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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-04-28 · 17 (28.4.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
17 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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tmu» Tn ihM^GestnMma «ach, so eMkbeM sR, UW tztsM« voll sl» üoerzeugenv, dA der politisch« LtbewliSMUs reineSweaS auch reliaiösm Liberalismus bedingt'. — , WaS ist Wahres an dem Schlagworts: „Die Religion ist in Gefahr!-, das unsere Orthodoxie, im schöne» Verein mit den Zionisten diesen „Hütern der Religion", leider auch einem Teil liberaler Rabbiner, aus dem Hand« büche der finstücsten Reaktion Übernommen hat? Der Artikel 146.2 der Weimarer Verfassung steht die Gemeinschaftsschule als Regel bei der Gestaltung der Volksschule vor. Daneben sind aber — aus Antrag der GrzieihungSberechtigten — Bekenntnisschulen, Weltanschauungs- oder weltliche Schulen, ohne pflichtmüßtgen Religionsunterricht, und endlich die sogenannte bekenntnissreie Schulen mit wahlwetsem (fakultativem Religionsunterricht) gestattet. An dieser Stelle ist eS notwendig, auf den 8 2 Absatz 3 des Reichsschulgesetzentwurfs hinzuweisen, der also lautet: „Die Zugehörigkeit zu einem bestimmter: Bekenntnis ist nicht Voraussetzung sür die Anstellung der Lehrer, jedoch ist hier aus die religiöse Gliderung der Schüler nach Möglichkeit Rücklicht zu nehmen? Daraus geht hervor, daß auch indische, Lehrer an Gemeinschaftsschulen Abstellung stnlde« müssen. Der letzte Satz will sagen, daß für eine entsprechende Anzahl von Schülern eines bestimmten Bekenntnisses auch Lehrer dieses Bekenntnisses zur Anstellung gelangen müssen. Selbst wenn nach dem preußischen SchmunterhaktungSgesetz die Zahl 60 angenommen werden sollte, haben mindestens i« den Groß- und Mlttelslüdten jüdische Lehrer Anspmch auf Anstellung an den Gemeinschaftsschulen, während für kleinere Orte ein solcher Anspmch ausgeschlossen ist. An solchen Orten wird wahrscheinlich die Bekenntnisschule von den Erziehunasberechtigten bsantraat werden. Da aber in solchen Orten die Anzahl der jüdischen Schüler nicht zur Gründung einer jüdischen Volksschule auSreicht, ebenso wie in überwiegend katholischen Orten dt« Anzahl der evangelischen Schüller zur Errichtung einer evangelischen Schule und umgekehrt, so besagt ß 3 deK Entwurfs Nummer 2: „Die Lehrer müssen dem Bekenntnis angelhören, für das die Schule, bestimmt ist. Ausnahmen sind aus besonderen Griinden zulässig, das Landesrecht bestimmt dar Nähere? — M« beste Zurechtweisung für die Propheten, dt« sür die „jüdische Seele" und die „jüdische Kultur", zur Fördemng dieser ihrer Entdeckung die jüdisch« Volksschule wünschen, und für die Pseudoliberalen, welche Wiedemm aus demokratischem Doktrinarismus an derselben Leine ziehen, enthält die Nummer 3 desselben § 3, der also lautet: „Dem Unterrichte sind die allgemein bestehenden Lehvpläne und dt« allgemein aebranchtenLehrbücher zugrunde zu legen. Jedoch können di« Lehrbücher der Eigenart des Bekenntnisses angepaßt sein? Wie will also die jüdische Volksschule besondere jüdische Kultur pflegen, wenn sie die allgemein gebrauchten Lehrbücher und die allgemein bestehenden Lehrpläne anwenden muß? Oder wollen die Herren Orthodoxen und Zionisten von dem letzten Absatz Nummer 3 Gebrauch macken und vielleicht jüdisch-orthodoxe oder zionistische Lehrbücher der Weltgeschichte, der Naturwissenschaft, des deutschen Unterrichtes Massen und zur Einführung bringen? Für so rückständig hält nicht «tnmal ein überzeugter Liberaler diese Richtungen. Auch eme Vermehrung der Stundenzahl oder eine Herabsetzung der Unterrichtsstlunden in anderen Lehvgegenständen zugunsten des Religions- oder hebräischen Unterrichts, wäre nach Nummer 3 ausgeschlossen. Dem Religionsunterricht trägt der Entwurf an verschiedenen Stellungen doch genügend Rechnung. Nach § 2 Absatz 1 des Entwurfs „ist der Religionsunterricht auf Grund des Artikels 149 Abs. i der Reichsverfassung ordentliches Lehrfach in der Gemeinschaftsschule". (Schluß folgt). IM«»«». . Die große Politik wird immer noch von der Genueser Konferenz beherrscht und den Schwierigkeiten, die sich durch das Abkommen Rußlands und Deutschlands für die Mächtegruppe und Frankreich zumal ergeben haben. Es läßt sich heute gewiß nicht überschauen, ob die deutsche Negierung die Kraft haben wird, ihre in Genua zur größten Uebervafchung aller Uneingeweihten verkündeten Entschlüsse zu verwirklichen, und eine Aera friedlicher Eroberungen des Europäischen Ostens einzuleiten, die unserer Wirtschaft am nötigsten tut. Immerhin verdienen doch der Mut und das Geschick derjenigen, die diesen Schachzug geführt haben, Beachtung, vielleicht sogar Anerkennung. Doch gerade jene Parteien und ihre Preßorgane, die me müde wurden, Energie zu verlangen, sind jetzt stumm und finden nicht die Worte, welche fiir dieses Wagnis dem Verantwortlichen Manne gebühren. Vielleicht weil er Rathenau heißt und ein Jude ist! Es ist ia recht bequem, von vornherein dem Juden jode Fähigkeit für die Bekleidung eines Regierungsamtes abzusprechen und obendrein zu behaupten, daß er im versteckten Bunde mit den Feinden steht. Es ist die Konsequenz dieser Methode, sich öüSzuWve^gW. VeM faMBt SW& mg bffßrf, Kofltt ein anderer in den Himmel gehoben würde. Dieses sollte nur festgestellt weiden. — In den jüdischen Fragen, die ja durch die Versuche der Zionisten, Palästina zu durchdringen, unsere Aufmerksamkeit beanspruchen» ist keine Klärung eingetreten. Sir Herbert Samuel wird demnächst in England erwartet und vielleicht dort bleiben. Zwar wird diese Möglichkeit schon jetzt durch seinen Gesundheitszustand begründet, viel wahrscheinlicher ist aber ein bevorstehender Wechsel in den Anschauungen Englands, das nach Londoner Gerüchten den General Tudor schon zum Nachfolger Samuels ausersehen hat. Damit deckt sich auch der Schlußartikel des Herrn Graves, über dessen Berichte unlängst auch in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" referiert wurde. Dieser sachkundige Beurteiler der Verhältnisse in Palästina empfiehlt der britischen Negierung, vom politischen Zionismus abzurücken und die zionistische Kommission mit ihren fielen und Privilegien zu beseitigen. Statt ihrer müsse die Frage eines geistigen Zentrums in Palästina befürwortet werden und das Urteil aller Fuden der ganzen Wett, nicht nur der extremen Zionisten, gebört werden. Die Ueberspanmmg nationalistischer Forderungen führt aber auch auf Europas Boden zu Reibungen und Rückschlägen. Das zeigt sich jetzt in Litauen, wo auch nicht alle Blütentröume unserer Glaubensgenossen reisen wollen. Die Konstituante dort hat im Vevfassungsentwurf die Einrichtung von Ministerien sür nationale Minderheiten abgelehnt und ebenso ihre besonderen Sprachvorrechte. Daraufhin ist der Mnister fiir jüdische Angelegenheiten, Dr. Soloweitschik, zurückgetreten. Wie auch immer diese Differenz bevgekegt werden wird, es zeigt sich wieder, daß es nicht gut und geraten war, zu hoch gespannte Erwartungen in Punkto der Rechte sogenannter nationaler Minderheiten zu hegen und Ansprüche zu stellen, mit denen man sogar uns deutsche Juden beglücken wollte. Biel zu viÄ Lärm. — dahin darf man es präzisieren. — ist das Störende an den gewiß gut gemeinten Versuchen der Zionisten und ihrer Nachläufer. Wenn nran liest, wie in Newpork die neue Kampagne (und das heißt doch „Feldzug") für den Keren Hajessod eröffnet wich, kann man wirklich nicht mit dieser Methode zufrieden sein. Welche große und lärmende Ausmachung! 