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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-03-31 · 13 (31.3.1922) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
13 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdisch-libemle Zeitung Die,Ladisch-llverale Zeitung" erscheint jeden Freitag und »ostet durch die Vost oder durch die GeschüftSsterle bezogen, vierteliSdrlich Mk. 6.- Sinzelnummer 60 Vf. Ladlungen aufVvftsHecttonlo Breslau 423S7.2üdlscv- Uberale Leitung, rtastenverwaltung, S.Bayer, Breslau i I SefchSstoftelle: Breslau 3 Reue Sraupenftra-e 7, l. . 8_ Anaadmef«!«» für Belichte: Montag mtttag Sprechstunden der Gchrlstleltung: Montag dis Sreltag 12—1 vorm, ln der Sefchüfisstelle. Annaymefchiust für Anzeigen: Dienstag früh Die 3',. cm breite Mlllimeterzeile rostet 1M»., Samtltenan»elgen7vvf. BelWiedervolungSrmüsttgung lt.rarif | Nr. 13 Breslau, den 31. März 1922 2. Jahrgang M Zur Beachtung! | || Alle Mr die jj ll1 & Redaktion (l |\ der ..Ladtsch ltberatrn Settuno" befg ws filmmtea Einsendungen vonManusMpten,;H H Berichten usw., sowie Zeltungo-Neber- (g |# Weisungen sind künitig an folgende Adresse \i |l der Redaktion zu richten: M | Berlin W 8, Mauerstr. LL I ffF (Vereinigung für das liberale Judentum). \J SSäBdfli Die durch die unerhörten Preissteigerungen aller Materialien für das Druckgewerbe hervorgerufene große Not der presse Zwingt auch leider uns, die Bezugs-ebühren für die „Aüdlsch"liberale Zeitung" ab 1. April d. I. zu erhöhen, und zwar auf Mk. 10.— für das Vierteljahr. Wir bitten unsere Bezieher, uns diesen Betrag bald auf unser Postscheckkonto Breslau Nr. 57 zu überweisen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung der Zeitung eintritt. M Mag Kr „AW.MM MW" Th. Schatzky G. nt. b. A., Breslau 3. Die lluüenfemüschast in -eutschlan- Von G. Loew-Fränkel. Die antisemitische Welle schwillt wieder bedenklich an. Im gegenwärtigen Stadium unserer politischen Lage kann es nicht anders sein. War doch das jüdische Volk von altersher der gehaßte, mißhandelte Prügelknabe der mächtigen Weltnationen. 'Die judenfeindliche Strömung ist aber nicht etwa nur das unliebsame Gewächs der Kriegs- und Umsturzepochen. Sie hat zu allen Zeiten — bei allen Völkern bestanden; am ungehemmtesten freilich im mächtigen Deutschen Reich. Ich erinnere an Heinrich von Treitschke. der seine Vorträge stets mit der liebreichen Formel würzte: „Die In — hu — den. meine Herren (er zog den Namen näselnd und hohnlächelnd in die Länge), nebst den verehrten Britten das widerwärtigste Volk . . . .", und die Hörer trampelten Beifall. Heinrich von Treitschke ist tot und seine Verdienste sind groß. Aber er war ein Mensch, mit allen Launen und Fehlern und Vorzügen eines solchen. Vielleicht war die Iudenfeindschaft nicht seine einzige Schwäche. Um sie nicht nur mit Worten, sondern mit ernsten Gründen praktisch zu widerlegen, sehen wir uns den Typ des südischen Durchschnittsbürgers etwas genauer an. Der Jude hat in der Tat häßliche Eigenschaften. Darunter sind die vulgärsten: Geldgier. Prahlsucht. Genußsucht, Selbstsucht, Taktlosigkeit. Der Egoismus des Juden ist häuftg mit Furcht vor Strafe und Vergeltung verbunden — sagen wir einfach mit Feigheit. In seiner Sucht nach Gewinn kenrrt er kein Hindernis; er ist also rücksichtslos, wenn