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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-04-14 · 15 (14.4.1922) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
15 (14.4.1922)
Date
1922-04-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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mm %« tbm *** a»* fr# tn ToiWe« S9*tt«» tzarlegter »Von b*t (WttrtrtM» damgm, daß für die Erziehung der israelitischen Jugend di« körperliche Tätigkeit von größter Bedeutung ist, soll eine Anstalt errichtet werden, in welcher bedürftige istaEsche Kinder von frühester Jugend an Anleitung rum HcmLwerk und zur Bodenkultur erhalten.' Im Geiste ihre- Begrüntes halb« die Anstalt Ahlem aearbeitet. An der Hand der Ge« Lttchte der Anstalt legt« Direktor Berliner dar. daß Direktor Silberberg den Geist des Meisters Simon in sich ausgenommen und über dessen Ansichten hinaus durch zeitgemäß« Er« Weiterungen des Unterrichtan der Entwickelung her Anstalt den größten Anteil habe. Die rechte BereiniMNg von Ernst und Freude habe der Direktor in die Erziehung-Weise, der Anstalt htnetngckragen, in mustergültiger Form Hab« er die Geschäftsführung geleitet und durch befruchtende Ideen zu den Erfolgen beigetragen, die Ahlem erreichen konnte. Auch der mütterlichen Einwirkung der Frau Direktor Silber, der» aus die Zöglinge anerkennend gedenkend, betont« der >mm, dich der Jubilar in dm 25 Jahren wertvoll« Dienste geleistet habe für die ganze deutsche Judenlhett, die Wisse, was sie an Ahlem und Direktor Silberberg habe. Mit dem Wunsche, daß der Jubilar noch viele Jahre sein segenSmicheS Amt in Ahlem ausüben möge, schloß der Redner. . Juftizrat B e n f« y I, der Vorsitzende des Kuratoriumder Anstalt, sprach die herzlichen Glückwünsche dieser Körperschaft aus. Der Tag, an dem Direktor GirbeBerg feine Tätigkeit in Ahlem begonnen habe, sei ein Tag des Segens geworden. WaS Moritz Simon gegründet, Hab« Direktor Silberberg vollendet. Sandrat Krüger überbrachte die Glückwünsche des Landkreises Linden, der stolz lei, dies« Anstalt in seinem Bezirk zu haben. Obermeister Plate sprach nameuS der Handwerksvammer Hannover, die die MrAamkett der Ahlemer Anstalt und ihrer Direktorfür das Handwerk und ftitz das gesamte Vaterland voll anerkenne. Rach einem Gesangvartrage eines ehemaligen Schülers vbesbrachte Kommerstenoat Berliner di« Glückwunsch« der isoaelttischen Gemeind«, dabei betonend, daß an dem, WaS heute die Anstalt Ahlem sei, der Jubilar mit seiner Gattin den größten Anteil habe. Di« deutsche Judenhett stehe dankbar mit der hiesigen Gemeinde heut«, vor dem Jubilar Wd wünsch« ihm noch lange Jahr« erfolgreiche Arbeit, «etter sprach noch Rabbiner Dr. Freund. Sin kurzer, sinniger Vorspruch, von einem Schüler at> Schen, leitete über zu den Glückwünschen der AnftkltSebörigen, die in einer Jubelhymne des gemischte» Chors in einer Ansprache des Lehrers Stein ihren AuSdruck fanden, aus der di« hohe Verehrung wideMang, deren sich der Jubilar bei seinen Mitarbeitern und bei den Schülern erfreut. Diesen Wünschen schlossen sich die ehemaligen Ahleme< Schüler an, in deren Namen Herr Lampel Milteilung von der Errichtung einer Alvert-Silberbevg-Stiftnn« Machte und eine Adresse, Überreichte. Nachdem noch ein Lehr, (btt der Anstalt herzliche Dankesworte an dm Jubilar ge. richtet hatte, sprach noch Herr Herzberg ms Vertreter der ZionSloge, zu der auch Moritz Simon geihörte. Mddiztnalrat Dr. DrewS erinnerte an die selbstlose Liebestätigkeit der Jubilars und feiner Gattin für die Insassen des Ahlemer Lazaretts. Vertreter des Verbandes jüdisch« Handwerker