Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 43 (27.10.1922)
- Date
- 1922-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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w Ve-ug-prel« durch 61« SeschaflgfleHe V. jährlich 2Nk. <A- Slnjeltiummet. u 4^0 3üt dl» Mitglieder brr Vereinigung ist der Vezusdprei« Im MitglievSbeitrage inbegriffen. ^Anzeigenpreis: Die s'/. cm breite Mililmeter-eUe Mk. 6.— Famillenanzeigen Mk.s.—. »ei Wiederholung SrinUtzlg. (Organ der Vereinigung für das liberale (Judentum e. V. Die „Jüdisch-liberale Leitung" erscheint jeden Freitag und mit zwei monatlichen Beilagen, der wissenschaftlichen Zeitschrift Liberales Judentum" und den „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugenbvereine". Rr. 43 4 27. ««ober 1922 Redaktion: Derlln W8, Mauerstr.« (Dereinlgang fü» das liberale Judentum e. D.) Fernruf: Amt Zentrum iM «vefchtlftsstell» u. Anzeigenannahme: VrrSlau3, Reue Wraupenftr. 7. Vurydrurkerel TH.Schatzkg Üd.m.bUd.: Fernruf: Amt Ring «31 und ««00. Stimtliche Zahlungen, Postscheckkonto Dreslau S7 der Fa. DH. Schatzkg <D.mZ.ch. Schafft unserer Bewegung neue Lreunüe, werbt und spendet für öas liberale Judentum k Me Zuwendungen an die Vereinigung für das liberale Judentum E. v. werden erbeten auf Postscheckkonto: Berlin N. w. 7 Nr. 137069. Die Mische Cat. Von Martin Salomonski. Es ist nicht vom Uebel, daß es in unserer Gemeinschaft verschiedene Richtungen mit ausgeprägten Anschauungen und Zielen gibt, die ihr eigenes Leben führen und die jüdische Gesamtheit zu ihrer Auffassung lind ihren Idealen hinlenken wollen.!’ Die Orthodoxie hat ihre Verdienste, auch wenn sie vorzugsweise in der Vergangenheit liegen. Als die Welt die große Drahtglocke des Ghetto über die Judenheit gestülpt hatte, da ivar der Kadavergehorsam vonnöten, wenn anders die enggepreßten Leiber und Seelen in dem engen Gefängnis fortleben und nicht ersticken sollten. Und auch die Zionisten, die das jüdische Volkstum auf ihre Fahne geschrieben haben und mit Gelenkigkeit und behende arbeiten, dürfen nicht nur getadelt werden. Man soll es ruhig anerkennen, daß sie mit edler Absicht und eifervoll indifferente alte und kaum erwachte junge Leute gefesselt haben, die täglich rührende Zeichen von starkem Optimismus, großem Wagemut und bemerkenswerter Nnverdrossenheit ablegen. Ganz anders als diese beiden Faktoren betrachtet der jüdische Liberalismus seine Aufgabe. Die Arbeit der Freigesinnten im Judentum gleicht der Wesensart aller wirklichen Kulturträger. Wir Liberalen meinen nicht und wollen auch nicht, daß unsere jüdisch gerichtete Liebe die Summe aller Gefühle darstellt oder-erschöpft, wir sind nicht der Ansicht, daß das ganze Leben und jeder Atemzug Nur- oder Mrßjudentum sei. Wir gehen bewußt darüber hinaus, wir wollen mehr und erstreben .,toratt im äereett erez“, jüdische Religion und Menschentum. Ohne jede Mühe und Langeweile läßt sich geschichtlich dartun, daß unser Liberalismus bei jeder Arbeit an die Menschheit gedacht hat, weshalb der Name Assimilanten auch durchaus als Ehrentitel gewertet werden kann. Ob vor hundertundzehn Jahren die Gleichberechtigung in schwerem Kampf angebahnt wurde oder die Emanzipation ein Menschenalter später sich durchsetzte, ob wir heute genötigt sind, zur Mwehr gegen die Feinde unseres Glaubens oder Stammes zu schreiten, immer erscheinen die liberalen Juden erfreulicherweise im Vordergründe und im Bunde mit den erhabenen Genien der Freiheit, die zur Vereinigung der Geister, zur Verständigung der Nationen und Ächtung der Religionen hinführen. So ergibt sich, daß der jüdische Liberalismus selbstlos unb zum Wohle der andern, durch Undankbarkeit nicht verärgert, die Sache der Gesamtheit besorgt und ihr den Platz an der Sonne gesichert hat. Obgleich es immer nur wenig