es auf seinen Vorteil, das heißt aufs Verdienen ankommt. Auch Neid auf die größeren Erfolge des Mitbürgers ist nicht selten. — Ich habe nur einige, besonders verachtenswerte und mißliche Eigenschaften flüchtig hercrusgegriffen. ohne behaupten zu wollen, daß damit das Repertoire der jüdischen Widrigkeiten einigermaßen erschöpft sei. Nun aber Hand aufs Herz: wer von den christlichen Lesern hat unter seinen Bekannten nicht einen oder den andern, der diese Unmanieren, diese Charakterfehler, diese Geschmacklosigkeiten mehr oder weniger teilt? Gibt es unter den vielen freunden und Klubgenossen, Vorgesetzten, Kollegen nicht Neider. Prahler, Genießer? Sklaven schnöder Gewinnsucht? Hasen und Egoisten? Diese Charakterfehler sind also an und für sich kein ausgesprochenes Merkmal der jüdischen Bollnatur. — Ihr wirklich typischer Mangel besteht in der chronischen Neigung zum Grübeln und Spintisieren, aus der sich naturnotwendig der Hang zum Nörgeln und Spötteln, das heißt zur Kritik ergibt. Diese Gemütsanlage, die den Genuß am Leben häufig zerstören mag, entspringt der körperlichen und geistigen Disposition der alt^en jüdischen Rasse, ist ihr Verhängnis und Erbteil über Jahrtausende weg. Jenen gefährlichen Trieb zum Prüfen und zum Zerpflücken, zum chronischen Analysieren jeglicher Lebenserscheinunq nennen die deutschen Christen, wenn sie vom Judentum sprechen, jedenfalls nicht mit Unrecht das zersetzend« Element. Wo es in einem Staat wirklich die Oberhand und praktischen Einfluß gewinnt, muß es natürlich zersetzend, das heißt entkräftigend wirken. Aber — und das ist das Gute — der Jude sorgt selbst dafür, daß diese Möglichkeit niemals Gestalt gewinnt; richtiger ausgedrückt, sein eigenes Leben im Staat, die berufliche Position, die Notwendigkeit, sich selbst inmitten der Volksgenoflen unentwegt zu behaupten: der Kamps um die Existenz zwingt ihn, die Depression, die ihn« dabei behindern oder entmutigen könnte, energffck zu unterdrücken. damit er sein Ziel erreicht, damit er das Rennen macht. Der jüdische Pessimismus, sofern er vorhanden ist, birgt also, da er im' steten fühlbaren Widerstreit zwischen Gemüt und Verstand einfach aus Gründen der Klugheit niemals den Sieg erringt, und demzufolge natürlich auch niemals über die Grenzen der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Charakters hinauswirkt, kein« Gefahren in sich für die Kulturentwickelung derjenigen Weltnationen, denen die Iudenschaft als Bürgertum anaehört. Wenden wir uns nun aber den guten Eigenschaften der jüdischen Rasse zu. Der Jude ist selten geizig. So gern wie er selbst verdient, so gern teilt er auch von dem Erworbenen mit. Sein Hang zur Wohltätigkeit nimmt je nach Rang und Vermöaen größere oder kleinere praktische formen an. Sein Wohltun hat Methode; Mitleid und Menschenliebe werden bei ihm zum System. Der Jude organisiert. Er ist vielleicht pedantisch — kleinlich, engherzig nie. Et sorgt nicht nur für sein. Haus, für seinen Stamm und fein'Volk, sondern in gleicher Weise für die bedürftigen Seelen christlicher Konfession. Die Zahl solcher Institute. Anstalten und Vereine mit simultaner Tendenz — von jüdischen Bürgern gegründet, geleitet und unterstützt — ist in allen Ländern Legion. Dft Weite des Horizonts, die der Jude damit beweist, seine Reife und