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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-12-15 · 50 (15.12.1922) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
50 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«.tTT-P'»’!’ MWWWWW WW >?U>WWIWWMV7 Felix v. Lnschan, Böller, Raste«, Sprachen. Berlin 1922, Weltverlag. Der Verfasser ist der Direktor des Museums für Völkerkunde in Berlin und hat sich seit einem halben Jahrhundert mit anthropologischen Studien beschäftigt, sc» daß er auf diesem Gebiet eine unbestrittene Autorität ist. Wenn die Resultate zu denen er in diesem Buch: kommt, ihn uns als einen unserer Gesinnungsgenossen erscheinen lassen, so können wir das mit aufrichtiger Freude begrüßen. Luschan vertritt die Ansicht von der Einheit des Menschengeschlechts. Er bestreitet das Vorhandensein bestimmt abgearenzter Rassen und ebenso den Grundsatz, daß die eine oder die andere Gemeinschaft aus körperlichen Gründen millderwcrtig mit Bezug auf ihre Ethik sei. Wenn er das auch über uns Juden sagt, so können wir auf dieses Zeugnis stolz sein, und seine Ausführungen hierüber werden sich die Antisemiten nicht ins Stammbuch schreiben. Auch den Nationaljuden können seine Ausführungen nicht angenehm sein, die etwa in folgenden Sätzen gipfeln: „Bon einer arischen Rasse zu reden, ist ganz unzulässig, und gar von einem arischen Schädel oder einem arischen Gesichlstypus zu sprechen, ist, wir schon Max Mülle: gesagt hat. ebenso töricht, als wollte man von einer langköpfigcn Sprache oder von einer brünetten Grammatik reden. Besonders verfehlt ist schließlich die in den letzten Jahren in Mode gekommene Anwendung des Wortes „arisch" im Gegensatz zu „jüdisch"; wir werden bald sehen daß die heurigen Juden somatisch sehr viel mehr zu den alten Vorderasiaten als zu den Semiten gehören und daß sie in diesem Sinne die allernächsten Verwandten der Armenier sind, also ausgesucht gerade derjenigen Leute, die eine im engsten Sinne des Wortes arische Sprache reden." — „Es ist völlig unwissenschaftlich, vom „Charakter" der Juden zu sprechen, weil da naturgemäß oft reiner Zufall und persönliche Zu- oder Abneigung eine große Rolle spielen und das Urteil trüben." Es würde zu weit führen, hier zu wiederholen, was der Verfasser über die Kriminalität der Juden und deren Ursachen, über dir ursprüngliche Bedeutung des Hakenkreuzes und dergleichen sagt. Ganz abgesehen von der unglaublichen Fülle von Material, das er dem suchenden Lwen auf dem Gebiete der allgemeinen Anthropologie gibt. Mit einem Worte, ein gutes Buch, dem wir besonders auch in den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen recht weite Verbreitung und eifriges Studium wünschen. Vielleicht wird man dann auch bei uns aufhören, von Stammes- und Rasseueigentümlichkciten, von Dlutsgcmeinschaft und ähnlichen mystischen Dingen zu reden. Robert Hirsohfeld. r Antworten »444444444M4444444»««44 44444«*» 44444 «444444444« 4444444« 4444444« 444« 4444 4 Lotte Werner, Hannover. Vielen Dank für die Ucberseudung des „hannoverschen Couriers" vom 16. November! Die folgenden Sätze, die sich inmitten von klugen Bemerkungen über den Geist des Jiddischen und das Ghettorührstück, in eurer Kritik des Herrn von B zu einer Anfsührung des Gordin-Theaters im dortigen „Deutschen Theater" finden, verdienen festgehalten zu werden: „Und inmitten all der Theatcrwirlsamkcit gab es Stellen, die aushorchen machien. Wenn der Mann sagt: „Ich habe gel-tten" und die Frau: „Alle Menschen leiden —" und wieder der Mann: „Aber ich habe unendlich gelitten" Und die Frau: „Alle Menschen leiden unendlich . . . ." — und, wenn dos sehr still gesagt wird, ganz selbstverständlich, mit einem großen Wissen um Leid und Resignation: dann öffnet siaugenblickslang das Verstehen für den uralten Kummer, der manchmal aus Judenaugen blickt...!