5000 Freiwillige für das Sammelwerk, eine schreiende Reklame an allen Ge« bänden, der Appell an die Christen zur Mitarbeit und noch die Prophezeiung, daß 3 000000 Dollars das Ergebnis sein werden. Wir sehen ans alledem nur, daß furchtbar viel Geld gebraucht wird, und ahnen, daß nicht wenig bereits ausgegeben ist. Den armen Juden ober, die es doch auch in Amerika gibt, ist noch nicht geholfen worden. _ Haroe. Neue Schwierigkeiten öes Zionismus in Palästina. Jetzt kommen auch die Scheichs, aus. TvansjordaMen NNd-beschweren"sich beim Völkerbund.' Sie erheben ^energischen Protest dagegen, daß ihr Land in die Sphäre Palästinas ombezogen werden könne und erlläven. daß ihr Gebiet unabhängig sei und bleibe und keinem Mandat unterstehe. Die Araber Palästinas sind noch immer erbost über die Waffenverteilung an die dortigen Juden und ihre bevorzugte Stellring im Lande. Vermrltlich dürfte die englische Regierung über kurz oder lang doch genötigt sein, diesen: Einspruch nachzugeben, und dann wird die Lage der 30 000 Israeliten in: Lande erst recht bedrohlich. Ein Selbstschutz Vieser ganz verschieden zusammengesetzten und zerstreuten Elemente erscheint dem Sachkundigen undenkbar. Können sich doch die Juden Palästinas selbst über friedliche Dinge noch lange nicht einigen! Eine jüngst in Jerusalem auf Anregung des Gouverneurs einberufene Versammlung, zu der neben Akademikern auch die Vertreter der verschiedenen flidischen Gemeinden der Stadt eingeladen waren, beriet über die ersten Schritte zur Errichtung von Hochschnlkursen als Vorstufe für die geplante Universität. Sie zeitigte mrr die üblichen Streitigkeiten, und eine Gruppe weigerte sich, an der Sitzung teilzunehmen. Natürlich hat dieses Verhalten 'ÄtV ekttSft Men Eindruck hinterlassen. So ist auch foW? bei diesen relativ harmlosen Fragen keine Spur von Einigkeit zu konstatieren, und von dem ganzen Projekt sind vorläufig nur die Baupläne das Betrachtenswerte. DaS Nebi-Mujahfest und die Osterzeit sollen nach bisher vorliegenden Berichten zwar ruhig verlaufen sein, die „Times" aber bemerkt hierzu vielsagend, daß es mrr dank der energischen und taktischen Beherrschung der einwat sogar bedrohlich gewordenen Situation zu keinerlei Unruhen gekommen sei. Wir beguügen uns für heute mit diesen kurzen Angaben, uttb sehen der Weiterentwickelung solange besorgt entgegen, bis der Chauvinismus unter deck Zionisten dort und hier zurückgedrängt fein wird. Aus üem Reich. Vertt«. Sine jüdische Erziehung-.«onstren; ln Dentlch, land. Die Zentralstelle für jüdische Wohlfahrtspflege bereitet die Einberufung einer großen jüdischen Erziehungs-Konferenz vor. Vorkonferenzen zur Durchsprache der verschiedenen Materien waren in Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig, München und Breslau in Aussicht genommen. Bon diesen Vorkonferenzen haben die in Berlin und Frankfurt a. M. bereits stattgefunden, die Hamburger Vorkonferenz wird noch im Monat April stattfinden. In Berlin find die grundsätzlichen Erziehungsjragen und die Frag« der weiblichen Berufsberatung zur Behandlung gelangt. Für die männliche Berufsberatung liegt ein schriftliches Referat vor. In Frankfurt a. M. ist ebenfalls über Berufsberatung, dann aber vor allem über Berufsethik und über Anstaltswesen gesprochen worden. Fast all« Anstaltsleiter der sozialen Organisationen waren anwesend^ Hinsichtlich der Anstaltserziehung find eine Reihe von Mißstünden und die Frage ihrer Abhilfe erörtert worden. Besonders ist bei dieser Gelegenheit die Frage der Unterbringung der ukrainischen Waisenkinder in Anstalten zur Sprache gekommen, ebenso die Schaffung von Heimen für schwer erziehbare Kinder- Die letzten beiden Aktionen sollen durch die „Jüdische Kinderhilfe" unterstützt werden. BreSla«. ««»tritt der Kattowitzer Jüdischen Gemeind» ans dem verband der deutsche» Inden. Wie hier bekannt wird hat die Jüdische Gemeinde Kattowitz' O.