Begeisterte waren, wurde der Fortschritt erzwungen; wir sind marschiert und Judentum und Judenheit sind vorwärts gekommen. Wieviel mehr aber könnten wir leisten, wenn dieses Besreiungswerk, das noch lange nicht abgeschlossen ist, Unterstützung fände und Juden in größerer Zahl nicht bloß Parteiarbeit leisten wollten. Die begonnene Reform würde nicht stehen und stecken bleiben, die Unabhängigkeit der Religion zur Wesenheit werden, nachdem sie den Hauch der Freiheit verspürt hat. Es kommt alles darauf an, dieses Alleinsein, diese Vereinsamung zu beheben und unserer Bewegung eine große Gliederung, eine vertiefte Bedeutung und die positive Menschheitsausgabe zu schaffen. Das ist die Tat des Zusammenscklüsses, die der jüdische Liberalismus zu leisten hat. Er bekenne frei mtb offen, daß er sich nicht nur für das Judentum einsetzt oder interessiert. Wie der Mensch seine Vollendung im Menschentum « ebt, so müssen auch wir alles ersehnen und befördern, was dre Allgemeinheit zu ein anderführt, damit, wie es m bei “tDel heißt, ..alle Menschen eine Sprache reden und sich versteheii können. Solche Menschen muß unser Liberalisnms bilden und feine Parteifiguren. Es gibt doch Nichts bedrüekeudeces, als jene Automaten, die kemen eigenen Verstand und nicht einmal die Maschincnpräzchon haben wollen und auf einen mechanischen Druck hm zu derselben Bluffbewegung enrporschnellen. Diese Exakchett in den jüdischen Parteien, wo auf Kommando Religion und Gesinnung cingeübt und oft verbrochen werden, ist nicht imponierend, denn bald folgt der Leistung die künstliche Belebtheit, die wie in der modernen Ehenne auch die Hauptnahrmittel auf den: Labvratormm-'wege berftellt oder vor Fäulnis schützt. Der indische Liberalismus muß frei sein von jedem Trockenverfahren, einer bloßen Register- oder Buchwissenschaft, von „öder Mechanisierung", denn alles, was er bisher in Angriff nahm, ja selbst die Wissenschaft, sind für ihn ein viel zu enges Feld. Wir dürfen nicht nur zehren von den Großtaten der Vergangenheit, wir haben die neue Entwicklilng in den Religionen und der Welt zu beeinflußen, da sie selbst gegen unfern Willen nicht aufzuhalten wäre; ja wir wollen sie beschleunigen! Denn jeder Tag beweist das Neue, und darum darf man nicht nur plätschern in den Wellen der Antike, wühlen im Tresor der ererbten Schätze, sich ergötzen am Gegaukel lockender Träume. Die Welt soll es erkennen, daß das Chratteristikum eines guten Juden das echte und freie Menschentum ist. Die Zeit muß kommen, in der jeder wahre Mensch seine religiösen Gefühle verknüpft weiß mit den Lehren der jüdischen Religion. Diese Erkenntnis zu schaffen ist die dringlichste, edelste und verheißungsvollste jüdische Tat. Sie Wille - eise Welle -es WenWs! Bon Dr. M. Spanier-Magdeburg. Bor kurzem hat sich unter vorläufiger Führung i>c§ Herrn Professor Otto (Marburg eine Vereinigung gebildet „für einen religiösen Menschheitsbund" (R. M. B). Durch Verbindung von Mitgliedern aller Konfessionen soll eine Art religiös-ethischen Parlaments geschaffen werden zur Erörterung von Fragen gemeinsamer sittlicher Menschheitskultur und zur Anbahnung der Gerechtigkeit zwischen Völkern und Klassen. Es gilt nicht „Friede um jeden Preis", sondern „Recht und Gerechtigkeit um jeden Preis". Die Parole ist: Wahrung der einzelnen Religionen und ihrer Ansprüche und dabei Znsammcntvirken an Stelle der Befehdung, kurz, es gilt zu Arbeiten sich zu vereinigen an den großen Ausgaben humaner Ethik, unr den Ideen des Rechts und der Gerechtigkeit zu weiterer Verbreitung zu verhelfen. Wir Juden als kleine und schwache Minderheit haben alle Veranlassung, diese Bestrebungen freudig zu begrüßen. Schwerlich gibt cs eine andere Religion als die jüdische, die seit so vielen Jahrhunderten gegen eine Welt von Bosheit und