Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 46 (17.11.1922)
- Date
- 1922-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mfeSer h $gg sterstMstM NrstWk fo KWe8« Sie tritt möglich. Der eine war der Philosoph und Jude, der andere Theologe und evangelischer Christ. Für den einen war der unerschütterliche Grund des Menschentums die Vernunft und ihre Gesetzlichkeit, und er lebte aus ihr mit dem eiferrwen Glauben an den Sieg der Humanität, für den andern stand der Mensch am Ende in radikaler Ohnmacht dar, für die Verwirklichung und Behauptung seines Menschentums ganz aus Gott gewiesen, wie er in Jesus dem sittlich Aufgeschlossenen sich bezeugt. Es war so viel Verbundenheit und io viel tiefgreifende Verschiedenheit in diesen beiden Menschen, daß für jeden, der sie hört«, die innere Auseinandersetzung mit ihnen zu einer Notwendigkeit wurde, um die er nicht herum kam. Wir Studenten sahen uns hier m abgründige Zweifel hineingerissen, und auch wer nicht leicht zu einer Entscheidung kam, wer hier unter eine unüberwundene Zwiespältigkeit seines Menschentums sich beugen mußte, auch der und gerade der konnte unter diesen doppelten Einwirkungen zu dem vollen Ernst der Lebenshaltung sich durchringen, die der Beruf erfordert, der Beruf insoweit er eben nicht als Beschränkung, sondem ais Erfüllung zu gelten hat. So war gerade Beider gemeinsames Wirken für Viele von fruchtbarer Bedeutung. Aber auch sie selber suchten ja Berührung »md Verständigung miteinander. Sie gingen nicht nebeneinander her, sondern suchten gemeinsam gerade in der religiös-ethischen Fragestellung von einander zu lernen. Wer Herrmanns Vorlesungen gehört hat, weiß, wie gründlich er in ihnen mit der Marburger Philosophie sich auseinandersetztr. Und von Cohen ist es mir iminer in Erinnerung geblieben, wie er bei einem Gespräch über sein gerade im Manuskript fertiges Buch über den „Begriff der Religion" als erstes Wort sagte, daß er jetzt auch mit Herrmann sich werde einigen können. Die Sympathie für dm Protestantismus wurzelte für Cohen, soweit sie persönlich bedingt war, vor allem in der Begegnung mit Friedrich Albert Lange und mit Wilhelm Herrmann; und als Cohens 70. Geburtstag in der Aula der Universität gefeiert wurde, da geleitete Herrmann den Tiefbewegten auf sein Katheder. Mir oder Mich. In den Antworten der bekannten Wochenschrift „Die Wellbühne" findet sich folgende Notiz: Da ist ein Buch erschienen. daß heißt: „Allvater oder Jehovah" und ist von „Einem Verfluchten". Da steht im Vorwort: „Bezüglich der Rechtschreibung sind im allgemeinen die „Regeln" derselben als Grundlage genommen. Dieselben konnten aber dem Verfasser nicht rn allen Fällen als vorbildlich erscheinen, da sich unter den sie ausarbeitenden Kommissionsmilgliedern überflüsiigerweife auch jüdische Elemente befanden." Büchertisch f * »4»444*»4»»»4»»S0444(*» »4444444 4 RomantWe Religion. Von Leo B a eck. Phile,-Verlag, Berlin 1922. Daß die Gefühlswelt der romantischen Jahrzehnte schon im klassischen Altertum und im Kulturkreis des anechisch-vorderasiatischen Gebietes vorhanden war und bei der Entstchuna und Bildung des Christentums entscheidend mitgewirkt hat. wird in dieser Arbeit mit neuen, geistvollen Belegen davgestellt. Paulus, der Schöpfer der Tochterreligion, führt in seinem Wirken, das im eigentlichen Sinn heterogene Elemente vereinigt, zu dieser Lebensauffassung der Sehnsucht. Sic erwartet alles vom Glauben und der Gnade «mb will von der Autokratie des Himmels beseligt