* Wie gern hört man in diesen Tagen des Hasses doch so gütige Worte aus dem Munde eines verstehenden Kritikers! Dr. Sachs, Berlin. Sie wundern sich darüber, daß Herr Rabbiner Dr. Loewenthal, als Sie in der Synagoge Kaiserstraße das Morgcngebet verrichteten. Sie wegen des Nichtanlegens der Tefillin zur Rede stellte und Sie so aus dem Gotteshause vertrieb? Aber das ist doch weiter nicht verwunderlich. Die Herren, die seit Samson, Raphael Hirsch nichts gelernt und nichts vergessen haben, die Liberale zu hetzen und zu jagen Pstegen, haben eben über den Kleinigkeiten des Zeremonials den Blick für jüdische Geistigkeit völlig verloren. Mögen Israels Tempel, die Stätten reiner Gottesverchrnng veröden — wenn nur Tur und Crach Chajim Menschenwerk, als steinernes Zeugnis der Vergangenheit auf den Trümmern der letzten Synagoge ragen. Kurt Loewenstem, Berlin. Angesichts der ständigen Behauptung orthodoxer Antoritäten, daß der Besuch eines Orgelgottesdienstes keinesfalls als Erfüllung der religiösen Pflicht gelten könne, ist es allerdings interessant, daß Herr Dr. Salomon T i k t i n, ein Nesse des berühmten orthodoxen Landcsrabbiners Dr. Tiktin, Breslau, miitcilt, sein Onkel habe zweimal in einem Orgelgottesdwnst amtiert. Zum ersten Male hat Tiktin bei der Einweihung der Breslauer Neuen Synagoge das Weiheaebet gesprochen, das andere Mol hat er bei einem Festakt aus Anlaß des 15(siährigen Jubiläums der Chewra-Kadischa in derselben Synagoge, nach den Klängen von Orgel und Chor, die F e st p r e d i g t gehalten. Was wieder einmal beweist, daß wahrhaft religiöse Gesinnuna stets mit Toleranz vereint ist. Oie geborene Digenöreich. Ein Oroßstadtroman von OSkar Jons Miltman. (83. Fortsetzung.) - Gerade verließ unten Jonas seinen Sitz und sah zu seiner Frau hinauf, wie eS an diesem Tage seine Gewohnheit war. Also bezwang sie sich und lächelte hinunter, wo die Männer im Schmuck der Gebetmäntcl urtb der weißen Käppchen fitzen und mit den eingestrentcn Eylindern ein unendliches Meer in den Preußenfarben wogen und wellen lassen. Auch Minni war erblaßt und dachte an Flucht, aber Messow versperrte den Rückweg. Denn schon neigte sich der Tag, und es kam die Stunde, wo die scheidende Sonne mit goldenem Schein die Wipfel der Bäume küßt. Sic wob ein schimmerndes Band durch die Fenster und senkte in alle Seelen die uralte, feierliche Stimmung des Zionstempels, da man die Lichte entzündete, bevor sich feine Pforten schlossen. Vom Himmel hernieder schwebte mit dem Oelblatt der Versöhnung die Taube des Friedens. Es wurde ganz, ganz still im Hause Gottes, und jedes Gemüt erwartete inbrünstig die Stunde der Gnade und des Erbarmens. Krausnicker begann leise seine Predigt. Wie aber ein Vogel sein Gefieder spreizt und mit ausgcbreiteten Flügeln zum Aether aufsteigt, erhob sich seine Rede zu Kraft und Gewalt. Er sprach von dem