Großzügigkeit, seine Duldsamkeit und Geduld macht sich auch sonst im Leben in Freundschaft oder Beruf, im nahen und fernen Verkehr mit seinen Glaubensgenossen, seinen Mitbürgern geltend. Die Quelle all dieser guten und nützlichen Eigenschaften, mit denen er nicht nur dem Wohl der bürgerlichen Gesamtheit, sondern dem eigenen Vorteil offen und sicher dient, ist seine Intelliqenz. Sie hat ihn in Verbindung mit Ebrgeiz. Fleiß und Korrektheit — einer ungewöhnlich starken, rechnerischen Begabung von altersher nicht allein zu geschäftlichen Transaktionen, zu Werken und Unternehmen rein materieller Natur. sondern ebensosehr zur Bereicherung und Vertiefung der Wissenschaften befähigt. Wenn der Jude auf seinen Fleiß, seine Begabung pocht, wenn er seinen Anspruch aus Aemter und Stellungen geltend macht, die man ihm — wenigstens hier im vorrevolutionären und aristokratischen Deutschland hartnäckig WW-libriM Wiiöomlll;n Miau. Montag, den S. April 1922, a&ettW 8 V* Uhr. im Saale der Gesellschaft «Eintracht*, Tauenhienstraße 12 (Eingang nur Anger) Bortrag des Herrn Pastor Moeringr Recht unö Grenze ües theologischen aaS religiösen Liberalismus. Freunde und Anhänger unserer Bewegung als Gäste willkommen. Voranzeige! Montag, den 19. April 1922, Bor trag des Herrn Dr. Robert Naumann, Dorsttzender deS M-Liegnih: Bismarck und die Juden. ft der Beitrag für bal®2. Quartal 1922 am 1. siprtl 1922 fällig. Der Pflichtquartalsbeitrag beträgt Mk. 10.-. Sin- Zahlungen auf Postscheck-Konto BreSlau 17 443 A. Berper. Ab 20. Avril erfolgt Einziehung aller rückständigen Beiträge durch Postnachnayme zuzügl.Mk.3.50 Spesen pro vuittung. Unsere Ankündigungen erscheinen von der April- Nummer ab auf der letzten Seite. vorenthielt — so wird ihm vielfach erwidert, seine Charakteranlag« und seine Gemütsverfassung mache ihn für die Laufbahn etwa eines Beamten, Richters und Maatsministers vollständig ungeeignet. Die preußisch-deutsche Geschichte, auch wenn wir vom momentanen, wirtschaftspolitischen Umschwung der zeitgenössischen Aera. in welcher Juden Minister. Beamte, Staatsmänner sind und sich auf ihren Posten zum Teil vortrefflich bewähren, einstweilen vollständig absehen, hat überzeugend bewiesen, daß Juden auch als Minister. Führer urck Präsidenten politischer Körperschaften Ausgezeichnetes leisten. Beinahe ebenso haltlos ist der beständige Einwand, der Jude eigne sich nicht zum höheren Militär. Welches praktische Urteil hat der gewaltige Krieg über die Feldbegabung. Umsicht, Widerstandskraft der deutschen Juden gefallt? Besonders erstaunlich war, was vielfach festgestellt wurde, daß es dem jüdischen Leutnant, mehr noch dem jüdischen Hauptmann, also dem reiferen Mann in höheren Führerstellen, durchaus nicht an Initiative, an optimistischer Kühnheit und Verwegenheit fehlte, die sa im offenen Gefecht stets unentbehrlich sind und die man speziell den Inden auf Grund ihres Temperaments und ihrer Gemütsanlage immer hartnäckig absprach. — Durchweg gerühmt und gelobt wurde das Pflichtgefühl, die Kameradschaftlichkeit, die Hilfsbereitschaft der Juden. Auch ihre Standhaftigkeit, Ausdauer und' Geduld ward allgemein anerkannt; das alles beweist zur Genüge, nicht bloß, daß es unter den Juden rühmliche Ausnahmen gibt — sondern daß sich der Jude, ebenso wie der Christ, für das