oder verdammt sein. Wo der ethische Wille und das Pflichtleben des Juden in ihm oder anderen Christen bis zur Gegenwart nicht erstorben ist. uttb das Verharren vom Werden-müssen verdrängt wird, haben wir es danach — und bar ist «erzeugend wahr — mit Juden zu tun. zu welchem Bekenntnis sie offiziell auch stehen mögen. Darum nähert sich auch Calvin im Gegensatz zu Luther, der fast ganz und gar trotz aller Opposition auf diesem Glaubensgrund der Kirche steht, unserem Standpunkt. und ebenso jeder, der nicht unterschreibt, daß „nsit dem Leben und Sterben Jesu das Wesentlichste alles Geschehens beendet sei." Im Verfolg dieser Verwickelung hat die christliche Religion ihren Bekennern aber auch die Reste der Selbstbesrciuna genommen und alle Verantwortung. Denn die Sakramente, in der Hand des Priesters und nach seinem Ermessen jedem immerdar zugclcilt. belassen dem Christen kein Eigenes mehr und überhebcn ihn des Besorgtseins. Das ist die Monopolisierung, die es Millionen begnem macht, aber auch unmöglich, sich selbst zu richten und cmvormnchi.'i«. Die Schwester dieses Mittels ist das Dogma, das man. wie cs unlängst in diesen Blättern geschah, auch ein konserviertes Präparat ncnu.'n kann. Nur unter luftdichtem Schutz kann es als lebensähnlich gezeigt werden, aber man darf nicht heran. Hierdurch nberhebt sich das Christentum des jüdischen Gesetzes, doch wenn es auch verächtlich wurde nach dem Willen seiner Ausgestalter. so hat die Renaissance der letzten Jahrhunderte ohne Gesetz so wenig auskvmmen können wie ohne Ethik. Die Suchenden leben in allen Lagern und sind wcht zufrieden mit einem handwerklichen Getriebe, das sogar das Lesen itberflüssig macht und verbietet. Die Autoritätsgedrillten sreilich fühlen sich darin wohl und meinen, daß der Absolutismus auch „ablassen" darf, denn er ist ja von Gottes Gnaden. So zeigt der Verfasser, daß das Christentum sich in die Sphäre des Schwännens begeben und einem fast leiblichen Fühlen alles Vorrecht eingeräumt hat. Es ist ein schweres und doch schönes Buch. Möge es nicht nur in unseren Kreisen Leser finden und Widerhall wecken! MaTfin Siloinonski. Dr. Caesar Seligmaim, Geschichte der jüdischen Resormbewegung von Mendelssohn bis gut Gegenwart. Frankfurt a. M. (I. Kaussmann) 1922. An einer geschichtlichen Darstellung der Refornibewegung und des Liberalismus im Judentum fehlte es bisher in deutscher Sprache. Ritter hat lediglich die Geschichte der Berliner Reformgemeinde behandelt, ebenso beschäftigt sich die Festschrist zur Jahrhundertfeier der Hamburger Tempelgemeinde mir mit der Geschichte dieser Gemeinde. Bernfelds Geschichte der Reform ist hebräisch geschrieben, und auch David Philipsons vorzügliches Buch the Reform Movement in Judaism hat bisher leider keine deutsche Nebersetzung gefunden. Die Kenntnis der geschichtlichen Entwickelung des religiösen Liberalismus aus dem bis Mendelssohn dauernden jüdischen Mittelalter ist aber für das Verständnis der religiösen Verhältnisse der Gegenwart von größter Bedeutung. Seligmanns glänzend geschriebenes Buch, das übrigens auch den anderen Richtungen und Strömungen gerecht zu werden sucht, beschränkt sich im wesentliche«« auf die Darstellung der Bewegung in Deutschland; das Ausland w-ird nur flüchtig erwähnt, selbst die amerikanische Reformbcwcaung ist nur in Uebersicht dargestellt. Der Zweck des ursprünglich für Zieglers „Volksschriften" geschriebenen Buches bestimmte auch nach seiner 11marbeitung die Darstellung. Aber die Arbeit