Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 32 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r j, f: für den Geuse« (fiel) -Verlag, in dem auch die Zeitschrift ersmeiM, geworben rverden. Einen ^Odtnreisen" erhält man, wenn man mindestens zwei neue Geschwister geworben bat. Noch gohe-tnmisvoller aber lautet die Mitteilüng: »Das Betreten der Logenräume durch iricfct geweihte Geschwister ittt'b Gaste ist nur ganz ausnahmsweise nach vorheriger Einholung der Mnchmrigung gestattet!" Hochinteressant find auch die OrdeuSbefensttnisse. Einer Leserin erscheint all der Unsinn als etwas ^Gewaltiges", gleich dem „Tosen des Sturms", und ein Professor, du schüchtern meint, es mute einiges doch etwas kindlich an. wird gehörig heruntergekanzelt mit der Schlußbemetkung: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder! Ten HSHepmckt erklimmt aber «in .Bruder", der im Besitz« eine» Runenringes ist, wenn er schreibt: daß seine schmerzten Krämpfe, die er in den Gliedmaßen habe, seit dem Tragt« des Runenringes nachgelassen haben! Auch vor manchen Unangenehmen ist «r bewahrt worden, das er ausdrücklich aufs Konto Riunenring setzt'. Ilnd darunter steht dann allitterierend: Raunt ihr Runen, rufet die rechten Streiter des Lichtes herbei. Das alles druckt di« Scstriftleitung seelenruhig ab. Man könnte über dt« Dinge lochen, wenn man nicht wüßte, wie stark dies Ordenswesen sich bereits eingenistet hat, insbesondere bei der Jugend Ostelbiens. Die widerliche Mischung von Germanischem und Christlichem erscheint von unbedingt heidnischem Geiste, imd man fragt sich, wie eine Partei, in deren Programm das Wort Christentum cine so gpo-ße Rolle spielt, wie die Deutschnationale, noch Zögert, den Trennungsstrich zu ziehen. Dem,, obwohl diese Runenleute stch natürlich als politisch neutral bezeichnen, wem sie innerlich nahe stehen, ersieht man allein schon aus der empfohlenen Literatur. Mit solchen Ideen baut man Deutschland nicht wieder auf. Diese Ideen sind ein« direkte Gefahr für die Ration, und kein politisch Denkender wird heute mehr daS llntftcü leugnen, das sie innen- und außenpolitisch anselichtet haben. Mit diesen: Unfug muß im Namen der Vernunft und der deutschen Wohlfahrt aufgeräumt werden!" Die Amnestie in Ungarn. Kirn,pp vor Beginn der Wählen zur Natioualveffammlung wurden die Individuen, die in den verflossenen drei Jahren viele Minderte Juden im Pester Komiiat niedermetzelten und ansrau'bten, unter Berufung auf die Amnestie- Verordnung auf freien Fuß, gesetzt. Diese Verfügung hat in oppositionellen Kreisen höchste Empörung Hervorgemsen, die liberalen Blätter unterzogen dieses Vorgehen des Justlzministers Tomcsanyi einer scharfen Kritik. Ter Vertreter des I. C. B. batte mit dem Advokaten Dr. Gcza Dombovarv, den, Leiter des Pester Israelitischen Rechtssehutzburcans eine Unterredung, in deren Verlauf er ihm interessante Einzelheiten über die Verbrechen der jetzt psreigelafsenet,, sgwi« über den ganzen Hintergntnd dieser Affäre mitteiltc: Unter den Freigelassenen ist in erster Reihe Iran; Balogh zu nennen, der im Jahre 1920 die Kecskemeter Mische B'^erschasl schwer insultiert bat. Dann hat er im Jzsak alle dort ansässig« Juden aus ihren Woynfiatien vertrieben. Später machte Franz Balogh das Dorf Mariahaza im Sotter Bezirk zum Schauplatz seiner Heldentaten und brachte wenigstens fünfzehn jüdisch« Bewohner dieser Gegend ums Leben. Hierauf begab er sich auf die Puszta Feketehalma, raubte dem dottigen Pächter Jacob Gettler aus, führte ihn fort und ließ ihn nach vorangehenden Verstümmelungen lebendig begraben. Balogh hat auch der 