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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-04-21 · 16 (21.4.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
16 (21.4.1922)
Date
1922-04-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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mmm m mm WJ.MW MWfMWDWM niHUl«»; WjlW'lß ' 'rr^’P'FT.-n-'m ... •Mi An unsere Leser! Dom 1. April ab ist die bisher vom Liberale« Verein btt Gyriagogengemeinde BreSlau herausgegebene »Jüdischliberale Zeitung« daS offizielle Organ der Bereinigung für daS liberale Judentum E. D., Berlin geworden; sie hat _ dadurch ihren Wirkungskreis über ganz Deutschland erweitert. / Der redaktionelle Teil der Zeitung wird wesentlich ausw gebaut, indem ihr einmal monatlich eine wissenschaftliche Beilage unter dem Titel »Liberale- Judentum«, sowie einmal monatlich die »Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine Deutschlands« beigefügt werden. Sämtliche Mitglieder der Vereinigung für das liberale Judentum und der jüdisch-liberalen Iugendvereine erhallen die Zeitung kostenlos. / Alle 9N<QtmftQlfefter bitten wir höflichft, die BezugSgebühren von Mk. 15.— für daS S. Quartal 1SSS -iS spüttstens Ende April auf unfer Postscheckkonto Amt BreSlau Ar. 57 einzuzahlen. FallS die Beiträge bis zu diesem Termine nicht eingehe«, müssen wir annehmen, daß die Zustellung der Zeitung nicht mehr gewünscht wird. Der Verlag der -Ältdlsch-liberalen Leitung», Ty. Schabst!, Duchdruckerel und DeNogsanstalt, S. m. b. H.. Breslau s. J »Adas FiSroel" ist nach dem neuen Abkommen in der Wahrung seiner religiösen und inneren Angelegenheiten vollständig unabhängig, wahrend die Vertretung seiner Interessen nach rußen mit der Hauptgemetnde gemeinsam erfolgt. Der Rabbiner des Beveins »Ada- Jisroel" erhielt daS Recht zur Ausübung aller geistlichen Furcktionen bei Beerdigungen und bei Hochzeiten für seine VereinSmttglieder. Das Schöchtwescn untersteht der Aufsicht des orthodoxen Rabbiners» für b«. sondere Fälle besteht eine Rituallommission, »velche stch Mitgliedern beider Richtunäw und den beiden Rabbinem zusammensetzt. Die erst« Sitzung der neuen GemeinKeverwaltung fand am 3. April statt. In den Vorstand wurden gewählt die bisherigen Vorstandsmitglieder, die Herren Geheimrat Held, Kommerzienrat Metzger, Ludwig Posenzweig, neu hinzugewählt wurden di« Herren Leo K«tzenberg«r. Geheim, rat Josephsthal und Dr. Bamberger. Als Vorsitzender der Vertretung wurde Herr Joseph Aufseester und als deren Schriftführer Herr Dr. Getzner gewählt. Der Vorsitzende, Geheimrat Held, begrüßte die neue Gemeindeverwaltung mit herzlichen Worten, betonend, dab die Tätigkeit des Gemeinde- Vertreters als ein hohes Ehrenamt zu betrachten fei und daß all« Entscheidungen unabhängig vom Parteistandpunkt zum Noble und Heile der Gesamigemeinde getrosten werden sollen, worauf Frau Justizvat Dr. Dormitzer als Vertreterin der Frauen, Herr Justizvat Dv. Erlanger als Vertreter der liberalen Partei, Herr Dr. Bamberger als Vertreter der übrigen Parteien ErwidevungSanfprachm hielten. Ms Sem Reich. Berlin. Zentralverei« und jüdische Lehrerschaft. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens hat der „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehre?', Frankfurt a. M.» di« die Lehrer aller religiösen Richtungen vertritt, die Summe von 100 000 Mark überwiese«, damit der ungeheuren Not, in der sich weite Teile der jüdischen LehrersMft befinden, gesteuert werden kann. Der Zeriturlverein war sich bei der Bewilligung dieser Ehrengabe bewußt, daß di« Erhaltung des jüdischen Leshrerftandes für den Bestand des deutschen Judentums «inen wesentlichen, ivenn nicht den wesentlichsten Faktor bildet. Wenn «S auch bei der ungeheueren Geldentwertung nicht möglich ist, durch di« 100 000 Mark der großen Not unter den Lehrern Einhalt zu tun, so wird dach dadurch in vielen Füllen die Notlage gemildert werden kennen. Die-se Spende kommt allen in Frage kommenden Lehrern zugute, gleichgültig, ob sie Mitglieder des Zentralveretns sind oder nicht. — ES wäre freudig zu begrüßen, wenn diese Ehrengabe Nachahmung in weiteren Kreisen fände. Eine Aktion deS HilfSvereiuS der deutsche« Juden zugunsten der Juden in Odessa. Zur Linderung der unbeschreiblichen Not unter den Jude« in Odessa und Umgebung bewilligte der HilsSverein der deutschen Inden «inen Betrag von einer halben Million Mack aus seiner Sammlung für daZ Ukrainische Hilsswerk. Der Betrag wurde bereits seiner Bestimmung zugeführt. 40jährigeö Jubiläum deS Orden- Bue Brith in Deutschland. Die erste in Deutschland installierte Loge des Ordens Bn« Britb, die Deutsche Retchsloge zu Berlin, feiert in diesen Tagen das Jubiläum ihres 40jährigen Bestehens. Die Begründung der Deutschen Reichsloge bedeutete den Beginn der Arbeit des bekanntlich in Amerika zentralisierten Ordens Brr« Brith in Deutschland. Inzwischen ist der Orden in Deutschland aus 94 Logen angewachsen. Die letzte Installation fand vor kurzem in Duisburg statt. Diese neue Log« führt de« Namen »Duisburg-Loge zur Treue". BreSlauer Bund jüdischer Frontsoldaten. Am 25. März veranstaltete der »Breslauer Bund jüdischer Frontsoldaten" in den Sälen der Leffinalog« für seine Mitglieder und deren Angehörige «inen Gesellschaftsabend. Bald nach Beginn waren di« Säle so gefüllt, daß leider viele umkechren mußte«. Herr Dv. Ernst FraeNk«l. der erste Vorsitzende des Bundes, hielt die Begrüßungsansprache, in der er in kurzen ausgezeichneten Worten Zweck und Ziel des B. j. Fr. datlegte und an die Damen di« Mahnung richtete, auch das Ihrige znm gemeinsamen Kampfe gegen dm Antisemitismus zu tun. Die Festkommission batte ein ebenso auserlesenes wie reichhaltiges Programm zusammengestellt, und die Darbietungen bekannter Breslauer Künstler — genannt seien u. a. Frau Kate Schottlaender, Herr Julius Arnfeld und Herr Hans Horlten — fanden reichen Beifall. Erwähnt sei noch die Tombola, zu der in dankenswerter Weise zahlreiche und schöne Geschenke gestiftet worden warm. Der Bund wird auch durch ernst« Arbeit seine Berechtigung zu beweisen wisten. AuSschütz,Sitzung des Allgemeinen Rabbinerver- Sande» tu Deutschland. Am 29. Marz fand in Leipzig eine Sitzung bei Zentral-AusschusseS drS Allgemeinen RabbinerverbandeS in Deutschland statt. In ihr wurde, nachdem der stellvertretend« Vorsitzende Baea-Berlin einen warm empfundenen Nachruf aus den verstorbenen Vorsitzenden Nobel gehalten hatte. Baeck zum ersten Vorsitzenden erwählt und Horovitz-Frankfurt a. M? und Kopfstein-Beuthen wurden zu stellvertretenden Vorsitzenden ernannt. Die Tagung wurde etngeleitet durch ein Referat von Gschelbacher-Düsseworf »zur Würdigung der talmudischen