Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 38 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ der Vereinigung für das liberale Audenturrr e. V Vezugspreis durch die SeschSfteflkNe '/«jvhrNch 9IW. is.-* lklnzelnummer. „ 1.M Sür vlo Mitglieder -er Vereinigung ist der Bezugspreis lm ANtgNevSdeltrage inbegriffen. Anzeigenpreis: Die s’/'.cm breite ORtaimetcr&ettc 0Nk. s.— Famllienanzeigen Mk. 4.—. Bel Wiederholung LrmLbig. Dle „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint jeden Freitag und mit zwei monatlichen Beilagen, der wissenschaftlichen Zeitschrift „Liberales Judentum" und den „Mitteilungen der ÄrbeitSgemelnschast jüblsch-Nberaler Jugenbverelne". Nr. 38 ❖ 22. September 1922 Nebaktion: Berlin VS, Maperstr.22 (Bereinigung fU, das liberale Äudentnm e. D.) Fernruf: Amt Zentrum idr Seschitfisstelle u. Anzeigenannahme: Breslaus, Neue Sranpenstr. 7, Buchdrurkerei Th. Schatzty S.m.b.H.- Fernruf: Amt Ring 4SI und 4060. Giimtlirhe Zahlungen, Postsch elNonto Breslau 57 der Fa. Tb. Schatzkg S.M.V.H. m 3u den Zesten. Donl«Aechtsanwalt Heinrich Stern. Berlin. Vorsitzenden der Bereinipunq für das liberale Judentum, E. V. Der tiefste Sinn der prüften und ernsten Tape, die wieder ins jüdische Leben eintreten. ist die Älbstbesinnunp und die Selbsteinkehr. Unter dem proftartipen Bilde des Weltenrichters, der das Buch des Löbens am Neujahrstape aufschläpt und am Versöhnunpstapo siegelt, dem Menschen aber aefm Tape Zeit läftt. zur inneren Einkehr, zur Umkehr und zur sittlichen Erneuerunp. unter diesem einzipartipen Bilde birpt sich das prüfte Kernstück der jüdischen Ethik, daft der Mensch der Herr seines Schicksals ist. daft aber nicht die rechte Erkenntnis und das rechte Bekenntnis ausreichen. um den inneren Zusammenbruch zu überwinden, sondern daft die Tat hi nzu kommen muft. um die Umkehr oollständip zu machen. Nicht ohne Absicht haben unsere Alten an die Spitze des Jahres die Borlesunp aus der Heilipen Schrift gestellt. in der ein Vater und eine Mittler ihr Kind dem Ewipen zu opfern bereit sind. Nicht zwar nach der alten Sitte der Barbaren, welche das Blut -ihres Opfers auf dem Altäre verspritzen, sondern nach dem tieferen Sinn des Opfers, welches im -Opfer das Anfpeben eines Menschenlebens im Dienste einer ewiaen Idee erblickt. Nicht wie ein Schlachtvieh nach heidnischer Sitte soll Isaak peopfert werden, sondern als Träper der Idee des einzipen Gottes soll er das Leben seines Vaters fortsetzen. und die von Gott begeisterte Mutter pibt ihr Bestes, den heiftersehnten ersten Sohn, in den Tempel des .Herrn, damit er unter dem Schatten des Cwicren erwachse und ein reiner, heiliper, bepnadcter Mensch werde. Vater und Mutter haben pewuftt. daft sie ihrem Kinde keine leichte Bahn eröffnen, da sie es einer Idee, einer Gemeinschaft zuführen. die anders als die panze damalipe Umwelt, ia im Gepensatze zu ihr lebte, und doch trupen i> Mnc Bedenken. dieses prüftte Opfer sich und dem Geweihten znzumuten. da sic erkannten, daft nicht die Begeistern^- allein einer Idee znm Siege vevhilst. sondern ^.das werstätipe Opfer für diese Idee. Blicken wir Liberale auf das verflossene Jahr zurück, so haben wir die Pflicht, zu erklären, wollen wir uns der ernsten Stunden des Jahres wüvdip erweisen, daft die Lehre der heilipen Tape für