19jährigen. nngewöhikttch schönen Tochter Gettlers dre Brüste abgeschnitten und ihr di« Augen mit Haarnadeln äuSgestochen, den Gntsinspektor Andreas Fridek, die Angestellten Gabriel Kertelz tmd Paul Engel ermordet. Franz Balogh befindet sich heute aus stetem Fuß und im vollen Besitz seiner bürgerlichen Rechte. Rach dem Abzug der Rumänen im November 1919 organisierte Ivan Hejjas ln Keckkenet und Umgebung em Detachement, das unbeschränkte Gewalt hatte und zahlreiche Jude« ermordete und aüSmubte. Alle diese Raubmörder wurden mm aMnesitert. Die Lage der Inden in Rußland. Der Sekretär der Sowietgesandtschaft in Me« sprach sich gegenüber einer Gruppe Journalisten über die Judenfrage und über die besonder« Lage der Juden in Rußland au». In Rußland, sagte er, existiert keine Judenfrage, da der AntisemMSmus bereits in der Mgierungsperiode des Fürsten LwowS ustd KerenÄchs überwunden war. Wohl wäas uns ein chsstMilcüiouSberetteS Judentum willkommen, dennoch wollen wir di« jüdische, Kultur und die Sprache der Mischen Massen nicht irttc geltest lassen, sondern auch fördern. Die Kunstleistung der Juden wird im allgemeinen seitens der Regierung sehr hoch eingeschätzt. Er berichtete, daß in der letzten Zelt ist der Mraine viele neue jüdische Gvmnasien errichtet wurden und sprach in diesem Zusammenhange seine Verwunderung über Schalom Aschs's Festste! lun gen einer angeblichen judenseindlichen Politik der Sowjetregierung aus. Wahr ist nur die dem Zionismus absolut feindliche Stimmung der Sowjetregienmg, di: der Meinung ist, daß das jüdische Proletariat in Palästina keine wirtschaftliche Fv«hmt finden wird. Sowjet rußland kennt die inodernen und humanen sozialen Prinzipien, die in dem Prckästina-Aufbaupsan enthalten sind, die westeuropäischen Mächte jedoch lassen sich in ihrer Palästina-Politik bloß von dem Gedanken leiten, Palästina zum Einsalltor des östlichen MsatzmarkteS zu machen. Deshalb ist die wirtschaftliche Jreivcil eines jüdischest Palästina ein Ding der Unmöglichkeit. Lesefrüchte. De. M. Spanier, MMveburg. Der im Jahre 1919 verstorben Professor D e u s f e n in Kiel, berühmter Theologe, Freund Ritzsches und begeisterlcr Anlstrnger der Schopenhauerschcn Philosophie (Begründer der Schopenhauer-Gesellschaft) hatte sein« Lebcnscrinnerungen aufgezekchnet, di« tw* seiner Tochter Ertta unter de« Nt«! „Mein Leben" herausgegeben und bei Brockhau» 1S22 erschienen sind. Einiges aus dem Werke, das für die Leser dieses Blattes besonderes Interesse erweckt, möge hier hervorgehoben werden Deussen studierte 1865 in Tübingen Theologie. Seine freisinniger: Anschauungen standen im Gegensatz zu denen seiner Freunde. D. bemerkt Seite 90: .Ich brauchte nur den Mund M öffnen, so pickten sie scbon auf mich, und eine Zeitlarig! ding ich mich an einen Inden namens Stern, der mich jedoch mit seinem krassen Materialismus schließlich noch mehr abstieß, als jene Lämmer aus Be«ckr theologischem Schafslall." (Wahrscheinlich ist dieser Stern der nachmalige Rabbiner von Buttenhausen, der Mitarbeiter an Geigers Zeitschrift für Wissenschaft und Leben war. Er hat später, wenn wir nicht irren, dem Rabbinerbrrus entsagt und eine führende Rolle im sozialdemokratischen Lager gespielt.) Ueber feine Studien in Bonn sagt Deussen u. a.: „Ein Kolleg bei Jakob Bernahs über Lukrez war um insofern anregend, äs es uns das Beispiel eines fleißigen und sorgfältigen Zusammentragens bot." (Professor Dr. I. Bernohs, Sohn des Chacham-Jsaac Bernays in Hamburg, berühmter klassischer Philologe, gehörte zu den ersten Lehrern des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau, starb 1881 als