer Freifrau von Massenbach, der die posensche Kleinstadt mancherlei gutes verdankte, das letzte Geleit zu geben. Nack) Erledigung ihrer Funktion wußten beide wirklich nichts besseres anzufangen, und so sah Romuald von sicherem Versteck auf den Brautzug und seine Lippen murmelten ein Ave Maria, daß der liebe Gott (jüdische Abteilung) nicht übel genommen hat. Am treffendsten faßte als Meister der Kritik und bestaunter Ehrengast, der alte Professor Maybamn beit Gesamteindruck zusammen und schmunzelte, gegen Kraus* nicker gewandt: „Napoleon in Erfurt!", und als der ihn fragend ansah, rechtfertigte er seinen Vergleich einigermaßen mit dem Zusatz: „Ein Parterre von Fürsten!" — Vom Hochzeitsmahl hat ein gewissenhafter Chronist noch zu vermelden, daß die alte Witten den gottesdienstlichen Aufmarsch nicht mitgemacht batte und in mumienhafter Grandezza zur Linken von I. L. Brahm thronte. Sie aß und trank übrigens tüchtig und gewissenhaft und verarbeitete daneben alle ungewohnten Eindrücke. Als ihr Nachbar nach dem Vortrag des Tischgebetes, der Korona „gesegnete Mahlzeit" mit demselben Singsang wünschte, wollte sie durchaus wissen, „ob das so sein muß? Denn sowat kann ick doch nicht nachmachen!" — Auch Ottchen war hinreichend beschäftigt. Er saß seiner Mutter gegenüber, die im Schwarzseidenen nnd, ein Spitzentüchlein in der Hand, in Freude und Wehmut zerfloß, und immer wenn ein Tafellied oder Trinkspruch in Rührung anszuarten drohte, ging er gehorsam um die Ehrentafel herum und reichte ihr das seiner Verwahrung anvertraute, solide Nasenputzzeug. Das Fuchsmajorat der Tafel, wenn mau so sagen darf, hatten Herr Held nnd seine Marie inne. Dem stämmigen Paare wurde andauernd eine „glückliche Nachfolge" zugeprostet. Jcttchen parierte diese Rufe regelmäßig mit dem leisen Protest: „Das könnte mir noch fehlen!" — Der Schutzengel der Dircksenstraße hatte ehrenamtlich auch die Schichtung der Telegramme übernommen und Marie eigenmächtig die Zensur der Drahtsprüche. Es war recht von ihr, Ebbas Glückwunsch vom Verlesuugsstoß auszuschliehen; leider verfiel auch Etlas Gedenken diesem Geschick. Was sonst vielleicht vom Ehestand der jungen Rosenthalc zu sagen wäre, gehört nicht mehr in diesen Bericht über Minni Witt, die eine geborene Tugcndreich war. Denn auch den Lieblingen des Schicksals lacht nicht immer das Glück, und es kam die Zeit, die nach dem Wort des alten Ezechiel sich pingcgraben hat mit Weinen und Seufzern und Wehklagen. Gottesdienst Breslau Alte Synag. Neue Syn ag Freitag 29. 12. Beginn . abends 4.00 4.15 Predigt. 4.30 Sonnabd. 30.12. Beginn. morg. { 6.45 9.00 9.30 SdtrifterklSrung. . . vorm. — — Jugendgottesdienst . nachm. Schluß. abends 4.41 4.41 An dan Wochen- 31.12 bis Beginn .... morg. 7.00 7.15 tagen 5.1. Beginn . . . . . abends 4.00 4.15 Konfirmationen in der Alten Synagoge am 30. Dezember '- Heinz Cohn (Vater Alfred), AugustastraBe 51; Gustav Schwersenskl (Vater Moritz). Göthestraße 14. Konfirmationen in der Neuen Synagoge am 30. Dezember: Albert Prager (Vater Snlo), Kürassierstraße 20; Karl Fei busch. Kurfdrstenstraße 37. XGMGX6X(iK<5»GXGHMM«>Xi>MO)R>Ki»R>X!»C fpelzwaren! 8 Reichhaltigste Auswahl in 3 I Seal- und BEberette- 8 | Mänteln, Pelzjacken 8 8 in erstklassiger Verarbeitung A | Pelzgarnituren | X aller Art M 8 Umarbeitungen u. Reparaturen 8 6 prompt und billig 3 iGolombek £ CoJ | Breslau, Gartenstraße 34 m « -vis-a-vis Konzerthaus w XQK€ü(eMQtfeM<2XQIIMX0X0H0M!>IKS)M9HS>M Heirats-Gesuche haben bei der weiten Verbreitung der „I. L.Z/ in den beste» jüdischen Kreisen durch eine Anzeige in diesem Blatt zufriedenstellendste Wirkung. WMMMM jiH-liMer ligewMe DtotnliM. Ili-Breslau. Büro: Höfchenstr. 61, 11.1. Atn Montag, den 1. Januar 1923 findet kein« Veranstaltung statt. Voranzeige! Montag, d. 8. Januar 1923, Vortragsfolge des Herrn Rechtsanwalt E. Spitz: Ili-Berlin. Böro: W 8 Mauerstr. 22 Amt Zentrum 162. Donnerstag, den 4. Januar abends 8 Uhr, im 2. Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde, Rosenstraße2 - 4(Bhf. Börse) Vortrag von Herrn Rabb. Dr.Weyl über „Das Buch Hiob.“ Nächster Vortrag: Donnerstag, den 18. Januar. Licht un Bmlain billigst — ItnBvÜllgst Störungen sofort Elektros^Eichwald B r e s 1 a i^Uoorzen-Odlv 6 (am Karlsplatz) Tal.: Wng 8982. Sanatorium Knnmrfc 700 m ü. M. mit eigenem 3 ha großem Naturpark. — Sonder- Heilanstalt für Herz*, Nerven« u. StoflwechaeMr&nlte. Ganzfihrlger, klinischer Betrieb. Individuelle Behandlung. Beschrankte Patiemenzahl. Dr. Joh. Haedicke. B erliner riefmarken- Zeitung gratis. Viele GelegenhelUangebote. Barankauf von Marken und kleinen u. großen Sammlungen. Philipp Koaack & Co. Berlin C 2, Burgstraße 13. Kaust nur bei Inserenten! Schlaf- Zimmer Eiche» hell, vornehme Form, äußerst preisw. A. Sprotte BreSlau, Breitestr.15. Permanente Ausstellung rmoderner Wohnräumen J. 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