uns noch nicht zur Wahrheit peworden ist. Es ist als Fortschritt zu Geprüften, daft unter einipen. den Führern, das Rinpen mit der Idee unseres liberalen Judentums wieder lebendig peworden ist. rmdso habe ich. trotz mancher eipenartipeu und vielleicht bedauerlichen Erscheinunpen. die Tapunp der liberalen Rabbiner als einen Fortschritt auf dem Wege der Erkenntnis beprüftt. Es ist lächerlich, von einer Krisis einer Idee zu sprechen, weil vielleicht int Durchdenken von Problemen man über aewisse Etappen hercmspe kommen ist. die man früher als Endziel erkannt zu haben erlaubte. Und tvenn heute cinipe dcr iünperen Rabbiner ihren Liberalismus etwas nach rechts revidieren wollen, so plaube ich zwar nicht, daft sie auf dem richtigen Wepe sind, würdige aber diese Ericheimurp als einen vielleicht bedauerlichen, aber erklärlichen Riickschritt gegen die absolute Indifferenz mancher Kreise. auf die sie sich einst stützen wollten und die versapt haben. Wcpen derartiper Einzeldifferenzen von einer Krisis oder aar von einer Katastrophe des liberalen Judentums zu sprechen, ist Torheit. Im rechten Augenblick ist Baeck's Buch ..Vom Wesen des Judentums" herpuspekommen und dürfte auch den Verbendetsten aczeiat haben, wie sich im Kopfe eines wahren liberalen Juden dos Weltbild malt. So lange solche Werke von Penönlichkeiten zeugen. die zur Führung unserer Sache aeboren sind, braucht uns um das Ideal nicht bange zn sein, nach dem wir zu streben haben. Aber — und nun setzt die ernste Sorge dessen ein. der mit Liebe und Hinpebunp im Dienste unserer Sache arbeitet — es sind und bleiben zu Wenipe. Einzelne, die pewillt sind, unserer Sache Opfer zu bringen. Nicht von allen kann aefordcrt werden, daft sic Tap und Nacht mit dem Enpcl rinpen. der das Elvipe in ihrer Seele bedeutet, rotzdem unser Bckenntnispebct fordert, daft wir das Ewipe n uns wach halten sollen, wenn wir daheim sitzen, wenn ivir auf der Strafte pehen. tvenn wir uns niederlepcn und wenn wir anfstohcn. Es muft anspesprochen werden, daft es selb« der cifriqftcit Arbeit führender und werbender Persönlichkeiten nicht gelingen will, die prüften Massen der deutschen Juden, die sich liberal neunen, zu dem Einzipen rercmzuziehen, was die Probe für die Tragfähigkeit einer 'dealen Gesinnung ist. zum. Opfer. Unsere Bersammlunpeu bleiben leer, nnscrc Verbände ohne Mitplieder. Ja. nicht einmal das Elendste vermag nmn darzubrinaen. das Stück bedrucktes Papier, welches die Arbeitenden in die Lape fetzen könnte, die Idee toeiter durch die Lande zu trapen. Das einzige, was vorrätig ist. ist die Kritik. Man tobt über das Vordrinpen der -Orthodoxie, man jammert über den Abfall der Jugend zum Nationalindentuni, planbt aber seine Pflicht getan zu haben, wenn man nach diesem Stoftscufzer wieder in das alte, süße Nichtstun zuriickfällt. In diesen Blättern hat man ffir und Wider den Keren .Hajeffod. den Aufibau-Fonds ffir Palästina. Stellnna qenommen. Auch ich gehöre zu den entschiedenen Gegnern dieser Sammlung, weil ich der Ansicht bin. daft die Opferfahiockeit der deutschen Iudenheit ohnehin begrenzt ist undoll angespannt werden mnft für die jüdischen Aufgaben in Deutschland. Ich erkläre aber an dieser Stelle freimütig und auf die Gefahr hin, daft diese Worte in die gepneriscl>e Presse übernommen werden: