Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 40 (6.10.1922)
- Date
- 1922-10-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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t*k «KT ^«WWWWWWWWWWWWWW» »-»ugspreis durch die GefchafisflrNr 7.!«hrl!cy Mk. «.- <Llnz»knummer. „ 4.50 8P8t Me MitglleSar der Deretnltzuog ist der Bezugspreis im MitgNedSbeitrag« inbegriffen. Anzeigenpreis: Die S»/,eol breite SNtliimeter,eile VN». S.- Familienanzelgen 0Nk.s—. Bel Wiederholung Srmtltzlg. Organ der Veretutgung für das liberale Indenturn e. V Die „Jüdisch-liberale Leitung" erscheint jeden Freitag und mit zwei monatlichen Beilagen, der wissenschaftlichen Zeitschrift „Liberales Judentum" und den „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-überaler Jugendvereine". Nr. 40 4 6. ONober 1Y22 Nrdartion: Berlin VS, Wauerstr. 22 (Bereinigung fttr das liberale Judentum e. B.) Sern ruf: Amt Bentrum iS» Geschäftsstelle u. Anzeigenannahme: BeeSkau\ Neue «raupenftr.7. Buchbruckerei LH. Schatzkg D.m.b.V.r Fernruf: Amt Nlng 4SI und 4S00. StimtNche Zahlungen, Postscheckkonto »reslau S7 der Fa. Th. Dchatzk« «N.nub.ch. i ÄUk gefl. Beachtung! j Die Abonnenten unserer Zeitung M bitten wir hierdurch, die Bezugs- U > gebühr für das IV. Quartal 1922 mit §j Mk. 45.— baldigst auf unser Post- M scheckkonto Breslau 37 überweisen zu M wollen, da wir bei nicht rechtzeitigem M Eingang die Lieferung der Zeitung M einstellen müssen. Die Mitglieder der j§ Vereinigung für das liberale Juden« M tum e. V. erhalten das Blatt auch ff weiterhin kostenlos geliefert. D der Verlag > -er Jüdisch-liberalen Zeitung D ith. Schatzkp U Vuchüruckerei u. Verlagsanstalt, G. m. b. h. W Breslau NI, Neue Graupenstraße 7. W die Sgmbole des Hüttenfestes. Von Rabbiner Dr. Vögelst ein, Breslau. Symbole sind uns unentbehrlich. Besser oft, weil prägnanter und ausdrucksvoller als eingehende Erörterungen, geben sie das wieder, was wir denken ooer empfinden. Auf primitiver Entwicklungsstufe tritt darum die sinnbildliche Handlung oft an die Stelle des Wortes. Auf höherer Stufe lernt der Mensch das Wort besser meistern; aber nun weiß er auch das Wort in ähnlicher Weise zu benützen wie früher nur das Sinnbild. Vergleich und bildliche Ausdrucksweise ersetzen das Symbol. Allmählich verblaßt das Bildhafte dieser Redeweise. Der moderne Mensch ist sich kaum bewußt, welche Fülle von Bildern und Vergleichen er in seiner täglichen Sprechweise anwendet, das Konkrete geht völlig verloren und wird zu einem bloßen Schemen. Je abstrakter der Gegenstand der Erörterung ist, um so mehr bedarf sie der Bilder. So ist es im Grunde Selbsttäuschung, wenn wir ineinen, ohne Sinnbilder auskommen zu können. Nur dürfen wir der Gefahr nicht erliegen, des dunkel Geheimnisvollen, der oft gewollten Unklarheit und der andern Gefahr, das Symbol nicht als Ausdruck des Gedankens, sondern an sich für bedeutsam zu erachten. Unter allen Festen deS Jahres ist keines mit so reicher Symbolik geschmückt wie das Hüttenfest. Zwei Symbole» stnd biblischen Ursprungs und haben sich bis heute erhalten, die Hütte und der Feststrauß. Daß der Feststrauß den Dank für den Ertrag des Bodens sinnfällig zum Ausdruck bringen will, bedarf keiner Erörterung, und die Hütte ist die Mahnung an Gottes Schutz während der Wüstenwanderung; so lautet die biblische Begründung. Aber die jüdische Ueberlieferung hat sich mit dieser Begründung niemals begnügt, sondern mit Recht viel, viel mehr in diesen Sinnbildern gesucht. Zahllos sind die Deutungen des Feststraußes, zahlreich die Bestimmungen und Deutungen der Laubhütte, so