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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-10-13 · 41 (13.10.1922) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
41 (13.10.1922)
Date
1922-10-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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losigleit: und sie ist^elner der Hauptgründe für tte Vninteressiertheit am Judentum überhaupt! — Diesen Willen zuin Aufbau nenne ich radikal! — Dazu ist aber allerdings vorher in einem gewissen Maße ein Einreißen nötig, selbst ein Ieremia konnte das eine nicht ohne das andere! Und wenn .College Scüzberger auf die Gefühle und das Irrationale so stark Rücksicht nehmen will, daß er fast alle Reformen unmöglich macht, so muß ich trotz Anerkennung einer gewissen Berechtigung des Arguments, doch mir gestatten, daran zu erinnern, daß es nirgends mehr Falsches gibt, als in dem Gebiet der Gefühle! Zu den unechten und Unrechten Gefühlen gehört es meiner Meimmg nach, wenn mir vor kurzem ein, übrigens hochgebildeter und lebenskluger, Mann sagte: „Ich verstehe kein Wort Hebräisch, will es aber auch nicht und will doch den Gottesdienst möglichst ganz hebräisch! Während der nnverstandenen Gebete der andern träumt es sich am besten von Gott, Welt, Mensch, Judentum, Elternhaus usw." Für solche Gebetsmühlen- Gefühle habe ich kein Verständnis, glaube auch nicht, daß sie Geist vom Geist des Judentums sind, als welches vielmehr Verstandesklarheit und Willensantriebe aus dem Gottesdienste nach Hause tragen heißt, statt Erinnerung an unfruchtbare Träume! Der Traum ist aesthetisch sehr wertvoll, aber als religiöser Wert gehört er doch mehr in die indische als in die jüdische Welt! Die gefühlsmäßige Gottverbundenheit, die der jüdische Gottesdienst, und gerade der von uns gewünschte, Hervorbringen soll, muß über das Gotteshaus hinaus ins Leben hineinragen, und darum muß sie aus dem Rationalen heraufwachsen. Mindestens muß der Gottesdienst daraufhin zugeschnitten sein. Und darum darf auf die Pietät nicht gar zu viel Rücksicht genommen werden. Pietät ist ein sekundäres religiöses Gefühl, das vor den primären der Kawwonoh, Hithlahabuth rc. zurückstehen muß. Als Hilfsmittel ist sie notwendig und darum soll das Baumaterial unseres neuen Gottesdienstes selbstverständlich die Ueberlieferung sein; aber mit dem Material muß zweckentsprechend frei geschaltet werden können! 4. Allerdings entsteht dann die Frage: Wer wird das neue Gebetbuch benutzen? — Die Zeit ist ja günstig. Rathenaus geforderte „Herrschaft der Seele" hat mit dem Expressionismus begonnen. Eine Zeit, die den Meiningerschen Realismus, ja sogar Geschichts- und Naturwissenschaft als veraltete Götzen bei Fledermäusen und Maulwürfen verstauben läßt und „das Wesentliche", das aus dem tiefsten Innern Geschöpfte, in Rembrandtschem Helldunkel aufglühen läßt und auf den Thron der Lebensanschauung setzt, wird uns verstehen. Aber verstehen genügt nicht! „Wir wollen weniger erhoben und fleißiger gelesen sein." Hier liegt die Hauptschwierigkeit jeder Reform: Die zur Synagoge kommen, wollen keine Reform; und die eine wollen, kommen nicht! Weder der angestcllte Jli-er, noch der Fabrikant, der Lohnzahlungstag hat, noch der Kaufmann, dessen Landkundschaft am Sonnabend in die Stadt kommt, noch die Hausfrau, die aus den Markt gehen muß! Hier liegt die eigentliche Tragik dessen, was der Zionist Galuth nennt: nicht einmal die Stund? ,Seesenkerne SonderLonzessionerr gemacht werden; UN- Ke UN- Ke Krönung unsere- Werktags, unsere „andre Seele!" Und hier ist darum auch die Frage, die ich als einzelner nicht beantworten kann, sondern nur die Statistik vieler Gemeinden: Sind genug Beter da für ein neues Gebetbuch? Oder soll man es lieber ans die „Hohen Feiertage" beschränken, bis sich