Diejenigen. welche nicht einmal für ihre eipenen Ideen die peforderten Opfer brinpen. haben kein Recht, einer Beweauna entpegcnzutreten, die wenipstens das für sich in Anspruch nehmen darf, daft sie nicht nur mit Proprammen und Vcrsannnlunpsreden arbeitet, sondern materielle und ideelle Opfer an Gut. Geiundherk und Lebensglück von ihren Bekennern crzwinpt. Das ist das Grofte am Zionismus und das, Was wir von ihm lernen müssen. Ich kannte einen sehr reichen liberalen Führer. der unsere Bewepunp nicht scharf genug ins antinationale Laper hmcinführen Wollte, einen Mann, der über Millionen gebot und vielleicht selbst ppp nicht wuftte. wie reich er War: cs ist mir nicht gelungen, von diesem .Herrn mehr als den Iahresbeitrap voll drei Mark für unsere Vereinigung zu erlangen. In den letzten Tapen hat eine unserer pröftten Ortsgruppen mit dem Austritt aus der Bereinipunp gedroht. weil es tfiv nicht möplich fei. den Iahresbeitrap. der pro Kopf auf 36 Mark festgesetzt ist, von ihren Mitaliedern heranzuschaffen. Wenn man daran denkt, daft heute kern Platz tm Theater mehr für diesen Betmp zu haben ist. daft viele nnfcrcr Glaubens' und Gesinnungsgenossen an Stätten des Veranüpens an einem Abend das Zehnfache eines solchen Betrapes zurücklassen. daft ein Tap auf der Sommerreise mit dem Hundertfachen nicht bezahlt ist, sv ermiftt man die Ovsersäbigkeit unserer Liberalen, wenn sic sich weigern, derartige Beiträge aiffzubringen. Freunde. seht Ihr nicht, wohin Ihr unser deutsches Judentum bringt. wenn Ihr heute zurückweicht? In diesen Blättern ist wiederholt davon die Rede gewesen. daft das liberale Judentum in der pröftten deutschen- Gemeinde, in Berlin. it'fcl vor eurem schtzmcen Enffchetdnnpsianp-st steht. Es ist nicht nur Berliner Sache, wenn die Jahne des liberalen Judentums von der Gemeindestnbe hera'bpeholt wird urÄ> die der vereinipten Ortbodoren und Zionisten darauf aehiftt wird. Worum es peht. dafür haben wir in letzter Zeit wiederholt Iinperzeipe erfahren. Mail will in die deutsche Gemeinde das alte Besdin. die jüdische peistliche Gerichtsbarkeit, auch für weltliche Genchtssachcn 'toieder einsetzen. man hat es pewapt, zum Pessachfeste das nnwürdipe Gaukelspiel des Scheinverkaufs des Ehomcz wieder in Szene zu setzen, und neucrdinps stört mail sopar die Ruhe unserer Toten, indem man auf dem Inedhof ein besonderes Ield errichten will für die. die nach allen Repe-ln mittelalterlicher Irömmipkeit pelebt haben, sodaft künstiphin Iromme erster und zweiter Klasse auf uniereirl ..Guten Orf" bepra-ben liopen werden, wenn diele Richtunp bei uns lherrschen wird. Die Iorm wird alles sein, und der Geist wird in der Iorm ersticken, das Erbe der prüften Reformer des 19. Jahrhunderts wird verschleudert und vertan werden. Und warum? Weil die Enkel nicht mehr die Opferfühipkeit haben, die die Väter besaftetl. Als Moses zu freiwillrpen Gaben für das Stiftzelt arlffordertc, das sichtbare Zeichen der Gottesidee in der Wüste, brachte das Volk in solchen Menpen seine Gaben, daft die Iübrcr zu Moses sapen muftten: ..Das Volk brinpt zu viel!" Ireilich, es waren die Goitesstreiler. die die Ileischtöpfe Aepvptens aepen die Wallfahrt in der Wüste einpetanscht hatten, um der zwei Tafeln des Sinai willen! Denn wir heute an diese Zeit denken, an den Icls. ans