Dialektik", daS reichen Beifall fand. An das Referat schloß sich eine eingehende Aussprache an. Einen breiten Raum der Verhandlungen nabmen unter dem Einslutz dev gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse die Besprechungen über die Mittel und Möglichkeiten ein, den AmtSbriidem zu einer ausreichenden Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz zu verhelfen. ES wurde, wie aus der Hauptversammlung im Mai. nachdrückttchst die Forderung erhoben. mit allen Mitteln dafür einzutreten, daß der Rabbiner fest eingestust werde in die Gruvperr-Einteilung der allgemeinen Staatsbeamtenbesoldung, damit der unwürdige Anstand aufhöre, daß red« Verschiebung der Geldverhältnisse den Rabbiner zwinge, in erneute GshaltSverbandlungen mit dem Vorstand einzutteten. Der Vorstand de» Allgemeinen Rabbiner. Verbandes wird erneut beauftragt» deck Amtsbrüdern bet der Durchführung ihr« Forderungen behilflich zu sein. Er wird ferner erneut beauftragt, die aus der Hauptversarnvmmg bereits erhoben« Fordemng mit Nachdruck zu vertreten, daß der Rabbiner den Sitzungen deS Vorstandes und der Rrpräsentottten als ständiger Teilnehmer beiwohne. Zm Durchführung der wirtschaftlichen Forderungen deS RabbinerverbandeS und zur Evstreitung günstiger wirtschaftlicher Bedingungen für die Lehrer und Kantoren wird ein Zusammengehen «Mit den entsprechenden Verbänden gntgeheißen. Besprochen wurde ferner dir Durchsühmng «ineS engeren Kontaktes mit den Provinzialverb änden. Der Zenlral-Ausfchuß wurde ergänzt durch die Zuwahl von Arthur Levy.Bemn, ReuhanS-Leipzig und tzofsmann-Breslair. In den Vorstand wurden hinzugewählt: Blummthal-Beilln und Wreschner-Homburg. Nachdem eine Reihe von Angelegenheiten deS RabbtnerverbandeS und der gesamten deutschen Judenheit durchgesprochen worden waren, schloß nach neunstündiger Tagung die Sitzung. Verschmelzung - in der jüdischen Presse 'West, deutschlands. Die westdeutschen jüdischen Zeitungen, die „Jüdische Woche" und der .Jüdische Bote vom Rhein", die beide in Köln erscheinen, haben sich zu einem einzigen Organ vereinigt. Die Einigung erfolgt« aus der Grundlage, daß sich eine neue Organisation gebildet hat, die einen völlig neutralen Charakter trägt und ihre Ausgabe darin erblickt, alle Richtungen des Judentums zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen. Diese Organisation vollzog die Verschmelzung der genannten zwei Zeitungen. Die Neue Zeitung wird nun daS Organ der Organisation sein. Zeitlingsschaii und verschiedenes. Der Antisemitismus in England. »Belfast Telegraph" beschäftigt sich m einem Leitartikel mit vom Antisemitismus in England, aus dem die folgenden charakieristischen Betrachtungen bemerkenswert sind: „Zur Zeit des Dreysutzprozesses in Frankreich pflegten wir mit Verwunderung die dortig« antrjüdische Stimmung zu betrachte». Di« Idee, daß eine Partei einzig Ms Grund ihre» Hasser gegm die uralte Raste existieren kann, schien u»S fremd und sonderbar. Wenn wir von den organisierten Verfolgungen, den gesetzlichen Beschränkungen, denen die Jrchen in RutzlaNd unterworfen waren, vernommen hatten, waren wir geneigt, all dies der moskowitlichen Barbarei zuzuschreiben. Run müssen wir aber seststellen, daß der Antisemitismus, de« wir bisher als «twas Fernes und Unerklärliches angesehen haben, auch auf unserer Insel festen Fuß gefaßt hat. Sogar