Gewissenlosigkeit, gegen Ungerechtigkeit und Unwahrheit anzukämpfen gehabt hat und noch hat: der blinde Fanatismus wütet immerfort gegen uns und verkehrt das Recht in Unrecht, die Wahrheit in Lüge. Und die Schule, die ein Dort des Friedens, der Duldsamkeit und der Liebe sein sollte, die als Ideal alles erziehlichen Unterrichts die Förderung alles Wahren. Guten und Schönen auf ihre Fahnen geschrieben hat. erweist sich als eine Brutstätte unsittlicher, unreligiöser Qualitäten, wenn wir an den Judenhaß denken, der schon früh in das Kindsgemüt ew^evffanzt und dann fast immer zum unverlierbaren Eigentum wird. Typisch ist in dieser Beziehung der große Naturforscher und Monist Ernst Haeckel. Als Student ist er noch kirchlich-gläubig und versäumt nicht, den Sonn-, tagsgottesdienst zu besuchen, er gerät in Aufregung bei der Lektüre von Karl Vogt's prolegischen Briefen, als er die Stelle las: ..Die fortschreitende Ausbreitung des Christentums tötete, wie jede Wissenschaft. so auch vor allem die Naturlehre, welche ihm notwendia feindlich gegenüber treten mußte." H. ärgert sich darüber und bedauert den Verfasser schließlich, daß er von dem kindischen Märchen des Christentnms spricht, aber nach einigen Jahnen hat H. den Kirchenalaubeu überwunden und wandelt in den Bahnen des „berüchtigten" Karl Bogt. Dieses Epitheton legt er ihm bei. Doch dem Judenhaß isl Haeckel bis in sein hohes Greisenalter treu geblieben. So ist in Emst Haeckel Entwicklungsgeschichte einer Jugend. Briefe an die Eltern 1852/1856 (Leipzig 1921) Seite 40 zu lesen: „Vorige Woche haben auch zwei meiner Bekannten, sehr nette Leute, kurz nacheinander ein Duell nrit einem und demselben unverschämten Iudenjungcn aus Frankfurt a. M., einem ekelhasten, frechen Menschen, gehabt und ihm?abei sein Judengesicht tüchtig verhauen, ohne selbst etwas abzn kriegen." (!) Und in seiner weitverbreiteten Schrift ..Die Wclträtscl" >1899) finden wir in der ersten Auflage folgenden Satz, der allerdings später gestrichen ist: „Gewöhnlich wird derselbe (Jesus Christus) als reiner Jude betrachtet. Allein gerade die Charakterzüge. die seine hohe und edle Persönlichkeit besonders auszeichnen und welche seiner „Religion der Liebe" den Stempel aufdrücken, sind entschieden nicht semitisch: vielmehr erscheinen ste als Grundzüge der höheren arischen Raffe. ,Jlst das nicht ein Produkt der Schule? Wird nicht in d?r Schule das Christentum als die Religion der Liebe im Gegensatz zum Judentum mit seinem Rachcgott dargestellt? Wird doch alles hohe Hohe und Edle dem Christentum, alles Schiefe und Verkrüppelte dem Judentum zugeschrieben! Ist es nicht schamlos, bei der Behandlung von Shakespeare's „Kaufmann von Venedig" (Siehe Seite 167 von Schoenighs Ausgabe ausländischer Klassiker. Paderborn 1805) als Aufsatzthema zu stellen: „Inwiefern ist SHYlock das Abbild des jüdischen Nationalcharakters? „Und nun muß noch erwogen werden, daß nach der Geschichtsquelle zu urteilen nicht ein Jude auf dem Scheine der Fleischverpfändung bestand, sondern ein Christ. Der Dramatiker, der nie einen Juden kennen gelernt hat, hat die Rollen getauscht, und dem Juden die Rolle der Hartherzigkeit zugeteilt. So wird die Wahrheit in Lüge verkehrt! Und wie ist es bei Leffings Nathan? Wenn Goethe ausgerufen hat: „Möge doch die bekannte Erzählung (von den drei Ringen), glücklich dargestellt, das deutsche Publ'kum auf ewige Zeiten rinnern, daß es nicht nur berufen wird zu schauen, sondern auch um zu hören und vernehmen. Möge zugleich das darin ausgesprochene göttliche Duldungs- und Schonungsgefühl der Nationen heilig und wert bleibet, so ist die Interpretation vieler Literarhistoriker. Universitätslehrer. Gymnasial- und VoMschullehrer von derartiger Beschaffenheit, daß sie eher der Intoleranz gegen Juden und Judentum ähnelt, als