überaus zahlreich, daß man fast fürchtet, den Gefahren der Symbolik zu verfallen. Zwei Momente scheinen mir durch die beiden Sinnbilder besonders betont zu sein und damit dem Feste das Gepräge zu geben. Hütte und Feststrauß ind beide das Sinnbild der Arbeit, das Sinnbild de5 Friedens und der Einheit und damit das Sinnbild aller Kultur. Wo nicht Frieden und Sicherheit herrscht, muß der Mensch sich hinter schützenden Mauern bergen; nur der Friede gibt uns die Möglichkeit, in unbewehrter Hütte zu wohnen. Aber der Friede herrscht niemals, wo jeder sich selbst und seine Eigenart bis zum äußersten auch unter Nichtachtung des andern durchzusetzen sucht. Nur das ermöglicht das Gedeihen, daß jeder Menschen- und Vvlkspersönlichkeit ihr Recht zugestanden wird, daß jede Persönlichkeit zur Geltung'kommt und dennoch alles sich eint zu einem Bunde. Alle Menschheitskultur beruht aus der unendlichen Mannigfaltigkeit und Viel gestaltigkeit der Einzelwesen und der einzelnen Gemeinschaften. Jeder hat zu dem großen Ganzen Wertvolles hiuznzutun, indem er sich selbst gibt, ttnb die Unterdrückung des eilten oder des andern schädigt die Kultur der Menschheit. Aber jeder einzelne muß sich bewußt sein, >aß er für sich alleitt nichts bedeutet, \tub wäre er noch so groß, sondern daß es seine Aufgabe ist, sich als dienendes Glied der Gesamtheit einzusügen. „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist es dann? Und bin ich allein für mich, was bin ich dann?" In diesen Zusammenhang fügt sich die symbolische Deutung der Opfer ein, die zur Zeit des Tempels am Hüttenfeste dargebracht wurden. Siebzig Völker, so meinte man, gebe es auf Erden, und die siebzig Opfer des Hüttenfestes deutete man auf diese Gesamtheit aller Menschen. So haben unsere Vorfahren das Hüttenfest, das wie kein anderes das nationale Fest des alten Israel gewesen ist, als daS Fest der ganzen Menschheit gedeutet, so hat das Judentum, dem man so oft mit Unrecht engherzige Beschränkung auf die eigene Gemeinschaft vorwirft, auch in diesem Fest den Hinweis über beit eigenen engen Kreis hinaus gesehen. Das Judentum ist niemals jüdischer, als wenn es den großen Menschhcitsgedanken ausprägt. Dieser große Menschheitsgedanke kommt auch in der Prophetenvorlesung für das Hüttenfest zum Ausdruck. Denn nichts anderes bedeutet Sejarcharjas Wort, daß dereinst alle Völker das Hüttenfest feiern sollen. DaS ist die Verwirklichung des messianischen Ideals, des Gottesreichs auf Erden, das mit der Anerkennung des einen Gottes als Weltenkönig ausgesprochen ist. Die eine Menschheit als das Gegenbild, als die Ergänzung der Lehre von dem einen Gott. Mit diesen Gedanken fügt das Hüttenfest, so verschieden es in seinem ganzen Charakter vom Neujahrs¬ und Bersöhnungsfeste ist, sich in den Gedankenkreis dieser Feste ein. Fast wörtlich ist die Uebereinsttmmung, daß alle Menschen einen Bund bilden, um Gottes Willen zu tun. Das ist das Wundervolle an den Festen des Judentums, daß sie die großen religiös sittlichen Gedanken von allen Seiten beleuchten, nicht nur in den ergreifenden und erschütternden Tagen des Neujahrs¬ und Versöhnungssestes, sondern ebenso in der Stimmung der Freude, die das Hüttenfest erwecken will. Wir sind heute vielleicht weiter als je von der Verwirklichung dieses Ideals entfernt. Die Welt ist erfüllt von Haß und Neid und Selbstsucht der Menschen und der Völker. Wir Juden selbst haben ganz besonders darunter zu leiden. Mer es ist der Stolz und die Größe des Judentums zu allenfZeiten gewesen, unbeirrt durch äußere Dinge die Ideale zu hüten und zu pflegen, aus dem Glauben