dem wir ne hauen sind, wenn wir an die Geschichte derer tenfcit. bic mit Gut und Blut einpeteten sind für ihr Judentum, muffen wir nicht schamrot werdell. wenn wir hören mtb sehen, daft deutsche Juden von der Dahn Weichen', weil sie nicht einen Mitpli^>sbeitrap von noch nicht 50 Mark aufzubrinpen pewillt sind. Mit welchem Gefiihl Wohl müssen diese Liberalen, und es sind ia oft führende Gemeindem-itplieder dabei, an den Heilipen Tapen im aften Owinn Nlplkenu-Gebet die Worte beten: ..Tu es um derer, die hinpeschlachtet worden filld um Deines Nomens willeu." Man wird mir vorwerfen, daft ich mit diesen Worten den Frieden in unserer Bereinipunp gestört habe. DerFriedcn ist put, aber vor dem Frieden die Wahrheit! Und die Wahrheit ist die: Besteht die Generation des liberalen Judentums wirklich nur aus Schönrednern, aus Kritikern und Besserwissern, so map sic obtreten nnd denen fctr Führung in jüdischen Dinpen überlaffen. die für ihre Ueberzeupunp wenipstens Opfer brinpen können. Ihr nennt Euch Liberale. Ihr nennt Euch die Freien, so beweist es und laftt Euch am heutipen Tape, da Ihr an der Wende des Jahres zilrückblicken sollt und Vorschau halten, an das Wort des pröftten Deutschen mahnen, der aus Priestermunde seinen Bekennern zuruft: „Wer Opfer heut Zu brinpen scheut. Verdient erst feine Bande!" ^tie Jahreswende. Von Martin S a l o m o n § f t. Zu dem wenigen Guten, daß die Gegenwart gebracht hat, gehört auch das Begreifen mancher Worte und Ausdrücke unseres Sprachschatzes, die ihre Frische und Kraft längst verloreu hatten und wie matte Pilger, grau vom Staube der Straße, verwittert und abgezehrt sich dahinschleppten. Redet man heute von dcr „guten alten Zeit", dann läßt sich dabei etwas denken. „Ein Hemd ans dein Leibe, das tägliche Brot und ein Dach über dem Kopfe", die vor wenigen Jahren wenig bedeuteten, sind ivicder Faktoren unseres Lebens geworden. Diese drei Beispiele ließen sich beliebig vermehren, und rver das Denken nicht flieht, möge auch einmal darüber mit sich sprechen! .Hier sei beim Eintritt nuferer Fest.zeit nur das Wort „Jahreswende" gestreift. Wie verblaßt, banal, ja ganz phrasenhaft klang es früher. Wie schwer und stark und viel» leicht verheißungsvoll erschallt es heute! Auch der Stumpfe wird ivohl einsehen oder doch fühlen, daß die verhüllte nächste Zukunft eine Enfchcidung in unserem Leben herbeiführt, daß wir vor einer Riescnmnuer händeringend stehen und nicht wissen: Was tut sich hinter ihr auf? Sollen wir hineinziehen durch das dunkle Tor oder sollen wir rückwärts fliehen in den Rachen der Unterwelt, in das Dteer des Leides? Und wenn schon das eine Wort „Jahreswende" so laut zu uns spricht, welche Gewalt thront erst in der Sphäre der Festzeit! Wenn mir früher ahnungslos, ja vielleicht sogar mit Freuden hinüberschmelgten in den fröhlichen .Herbst, als Auftakt des geselligen und betriebsamen Winters, setzt kündigt er sich gar ernsthaft an. Mit ihm kommen die grauen Stunden, die noch tn'iberen Tage, ganz lichtlosc Zeiten. Er ist nicht mehr Erntefeier und glückliches Ausruhen, der Herbst trügt heute den Mantel deS Todes, er sanrmelt uns alle ein. Mit dieser bösen Aussicht wendet sich das Jahr. Das alte verläßt seinen Posten, das neue tritt hervor, im schon in seinen ersten großen Tagen zu entscheiden, ob