auch die Alten an seine Art gewöhnt haben? * Zu den drei Diskussiousthemen nur wenige Worte! Zur Frage des Hebräischen kann ich mich den warmherzigen Worten des Kollegen Salzberger nicht anschließen. Freilich^ das laut gesprochene deutsche Gebet hat stets etwas Mißliches an sich; und als ich einmal eine Dame ein deutsches Tischgebet rezitieren hörte, in ähnlicher Weise wie wir es mit dem hebräischen tun, konnte ich mich kaum des Lächelns erwehren, so richtig und ernst religiös mein Verstand es auch fand. Hierin kommt aber viel auf die Getvohnheit an. Bor dreißig Jahren galt die Farbenzusammenstellung von Blau und Grün als häßlich, heute nicht. Ich finde die Mischung von Hebräisch und Deutsch nicht so verwerflich. Meine tiefste gottesdienstliche Erregung verdanke ich alljährlich der deutschen K’duschoh und verdankte sie als Kind einer deutschen Paraphrase des Anrim s'miroth „Die schönsten Gesänge" im Braunschweiger Gebetbuche. Und wenn auf das deutsche Ni öebeberaeb-Gebet von einzelnen Gemeindemitgliedern spontan Amen gesagt wird, so zeigt das, daß es doch nicht wirkungslos verhallt! Andrerseits gehört schon eine gute Portion, eine heute sehr seltene Portion Hebräischer Kenntnisse dazu, um auch nur ein Haschkiwenu oder R'zeh oder Aliawoh rabboli oder Wijhi rozon schetargilenu mit der ihnen zukommenden Herzensinbrunst zu beten! Wir Rabbiner sind da ebensowenig maßgebend tvie die paar lobenswerten Begeisterten, die die Mode des Hebräisch- Lernens ein bis zwei Jahre mitmachen, um nach weiteren ein bis zwei Jahren cs wieder zu vergessen (ich sehe darin ziemlich schwarz!). Darum bleibe ich bei meiner früher eingehend begründeten These: Gemeinschastsgebete in der Sprache der Gemeinschaft, einige wenige Privatgebete aber deutsch! Dem wird die Uebersehung entsprechen: Bei den Gememschaftsgebeten, wo die Uebersehung nur Notbehelf ist, muß sie einigermaßen wörtlich sein, wenn auch natürlich in gut lesbarem Deutsch; bei den Privatgebeten, die natürlich hebräisch gleichfalls vorhanden sein müssen, die aber deutsch gebetet werden sollen, muß sie in freier Paraphrase auch der Gedanken, in der Weise der Seligmannschen Bearbeitung des Ma'arib oder des 2. Lob'ma-Abschnitts, sich bewegen. Genauere Vorschriften lassen sich dem Künstler nicht machen (Spanier). Viel Unsicherheit aber wird dadurch überflüssig, daß das Hebräische selbst mehr moderne Gedanken darbieten wird! Auch betreffs der „Streichungen" muß ich schon Gesagtes wiederholen: Der Grundsatz für ein Gemeinde- Gebetbuch kann nicht sein, alles zu bringen, was irgend ein Balbos wünscht (Salzberger); auch den Zionisten warum denn diesen mehr als den Orthodoxen? Grundsatz^ für ein liberales Gemeinde-Gebetbuch kann nur sein: Ob ein oder mehrere Sätze mehr oder weniger da stehen, ist ganz nebensächlich; die „Prägung der Gebete nicht 5u verändern" ist eine orthodoxe und übrigens an sich falsche Forderung! Vielmehr darf umgekehrt in einem liberalen Gemeinde-Gebetbuch nichts stehen, was irgend einem Benutzer des Buches und Gottesdienstbesucher religiös-sittlich anstößig ist. Und wenn manche Liberale den Wunsch der Rückkehr nach Palästina mit der religiösen Forderung der Vaterlandsliebe unvereinbar finden, so werden sich die liberalen Zionisten bescheiden müssen, ihr Gebet um Rückkehr nach Erez Israel als privates Gebet ihren übrigen leisen Bitten anzuschließen! Das eben ist der Sinn eines autoritativen Werkes, daß es die Gläubigen nicht in neue Kämpfe stößt, zum Widerspruch reizt und dadurch seine Autorität selbst untergräbt, sondern das Einigende zusammensaßt. Dessen ist wahrlich genug! Wie ich im übrigen betreffs Streichungen und Zusätze denke, sowie über den Aufbau eines idealen liberalen Gottesdienstes, möge man in meinen vorjährigen Ausführungen (s. o.) Nachlesen! Nur