hervorragende Persönlichleiten schämen sich nicht, dieses zuzugestehen. Es wird erklärt, die Juden seien infolge ihrer Rastenabstammung und ihrer Ideale genöttgt, sich von unS abzusondern, und diese Absonderung stehe einer absoluten und ernsten Uebemahm« der Pflichten eines englischen Bürgers im Wege. Einer solchen Betrachtungsweise wird der Durchschnittsengländer keinen besonderen Wert beimesteN, da er an dem Juden als Bürger nichts Tadelnswertes sestzwstellen in der Lage ist. Der Engländer «rinnett sich, daß Disraeli nicht nur ein großer Führer der Konservativen, sondern auch der Prophet des britischen Imperialismus war. dessen Entwickelung er sein Genie gewidmet hat. ES soll nicht vergessen sein, daß sich im Weltkrieg 10 000 englische Juden freiwillig zur Front gemeldet haben, «he noch überhaupt ein Dienstpflichtgesetz geschaffen war. Viele jüdische Soldaten haben sich das Victoria-Kreuz und andere Kriegsauszeichnungen erworben." Wie wir erfahren geht d!e I C A in nächster Zeit daran, fiir di« neu eingetrofftnen Immigranten in Kanada landwirtschaftliche Siedlungen zu schaffen. Dieser Versuch erscheint sehr zeitgemäß, denn schon ertönt ein Ruf nach weiterer Beschränkung der Immigration in Amerika. Die Handelskammer des Staates NewNock nahm letzthin eine Resolution an. in welcher der Kongreß aufgesordert wird, den jetzt vorliegenden Gesetzentwurf für Jmmigvaiionsbeschränkungen so abzuandern, daß so»vrr die Einreiseerlanibnis für Reisende aus den Nachbarländern nur dann erteilt werden darf, wenn dis Einwanderer den Nachweis erbringen, daß sie bereits eine gewiss« Zeit im Nachbarland« gewohnt ha!be«. Diese Maßnahme soll die Umgehung d« Einreise- Vorschriften in Zukunft vevbindern und es unmöglich mache», daß Amerika-Wanderer zuerst nach Kanada reisen und stch von dott ohne besondere Schwierigkeiten über die Grenze Nach den Vereinigten Staaten begehen, ein Ausweg, zu dem schon bis jetzt viele Immigranten ihre Zuflucht genommen haben. Die Einheitsfront in der jüdischen Emigration-, Politik. Ein jüngst veröffentlichter Bericht der Exekutive der silbischen Welthilfsronferenz enthält «inen Absatz über die Ursachen, di« di« Bildung einer Einheitsfront und einer allumfassenden jüdischen Organisation zwecks Organisierung und einheitlichen Durchführung der Emigratlonsarbeit unmöglich gemacht hoiben. Der Bericht der Welchilfskottferenz fühtt in diesem Zusammenhang auS: Im Mai 1921 war die WeltbilfSkonferenz bereit, Schtttte zur Gründung eines allweltlichen Emigrationr»Komtte«S zu unternehmen. Als jedoch inzwischen bekamst wurde, daß die JCA die Absicht Hab«, für Juli 1921 «in« Konferenz mrdj Brüssel einzuberufen, um eine gleichartige Organisation zu schäften, verschob die WelihillS- Konferenz ihr« dieSbezüalichen Vläne. Da jedoch di« I C A - Konferenz keine praktischen Resultat« erzielt baße, griff die WeltbilfSkonferenz auf ihren alten Blan zurück und berief gemeinsam mit der amerikanischen H I A S für September 1921 die bekannte Prager Konferenz ein. an der 26 jüdische Organisationen teilgenommen haben. Obwohl zur Zeit der Brüsseler Konferenz di« JCA für eine allgemeine Organisation kein Jntereffe zeigte, beschloß sie. nachdem die Prager Konferenz stattgeftinderr hafte, die Einberufung einer Konferenz zwecks Gründung einer zenteilen Organisation für die Mische Emigration und lud zu dieser Konferenz auch die Dettretev der WettbiftS-Konferenz unlb des HJAS ein. Nach verschiedenen Bevatnngen beschlossen diese beiden Organisationen die Einladung unter den folgenden Bedingungen anznnehmen: 1. Außer de« «ingeladenen Organisationen soll auch die JmmiarationS-Abteilung der zionistischen Weltorganisation und die Londoner ukrainische FSderatton als Teilnehmer an der beabsichtigten Organisation zugelassen werden. 