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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-07-28 · 30 (28.7.1922) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
30 (28.7.1922)
Date
1922-07-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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gehe« lassen, dann durch die Schöpfung der «euplatontschm Philosophie auch dar Heidentum neu belebt. Im Mittelalter hä er fast den gesamten Geldverkehr zu monopolisieren Mt« standen, in der Neuzeit Europa einen seiner größten Denker «fdfcttlt, und seit in unserm Jahrhundert die gesetzlichen Schranken gefallen sind, die ihn dir dahin einengten, gibt eS kein Gebiet der geistigen und wirtschaftlichen Tätigkeit, auf dem er nicht sogar dm germanischm Nationen zmn ebenbürtigen und ott überlegenen Akikbewerber wurde. Und dieser Stamm ist nicht etwa ein Liebling des Glückegewesen, sondem im ganzen Verlauf der Geschichte hat kein anderes Voll soviel Schläge und Niederlagen erlitten — wie die Inden. (Mtgeteilt von Dr. Sigfrid BehvenS-Göttingm.) Rathenau-Mord als Selbsthilfe. Die „Deutschvölkischen Blätter", das in Hamburg erscheinende Organ des Dcutschvölkifchen Schutz- und TrutzbUNdes, ist am 2. Juli noch immer erschienen! Sein Heran?. ge!ber Alfred Roth nimmt in dieser Nummer Stellung zum Rathenau-Mord. Die Formel, die er wählt, um sowohl iene heuchlerische Entrüstung zu vermeiden, die die treuesten Anhänger vor dm Kopf stoßen könnte, wie auch jener Verherrlichung aus dem Wege zu gehen, die ihn in Konflikt mit dem StaatSgerichtshos bringen würde, lautet: „Die ihn aus ihr Gewissen genommen haben.. ." Schuld an der Tat ist. .. „die Hetze ltnksradikaler Kreise gegen Andersdenkende", der die' Regierung untätig zugesehen habe. „Die Selbsthilfe gegen die gewalttätige Unterdrückung durch verrohte und verhetzte Radikalisten ivar daher ein Gebot der Selbsterhaltuug. wollte sich die völkische Bewegung nicht selbst aufgeben." Wenn diese Zeilen überhaupt in diesem Zusammen^ btmg einen Sinn haben, so doch nur den, daß die Tai der Dechow, Günther, Fischer und Genossen «in Akt der Selbsthilfe, des Selbsterhaltungstriebes war. V Herr Roth fährt fort: „Es war schon recht lange mit Lebensgefahr verbunden, ein Deutschnationalcr, ein Alldeutscher, ein Völkischer oder gar ein Hakenkreuzler zu sein und für seine Meinung einzutreten. Mit oft geradezu viehischer Roheit wurden gegen solche Kreise von Linksradikalen Gewalttätigkeiten verübt, deren jüdische Urheberschaft häufig genug nur allzudeutlich hervorlrat. Das war ein offenes Geheimnis und doch geschah nichts, um solchem Treiben zu wahren. Im Gegenteil: selbst maßgebende Politiker der Linken, wie etwcrScheidemattn, machten sich durch unverantwortliche Hetzreden an solchem Treiben mitschuldig." Erzberger, Ratbenau werden ermordet, Scheidemann entgeht nur durch einen wunderbaren Zufall dem Tode, aber Nicht die republikanische, sondern die deutschnationale Gesinnung War mit Leben sacfabr verbunden. Wird mit „viehischer Roheir verfolgt! Und Scheidemann ist der unverantworisick-e Hetzer. Der Verfasser bezeichnet cS als „Ausfluß parteitaktischer Demagogie", wenn bei den Kundgebungen im Reichstag alle Schuld an: Rathenau-Mord den Deutschnationalen und im besonderen den „Deutschvölkischen" aufgebürdet ist. Die Mörder sind aber bereits am 26. Juni als Völkische polizeilich ermittelt, zum Teil gefaßt und geständig. Am 2. Juli aber erscheint ein deutschvölkisches Blatt und weist stb« Atmv wir"-! ~ der „völkischen* als „Ausfluß parteiraktifcher zurück! Di« Linksparteien sind „schuld an der tn btt solche Taten geboren werden. Da haben Der Rest des Artikels ist eine