Soldatenhandwerk faktisch erziehen läßt . . . aber — Pardon, ich vergaß: Soldaten brauchen wir ja in Deutschland heute nicht mehr. Trotzdem der deutsche Jude dorr altersher mit Verachtung und Feindschaft zu kämpfen hatte, trotzdem er jahrhundertelang vergeblich um Anerkennung, Gleichberechtigung rang, steht er als Patriot, als Bürger und Untertan seinen Landsleuten christlichen Glaubens in keiner Beziehung nach; denn er liebt die Nation, die ihm Asylrecht gewährt. Der Jude, der ia bekanntlich kein eigenes Vaterland hat, hängt an dem Stückchen Heimat, das er seit Generationen ununterbrochen bewohnt, — das er nicht als Stiefheimat ansieht, obwohl er jahrhundelang immer das Stiefkind war. Es gibt keinen besseren Bürger und treueren Untertan. Ungerecht wäre es, wenn die Gesinnung der großen, iüdischen Bürgerschaft, die so gut wie die christlich-deutsche ihre politische Ehre und Ueberlieferung hat. etwa nach den paar Schreiern, Verführern und Randalisten, die im modernen Deutschland am Umsturz nritgewirkt haben, eingeschätzt werden soll. Das Gegenteil wäre richtig. Die jüdische Bürgerschaft stellt sich als ein gesundes, erhaltendes Element dessenigen Landes dar. das sie ernährt und beherbergt. Der jüdische Sinn für Bewährung überlieferter Werte, Gebräuche, In« stitutionen ist nicht etwa ein Produkt nüchterner lieber? legung, sondern das Resultat von Temperament und Charakter. Anlage, Tradition. Diese historische Treue, die ihre wirksamsten Kräfte aus den im jahrtausendealten, geheiligten Judentum verwurzelten Weltgesetzen und Weltanschauungen zieht, hat es den Juden ermöglicht, über Aeonen hinweg inmitten fremder Nationen das Judentum als Kultur-, als Volks- und Glaubensgemeinschaft über- Haupt am Leben zu hatten. Es liegt dem Temperament des echten Juden an» nächsten, dies staatserhaltende, bejahende Element feiner ganzen Lebensanschauung als Bürger und Untertan politisch zu offenbaren. Daran verhindert ihn ober der stereotype Haß unserer Radaupatrioten. Durch ihn wird er nur zu oft gewaltsam und willenlos in die Opposition gedrängt. Kann es nicht anders werden? Wir hÄben eben gesehen, daß der Jude im großen ganzen weder ein schlechterer Mensch noch ein schlechterer Staatsbürger ist, als der germanische Christ. Die Iudenseindlichkeit ist also unberechtigt und darum auch ungerecht. Schon aus moralischen Gründen sollte sie der Vernunft und besseren Einsicht weichen. Auch wenn ihr nicht gerade in gegenwärtiger Zeit Erwägungen nationaler, durchaus politischer Art greifbar entgegenständen. Deutschland soll neu geeint, gefestigt, ausgebaut werden. Dieser gewaltige Ausbau wird nur erfolgreich begonnen, planmäßig durchgeführt. wenn alle Schichten und Kreise ohne Unterschied des Vermögens, des Standes oder Berufs — besonders der Konftssion — nach M a ß ' gäbe ihre sKönnens — zur Arbeit herangezogen, ernsthaft verpflichtet werden. Für die Besetzung de» Posten in allen Kategorien praktischer Werklätigkeit, die für die Zukunft des Landes von höchster Bedeutung fft, kann im modernen Deutschland, das eine EntwickelungSkrife ad infinitum erlebt, nur die Elite des Volks wirklich m Frage kommen. Es steht aber außer Zweifel, daß auch 00010200010202020200010100000102010001020248480100322348484802012301

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