2. Anerkennung der demokratischen Grundlagen der zu gründenden Organisation, di« eine provisorische fein soll und sich vorläufig der Tätigkeit der existierenden Emigration-- Organisationen koordiniere« soll. S. Gründung einer EmigrattonS-Bank. Ueber diese Vorbedingungen wurde am 16. Januar 1922 in einer im Hause der JCA stattgefundenen Sitzung verhandelt. An dieser Beratung nahmen als Vertreter der JCA Dr. Netler. als Vertreter der Alliance Jsraelite Obers rabbimr Dr. Israel Levv, als Vertteter des englischen War Bietims Committee Luciea Wolf, alS Vertreter der jüdischen Welthilfskonserenz Leo Motzkin, als Vertteter des HrlsSveretns Deutscher Inden Dr. JarneS Simon, als 2-erttete, der HJAS Sibert und als Vertteter des Warschcu'er Emigrations-Rats SeMdeputietter Gmnbamn teil. Anwesend war auch Dr. B. Kahn vom amettkanischen »Joint", und zwar als Beobachter. Die Sitzung dauerte den ganzen Tag über und da» Resultat war, daß mit 4 gegen 3 Stimmen beschlossen wurde, über die Vorbedingungen der WeltchllsS-Konferenz und d«S HJAS Nicht zu verhandeln. „Auf diese Weise", heißt eS im Bericht, »ist die Idee einer einheitlichen national-Mi« scheu und demokratischen Front für EmigrattonSavbeil ins Wasser gefallen." In einem weiteren Bericht solle» alle die Angelegenheit Bezug habenden Dokumente verössen'tltcht werden. Die ^Internationale Union für Kinderhilse" und die jüdische WelthilsS.Konferenz. Die intemationale Union für Kindechilf« lud das Exekutivkomitee der Mischen WelthUfSkonferenz zu einer gemeinsamen Beratung «in, welche dieser Tag« in Gens ttbgehalten werden wird. In dem Einladungsschreiben wird aus die enge Zusammenarbeit zwischen der Internationalen Union und der Wetthllss-Konferenmit Bezug aus die Einrichtung von Kinderküchen in der Ukraine hingewiesen. Die Sitzung wird sich u. a. mit der Frag« d«S Herantreiens an den Völkerbund und in diesem Zusammenhang« mit der Einberufung eines Weltkongresses std Organisierung der Kinderhilfen beschäftigen. Ser öeutslhe Me auf SeuWr Me. war die Devise eines geselligen Abends, den die Ortsgruppen Charlottenburg und Wilmersdorf am 3. April 1922 im' großen Saal des Brüdervereinshauses veranstalteten. Eindrucksvoll war diese Kundgebung, gewaltig nicht durch den äußeren Rahmen, wohl aber durch das Schwergewicht der vorgebrachten Tatsachen. Wicken können nur Tatsachen, nicht Phrasen und man hätte gewünscht, daß eine große Anzahl christlicher Mitbürger diese Auszählung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mttangehött hätte, deren Namen so bekannt sind, daß es sich erübrigt, ihre Leistungen zu erwähnen. Wohrkich, der deutsche Jude aus deutscher Erd« hat mehr beigett.igen zur Fördemng der deutschen Kultur und zur ehrenvollen Erwähnung deS deutschen Namens im Auslände, als alle Radauantisemiten und Hurra- Patttoten zusanunengenommm. Und noch ein anderes machte diese Veranstaltung so wickungsvoll. Jugend