und der auswärtigen ehemaligen Ahlemer, bildeten dm Schluß der Ansprachen, aus di« Direktor Silberberg Mtt herzlichen Dankesworten erwidert«. Er habe versucht, die Ideen Moritz SimonS zur Verwirklichung zu bringen. Schwer sti die Zeit gewesen, ab« tatkräftig« Unterstützung s,i ihm geworden von Sartorius Rheinhold und alle« anderen Milalledem der Verwaltung. Di« feste Zuversicht. daß das Instttut, das auch den vaterländischen Jnteresien diene, nicht wttn^ehm^ werde, sei ihm di« schönste Freude seines Jitbi- Der Chorgesang »Der Herr ist mein Hirte" bildete dann jbe» Schluß der würdigm Feier. ' 8»l«k«d- Nachricht Im» 8en*w»8r*S Jft Misch« UnSwanderungsangelegenheften geht uns m* Cuba. Kn lefcht Zeit macht sich ein« stark Nekgunyi m Auswanderung nach Cuba unter den Juden deS Osten» jgellend. Vor der Auswanderung nach Cuba muß aber gegenwärtig dringend Äbgevaten werden. Die wirtschaftliche Lage ist dort zurzeit äußerst ungünstig. Es herrscht eine große Teuerung und die Arbeit-- Verhältnisse liegen äußerst schlecht. Diese Faktoren machen sich für die osteuropäischen Neuankömmlinge,. di« der spanischen Sprache nicht mächtig sind und erst versuchen müssen, festen Fuß im Land« zu fassen, um so schlimmer fühlbar, als rn den letzten Monaten hin verhältnismäßig sehr bedeutender Emigrantenzuftuß wrö Ostmropa stattgesunden hat, so baß Cuba augenblicklich für Neueinwanderer absolut nicht aufnahmefähig ist. TL befinden sich dort auch viele Emigranten, die sich nach Cuba in der falschen DorauSsetzunq begeben hatten. . «" »; > Von «tfoti Aastvs «Sl ÜWer naB tim Vevtdrdett ««feit gelangen zu können. In Nr. 13 unserer Nachrichtenblätter, vom Oktober 1VS1, hatten wir bereits auf die schwierige Situation der auf dem Wege nach den Vereinigten Staaten in Cuba stecken gebliebenen Emigranten aus Osteuropa aufmerksam gemacht. ES sei noch auf folgendes h imgewiesen: Einwanderer nach Cuba, auch Frauen und Kinder, müsien im Besitz von mindestens i« 30 Dollars sein. Personen, deren Einwanderung als unerwünscht angesehen wird, werden von der eubanischen Vinwanderungsbehärde, gegen deren Entscheidung es keine Berufung gibt, zur Landung nicht zugelassen. Nach den letzten zuverlässigen Nachrichten werden . dem Einlaß neuer Einwanderer in Rücksicht aus die gegenwärtigen Verhältnisse des Arbeitsmarktes Schwierigkeiten bereitet- Buchbesprechung. In der Königsderger Hartnngschen Zeitung findet sich folgende Krttik: Leo Baeck: Da» Wesen de» Indent««». Zweite netzbearbettete Auflage. VIII u. 308 S. Frankfurt a. M., I. Kausfmann. 1922. Geh. 45 Mark, geb. 80 Mark und 30 Prozent Verlags-Teuerungszuschlag. Für weite Kreise erschöpft sich ihre Kenntnis vom Judentum in d» Feststellung, daß es „allein an allem Unglück schuld ist". Es gibt aber auch, wie Referent oft Gelegenheit hatte sich tfii überzeugen, weite Kreise, die noch nicht von Haß und Leidenschaft verblendet siM» und den ernsten Wunsch nach einer tieferen Kenntnis vom Weisen der Mischen Religion haben. So kommt das vorliegende Buch einem wirklichen Bedürfnis entgegen, zumal sein Verfasser wie wenige zur Lösung, einer so großen und schwierigen Frage berufen erscheint. Baeck, Lek als Rabbiner und Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums i« Berlin wirkt, ist sowohl reugionsgeschichtlich als psychologisch gründlich geschult. Er kennt nicht nur seinen Gegenstand aus das genaueste, sondern durchdringt ihn auch mtt selbständiger Kritik. In drei großen Querschnitte« gibt er ein Gesamtbild vom Judentum, indem er dessen Charakter. Ideen und Erhaltung gesondert behandelt, und