ungehorsamen Propheten, der in die Irre ging und die Flucht vor Gott für sein Heil hielt. „Doch das Wort des Ewigen erging an Jonas zum zweiten Male", und da schlug ihm das Gewissen und er gehorchte seinem besseren Selbst. Er rettete seine Seele aus der Unterwelt und seine Menschenbrüder kurz vor dem Verderben. So spricht zu einem jeden von ■■■■■KniwKMfMuananasHnBBBnMuaBBafliMBHHBaMMi uns Gott ein zweites Mal, und an uns liegt es, ob wir, gereift und einsichtiger, seinen Ruf beherzigen und unsere Sünden und Unterlassungen gut machen durch den Dienst an den Fremden und Fernen. Wohl dem, der in dieser Stunde sich durchriugt und alle Schwierigkeiten und Vorurteile in sich und um sich besiegt durch volle Liebe und Versöhnlichkeit! Ihm wird der ganze Segen des gottgeweihten Tages, Friede und Zuversicht geleiten ihn hinaus in die Lebensnacht, als leuchtende Sterne. — Unten saß Jonas mit gebeugtem .Haupt, und jedes Wort traf ihn ins Herz. „Er spricht zu mir, er spricht für mich, und ich werde mich Gott nicht mehr entziehen!"; dabei faßte er Maxens Hand. XV. Als das Ehepaar Rosenthal nach Festschluß beim erquickenden Abendbrot saß, dem auch der Herr Sohn seine seltene Gegenwart schenkte, berichtete Marie, der Briefträger sei vormittags mit einem dicken Brief, der unterschrieben werden müsse, in der Wohnung gewesen und werde morgen früh wiederkommen. „Er ist bis von Amerika!", setzte sie beim Abräumen hinzu, c!s Max sich, wie üblich, schon wieder empfohlen hatte. Jonas, der nach einem llebcrgcmg suchte, meinte: „Von inen: kann er sein, wir haben doch nur den einen dort? Ich fürchte, es ist nichts gutes, denn er hat nie geschrieben! Laß cs sein, was auch immer, ich will Dir sagen, mein Kind, wozu ich entschlossen bin!" — „Ehe Du weitcrsprichst", unterbrach Jettchen, „mußt Du erst wissen, daß ihre Mutter heute auf dem Plaü von der Frau Dr. Krausnicker neben mir gesessen hat. Wäre das Mädchen nicht gekommen, ich hätte auch jetzt noch keine blasse Ahnung!" — „Nun und?" — „Es ist weiter kein Und dabei! Ich kann nicht leugnen, sie macht einen anständigen Eindruck, aber die ganze Sache herzt mich nicht, und ich bin ganz krank, wenn ich nur daran denke, was mir bevorstehi". — „Wir wollen nachgeben, Jettchen, vielleicht ist cs zu seinem Glück!" — „Dann müßte ein Wunder geschehen, und an Wunder glaub' ich nicht mehr! An Wunder glaub' ich nicht mehr!", wiederholte Frau Rosenthal, aber ihr Widerspruch hatte viel an Kraft verloren. Kurz nach acht kam der New Yorker Brief. Jonas las lange und telefonierte ins Geschäft, daß er erst spater kommen werde, nahm Hut und Mantel und fuhr mit der 19 zu Krausnicker, den er auch glücklich antraf. Nach einleitenden guten Wünschen und dem Kompliment, daß es in ganz Berlin nur eine Stimme über die wundervollen gestrigen Predigten gebe, begann Jonas: „Herr Doktor, einem Rabbiner kann man alles sagen. Ihre Worte haben mich lurgeführt. Sie waren für alle gesprochen, aber für mich bestimmt. Sie wissen, wie es uns mit unserm Max geht, und was alles dagegen spricht. Der Junge läßt aber nicht davon, und wenn ich auch sonst meiner Frau jeden Willen tue, ich will mein Kind nicht verlieren und ich will auch das Mädchen nicht unglücklich machen oder, Gott behüte, an Schlimmerem schuld sein. Und sehen Sic, Herr Doktor, heute früh kommt dieser Brief und zeigt mir, wie vor