einen Wunsch möchte ich hinzufügen: Daß als privates Bittgebet ein Stück geschaffen werde aus biblischen Gedanken und Wendungen und modern religiösen Empfindungen, das (analog dem „Vaterunser") hebräisch und deutsch Gemeingut würde. Und eine Bitte möchte ich wiederholen, daß der Kantoren-Verein für einige wichtige Gemeindegesänge (Schema, Mi cbomocho, K’duschoh usw.) einheitliche Melodien für das ganze Reich sestlegt, damit auch in diesem Punkte dem Liberalismus das zuteil werde, was ihm am meisten fehlt, dessen Mangel seine eigentliche organische Krankheit ist: Das Normative! Es ist Zeit, daß die freiheitliche Richtung eine Richtung wird! Daß die Liberalen erfahren, daß sie sich nach etwas zu richten haben, unb wonach. Ein Schritt dazu sei das neue Gebetbuch! Von der Verlagsbuchhandlung Kauffmann geht uns folgende Notiz mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Rechtzeitig zu den Feiertagen erschien im Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. ein neues Werk von Rabbiner Dr. Caesar Seligmaun: Geschichte der jüdischen Rcsornibcwegiina. 189 Seiten 8°. Preis drosch. Mk. 800.—. Ta? Buch zählt zu den bedeutungsvollsten Neuerscheinungen auf dem Gebiet der jüdischen Religionsgeschichte. Das Eigenartige seiner Bedeutung liegt in der geistigen Zusammenfassung und Gruppierung des Stoffes. Die wirre Masse geschichtlichen Stoffes ordnet sich unter der Hand des Autors zu einer gedanklichen Einheit, in deren Licht alles Geschehen in sinnvoller Klarheit erscheint. In leichtem, flüssigen Stil geschrieben, der mitunter zu poetischem Schwung sich erhebt, voll dramatischer Lebendigkeit, hält das Buch mit steigender Spannung das Interesse des Lesers von der ersten bis zur letzten Zeile gefesselt. Allen, die sich für die religiös-liberale Bewegung innerhalb des Judentums intereisieren und die modernen Kampfe und Strömungen im Judentum verstehen wollen, Freunden und Gegnern der Reform sei das bei aller temperamentvollen Wärme dennoch maßvolle und objektive Buch nachdrücklichst empfohlen. Ten liberalen Vereinigungen und Rabbinern räumt der Verlag bei sofortiger Bestellung einer: Vorzugspreis von 9ttL.2QCL=- füt das sehr geschmackvoll ausgestattete Buch ein. Göttesdienst Breslau fln den Wochentagen 16.10. bis 20.10. Beginn Beginn morg. abends Alte Synag, 6.45 5.15 Neue Synag. 7.00 5.00 Streng rituell! Tel. E. 7459 FELIX GOMMA iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiitiniiiiiiii tllir 6 rs»1r»u, Markthalle II, um* 11U1 Gartenstr., Stande 27,28, 29,30 11UI empfiehlt seine Fleisch« h. Wurstwaren In bekannt guter Qualität Jeden Dienstag: Frische Longenworst r 7\ Isf Bedarf an Lichf urvd Kraff, Dann nlchf lange naciigedachf. 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Treffpunkt: 9.30, Bahnsteig des Bahnhofs Zoolgischer Garten. Abfahrt 9 38. IlirTAegnit*. Donnerstag, 19. Oktober 1922 abends 8'/: Uhr, im großen Saale des „Rautenkranz“ 1. Vortragsabend Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. Vogelstein-Breslau spricht Ober das Thema: Vom Sinne des religiösen Liberalismus i. Judentum. Immerbrand-Patent-Grude Kochu. Alr pr. Aerztin niedergelassen Dr. med. Käte Lindner Sreölau, Gräbschenerstratze 8. ■\ IIMinilMIMIMIMflttlMIIIM werden nach neuen Modellen bald umgearbeitet, Kürschner Lippman«, Breslau, Gvld.Nadeg. 27a L \ Arnhold Rosenthal k Breslau, Heue Schweidnitter Straße M empfiehlt [ Uhren und Juwelen ss ■iimininiiiiiiiiiTrmiiniirr rriiriin~(rTnniiiiiiririiiiniTnnTT>MamTHanintniti—» f Großes Lager I EdWer GlashlUter Uhren p Lange Söhne, Aswnson. f..Ml|]üUlltwiultllflfll>tifn*l(liniltlnM'HMnllllIlihl««.illlllllll>.rtllfllll,«w-*llfnhlK - Die höchsten Preise fflr Gold-.Silber-.Plofln-Brach.QueckclIlierett. bezahlt nur A. 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