bietet aus verhältnismäßig engem Raum eine Fülle von Tatsachen und Gedanken über die Hcwptseiten der jüdischen Religion. Manche Partien des Buche» sind vielleicht für den Richtsachmann etwa» zu abstrakt, im ganzen fesselt es aber dm Leser sowohl durch die Wärme de» Tones als auch durch dis Klarheit de» Stils, den nicht selten treffende Aphorismen beleben. Auch in der Auseinandersetzung mit anderen religiösen oder philosophischen Weltanschauungen bleibt die Schreibart ruhig und vornehm. Wie nach außen sucht Baeck auch nach innen objekiv zu bleiben und keine der innerhalb deS Judentums bestehenden religiösen Parteien und Richtungen zu bevorzugen oder heraibzuschen. Daß das Buch trotzdem eine höchst persönliche Note trägt, kann nvt als Vorzua gelten. Denn wer das Wesen einer Religion und speziell seiner eigenen Religion darzustellen unternimmt, muß, unwillkürlich subjektiv werden, wenn er aussprtcht. waS thm als vaS Wesentliche darin, erscheint, und seine Urteile schließen darum in gewissem Sinne ein Bekenntnis in sich. Ueber seinen nächsten Zweck hinaus hat das Buch ein aktuelles Interesse. Denn sein Verfasser, der den ganzen Krieg erst im Westen und dann im Osten als Armeerabbiner Mitgemacht hat. ist durch das groß« Erleben dieser Jahre zu einer tiefen Einsicht in die Menschen- und Völler^eele gelangt und nimmt daher wiederholt Stellung zu den Fragen und Problemen, die heut« das Denke» und Fühlen der Edelsten beschäftigen. Selbst Leser, die auf ganz abweichendem Standvunkt stehen, woser« sie überhaupt religiöser Anregung zugängsick find, werde« das Buch innerlich bereichert ans der Hand'legen. ■ F. Perles. MLsch-rviffenschastttche Kurse zu Dreslav. Im Sommer werden folgende Vorlesungen gehalten! Hebräisch und Aramäisch. Hebräische Grammatik rnit Uebungen für Fortgeschrittene (baS schwache Verbum) und Einführung in oft aramäische Grammatik mtt Lektüre aus dem Buche Daniel... 3 Std. Dr. Heinemann Hebräische Grammatik für Anfänger 8 , Dr. Jacob Hebräische Konversation für Anfänger .2 Std. Lehrer Reznikow für Fortgeschrittene.2 „ , „ Bibel. Lektüre ausgewählter Bibelstücke (aus Thora, Geschichtsbüchern und Ruth) zur Veranschaulichung der Stellung der Frau für Fortgeschrittene 2 „ Dr. Heinemann Die historische« Bücher »tt «ibcst für Anfänger 2 , Der Prophet Jeremias für Fortgeschrittene 3 f Geschichte. Jüdische Geschichte von der Befreiung unter den Makkabäern bis zur Unterwersimg unter Bar-Kochba . 2 , Religionsphilosophie. Die Lebenöcmschauung Spinoza» . « Lektüre von Spinozas Ethik.... Talmud und Mrdrasch. Mischna (Sanhedrin) für Anfänger. .... Gemara (Taanith) für Fortgeschrittene Einleitung in den Midrasch .... De. Jacob Dr. Rabin Dr. Rabin Dr. Lewkowitz » w Prof.Guitmani Dr' Rabin Alle Vorlesuntzen sind unentgeltlich. Anmeldungen find an Dr. I. R a b i n, BreSlau, Wallstr. 14J zu richten. die yvWltlr för öle lvlDWll ött Wollum Miln N. 24, jmuierlefrra»« u. zeigt folgende Vorlesungen im Sommersevleyeß 1 9 2 2 an: Herr Dr. Baeck wird lesen: 1. Midrasch, Uebungen über dte Pesitta. 2 Stunde«. £i«n£* tag 8—10. 2. Homiletische Uebungen. 2 Stunden. Freitag 8—10. - 3. Einleitung in die Pädagogik des Religionsmtterrichtch'' 1 Stunde. Dienstag 10—11. Prof. Dr. Baneth wird lesen: Talmud Gittin, IV, 6 Stunden. Montag, Mittwochs Donnerstag. 9—11. i Mischna Daiba Mezia, I, 2 Stunden. Sonntag 9—11t Tur und Schulchan Ämch Jore Dea 10 ff., 2 Stunden, Montag und Donnerstag 11—12. i Matmunt, HU. T'ftlla, 1 Swnd«. Mittwoch 11—12* Maimunt. HU. lkiddusch hachodesch, 1 Stunde. gSottru tag 11—12. Herr 1. 2. 3. 4. 5. Herr 1. 