-S. dem Berbarck» der deutschen Juden in Berlin die Mitteilung zugehen lassen, daß sie mit Rücksicht auf die oberschlesische Deckung und de« Umstand, daß Kattowitz unter polnische Herrschaft gekommen ist, aus dem Verbände ausscheiden muß. Frankfurt a. M. Die Jnderrsiatifiik de» KriegSministeri» «Mi». Prof. Franz Oppenheimer von der hiesigen Universität fetzte sich am Montag Abend in einem längeren Vortrag mit der von General von WriSberg angefertigten „Judenstatistik" auseinander, die auf den von dem Krieg-Ministerium am I. Oktober 1916 angestellten Erhebungen über die jüdischen Militärverhältnisse beruht. Seine Au-sührungen bewiesen mit aller Deutlichkeit, daß sowohl die Erhebung wie die Verarbeitung der Wri-bergschen Ziffern in wissenschaftlich höchst unzulänglicher Weise erfolgt ist. Nach Wrisberg haben im Krieg ctu 10 Prozent der jüdischen Bevölkerung gegen 14 Prozent dev übrigen deutschen Bevölkerung im Heeresdienst gestanden, und man begreift leicht, daß von antisemitischer Seite auf Grund dieser Zahlen die schwersten Borwürfe gegen die deutschen Juden erhoben worden sind. Indessen, die Richtigkeit der krieg-ministeriellen Zählung ist ebenso anfechtbar, wie dis Folgerungen irrig sind, die man auder Zählung gezogen hat, Wa< zunächst die Erhebung der Statistik anbetrifft, so ist sie mit allen möglichen Fehlerquellen behaftet und widerspricht jeden. fäll» einer von einigen jüdischen Verbänden während de- Krieges mit'Hilfe von Zählkarten veranstalteten Zählung, die eine wesentliche höhere Quote jüdischer Soldaten ergeben hat. Auch die Verarbeitung destatistischen Materials weist Ungeheuerlichkeiten auf. Wrisberg errechnet falsche Beziehungsziffern, nimmt die Zahl der Juden in der Etappe viel zu hoch an, zieht nirgends Vergleichszahlen heran, berücksichtigt nicht die vielen jüdischen Militärärzte usw., alles Unterlassungssünden, die naturgemäß zum Nachteil der Juden au-schlagen. Die Interpretation der Ziffern durch Wrisberg zeugt von nicht geringerer statistischer Ahnungslosigkeit. Er vergißt, daß die Juden zumeist Großstädter und als solche viel weniger felddienstfähig sind, daß sie in überdurchschnittlicher Zahl Berufe ausüben, deren Vertreter aus kriegsnotwenibgen Gründen vielfach reklamiert werden mußten, daß sie, sofern sie nicht weiter albiß »um Unteroffizier befördert worden waren, infolge ihrer geistiegn Ausbilvnng besonders oft als Dolmetscher, Schreiber, Einkäufer usw. Verwendung fanden. Vor allem läßt Wrisberg die entscheidende Tatsache außer acht, daß das deutsche Judentum durch den häufigen Austritt zumal der männlichen Bevölkerung au- -er jüdischen Religionsgemeinschaft eine Menge felddienstfähiger Männer im Lauf der Jahre eingebüßt hat^ Zu welchem Zerrbild der Wirklichkeit man auf Grund der Wrisberaschen Statistik gelangt, zeigt einwandfrei die „blutzote" Zahl der jüdischen Krieg-toten und Vermißten, die 12 Prozent der eingezogenen jüdischen Mannschaften beträgt und zur Genüge von dem hohen Anteil der Juden an den Kriegsopfern zeugt. Zum Schlüsse forderte Prof. Oppenheimer die ReichSreaierung nachdrücklichst zu unparteiischer Untersuchung der Etymologische Plauöerei. Bon Dr. M. Spanier, Magdeburg Es wird vielfach als spezifisch jüdische Eigenart cmaeschen. über eine nicht unbeträchtliche Anzahl Pfeile des Sarkasmus, des Spottes und der bissigen Kritik zu verfügen, aber auch Andersgläubige können damit reichlich versehen sein. Es ist Sache des Gemüts, nicht des Geblüts. Es gibt Personen, bei denen der Spott zur zweiten Natur geworden ist, es gibt auch Personen, die es sich zur Lebensaufgabe gestellt haben, ihre Mitmenschen zur Erreichung gewisser Ziele hinters Licht zu führen, im Dulaardialekt: zu uzen, in harmloser Prägung: zu necken, zu hänseln. Der Ursprung des Wortes uzen ist ungewiß. Seit den letzten Dezennien des 16. Jahrhunderts finden wir das Wort in der Schweiz, in Hessen, Pfalz und Elsaß volkstümlich gebraucht. Kluge (Etymol. Wörterbuchs bemerkt hierzu: „Wohl ein juden-deutsches Wort?" Zunz (Gottesdienst!. Vorträge) weist aus das polnische uciecha Belustigung