ist keineswegs bloß für den Laien geeignet. Die bei aller Knappheit guten Quellennachweise machen es auch für den Kenner wertvoll. Für weitere Kreise werden die Hinweise auf ältere jüdische Schriftsteller nicht ohne Bedeutung sein. Ein paar geringfügige Nngenauiakeitcn seien korrigiert. Zu Seite 64. Das Toleranzedikt Josephs II. stammt ans dem Jahre 1781. Zu Seite 147: Geiger starb 1874, Löw 1875, Aub 1880. Zu Seite 137: Die Versammlung in Pittsburg fand 1805 statt, nicht 1808 (Druckfehler). Zu Seite 136: Der bekamt? Bericht von den vier babylonischen Talmudlehrern, die angeblich nach den Mittelmeerländern verschlagen wurden und dort das jüdische Geistesleben schufen, ist nicht historisch (s. Eppenstein in Monatsschrift 1911). Scligmanns Buch kann jedem, der sich mit der Entwickelung des jüdischen Liberalismus vertrant machen will, warm empfohlen werden. Yo'^ol.süii.'. Kol Ridrc und seine Entstehungsgeschichte. ..Rüstzeug für Kampf und Abwehr haben wir niemals sa dringend nötig gehabt wie in der verwirrenden Gegenwart, die alle Werte umgewertct und die Valuta der Objektivität ans Null hcrabgcdrückt hat. — Ein Beispiel: Zielscheibe antiseinitischcr Anmisse st« „Kol Nidre", solange cs besteht. Was Hai die antisemitische Hetze an diesem Gebetstück „herumgedoktert"! Strack, der jüngst verstorbene Kämpfer für unsere Sache, trat oft als Anwalt für „Kol Nidre" vor Gericht auf, — und doch geben die Dintcrs, Eisenmengers u. a. in ihren« blinden Haß nicht nach. — Wer sich über „Kol Nidre" orientieren will, lese die neulich im Philo-Berlaa, Berlin, erschienene kurze Broschüre „Kol Nidre und seine E n t st e h n n g s g e s ch i ch t e" von Dr. Jose' S. Bloch. Verfasser cutrollt dem wißbegierigen, wie auch dem kundigen Leser ein Stück alter und iniitelaltcrlicher Geschichte, die ittiä das blutende Herz unserer Glan.bensbrnder zeigt in einer Zeit der! entsetzlichsten Gewiss^nsgualein Im Jahre 586 verdrängt der römische Kacholizismus den Arianismus, um nach dessen Vernichtung über das Judentum Not und Tod zu bringen. Erwähnt seien nur die grausamen westgotischen Könige Recarcd, Chintilla, Rccceswinth n. a. Tie Geistlichen waren das willige Werkzeug solcher grausamen Tyrannen. Juden mußten „bei der Trinität" den Christen unverbrüchliche Treue schwören, sich öffentlich in Feierlichkeit voin Judentum lossagen und einen Schein unterschreiben, wonach sic das Christentum fteiwillig angenommen hätten. — Ganze Gemeinden wurden unter solchem Zwange unter die Knute der Taufe gezwängt. Natürlich hingen solche Zwangstäuflinae mit ganz besonderer Macht am Jndent««m, feierten Jom Kippur im Schlupfwinkel, oft in Todesängsten schwebend. Bor Beginn des Maariwgebetes am Vorabend des Vcrsöhnungstagcs beteten diese Aermsten dann „W'nislach: es werde verziehen der ganzen Gemeinde Israel zu< pinnten mit dem Ger, denn das gesamte Volk handelte im Irrtum." Das Heftchen schildert auch spätere Zeiten des Druckes, die mtr durch einen schwachen Sonnenstrahl unterbrochen waren. „Kol Mre" — so hallte es dann stets in der zerrissenen Seele wider. Die Broschüre muß von Jung und Alt gelesen werden. Sb> ist eine unschätzbare Waffe in dem für uns so notwendigen Abwehr« kampf und deckt die alte Lüge der Antisemiten auf. Dr. Arthur Rosenthal. Psalmen. Eine Einführung von Dr. M. Spanier. Berlin IW, E. A. Schwctschke & Solm, Verlagsbuchhandlung. Als Karl Lessing - der Bruder Gotthold Ephraims — rn Mendclssvhns Psalmenübersetzung, die 1783 erschien, sich