wütende Anklage gegen die Ausnahmeverordnungen, gegen dies« bewußte und ab« sichtlich« Rechilosmachung der Vertreter völkisch-nationaler Regungen, gegen das „Revolutionstribunal zur Unterdrückung Andersdenkender", gegen den „Gerichtshof zur Abknebelung der Meinungsfreiheit": „So weit haben wir es in Deutchland unter der Herrschaft der Demokratie schon gebracht", rust Herr Rotb entrüstet aus, der schließlich, nachdem er seine Anhkmger als den „größeren T«N des Volkes" gepriesen bat, seine Mitarbeit am Mederausbau der Regierung anbietet! Wir nehmen an, daß diese letzte Unverschämtheit des Herrn Roth auch sein Schwanengesany gewesen sein wird, da die Organisation, deren Organ die „Deutschvölkischen Blätter" sind, inzwischen aufgelöst wurde. ReÜe unö Antwort. Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir Zuschriften aus unserem Leserkreis«, deren Inhalt von allgemeinerer Bedeutung ist. Wir erkläre« uns bereit, jüdische Angelegenheiten, die unsere liberale Bewegung berühren, hier zür Besprechung zu stellen, sofern sie nicht zu breiten Raum einnehmen. Annahme oder Ablehnung behalten wir uns in iedem einzelnen Falle vor. Die Schristleitung. Berlin NO. 48, den 21. Juli 1922. Sehr geehrte Schristleitung! Ein Zentralorcan für das orthodore Judentum findet im wunderschönen Monat Siwan 5682 Gefallen daran, sich mehrmals mit dem liberalen Judentum zu beschäftigen und seinem Unmut darüber die Zügel schießen zu lassen, das; unsere Bewegung kraftvoll sich entwickelt und für die Wissenschaft sich begeistert. Was soll dieses Geplänkel? Das Jubelfest der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, an dem die gesamte iüdische Welt freudig teilnahm, verdreilßt den Separat-Jsraeliten gaüz besonders. Erst bekommt die misrnchistische ..Jüdisch« Presse" eine fromm« Ohrfeige, weil sie von dem Akt überhaupt Notiz nabm, und der Dichter Bicklik eine knallende, weil er den Goftesnamen ausspricht, als wem dieser Nicht dazu da wäre, angeruscn nnd geschrieben zu werden. (Vgl. 2. Buch Mose. Kap. 3, Vers 15b.) Dann aber werden die Zionisten gerüffelt. t; sie mit den Liberalen zusammen gefeiert haben. Das Ganze tragt die gut antisemitische Ueberschrifi: „Deutsch-hebräisches Reformjudeniitm". Man soll doch heutzutage mit Fett, und sei es auch nur im Druck, sparsam umgehen! Eine angesehene Anstalt nennt man keine „Brutstätte". Aber noch nicht genug! „Sie züchtet einen Geist, der ein an keine Tradition gebundenes Menschentum predigt, der die Messias-Hoffnung ans dem jüdischen Herzen, das hebräische Mort aus dem Tempel reißt." Hier werden also in einem Satz religionsgesetzlichc Todesstrafe und rituelles lebenslängliches Zuchthaus hinterher dekretiert. Ganz zerknirscht darüber, daß jeder Jude fortschrittlicher Gesinnung nun zu dauerndem Ehrverlust, verurteilt ist, wage ich uoch röchelnd zu fragen, ober der Frankfurter- Tanzpalast (vgl. das Inserat im „Israelit") auch von den rechtgläubigen Lesern besucht werden darf oder nicht? Ich werbe darauf keine Antwort bekommen unö will lieber veil Israelit" informieren, baß Liberale und Zionist« vernünftig genug sind, die heilige Wissenschaft des Judentums als Stätte des Friedens und der Versöhnung gemeinsam z« lieben. „Zionisten! Laßt euch nicht vom liberale« Judentum einsangen!", bedeutete kurz gefaßt dieser erst« Anwurf. Wir stimmen aber dazu Webschrei und schwarze Tränen darüber, daß die Orthodorie mit dem liberalen (?) D. I. G. B. wegen der bösen Zionisten nicht die Gesamtorganisation der deutschen Juden gründe-n konnte, was sie, ach so gern, — das hört inan aber erst hinterher — gewollt habe. Wii werden belehrt, daß es uns jetzt ans Matt geht, an den Lebensnerv des