an Gott den Glauben an daS Ideal und den Glauben an die Menschheit stets von nettem zu gewinnen und zu kräftigen. So hoffen wir auf jenen Tag, Wo einig alle Völker beten Zum Einen König, Gott und Hirt, Auf jenen Tag, wo den Propheten Ihr leuchtend Recht gesprochen wird. Schafft unserer Bewegung neue Lreunöe, werbt und spendet für das lkberale Judentum! Me Zuwendungen an die Vereinigung für das liberale Judentum E. v. werden erbeten auf Postscheckkonto: Berlin N. W. 7 Nr. 127069- Zur Mm der Kritik! In der Nr. 38 dieser Zeitung hat Simplex unter dem Stichwort „Däbacle" in temperamentvollen Ausführungen die Zustände in der Berliner Gemeinde gegeißelt. So sehr man ihm darin zustimmen muß, daß grundlegender Wandel von Nöten ist und so sehr man auch den Unmut des Verfassers verstehen kann, so kann man sich doch des Eindrucks nicht erwehren, daß Simplex die Schale des Zorns wahllos über Gerechte und Ungerechte ausschüttet. Im Interesse historischer Wahrheit sollen die wichtigen Ereignisse des letzten Jahres durchgegangen werden, um die Verantworlichkeiten sestzustellen und gerecht abwägend urteilen zu können. 1. Daß der Liberale Verein sich aufs eifrigste für eine Beseitigung deS ZenfuSwahlrechts und die Einführung des Frauenwahlrechts eingesetzt hat, ist den Lesern dieser Zeitung ja auS der Veröffentlichung seiner Eingaben bekannt. Auch die Liberale Fraktion hat noch kurz vor den Sommerferien in der Repräseniantenversammlung einen Vorstoß in gleicher Richtung unternommen. Von den Parteien find die liberalen Bemühungen auf Widerstand im wesentlichen bei den Konservativen gestoßen, die bekanntlich das Frauen Wahlrecht ablehnen. Absolut ablehnend hat sich der Gemeindevorstand verhalten, aus formal-juristischen Bedenken und Furcht vor einem etwaigen Widerspruch des Preußischen Ministeriums. Daß diese' Ängstlichkeit nicht am Platze war, ergaben die Nachrichten der neuesten Zeit, denen zufolge sich der Reichsminister des Jnnem bei Besprechungen mit dem jüdischen Frauenbund ausdrücklich für den vom Liberalen Verein eingenommenen Standpunkt, daß eine Wahlrechtsänderung ohne Preußisches Gesetz möglich sei, ausgesprochen hat. Die Gesellschaft des Reichsgerichts und des Reichsministers des Aeußern hätte der Gemeindevorstand wahrlich nicht zu scheuen brauchen. 2. Der Liberale Verein ist es gewesen, der ein vollständiges Programm für die Einführung der Parochtal- Verfassung ausgearbeitet hat. Die Probe aufs Exempel ist bei den Verhandlungen gemacht worden, die zunächst die Schaffung selbständiger Kultus-Kommissionen für die verschiedenen Religionsrichtungen bezweckten. Die Liberalen stnd hierfür aufs entschiedenste eingetreten; die Zionisten und Extremkonservativen sind mit ihnen zusammengegangen. Im Bunde nur mit der geringen Zahl der Gemäßigtkonservativen hat der Gemeindevorstand wiederum einen ablehnenden Standpunkt eingenommen und die Vorlage zu Fall gebracht. 3. Auf die dringend notwendigen Synagogenbauten hat der Liberale Verein in wiederholten Eingaben und die Liberale Fraktion in Interpellationen und Anträgen hingewirkt. Die Bedenklichkeiten und Verzögerungen des Gemeindevorstand? haben dieses Werk bis heute gehindert. 