Ilniversitätsprofesior in BoNu.) Interessant ist Deufsens Auffassung über Religionswechsel: „Man begegnet häufig der Meinung, daß ein Wechsel oer Konsisslon aus äußeren materiellen Gründen verwerflich, gesckstcht er aber aus Ueberzeugung, zu billigen sei. Ich bin gerade der entgegengesetzten Ansicht. Wer aus vermeintlicher Ile her zeugvng sein« Religio« wechselt, der kann mir leid tun. temt er klebt an der Außenfläche, da nur auf dieser die konfessto-ncllen Unterschiede beruhen. Wenn aber jemand, um wertvolle Erfolge zu erlangen, genötigt ist, die Schale, in welcher der für alle Menschen identisch« Kern der Religio» eingebettet ist, mit einer anderen Schale .. . vertauscht, dem kann ich dies (wie bei Winckelmann) durchaus nicht verd'nken." (Darüber kann man sehr woA anderer Meinung sein.) Humorvoll schildert Deussen Seite 268 die Begegnung mit dem berühmten grundgelehrten Assyriologen Jules Opperl aus Paris auf dem Orientalisten-Kongreß in Stockholm und Clniftianio 1889. Oppert benahm sich beim Trinken so unbcboffen. daß Frack und Beinkleider bis aus die Füße begossen wurden und er von seinem Nachbarn dazu beglückwünscht wurde, als Jude nun endlich doch die Taufe empfangen zu hvbeiu (Die Herausgeberin des Buches ist die Gattin des Professors Dr. Werner Rosenthak in Göttingen.) Schriftvorlesung am 12. August 1922: Toraabschnltt: Ekew. Haflora: Jesaja 49M—51*. Gottesdienst Breslau Bits Synag. Neue Synag. '^itag 11. 8. Beginn . abends 7.15 7.15 S^.iabd. 12. 8 Beginn . . morg. * 6.30 8.30 9.00 Neumondweihe . > vorm. — — Predigt. — — Jugendgottesdienst . nachm. — — abends 8.07 8.07 fln den 1 3. 8 Beginn . .... morg. 6.30 6.45 »Vcdien- bis lagen IS. 8. Beginn. abends 7.15 7.15 Baugeschäft Prinz & Kalasche, Breslau Kaiser- Wilhelmstr. 133, Telefon Bing 4410 empfiehlt sich zur Ausführung sämtlicher ins Fach schlagenden Arbeiten. Schlaf- Äimmer Eiche, hell, vornehme Form, äußerst preisw. A. Sprotte Breslau, Breitestr. 15. Berlin» WM riefmarken- Zeitung gratis. (jlxsl Viele Ge1ejetibeit*Bngebote. Barankauf von Marken und kleinen u. großen Sammlungen. Philipp Kosack X Co. Berlin C 2, Burgstraße 13. WO^MeMeifAtn ... gegen andere Fabrikate.' (Svfpavnis 50$ pzrüfef5 Betekf dauernd hc//3e5 &J'\ Nähere Auskunft, Prospekte u. s. w. an rennmafe.no durch die Generalvertretung Ostdeutsche Grude-Oes. Breslau “MSÄESÜ1- IrMüiemiiisM ii.-lfialsr JoieMne DratulMs. Ili-Berlin Ili-Breslau. Böro: .Hfifchenstr. 61, II, I. Sonntag, den 13. Hugust 1922 flalapostlopadMiitz Treffpunkt 1 Uhr mittags Odertorbahnhof Abfahrt 1,52 Uhr vom Odertorbahnhof. Sonntagsfahrkarte 4. Klasse bis Trebnitz selbst lösen. DerRusflug findet bet jeder Witterung statt. Montag, den 14. Hugust 1922, abends von 8 U r ab (bei jeder Witterung) Geselliges Beisammensein im „Roland“. Büro: W 8 Mauerstr. 22 Amt Centrum 162 Freitag, d. 18. Hugust, abends 8 Uhr im Heim : Freitag- /ibendfeier. SP Kaust nur bei Inserenten! Meisen verehrten Kunden rar gefl. Kenntnis, daß ieh am 15« September er. GrSbschenerstr. 39 eine MIIddii Dodernor Belenctitoiosköp iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiitiiiiiiriiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiinimii el ektr. Dduorale, Motore, Heizkörper etc eröffne and bitte, das mir bisher entgegengebracltte Vertrauen auch an! meine hier angeköadigte 6oschäfteerweiternng ausradehnen. Hochachtangevoll (Ttidkawd Seil ent, Elektrische Lieht* and Kraftanlagen Breslau 5, Gräbschenerstr. 39. Kabarett Kaiserkrone?r«slao, Sehweiin. Stadtgr,9 Das erstkl. August -Progr.: Celly de Rheidt mit ihrem Ballett. 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