liberalen Judentums. Wir werden ermahnt, uns zusammenzunehmen und stramm liberal zu bleiben, sonsi wird der nationale Karre»: (besonders nette Bezeichnung!) Vorfahren. uitb wir werden Abraham Geiqer Schande machen. Mit einem Wort: „Liberale, laßt euch nicht umgarnen, sonst wirb die Hochschule national!" Vielleicht bedeutet dies aber auch, denn man kann doch bei dieser ortbodoren Konsequenz aus jedem Buchstaben her« anslernen: „Liberale, verbindet euch bei den Berliner Reprä. sentantcnwahlen mit der Orthodorie, sonst überrennt euch der Zionismus!" Seinen diamant-echten Trumpf aber kleidet das unsehl« bare, allwissende Blatt in einen ironisch sein sollenden Aus« ruf: „Selig, die es Nicht wissen!" Das ist nun wieder «ine der häufigen Entaleisungen nach außen, die hoffentlich — nachträalich wenigstens — erkannt werden wird, nnd darum will ich m»r folgendes bemerken: Jrgendwem in pilpulistifcher Art vorurwerfen, daß seine Abnen nicht am Sinai gestanden haben, ist ganz uniüdisch, und die anqeschlosiene, für dev Liberalismus gedachte. Gebrauchsanweisung, erst mit dem Ales imd dann mit dem Pentateuch anzufangen, hat „Der Israelit" nötiger als jeder andere. Er beginnt nämlich gleich mit dem Talmud, erber wie ein Analphabet hält er ihn immer verkehrt und verdreht in der Hand, sodatz er niemals den richtigen Blick nnd Maßstab für Großes und Kleine? gewinnt. Die Tage werden doch kommen, wo jeder Jude uni voran die Jugend die Forderungen der Vernunft, des Gefühles •mtb der Zeit verwirklichen. Mit Schaudern siebt ..Der Israelit" sie naben, mit Freuden das liberale Judentum! . . . Schriffvorlesung am 29. Juli 1922 ToraabschnUt: Deworfm. Haftota: Jesaja 1*— 1877 45 Jahre Fachmann 1922 Optiker GAR AI, Breslau, Albrechtstr. 4, Gottesdienst Breslau alte Synag. Neue Synag. Freitag 23. 7. Beginn . abends 730 7.30 Sonnabd. 29.7. Beginn .... morg.{ 6.30 8.30 9j00 Neumondweihe . . vorm. — Predigt. — — Jugendgottesdienst . nachm. — — Schluß. abends 8.34 8.34 Rn den Wochen- 30.7. bis Beginn . . morg. 6.30 6.43 tagen 4.8. Beginn. abends 7.30 7.30 fyjnagopgeineinta Miau. Wir suchen zum baldigen Eintritt Hmrt sem. gebildeten R«ligion«l»hrer, Kantor und Schachet. Gehalt 45 OOO Mt. und Äebeneinlommen. frei« Dienstwohnung. Schriftliche Meldungen m. Angabe des Lebenslaufes u. Zeugnisabschriften an den Unterzeichneten Vorstand Hermann Tieohler. MfsgmhsM U-MM' MM. TH- Breslau. Büro: Höfdienstr. 61, II, I. Sonntag, d n 30. Juli 1922 Ganirsdutoifln; nath Zotttro (bei jeder Witterung). Treffpunkt 8 Uhr vorm, vor dem Nordhotei; Abfahrt 8,48 Uhr ab Bahnsteig 5. Sonntagsfahrkarte 4. Klasse bis Ströbel selbst lösen. (Auf der Hinfahrt wird in Zobten ausgestiegen.) Rückkehr gegen 10 Uhr abends. Montag, den 31. Juli 1922, abends von 8 Uhr ab (bei jeder Witterung) fitlMMmlii im „Roland“. (fegen andere Fabrikate! davrend boB'*’d§$ Nähere Auskunft, Prospekte u. s. w. arme an Brennmart Ostdeutsche Grude-Ges. Breslau 'MSLLL«- Heinrich Emden & Co Telegramm-Adresse: Golde» Bankgeschäft Berlin W 56 MgerstraBe 40 Telefon: Amt Zentrum 9513 u. 9514 Fernanschluß; Amt Zentrum 13653 Reichsbank-Giro-Konto Postscheck-Konto 2477 AkMims nller bnnlunflBlsen TmsaHtlonen Haus in Frankfurt a. Main und Hannover Julius Perl Maurermeister Breslau XIII, Kalser-Wllhelm-Platz 4 Telefon Ohle 1939 Schnellste,preiswerte Ausführung kleinerer Reparaturen. Fassadenputz, ss Größere Umbauten — Neubauten. Schlaf- Zimmer Eiche, hell, vornehme Form, äußerst preiSw. A. Sprotte Breslau» Breitestr. 15. B erliner rlefmarken- Zeitung gratis. Viele Qelegeahaltsangabota. Barankauf von Marken und kleinen u. grollen Sammlungen. 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