4. Im Krankenhaus hat wie bekannt der Uebergrist der Kaschruht-Kommission einen Konflikt zwischen dem liberalen Krankenhausvorstand und dem zionistischen Dezernenten des Gemeindevorstandes geschwebt. Nur durch das scharfe Eingreifen des Liberalen Vereins, der eine besondere Versammlung einberufen, ist es gelungen, die Wiederwahl des liberalen Krankenhausvorftandes durchzusetzen und die Kaschruth- Kommission auszuschalten. Die weitcrgehenden Wünsche, insbesondere auf anderwette Besetzung des Dezernats, sind an dem Widerstande des Vorstands gescheitert. Der in dem Aufsatze des Herrn Vorsitzenden der Vereinigung für das liberale Judentum E. V. in der letzten Nummer gegeißelte unerhörte Mißbrauch des Scheinverkaufs des Chomez im Krankenhaus ist aus Konto des zionistischen Dezernenten d:? Gemeindevorstands zu setzen. Die Versuche des Gemeindevorstands, das Krankenhaus wesentlich einzuschränken, sind im wesentlichen gescheitert an den Bemühungen des „Vereins der Freunde deS jüdischen Krankenhauses", der die benötigten Mittel aufgebracht hat. Dieser Verein ist kein Partei-Verein und bei der Stützung des Krankenhauses sollte es sich auch nicht um eine Parteifache handeln. Immerhin kann mit Befriedigung konstatiert werden, daß der Begründer, geistige Führer und wesentlichste Förderer des Vereins der liberale Repräsentant Oskar Tietz ist. 5. Die Bemühungen der Orthodoxen und Zionisten auf Wiedereinführung des alten BeS bin, der jüdischen geistlichen Gerichtsbarkeit auch in weltlichen Gerichtssachen haben den entschiedensten Widerspruch der Liberalen gefunden. ES muß anerkannt werden, daß in dieser Frage auch der Gemeindevorstand mit den Liberalen zusammen die reaktionären An- . schlage zu Fall gebracht hat. 6. Dagegen ist die neueste „Sensation" der Gemeinde^ die Einführung der obligatorischen Kopfbedeckung für di? Schüler der Vl. Religionsschule, auf Grund der Wünsche einer kleinen Minderheit wiederum dem Gemeindevorstand zur Last zu legen. Der Schul- und Talmud-Thora-Vorstand in dem die Liberalen noch eine Mehrheit hatten, hat sich aus Veranlassung der liberalen Mitglieder gegen diese hervorragende Neuerung ausgesprochen, ist aber, obwohl er doch das berufene Organ hierfür ist, beim Gemeindevorstand nicht durchgedrungen. 7. Die Bemühungen orthodoxer Kreise, die liberale Synagoge Levetzowstraße in die Hand zu bekommen, sind gegenüber dem liberalen Widerstand vorläufig nicht fortgesetzt worden. Bis zu einem Anträge in der Repräsentantenversammlung, zu dem der Vorstand Stellung zu nehmen gehabt hätte, haben sie nicht geführt. Willige Beurteilung wird hiernach zugebcn, daß die Zustände in der Gemeinde nicht auf Konto der „Liberalen" zu setzen sind, daß Verein und Fraktion sich nach Kräften im liberalen Geiste bemüht haben. Daß jeder Fortschritt stecken geblieben, mancher Rückschritt Tür und Tor gestruden hat, ist abgesehen von Bemühungen der Orthodoxen und zionistischen Parteien im wesentlichen Schuld die unglückliche Neutralitätssucht im Gemeindevorstand. Wir können daher Simplex nur darin zustimmen, wenn er eine neue Verwaltung verlangt und an den Wahlzettel appeliert. Wir wollen nur Klarheit darüber schaffen, daß dieser Wahlzettel der der liberalen Partei sein muß._Kritikaster. Liberale Organisation. Von Eurt Brienitzer, BreSlau. Die Vereinigung für das liberale Judentum, deren Gründung in das Jahr 1903 zurückreicht, begann ihre Wirksamkeit mit erfolgreicher Arbeit. Neberall im Reiche entstanden Ortsgruppen, und diejenigen Vereine, die bereits früher die liberalen Interessen vertreten hatten, wurden zu Gruppen umgewandelt. Unter dem Vorsitz von Bernhard Breslauer wurde auch nach innen volle Arbeit geleistet. Die Gruppenleiter erhietten An- Jugendvereins-Anzeiqe W letzte Sette. 020201535353000223532353235353482390235348022353230153234848232301000100 025323010023235348234823484823530053234802534823232353904853485348482353 23485323484823535390482348234848234823484853484853484848485323234853482323535353484848