hin. Könnte es vielleicht vom hebräischen uz ----- drängen, in die Enge treiben, stammen? Uz — so berichtet die Bibel — hieß das Land, dem Hiob entstammte. Und mm vergegerrwärtiqe man sich die Ansichten unserer Weisen über diese beiden Namen. Nach einigen soll Uz mit Hiob — der Angefeindete identisch sein, nach anderen ist Hiob eine erdichtete Persönlichkeit (Tau hojo wlau niwro) und die ganze Erzählung eine allegorische Ächtung, für* — banal gesprochen: es ist alles eine Uzerei. Bon Hiob und seiner frommen Einfalt zum Beten. Die bränchl-ichen Ausdrücke hierfür sind: oren und dawene n. Oren stammt vom lateinischen ovave ----- beten. das ist zweifellos: schwieriger ist die Abstammung des anderen Wortes. Sehr gekünstelt scheint uns die Erklärung von Grünbaum (in Winter und Wünsche: Die jüdische Literatur), daß es „vielleicht germanischen Ursprungs von Tagwan ---- Tagewerk, taOvenen — Tagetverk verrichten" sei. Näher liegt an „dabbern" (rsden) mit dem Anklang an dibbo (Wort) zu denken, dessen Stamm dauwew (Hohelied 7, 10) nur ein Mal vorkommt. Die liquiden Laute „r" und „ei" assimilieren sich. Fm Jüdisch- Deutschen ist die Wortbildung „dawenen" sehr beliebt und gebräuchlich: gannewen, chasenen (vorbeten), planchenen (klagen. weinen) ustv. Als unser Stammvater Jakob kurz vor der Begegnung mit Efau sich im Gebete zu Gott wandte, hatte er vorher die Seinen so gruppiert, daß das eine Lager entrinnen (Pletv) konnte, wenn das andere bedrängt wurde — daher „Pleite gehen oder machen" (siehe Genesis 32, 8). Dieses „Zudew-Deutsch" — wie sich Kluge auSzudrücken beliebt, ist in die neuhochdeutsche Büchersprache übevgegcmgen. Da aber dem Bolksmund der Ursprung des Wortes nicht geläufig war. so verwandelte sich das gleite gehen" in „flöten gehen", wie aus der Pflanze unguentum Neapolitanum „umgrivewdeter Napolium" geworden ist. Biele, die nt unseren Tagen vor der „Pleiße" standen, haben ihre Verhältnisse saniert, indem sie den alten „B owe l" los wurden. Das Wort hat nichts mit Babel, Babylon zu tun. Bowel — Powel — Pöbel, das heißt also dag. was mit der Zeit minderwertig geworden ist. Wir werden vielleicht auf Widerspruch stoßen und die Bemerkung Horen: Osser, sagt Schiller. DaS hebräische offur heißt ursprünglich gefesselt. gebunden, dann unerlaubt, verboten. Was bat aber der große deutsche Dichter mit diesem hebräischen Ausdruck zu tun? In „Don Carlos" heißt es: Sire, geben Sie Gedankenfreiheit — erweitert: O, Sire ustv. Eingegangene Bücher. Wir bringen an dieser Stelle ein Verzeichnis aller uns esandten Erscheinungen interessierender Literatur und bealten uns die Besprechung vor. Michael Fraenkel, Breslau. Der Anteil der jüdische« Freiwilligen na dem Befrei««g»kriege 1818/1814. Kameraden. Nr.S/4,S.Jahrgana. März/Rpril 1922. Schwaben. Heft. Herausgegeben von der O. G. Stuttgart. Zeit- «nd Ltreitfragen. In zwangloser Folge herausgeaeben vom Zentral-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Heft HI: Der Ursprung der Legende von de» „heimlichen Monarchen". Philo-Berlag Berlin, 1921. Dr. J»mar Freund, Berlin. Finanzämter und Shnagogenstenern in Preuße«. 1922, Philo-Berlag Berlin. Sind die Inden gleichberechtigt? Eine Antwort von Dhoma» vabington Mneanlatz. Uebersetzt von Professor I. Fried» länder. Philo-Berlag Berlin, 1922. A!m6 Pallifers. Le Juda'lsme. Son Evolution, Bes caraot&tea distinctifs, Sermon prononoä au temple de L’XJnion Liberale Israflite!e 17. Avril 1921. Union Liberale Isra41ite, 24. Rue Copemio, Paris (18). Loni» «scher. Zwischen zwei Zette«. 1922, Philo-Berlag Berlin. Rabbiner Dr. G. Kaatz in Lindenburg O.-S. Die mündliche Lehre «nd ihr Dogma. Leipzig, Verlag M. W. Kaufmann, 1922. Fefchnrnn, Monatsschrift für Lehre und Lebe» im Judentum. terau-geber:Dr. F. Wohlgemnth. IX. Jahrgang, Heft 8/4/ erlag „Pionier", Berlin W. 85.

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