Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 31 (4.8.1922)
- Date
- 1922-08-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mtht ßtet weniger jü bisch« Studenten zu Haie«. — eine der. artige Diskussion ist so absurd, daß ich nur mein Erstaunen darüber ausdrücken kann, wie intelligente Menschen sich dar» auf einlafsen können. Der Student einer amerikanischen In» stitutes. der ein Vorurteil dagegen bat, von Juden, Katholiken, Metbodisten, Iren oder Italienern unterrichtet zu werden, sei es wegen Religions- oder Rassenhaß, der sich sogar durch die vereinten Bestrebungen der ganzen Fakultät, deren Gehalt zum größten Teil durch das Wohlwollen des amerikanischen Volkes bezahlt wird, — ein derartiger Student muß sofort relegiert wenden. Wenn sich auf unseren Kathedern Vorurteile breitmachen, „als ernste Gefahr für die Gesamtheit", ist es die brinyendste Pflicht der Gesamtheit, diele Vorurteile zu vernichten. Ein Denkmal a«S Kölns vergangenen Lagen. Die scharfen Eisenzähne der Baggermaschine Huben am Bonner Tor in diesen Wochen das Leben vergangener Jahrhundert« aus dem verschwiegenen Schoße der mütterlichen Erde an das Licht mrd den Tag herausgezogen. Draußen «n Bonner Tor, im Winkel zwischen Bischossweg und Räderoe-rger Straße, hat der Eisenbahnstskus das znm größten Teil der Stadt gehörig« Gelände enteignet und läßt aus ihm seit Ende des vorigen Jahres Erd arbeiten und Wegebauten aussühren. An diesem Fleck unserer Vaterstadt hängt seit unvordenklichen Zeiten der Rome „zimr toten Juden". Die -äh festhal-tend«, besonders auch an Orts- und Wegenwnen gebundene Volksüberlieferung hat einen neuen Beweis ihrer Treu« und Wahrheit «rbrucht: an eben dieser Stelle liegen die toten Juden des mittelalterlichen Köln. Die Totest der urkundlich ältesten Judengemeinde Deutschlands, die unter den Römern volles Bürgerrecht genoß und schon um 280 nach Christi Geburt eine Synagoge besaß; di« sich um das Jahr 1000 zu einem mächtigen, selbständigen Gemeinwesen auf ausgedehntem Terrain mit allen Gemeindeeinrichtungen, mit Magistrat und eigener Gerichtsbarkeit entwickelt hatte; hie von der Zeit der Kwuzzüg« an das schwäre Martyrium ihres Glaubenheldenhaft trug!, gerade in diesen für st« so dunklen Zetten das Licht des 'jüdischen Wissens aus allen Gebieten durch ausgezeichnete Vertreter pflegte und mehrte und endlich im Jahre 1349 den von eigener Hartd errichieten Scheiterhaufen bestieg, um der Zwangsbekehrung zu entgehen; die weiterhin von 1372 an noch einmal ein kurze-, an Unbilden reiches Dasein fristete, bis dann im Jahre 1424 „den reu binnen Köln ihr Schirm und Fürwort ausgesagr und zu ewigen Zeiten ansgewiesen wurden". Daß die gegenwärtige, kurnach 1800 neubegründet« Kölner Mische Gemeinde eine bestimmt« Kunde vom Men rbenfriedhof weder besaß noch im Lauf der Jahre erhielt, Wetter nicht verwunderlich. Vier Jahrhunderte lang hatte Mischer Fuß den Boden Kölns nicht betreten, und die Äußeren Friebhvfzeichen waren vermutlich schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ausgetilgt, indem die Grabstein« weggejschleppt und zu Bauzwecken, n. a. beim Kavalier am Severinstor und beim Schloßturm in Lechenich, verwendet wurden. So bedurfte es also eines von außen kommenden Anlasses, um dem gegenwärtigen Geschlecht die stummen und doch so beredten Zeugen einer großen Ber« Müvgenheit wieder sichtbar vor Angen zu führen. Nachdem mm einmal dt« Erde geöffnet und das Gräberfeld aüfgedackt ist, ergibt sich aus den vorhandenen topographischen Hinweisen und urkundlichen Belegen, und ebenso aus den Befunden der Grabstellen selber mit unzweifelhafter Sicherheit: eS ist der uralte Judenfriedhof