vertiefte, ries er aus: „Ich bekomme durch sic von dem Sänger David und der ganzen hebräische«« Poesie einen ganz anderen Begriff" usw. Ein gleiches können wir —- muiatzs mutandis — von dieser ausgezeichneten „Eiirfüllrrlng" in die Psalmen sagen. Der Verfasser hat cs vorzüglich verstanden bei aller Feinheit urtb Tiefe dev Auffassung, sich nicht ins Mystische zu verlieren, svudern in den Wirklichkeiten des Lebens zu verharren, das Gcmiit zu Gotr emporzuheben und im Irdischen wurzelhaft zu bleiben. Auch die sprachliche Form, das Exegetische» lvird berührt, soweit es unumgänglich zur Vertiefung nötig erscheint. So sind zwölf Psalmen erläutert; jede einzelne Erlänterüsig «st M Kabinettstück. Kein Religionslehrer dürfte das Buch unberücksichtigt lassen, in keiner Schul- und Hausbibliothek dürfte es fortan fehlen. Die Not der Zett veranlaßte, daß der hebräische Text der Psalmen «sich! veröffentlicht wurde: vielleicht kann bei späteren Atlflagen und bei günstigerer Gestaltung des B'irtichaftslebens das nachgcholt werden. Elias. Gottesdienst Breslau Alte Synag. Neue Synag Freitag 17. 11. Beginn . abends 4.15 4.15 Sonnabd. 18.11. Beginn . . . . . «norg. { 6J0 9.00 9j00 Neumondweihe. . vorm. «0.00 9.30 Predigt.• «0.15 9.45 Jugendgottesdienst . nachm. 3.3C* An den Wodien- Schluß . .... abends 4.47 4.47 19.11. bis Beginn ... morg. 6.45 7.15 tagen 24.11. Beginn . . . abends 4.15 4.15 *) Im Krankonhaos. Konfirmationen in der Neuen Synagoge, am 18. November: Otto Lip pmann (Vater Benno), Kaiser Wllhelmstraße 151. Rudolf Kantorowlcz (Vater Julius), AgathstraQe 14 Heinz Steinfeld (Vater Benno), uoethestraBe 49. Rudolf Lovy (Vater Max), Goethestraße 41. OrffenMche Sitzung der Repräsentanten - Rersamrrrlrmg ®wrat«H, de» 19. Oktober 1939, vormittags 10 Uhr BrcSIa», Wavftreche 9 II. Der Vorsitzende: Veiser. Sonirtorlp Kurpark 700 m 0, M. mit eigenem 3 ha großem Naturpark. — Sonder» Heilanstalt für Hers». Nerven» tu StefftrechtelKranKe. Ganzjähriger, klinischer Betrieb. Individuelle Behandlung. Beschränkte Patiomonzahl. Dr. Job. Haedicke. Kangefchäft Robert Dtitzka, Breslau 23 Goethestr. 171 / Tel. Stieg 1182t »nSsühning j Amtlicher Lauarbelten, AMerÜ-nng dp« Projekt«« lebte Art. — Bauberatung. IttgmelnM puHiMt hpMe OtntstliM. IU-Breitem. Büro: Höfchenstr. 61, 11,1. Montag, den 20. Novbr. 1922, abends 81/, Uhr, im Saale der Gesellschaft .Eintracht", Tauentzienstraße 12 (Eingang nur finger) Vortramfolge des Herrn Qemelnaerabb. Dr. Vogelstein Von der schriftlichen zur mündlichen Lehre: Die Entstehung des Judentums. BuBtagi Mittwoch, d. 22. Novbr. 1922 (aiiztass-ftflinDi nach dem Eulengebirge Abfahrt 6.08 Uhr vorm, vom Hauptbahnhof, Bahnsteig 5. nach Hausdorf. R0dckehr9.15 abends. Näheres durch den Ausflugsleiter Herrn Georg Jonas, Holteistraße 46. Telefon Ring 3920. Trau mann, Freitag, den 24. Novbr. 1922. abends 81/, Uhr, im Saale der Spinoza - Loge, Sdiweidn. Stadtgraben 9, I. Geselliges Fnitig-M-BiisaraneflKis. Qfiste, durch Mitglieder «Ingefflhrt bei allen Veranstaltungen willkommen. Ili-Berlin. Büro: W 8 Mauerstr. 22 Amt Zentrum 162. Donnerstag, d.23.Novbr.!922, abends 8 Uhr, im Lehrervereinshaus (Alexanderplatz): Vortrag des Herrn Rabb. Dr. B a e c 1c Ober Parteien und Richtungen Im Judentum. Gäste willkommen. G ardinen Tüll-Bettdecken kauft man am besten n. billigsten M Maria Leder Breslau, Luteenpl. 141. Viele Empfehlungen! ■W Kein Ladenl B erliner riefmarken- Zeltung gratis. 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