unsere Zuflucht das Grab sein ,soll ober eine bessere Zukunft. Denn nicht das Schicksal des Einzelnen darf jetzt die edlen Herren bedrücken; darin sei unser Geschlecht würdig der Vorfahren, die trotz aller persönlichen Fürsorge stets das Wohl der Gesamtheit als höchstes Ziel erstrebten. Nur die Sammlung und Erhebung aller beseelten Menschen, nur die Inbrunst einer gemeinsamen Reue, nur die allgemeine Versöhnung mit Gott und untereinander können noch wenden das böse Verhängnis und das in Trümmer geschlagene Werk der Menschheit uneder neu erstehen lassen. Wenn kein lediglich neues Ziffernjahr, sondern eine neue Epoche erscheinen soll, dann muß diese innere Wende kommen und wie die alten Worte muffen auch die früheren Gedanken neu belebt werden. Am 9leujahrstage wurden einst, wic zu allen Festzciten tierische Opfer, Schafe und Rinder, dargebracht. Man entaußerte sich dieses wertvollen Besitzes und gab damit — auch das verstehen wir jetzt besser — wirklich große Güter hin. Heute ist das Opfer des Verzichtes wohl bekannt und fast allgemein, doch so wenig ehemals das Blut der Widder und der Farren vergossen wurde um der Tugend, um der Genügsamkeit willens so ist auch jetzt unsere Entsagung höchst unfreiwillig, und nur die Not macht die Tugend. Warum nwllen wir nicht die Sünde selber opfern, den selbstsüchtigen Drang, und die Begierden an denen in den ganzen Jahren der Entbehrung noch nie ein Mangel ivar? Denn ob die Religion oder das menschliche Gesetz uns Schranken diktiert haben, so schamlos, so menschenunwürdig hat sich noch kein Geschlecht vergangen, wie unser Zeitalter der Unzuverlässigkeit und des Eigennutzes. Erhebend und heiligend würde die Befreiung von diesem Uebcl jsich auswirkcn, weil der große Zwiespalt in uns zur Ruhe käme, das ewige Schwanken, bem noch stets die Umkehr zum Bösen und der sittliche Verfall gefolgt sind. Ja diese Zerrissenheit und Unklarheit, dieser aufreibende innere Kampf, behenschen in blutiger Tyrannei die ganze Welt! Sie sind die Politik der Völker, der Parteien und auch der Religionen. Nur in den Kammern der Seelen herrscht Totenstille, und gerade dort muß der reinigende Sturm einsetzen, sonst wird ein überraschender furchtbarer Ausbruch schier eritorbener Vulkane allem ein Ende machen. Es gibt keine friedliche 'Glätte auf dem Meer der Geister, nur der Tümpel ist tot und bewegungslos. Wie der Schoffarklang gellend zum Ohre spricht, so muß ein lärmender Anfnihr in den Seelen entstehen. Wir müssen erkennen, das Vieles, was nach Sitte und Brauch erlaubt ist und „gut" heißt sehr schlecht ist, und manches, wenn es auch noch unbeachtet oder verworfen am Boden liegt, sich aufschwingen will zu allergrößter Bedeutung. Das gilt von irdischen Dingen und besonders von unserer Auffassung des göttlichen Regiments. Hier muß die alte mißverstandene Lehre vom Absolutismus des Weltenschöpfers abgelöst werden von der Verkündigung der himmlischen Demokratie. Eine andere, reinere jüdische Ueberzeugung erhält jetzt uneder das Wort. Sie sieht in Gott nicht das Prinzip, welches keinen Widerspruch verträgt, sondem den guten, treuen Vater, den besten Freund, und die Menschheit — wie Jeremia es empfunden hat — ist sein geliebtes Kind: „Immer'rede ich von ihm, immer denke ich an ihn, IugendvereinS-Anzeigen 8T letzt« Seite.