vor dem Severinstor, mit seinen vielleicht noch aus spätrömischer Zeit, sicherlich aus dem ganzen darauffolgenden Jahrlausend stammenden Totengeschlechtern, der im Jahre 1922 seine merkwürdige Auferstehung feiert. Mit seltsamen Empfindungen steht man draußen zwischen den Gräberreihen. Da liegen sie, zu Hunderten, zu Tausenden, in schnurgeraden Straßen, die einzelnen Grälbstellen in genauer Richtung von Oft müh West, ohne Namen, ohne Zeichen, ohne Denkmal, ttw Schädel und Knochengerüste. woihlerhalten, die sich Teil für Teil aus der Erde herausschäteN, in der oft feine, dunklere, im R'echieck gezeichnete Streifen die letzten Spuren des vermoderten Sarges bezeichnen. Besonder» beachtenswert sind die lfttttitaiiecimgeit und Steinumfaffungen, die sich, jedenfalls zum Schutze der Leichen vor Etdetnbruch und dergleichen, in der Erde bei einer ganzen Anzahl von Gräbiern befinden. Die Steinumsassungen bestehen aus zwei Reihest mächtiger, oben abgeschrägter, pyramidenförmig gestellter Ziegelsteine, die am Kopf- und Fußende \t einen, gleichfalls nur angelehnten, Schlußstein haben: di: Ummauerungen sind regelrechte Bauten aus Tuffstein ttnd Mörtel, durch Eisenilammern zusammengehalten. Beide? ist an jüdischen Gräbern auf deutschem Boden sonst unbekannt, jedoch in östlichen Ländern noch anzutteffeN: der Ursprung weist vielleicht aus die Felsen- und Söhlengräber Palästinas hin. — Starke, große, wohlgebaute Menschen formen sich dem sinnenden Blicke aus den zu Tage gehobenen Gebeinen. Die Phantasie schweift in die Fernen und weilt nachdenklich bei den hier bestatteten Vorfahren — aber da hinten schnaubt und flirrt der Bagger, frißt sich näher und näher heran und scheucht das leichte Spiel der schweifenden Gedanken vor der ernsten Forderung der knappen Stunde: seiner zermalmenden Wucht die toten Gebeine zu entreißen und sie zu neuer Rnbe und ungestörtem Frieden wiederum zu bergen. In der Durchführung dieser Aufgabe hat uns zunächst die EisenbahNbehörb« willig unterstützt. Sie gestattete die — von uns zu bestreitend« — Abirogung der oberen Schicht des Gelände- bis zu einer Tiefe von anderthalb Metern durch Handarbeiter. Durch diese Tätigkeit an der zurzeit in der BvJgrrung begriffenen Nordostecke sind in den vergangenen Wochen über dreihundert Gräber geöffnet und die geborgenen Überreste aus unserem Friedhof in Bocklemünd bestattet worden. Für weitere Schritte bet den obersten Staatsbehörden erbaten und erhielten wir die Mithilfe Sr. Eminenz des Kardinals Dr. Schulte, der in vollem und herzlichem Verständnis für unsere Angelegenheit in einem Schreiben an den Minister zum Ausdruck brachte, daß er unsere dringende Bitte, den Friedhof überhaupt zu erhalten, aus das wärmste befürwortet, sie „betrifft meine? Erachtens einen kulturgeschichtlich übemus wertvollen Gegenstand. Es handelt sich um den wiederentdeckten, bis in die Römerzeit biinausreich enden jüdischen Friedhof in Köln. Seine Erhaltung liegt, da er in Deutschland wobl zweifellos der älteste, sein wird, nicht nur im Interesse einer Wohl erklärlichen relialösen Pietät, sondern auch im Interesse der archäologischen Wissenschaft". Auf solche Fürsprache gestützt, baben wir beim Reichs- »erkehrsmimsterium erreicht, daß uns die Südseite des Gräberfeldes in einer Ausdehnung von über 3000 Quadratmetern zum Erwerb und zur Erhaltung bezw. Wiederausrichtung als Friedhof zugesprochen worden ist. Die Eisenbahnbehörde bat sich in dankenswerter Weise mit den dadurch notwendig gewordenen Veränderungen ihres ursprünglichen Bauplanes ein-- verstunden erklärt: so kann also dieses Stuck des alten Friedhofs an der auf der Südseite neuangelegten Straße, vvn