achtzehn Jahren mein einziger Bruder wegen derselben Sache nach drüben gegangen ist. Was ich damals an ihm gesündigt habe, will ich an nreincm Sohn gut machen! Helsen Sie mir, Herr Doktor, Sic kennen doch so sehr viel Menschen, vielleicht laßt sich die Adresse ausfindig machen, denn ich muß gestehen: Ich habe die Bctrcsscnde nie gesehen, nie gekannt und mich leider auch nie darum gekümmert!" — In der Erregung war Jonas aufgestanden. (Schluß folgt.) Gottesdienst Breslau Alte Synag. heue Synag Freitag 15. 12. Beginn . abends 4.00 4.00 S onnabd. 16. li Beginn. morg. { 6.45 9.00 930* Neumondweihe. . . vomn. 10.00 10.01 Predigt. m 10 15 10.15 Jugendgottesdienst . nachm. 4.00 4.00 Schluß . ..... abends 435 4.35 Rn den Wodien- 17.12 bis Beginn. morg. 6.45 7.15 tage« 22.12 Beginn . . . . abends 4.00 4.00 *) Beginnt mit Hallei. Konfirmation In der Neuen Synagoge am 16. Dezember: Ernst Schamparier, Agnesstr. 8. Vater: Beamter. Oesfentliche Festversammlung anläßlich de« zehnjährigen BestebenS des m-ülwa!. MkMrreiS5 Almtzuin Mm, Breslau DienStag, den 26. Dezember 1928, vormittagll1/- Uhr im Saal« der Gesellschaft der Framde. Festrede: Curt Brienltzer. DOOooaoQoaoaaotiiioaooaooooooaooo o Zahle für o 1 Brillanten, Platin, Gold, Silber l ° auch Uhren £ ° die höchsten Tagespreise. ° o Streng reelle und fachmännische Bedienung! o § Fachmännischer Leiter: q SB. 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Dezember 1922: Delegiertentagung und lOjiihr. Stiftungsfest. Dienstag, den 26. Dezbr. 1922, abends 7 Uhr, im Saale der „Gesellschaft der Fieunde", Heue Graupenstraße 3/4, anläßlich des lOjähr Bestehens: Gessllsdiaflsabend mit Ball. Eintrittskarten zum Preis: von M. 100.— exkl. Steuer an der Abendkasse. lü^'Berlin, Büro: W 8 Mauerstr. 22 Amt Zentrum 162. Mittwoch, den 20. Dezember, abends Vs 8 Uhr, in der Gesellschaft d. Freunde, Potsdamerstraße 9: Chnm-Feler. Festrede: Herr Rabbiner Dr. Galllner. Anschließend: Geselliges Beisammensein mit Vorträgen u. Tanz. Eintritt 60 Mk. Karten bei Arthur Danziger, NO., Barnimslraße 11 (Königstadt 4123) und im Büro W. 8, Mauerstraße 22 (Zentrum 162). Nächster Vortrag: DMneritiig,4. Januar. Neu erschiene»! erschienen! anläßlich des zehnjährigen Bestehens d«S jlldifcy-llderalen Zugenbverelns Abraham Seiger, Breslau Mit Beiträgen von Hnsti,»at Beruh. Breslauer. Rabb. Dr. Bogelstcui, ffrih Etoll, Robb. Dr. Rieger, Rechtsamv.h. Stern,Rabb.Dr.Eeligmanir Zu beziehen zum Preise von 180 Mark für Mitglieder und 200 Mark für Nichtmttz lieber durch Alfred Berger, Bretlau", HLscheustraßeßl. (Postscheckkonto Breslau 17y43). Deutsche Dampffischereigesellschaf- Nordsee“ 99' Geschäftsführer Feodor Trapp Breslau. Schmledebrllcke 19, reehts vo.n Rin« ilUl aus. Fernsprecher Ring Nr. 5;50 u 5.91. Uii« Neue Schweldnltzerstr. Sa, rechts v. nUl der üartenstraße aus. Fernspr. Ring 4^23. Wöchentlich mehrere h ühlwaggons frische Seefische direkt aus unseren elgenan Fischdampfern zu kor kurrenzloa billigen Preisen.?eiielebende1(arpfen für die festtags Billigste Bezugsquelle für Wiederverkäufer Große Auswahl in Räucherwaren, Marinaden, Ölsardinen, Satzheringo Film-Matinee Sonntag, den 17. Dezember, vorm. 11 Uhr im Ufa-Theater (Breslau) am Tauentzfenplatz: VAU» Karten bei Barasch, Brandeis. Hainauer und an der Theaterkasse. 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