der Toleranz, die Leffinq predigen wollte. Es läuft immer auf die Pointe hinaus, daß das Judentum keine humanen Menschen, keinen Nathan Hervorbringen kann und gibt es solche, so sind es keine Juden, sondern Christen. Wir erinnern nur an Kuno Fischer, der die Frage: Warum ist Nathan Jude?, dah'-n beantwortet: „Nicht weil das Judentum die Religion der Duldung, sondern weil es das Gegenteil ist, darum ist Nathan Jude." Wie auf literargeschichtlichem, so auch auf theologischem und religionsunterrichtlichem Gebiete. Immer wird das betont, was die Religionen voneinander trennt und nie oder nur selten das alle Einigende, ja noch mehr, es wird die eine Religion auf Kosten der andern hcrabgewüwigt oder als minderwerrtig gekennzeichnet. Und solange das geschieht, wird die Saat des Haffes in die Kindesseele gestreut. Oft w:rd das Judentum von christlichen Forschern in den Vordersätzen rühmend anerkannt, ober im Schlußsatz kommt der Pferdefuß zum Vorschein. In seinem Werke „Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten" (Leipzig, 1902) bemerkt Harnack S. 210 u. ct.: „Das Neue Testament als Ganzes hat überhaupt in der Mission und in der Kirchenpraxis nicht die Rolle gespielt, wie das Alte Testament. Zwar die Evangelien traten diesem ebenbürtig zur Seite, ja überstrahlten cs: hier schimmerten und leuchteten die Worte Christi, und hier war sein Tod und seine Auferstehung erzählt." Christliche Gelehyte bemerken ausdrücklich. daß der Prophetismus nicht bloß den Höhepunkt der jüdischer^ sondern aller Religionen bedeutet. Und ein Katholik. Prof. Kriew schreibt in seinem Lehrbuch der Pädagogik (Paderborn 1900): „2>ariit (in dem Gesetz: Ihr sollt heilig sein, wie ich heilig bin) hat Jehova..» den Israeliten das oberste Erzichungs- und Lebensgesetz vorgestelltH Das Prinzip der Heiligkeit und zwar in Beziehung zu Gottes Person-, lichkeit. Damit ist die menschliche Persönlichkeit auf ihre i d e a l st e Höhe erhöbet,." Ober der konservative Nationalökonon, Contzen: „Weisheit und zarte Menschenliebe sind hie« (im Men Testament) im schönstem Bunde mit göttlicher Heiligkeit." Nnd dennoch wird gelehrt, daß das Judentum nur eine Vovt stufe des Christentums bedeutet. So lasen wir unlängst in einer Ab-. Handlung eines christlichen Schulmannes: „Auf dem Boden des Alte« Testaments erbaut sich das Christentum, wer wollte es zu streichen sich unterfangen, wer unserer Jugend die Frömmigkeit der Psalmen, die ‘ fast evangelischen Geist (!) atmende Gedankenwelt des zweiten JesajaS (von Kapitel 40 bis zu Ende) rauben?" Derselbe Verfasser schreibt; „Christlichen Religionsunterricht geben, heißt Nachweisen, daß dar sittlich-religiöse Erkennen und Leben Israels über sich hinausweist". obgleich er ausdrücklich hervorhcbt, daß der Religionsunterricht keil« kirchlich-dogmatisches Gepräge an sich tragen soll und mit Harnack de«! Ansicht ist, daß ein historisch-pragmatisches Lebensbild Jesu sich nicht schreiben läßt. In solche Widersprüche verwickeln sich Theologen unb Schulmänner. Es ist schrecklich zu sagen, aber es ist wahr, daß die Gumgelien^ schriften des Neuen Testaments vielfach den Judenhaß in Szene setzen- Es sei nur hingewiesen ans die Verunglimpfung der Priester, di« edle Vertreter der damaligen Judenheit waren. Daß es auch heuch-i lerische Pharisäer gab. wird im Talmud selbst zugestauden. Zu tadeln ist die Verallgemeinerung: auf die berüchtigte Stelle (Matth. 6, 45)' „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst Deinen Nächsten lieben und Deinen Feind hassen." Dieser letzte Haß steht nirgends in der Bibel, im Gegenteil, siehe 2. B. M. 28, 4, 5. 