der Ralderberger Straße bis nahe an die wiedettmsgesnndene alte 'Friedhofsmauer reichend, zunächst der Umbettung der ans den anderen Teilen ausgehobenen Gebeine dienen, um dann zu einer würdigen Ge-achtnisftätte zu werden und den Toten vergangener Jahrhunderte als sicherer Ruheplatz für immer zu verbleiben. — Hat nicht auch bi« Stadt Köln ein gewisses Interesse an diesen Vorgänge»!? Ist di« aus dem Erdreich am Bonner Tor aufsteigeNbe Geschichte nicht auch ein Teil ihrer Ge. schichte? Und dieser Geschichte mit ihrer Harte und Herbheit ein Denkmal ber Milde und Versöhnung, der Pietas wie auch der Caritas anszurichirn, nicht auch in den Umkreis ihrer Kultnmüfgaven hineingeftellt? Indem wir diele Fragen aUfwersen, glauben wir ausivrechen zu dürfen, daß sie bei den maßgebenden Stellen unserer lieben Vaterstadt eine gerechte und billige Erwägung stützen werden. „lieber den — Herzlwald.* Die Zionistische Exekutive hat kürzlich in hebräischer Sprache eine Broschüre Heran sgegeben. die auch über die viel erörterte Angelegenheit des Herzwaldes Auskunft gibt und begangene Fehler freimütig eingesteht. Einleitend wird betont, daß die Aufforstung Palästinas eine der wichtigsten Aufgaben der jüdischen Kolonisation darstellt, weshalb «S durchaus richtig war, der Keren Kajjerneth Lejisraei, damals bas einzig« Kolonisaiionsinstrument, schon vor Jahren cm die Pflanzung des Herzlwaldes beranging. Nun wird ohne weiteres zugegeben, daß die Pflanzungserfolge vor dem Kriege ungenügende warm, weil man sich zunächst in der Methode vergriff. Daran trug eben der Mangel an Erfahrung schuld, unter dem bisher alle kolonisatorischen Unternehmungen leiden mußten. Der ursprüngliche Hauptfehler war, die Aufforstung nn mittels Fruchtbäumen vorzunehmcn und insbesondere den Oclbaum zu bevorzugen. Man hat sich bei dieser Wähl Vvn finanziellen Gesichtspunkten leiten lassen, nämlich! von den ziemlich hohen Einkünften, die der Araber von diesem Baum erzielt- Nun aber pflanzt der Araber im allgemeinen auf seinem Felde hier und dort ein paar Oelbäume und pflegt sie so nebenbei. Dies macht ihm kaum eine Mehrarbeit und er kann darum viele Jahre geduldig warten, bis ihm der Oelbaum Früchte trägt. Dagegen in Masten gepflanzt, er. fordern die. Oelbäume ständige Pflege und für Arbeitslöhne, Geräte ufw. die Investierung eines bedeutenden Kapitals, das nur sehr langsam amortisiert wird. Außerdem brauchen Fruchtbänme guten Hoden, den sie dann anderen Kulturen cittziehen, während für Aufforstung von Nutzbäumen sandige« oder steiniger Boden, der billig zu haben ist, durchaus genügt. Wetter hat der Kriegnicht nur Neupflanzungen unmöglich gemocht, sondern, war schlimmer war, di« Pflege der schon bestehenden Bäume verhindert, dr eS an Geld, Arbeits« kräften und technischen Mitteln fehlte. Für die Fiuchtbäum« bedeutete dies den Untergang. Dazu hat di« bekannte Heuschreckeninvaswn die jungen Pflänzlinge verwüstet. Und zum Schluß kam die wichtigste Plantage, welche in der Feuerlmi« lag, schwer zu Schaden. Die Broschüre zitiert darüber eindrucksvolle Aussagen von Augenzeugen. Diese Kttegsschäden allein betrogen nicht weniger als 29 000 Pfd. Sterling und noch einer 1919 vorgenommenen Zählung blieben nur 17 631 Fruchtbäume und 3415 Nutzbäume übrig. Uevkigens wett Vas Schicksal der privaten jüdischen Pflanzungen im Land« während des Krieges dasselbe und off noch schlimmer. Reüe und Antwort. Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Zuschriften aus unserem Leserkreise, deren Inhalt von allgemeinerer Dedrw tung ist. Wir erklären uns bereit, Mische Angelegenheiten, die unsere liberale Bewegung berühren, hier zur Besprechung zu stellen, sofern sie nicht zu breiten Raum einnehmen. Annahme oder Ablehnung behalten wir uns in jedem einzelnen Falle vor. Die Gcheistleitnng. Berlin, den 17. Juli 1922. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie schicken mir einen Artikel, der erst in der Breslaue, BolkSzettung veröffentlicht wurde und jetzt mit Randglossen des Verfassers in der Jüdischen Rundschau wieder abgedruckt wird. Als ein früher sehr bekannter, jetzt fast vergessener Schriftsteller mich in den 80er Iahten in konservativen?ei. nmgen angriff, wollte es ihm trotz aller - Versuche nickt ge. lingen, mich zu einer Antwort hevauszulockm. Erst als ich ihm gelegentlich persönlich erklätte: er könne über mich schreiben, was er wolle; meinetwegen könne er sogar b«, laupten, ich hätte einen Menschen totgeschlagen oder ich hätte silberne Löffel gestohlen, ich wiwde, ihm doch nickt in der Oefsentlichkeit antworten — erst dann utttervließen di« Anzapfungen. Im übrigen haben Sie recht. GS gcht dem ZtoniSmus jetzt so schlecht, daß man eS einem seiner Anhänger nicht übelnehmen kann, wenn et die Wahrheit nicht vertrage« kann und stch ärgert. Genehmigen Sie den Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener B«rndärd Breslauer. Schriftvorlesung am 5. August 1922s Toraabschnitt: Wofcsschanon. Haftora: Jesaja 401—". Gottesdienst Breslau Rite Synag. Neu* Synag. Freitag 4. 8. Beginn . . . abends 730 7.30 Bonnabd. 5.8. Beginn .... morg. j 6.30 8.30 9.00 m Neumondweihe . \ vorm. — — Predigt. lO.on 9.45 Jugendgottesdienst . nachm. Schluß .. abends 8.22 8.22 Hn den 6.8. Beginn . morg. 6.30 6.45 Wochentagen bis 11.8. Beginn . . ... abends 7.30 7.30 Baugeschäft Prinz ck Kalusche, Breslaa Kaiser^ Wilhelmsir. 133, Telefon King 4410 empfiehlt sich zur A ins Fach schlagenden 10 441 sämtlicher [ rbeiien. Berliner rlefmarken- Zeltung gratis. Viel« Qeltftnheltianrebote. Barankauf von Marken und kleinen u. großen Sammlungen. Philipp Koaack L Co. Berlin C 2, Burgstrafie 13. Wir bitten bei Einkäufen auf die Sfldlidi-liberale Zeitung Bezug zu nehmen. Kauft nur bet Inserenten! gegen andere rabrikateJ an Brennmaferta Nähere Auskunft, Prospekte u. f. w. Ostdeutsche Grude-Ges, Heinrich Emden & Co Telegramm-Adresse: Golderz Bankgeschäft Berlin W 56 Jlgeratraße 40 Telefon; Amt Zentrum 9513 u. 9514 Fernanschluß; Amt Zentrum 13653 Relchsbank-Glro-Konto Postscheck-Konto 2477 AosFfltirnng oller OouMBIfen Transahtlonen Haus in Frankfurt a. Main und Hannover DiMilamli. Hi •Breslau. Büro: Höfchenstr. 61, II, I. Mentag» den 7. Huguat 1922, ebenda von 8 Uhr ab (bei jeder Witterung) Mllgn Beliamneneln Im «Roland*. Ili-Berlin. Büro: W 8 Mauerstr. 22 Amt Zentrum 162. Voranzeige: Sonntag ,d en 13. Huguat 1922 (bei Jeder Witterung), Treffpunkt 1 Uhr mittags Odertorbahnhof Abfahrt .1,52 Uhr vom Odertorbahnhof. Sonntagsfatirkarte4. Klasse bis Trebnitz selbst lOsen. Donnerstag, den 10. Hugust abends 8 Uhr im Heim: Vortrag vnn Herrn Ref. R. Lilienthal: Die religiösen Richtungen 1 unter den Hb. Rabbinern. durch die Generalvertretung Rrfitlau Rnpferscbmledestrasse 18, Wl Sonnabends geschlossen. r Amhold Rosenthal jL Breslaa, Neue Schweidnitzer Strafte 5 j? empfiehlt L Uhren und Juwelen Sonntag, den 13. Hngust: Richtung Mflggelberge. Tages-Ausflug. Treffpunkt8,10 Stadtbahnsteig fllexanderpl. mit Karte b. Friedrichshagen; Rbfahrt 8.21. Großes Lager EdUer OleshtUter IJhien * Lange Sühne, Assmann. .-oiiinin,„1iimh,...-„.imiii,—„iinn...„unn,, Heirats-Gesuche haben bei der weiten Verbreitung der »I. LZ? in den beste« jüdischen Kreisen durch eine Anzüge in diesem Blatt zufriedenstellendste Wirkung. 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