2. 8. 4. Herr 1. 2. 3. Pros. Dr. Elb og«n wird lesen: Talmud Tr. Sulla, Kap. V, 4 Stund«. Montaig und Donnerstag 8—10. Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert. 2 Stunden. Mittwoch 8—10. Geschichte des jüdischen Gottesdienstes, 2 Stunden. Mow tag und Donnerstag 10—11. Hebräische GeschichtSguellen, 1% Std. Freitag 9—1014. Prof. Dr. Guttmann wird lesen: Grundfragen der Religion'sphilosophie, 2 Std. Montag und Mittwoch 10—11. Uebungen zur Ethik, 2 Std. Dienstag 9—11. Lektüre des Or Adonai von Chasdai Ereskas. 2 Std. Dienstag 11—1. - Lektüre der ethischen Schriften des MaimonideS (für Ansangrt), 2 Stunden. Mittwoch 11—1. Dr. Torezpner wird lesenr Jesaia (Fortsetzung), 8 Std. Montag, Donnerstag, Freitag 12—1. . Die biblischen Gesetze (Fortsetzung), 8 Std. Montag, Doftnerstag, Freitag 11—12. , Grammatik des babulonisch-talmudtschen Aramäisch, eine Stunde. Freitag 10—11. j Hebräische Stil- und Redeübungen, 2 Stunden. Montag und Donnerstag 10—11. Herr Dr. Freund wird lesen: Di« ftaatslirchliche Stellung des Judentums in Deutschs land nach der neuen Reichsversassung. 2 Std. Mittwoch 7-7-9 Uhr abends. In der Präparandie werden, wie bisher, Kurse über Bibel und Kommentare, hebräisch« Grammatik, Mischna. Tab mud, und das Gebetbuch von den Herren Dr. Barol, Dv. Grünthal und Dr. Rosenthal laut Anschlag am schwarzen Brett gehalten werden. Alle Vorlesungen und Uebungen find unentgeltlich. Die Eröffnung des Sommer-Semesters erfolgt M itk4 woch, den 2 6. April. 11 Uhr vormittags. MS Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Ltnfii rite immatrikulierte Stttdierende der hiesigen Universität —j und zwar obne Unterschied der Fakultät — in Aussicht nommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigungen an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeittgen Vorsitzenden de» Lechrer.Kollegiums, Herrn Dr. T o r e z h n e r. am Donnerstag, den 27. und Freitag, den 28. April von 11—12 Uhr. im Sprechzimmer der Hochschule. 1 Sie versuchte, ihn zu beruhigen und mtt müder Bewegung aste sein Haar. — — — Da» Nachtlicht flackrle und plötzlich leuchtete es noch einmal hoch aus. Dann e» knisternd. Sie lag wieder reglos mit aeschloffenm Augen da. — Walter stand aus und versuchte, da» Lämpchen wieder chwu-ünden. Aber das Oel war ausaebrannt. Run lag das Zimmer wieder im Dunkel «Nd Stille. Rur ihr kurzer, regelmäßiger Atem war hörbar. Die Schwüle bedrückte ihn und er öffnete wieder da» Fenster. Die Regenwolkm hatten sich etwa» verzogen: der Himmel war fast ganz klar. Ueber dem Meere stand der Vollmond und ließ sein pmmernde- Licht auf den Wellen spielen. Di« See war so wchig, daß man nur bet angestrengtem Lauschen ihr sttlle- Auf- und Abebbe« hören könnt«. Vom Hasen her klang gedämpft« Mufft, «Hgedvochene Hannonikatöne und letseS Singe». * Lang« stand Walter so und blickt« aus da» nachtdckickl« Meer und den bestirnten Himmel. — Da kreisen nun die Stern« ewig im Weltenramu, im- «er in ihre, Bahn, unabänderlichen Gesetzen gehorchend, und was sind wir Menschen gegen die Unendlichkeit, die wir Nicht faffen, nicht verstehe« können. — Rur kurze Zeit leben wir und werden wieder zu nicht», und wa» tfk der Sinn cklle» Seins? Trüb« Gedanken erfüllte« Natter, und träumend blickte er aus die blühenden Sträucher und Blumen im Garten. — A« Hafen war e» ruhig geworden. Der Mond war h»her gestiegen, er warf über da» Wasser breite, glitzernde Lichtstächen. Die Dächer der Häuser glänzten wie spiegelndes Silber. , _ Und es war Walter, als höre er ein ttefe», harmonisch«» Klingen, ein« kaum hörbare, überirdische