9. Das bringt alles ein tendenziöses Gepräge, um das Judentum in seiner ethischen Erhabenheit herabzuwürdigen. Und nun vcrqegenwärtige man sich, daß im ranzen Neuen Testament kaum ein Vers gefunden werden mag. zu welchem nicht sogenannte Lesarten oder Varianten vorhanden sein wären. Man schätzt ihre Zahl aus etwa 60 000. (Siehe die Entstehung der Bibel von Emil Zittel. Doktor der Theologie. Leipzig. Reclam.) Wahrheit bleibt Wahrheit. Lüge bleibt Lüge, heißt es doch auch im Ev. Ich. 8. 32. Die Wahrheit wird euch frei machen. Aber di« Anlehnüttg an' den Kirchenglauben mit seiner „lehrgesetzlichen Binduna" verbietet das Bekenntnis der Wahrheit. Und so wird in der'Schule weiter die Unwahrheit gelehrt und auf Intoleranz und Verhetzüngssucht hingearbeitet. Und so ist der Religionsunterricht auf Engherzig seit und Unselbständigkeit des Denkens basiert. — In seiner schönen Schrift Religion und Schule sagt Professor Volkclt (Leipzig 1919): „So tpahr es nun ist, daß die Schule als Erziehungsschule angesehen werden muß. so berechtigt ist es auch, zu fordern, daß in der Schule religiöser Geist walte. — Bon der Persönlichst st des Erziehers aus soll religiöser Adel ins Erziehen strömen." Verhetzung ist aber unreligiös. , , Wir wollen uns nicht des weiteren darüber verbreiten, me frevelhaft das Bemühen ist. das religiöse Empfinden einiger weniger andersgläubiger Schüler zu verletzen, .sie mit grobem Geschütz aus antisemitischem Arsenal oder auch mit feinen Nadelstichen zu drangsalieren, solche Jugenderzieher sind nicht wert, ihres hehren Amtes zu lvalten. Man möchte ihnen zurufen: „Der Menschheit Würde ist in eure Hand aegeben, bewahret sie!" Bedenken wir, daß das Wesentliche aller Religionen sich nur aus das ethische Denken und Handeln cirundet, daß die Grundpfeiler einer sittlichen Lebensansicht beim Judentum nnd Christentum gleichartig sind. Das ewig Wahre, das cwia Gute predigen alle Religionen --- ba§ ist dst Syntbese bei sonstigen Verschiedenheiten nnd Gcaensätzlichlicheu,. Wir müffen»Maesichts der trostlosen Jcitlage und inneren Zerrissenheit im deutschen Volksleben daran fcsthalten, alle egoistischen Bestrebungen als de« Gottesidee widersprechend von uns zu bannen. Das. was allen t&. ineinsam und heilig ist, das Allgcmestrmenschlichc. muß der Treffpunkt aller sein, das allein bed'ngt den Jmarninenschluß der Bekenne« aller Religionen. Mag der gläubige Christ sein Ideal im Christentum oder in einem Heiligen seiner Kirche finden, mag der Jude in den Traditionen seiner Religionsgemestrschast wurzeln — wir sind alle Menschen, die im Ebenbilde Gottes geschaffen sind. Haben wir nicht alle einen Vater, hat rms nicht alte c'n Gott geschaffcu. warum soll Bruder gegen Bruder treulos sein? (Maleachi 2. 10.) , . National und nationalistisch. Von Hermann Becker, Berlin. Es ist schon vielfach in politischen Tageszeitungen und Zeitschriften auf die Aehnlichkeit des deutschen Volksschicksals in der Gegenwart mit dem Schicksal der Juden hingewiesen worden, nicht aus Philosemitismus und noch weniger aus Atüisemitismus, beileibe auch nicht aus Schadenfreude, daß unser deutsches Volk jetzt denselben Leidensweg gehen muß, den die Juden so lange gegangen sind, ohne doch bis jetzt ans Ziel gelonimen zu sein. Denn ebensowenig wie die Bölkerversöhnung mit Deutschland auf dem Marsche ist, ebenso weit entfernt sind wir von der Versöhnung der Religionsbekenntnisse und der Rassen. Doch nicht allein im äußeren Schicksal sind Deutsche und Juden einander ähnlich, auch die geistige und kulturelle Assimilierung beider Gemeinschaften wird immer größer, ja sie erstreckt sich sogar gegenwärtig schon auf die völkische Polittk. Genau wie im deutschen Volke setzte nach der gesunden nationalen Periode im Judentum die nattonalistische ein, wenn auch hier aus anderen Grirnden. Während die deutschen Nationalisten nur deutschblütige Volksgenossen anerkennen, jeden „Fremdbürtigen" aus Fu-endvereins-Anzeigen IT letzte Seite.