war eS, welche die Leistungen der vergangenen Generationen schilderte. Jugend war es. die hier ein Treuegelöbnis ablegte für Deutschtum und Judentum, für deutsches Schaffen und jüdisches Streben. Nicht Phrase» dreschen, sondern beweisen, soll unser Leitsatz und besonders der unserer Jugend sein, und wir wollen einmal sehen, ob die Tatsachen den Kämpfern für Recht und Freiheit oder Hassem und Hetzern Recht geben. Aus der Fülle des Programms sei kurz Einiges her-' ausgegrisfen: In seiner Begrüßungsansprache nahm der Vorsitzende, Herr Dr. Lehmann, mit dem ihm eigenen Geschick ist wenigen Minuten Stellung zu den Problemen, die das deutsche Judentum der Gegenwart bewegen. Scharf waren die W'otte. mit denen er Antisemiten und Zionisten entgegemrat, entschiede» di« Ablehnung des Keren-hajessod, weil diese Bewegung nicht als svzrale, sondern als politisch« zu werten ist und weil der Ausbau des deutschen Vaterlandes und die Erhaltung der jüdischen Wohlsahttsinsti. tuttouen in Deutschland alle Mittel «rfordett, die deutschen Juden zur Verfügung stehen. Er betonte, daß nur ein lleiner Ausschnitt aus dem Wicken deutscher Juden, insbesondere im letzten Jahrhundett im Rahmen dieses Abends» der de« Deutschtum gelt«, geboten werden könne. Ein weiterer, dem Judentum gewidmeter geselliger Abend, werde folgen.; Mit der Entrüstung desjenigen, der seine Pflicht getan hat, und nachher dafür mit Schmutz beworfen wird, nahm Dr. Berlak in seinem Referat »Der deutsche Jude im Heer" unsere GlaubenSgenoffen gegen die Borwürfe in Schutz, daß sie körperlich untüchtig, organtsatottsch unfähig und feige seien. Einem Ludendorff, dem jobrelang auch die Verehrung der deutschen Inden zuteil wurde, blieb eS Vorbehalten, pfltchtgetreu« Soldattn zu beschimpfen und in ihrer Ehre zu kränken. Der zweit« Redner, Herr Botho L as e r ft« i n,. schilderte meisterhaft die Leistungen deS deutschen Juden in der Literatur. Wie von einem LuftschiffMSslug aus, wurde das Schassen deutscher Juden in der wissenschaftlichen, wie in der belletristischen Literatur, als Schöpfer wie als Ktttiker skizziert. , »Der deutsche Jude in der Mufft" wurde von Herrn Friedrich Brodnitz gekennzeichnej. Deutsches Wesen spiegelt sich am klarsten wider in der deutschen Musik. Der jüdische Musiker, der schöpfettsche sowohl wie der ausfüürende hat den Beweis erbracht für die Möglichkett der Symhese von Deutschtum und Judentum. »Die deutsche Jüdin" wurde von Fräulein Baeck in ihren topischen Pettretettnnen, der geistvollen Rahe! Lewin, der warmherzigen Jda Morgenstern und der großm Ovgantsatrrin Hemittte Goldschmidt, dargestellt. Die Jüdin mit Herz und Geist, die Jüdin, die mit beide» Füßen ans de» Erde sicht, das Elend sicht und eS bessern will, die jüdische Mutt« — daS ist die deutsche Frau jüdischen Glaubens. Wir hören letzt viel vom Mederaufban unseres Vaterländer. Was deutsche Juden stets und besonders in de» letzten Wittschastsepoche nach dem deutsch-französischen Kriege hierzu beigetragen haben, zeigte Herr Dr. «inner in seinem Referat: ,D«r deutsche Jude alS Kaufmann". Niemals hält« Deutschlands Handel und Deutschland- Technik seine Werraaende Bedeutung in der ganzen Welt erlangen könne«. Kaufmann nicht sein« Schaffenskraft in de» Dienst dedeutschen Vaterland«- gestellt.

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