Melodie. War er das leise Rauschen der See, oder waren e» die Stimmen der Rächt selbst, die m ihm sprach«? Traurig stand Walter am Fenstw und er fühlte» wie ihm di« Tranen die Wangen heruntet 'lesen. Als er sich wieder zum Bette der .Schlafenden umwandte, sah er etwa» Seltsames: Der Mond schim ins Zimmer und die link« Hälft« ihre- Gesichtwar ganz in fein Licht getaucht. Ihr einer Arm hing schlaff herab, und ihr Antlitz war leichenhaft blaß. Sin plötzlicher Schreck stteg in Walter aus, und er beugt« sich Über sie. — Sie atmet« noch immer ruhig und tief. - Da fiel ihm ein, waS Han» gesagt hatte, daß der Frühling Leben bringe. — und daß sie wieder genesen müßte. Und «in« tiefe, selige Hoffnung zog wieder in sein Herz. Er setzte sich an ibr Bett und wacht«. Ihre Hand «chm er in di« seine und so. blieb er an ihrem Lager sitzen tim sah in ihr Antlitz. Doch er wußte nicht, wie ihm geschah. — Die Leiden letzt« Nächte hatte er nicht geschlafen, dazu kam die Aufregung und di« Angst in den vorbergchenden Lagm.- et mußte sich Mühe geben, um die Auge« oste« zu behalten. — Aber di« Müdigkett überwältigte ihn. Er hörte ein dumpfes Rauschen, das lauter und lauter wurde und an seinem träumenden Geist« zogen zerfließende, schemenhaft« Bilder vorüber. Etz sah eine weiß« Gestalt, di« forteilte, sobald « sich ihr näherte und sie zu halten versnchte. — Sie winkte chm zu, er wollte sie mnsasien und griff in leere Luft. «erwachte er von dem hellen, blendenden Gonin» Zimmer flutete. — Da merkt« er, daß er geschlafen hatte. Znscunmengesunken saß er in seinem Stuhle. Ihr« Hand hielt er noch umfaßt, — aber sie war kalt und steif. — — Er sprang aus. — Noch begriff er nicht»; — in seinem Bewußtsein waren nur die wirren Träume der Nacht. Dann, plötzlich jsdoch, faßte er es: fi« war tot. — Starr lag sie da. mn den fest geschlossenen Mund ein leises Lächeln, als fteur sie sich, daß ihr Wunsch, zu sterben, nun erfüllt sei. — ' Walter konnte nicht weinen. Di« Kehl« war ihm wie zugeschnürt. — Ein unsagbar bitteres Schmerzgefühl zuckte in ihm aus. — , Ueber der See ging die Sonne auf und entzündete di« unendliche, leuchtende Fläche zum glutenden Brande. Gie See lag spiegelglatt da. mattblau, — als sei nichts geschehen. — Walter ging hinaus. Und als er unten am Strande war, löste sich seine Spannung; er warf sich in dm Sand ititfo brach itt ein erlösendes, her Erbrechendes Weinen aus. Nach drei Tagen wurde die unbekannte Tote auf dem Friedhof der Namenlosen zur letzten Ruhe bestattet. — Der kleine Gottesacker licat wett draußen am Merk hinter den Diiuen, ganz von Wald umgeben. Ein« Meng« wilder Rosen blüht dort. — Sonst weiden dort nur die Toten begraben, die da» Meer anspült, von denen man nicht weiß, wer sie sind und woher sie komme«. Und auch sie hatte das Meer heranaespült, das von irgend einem Sturm des Schicksals, einem Kampf des Lebens aufgewühlt worden war. Walter stand hoch aufgerichtet da, und nur als der schmucklose Sarg in di« Erde gebettet wurde, senkte a den Kopf. — In der Luft sangen die Vögel. ES war ein herckicher Frühlinastaa.- Als Waller von dem Begräbnis zurückkam, packte et seine Sachen und verabschiedet« sich von Hans. Er reiste noch am selben Tage ab. — •*— - — — —imrnJ ««i Hans bat lange, lang« Zeit von seinem Freunde nichts gehött. — Rach vielen Jabren, als sein Haar schon gra« war. erfuhr er, daß Walter als Arzt in einem kleinen thüringischen Städtchen lebe, als ein stiller, zurückgezogener, unverheirateter Mann, der Noch immer sehr emst und wort» karg sei. — ___

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