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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-03-10 · 10 (10.3.1922) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
10 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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tzeutschm Hände«. $1« Juden Prags standen seither fast alle st« deutschen Lager und zählten zur deutschen liberalen Partei.. Die tschechische Presse nennt das einen Skandal. hervorgerufen nur durch das plutokratische Gemeindewahlrecht. In den Prager Synagogen fei deutsch gepredigt, deutsch amtiert worden, ja sogar die Inschriften auf den Friedhöfen seien deutsch gewesen. Es werde sich zeigen müssen, ob dieser Skandal nach den Gemeindewahlen vom 30. Oktober weiterbestehen werde. Die tschechische Oefsentlichkeit werde nicht dulden dürfen, daß im Zentrum Prags diese „Germanisationsschwach" weiterbestehe. Die Wahlen seien deshalb von politischem Einfluß, denn die jüdische Gemeinde Prags zähle zu den wichtigsten Korporationen der Stadt. Am 30. Oktober werde das Präsidium auf vier Jahre gewählt und da werde sich zeigen, so fährt die „Narodni Politika" fort, ob „das provokatorische Verhalten" der bisherigen Vertretung beibehalten werden würde. Es handle sich um die Tschechisienmg und damit um die Entpolitisierung d(s jüdischen Rathauses. Eine tschechisch-jüdische Gruppe kämpfe gegen die Germanisierunqsgewalt der bisher leitenden Persönlichkeiten. Man erkennt, in welcher Weise hier gehetzt wurde und konnte dem Resultat der Wahlen, die unter solchem Eindruck standen, tatsächlich mit Interesse entgegensetzen. Inzwischen haben diese stattgefunden. Es wurden insgesamt 9260 gültige Stimmen abgegeben. Davon fielen auf die demokratische Partei 2859 mit 8 Mandaten, auf die tschechisch-nationalen Juden 2350 mit 6, auf die Mitttclstandspartei (orthodox) 2083 mit 5 und auf die Jüdisch-Rationalen (Zionisten) 1W8 mit 5 Mandaten. Es ist interessant, daß die tschechisch-nationalen Juden trotz ihrer Agitation und trotzdem die nationaldemokratischen Blätter schreiben, daß nach der vorjährigen Volkszählung es die tschechisch-nationalen Juden gut auf 5000 Stimmen hätten bringen können, in der Minderheit blieben. Wieder ein Hereinfall des Pogromapostel. Die „Freiheitschreibt: Im Dezember vorigen Jahres brachten wir in der „Freiheit" eine Notiz, betitelt: „Koschere Menschenfleischwurst". Sie handelte von einem Flugblatt, das damals in Berlin verbreitet wurde, und in dem gegen jüdische Aerzte der Vortvurf erhoben wurde, sie behandelten ihre Kranken nicht sachgemäß, sondern kurierten sie zu Tode, um dann ihre Leichen zu zerstiickeln und das Fleisch an Pferdeschlächtereien zu verkaufen. Das Flugblatt roch bedenklich nach Knüppel-Kunze. Wir erlaubten uns daher, geziemend darauf hinzuweisen, daß das Flugblatt. welches geeignet war. eine richtige Pogromstimmung zu erzeugen. Geist vom Geist Knüppel-Kunzes sei. Darauf hin erhob Knüppel-Kunze durch seinen Anwalt gegen unseren verantwortlichen Redakteur. Genossen Rudner. Privatklage beim Schöffengericht Berlin- Mitte. Vom Genossen Rudner und seinem Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Boenheim. wurde im Verfahren eingewandt, daß man nach der ganzen politischen Vergangenheit Knüppel-Kunzes ohne weiteres ihn für den Verbreiter dieses Flugblatttes halten konnte, und daß daher eine Beleidigung .Knüppel-Kunzes in dem Ausdruck: „Das Flugblatt trage seinen Geist in sich", nicht erblickt werden könne. Das Gericht wies denn auch den Antrag Knüppel-Kunzes kostenpflichtig ab ohne erst einen Hauptverhandlungstermin anzuberaumen. Wir bedauern lebhaft, daß es in diesem Falle nicht zur Eröffnung des Hailptverfahrens gekommen ist, da wir vor Gericht gern einmal den „politischen" Kampf des Herrn Kunze beleuchtet hätten. Herrn Kunze steht aber gegen den Cinstellungsbeschluß das Beschwerderecht zu. Warten wir ab. ob er davon Gebrauch mache,: wird Breslau. Repräsentantenversammlung vom 5. März. De, stellvertretende Vorsteher JustiMt P eis er eröffnet« di, Versammlung» mit einer Gedenkrede aus den verstorbenen Vor steher Prof. Dr. W oh l a u e r. Er rühmte ihm nach, das er, wenn er» auch der Mann der weitesten Oeffmtlichkeit ge wesen wäre, sein größtes Interesse und seine regste TStiaLi doch der Gemeinde gewidmet hatte. In ihrem Dienste hatt, er wahre Befriedigung gefunden. Dia Lücke, die durch feiner Tod entstanden w-pe, würde nicht so leicht ausgesüllt werde, können. Die Gemeinde würde sein Andenken dauernd wahrer und dem auch äußerlich Ausdruck geben. Alsdann widmet, er dem verstorbenen Repräsentanten Eugen Freund Wort ehrenden Andenkens. Er würdigte seinen Verlust für di, Körperschaft, zu deren sachkundigsten und arbeitsfreudigste, Mitgliedern er gehört tzlltte. Wir PerstoSMen ftife «teu in «die Versammlung, eingetreten Justizrat .Simon Hausmann und Kaufmann Fritz G o l d sch m i d t. Der Leiter der Versammlung gedenkt dann noch in sttller Wehmut des vor genau einem Jahre verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. R o s e n t h a l. In Erledigung der Tagesordnung wird die Wahl des Vorsitzenden vertagt, um den Parteien eine Möglichkeit der Verhandlung darüber zu geben. Unter den Mitteilungen interessiert am meisten, daß die Amtszeit der 10 bei den letzten Wahlen an letzter Stelle gewählten Repräsentanten und der süns an letzter Stelle gewählten Stellvertreter mit dem End« des Kalenderjahres 1923 abläuft. Eine Anzahl Stiftungen gelangt antragsgemäß zur Annahme, darunter eine der Gattin des verstorbenen Pros. Wohlauer. Die Versammlung genehmigt die Gehaltsvereinbarungen des Vorstandes mit den Letchenwärtern, die «ine bedeutende Aufbesserung der Bezüge dieser Beamten bedeuten. Sie tritt ferner dem Beschlüsse bei, wegen der eingetretenen Teuerungswelle die Teuerungszulagen zu den Grundgehältern, Kinderbeihilfen und Aufwandsentschädigungen der Beamten und Angestellten, sowie zu den Stundenlöhnen und Gnadenbezügen vom 15. Februar ab um 20 Prozent zu erhöhen. In eine gemischte Göhaltskommilsion entsendet die Versammlung ihre erweiterte Gehaltskommission. Dem Verbände der Deutschen Juden wirr» eine einmalige Beihilfe von 1500 Mark bewilligt. Ter Verlängerung eines Pachtvertrages wird zugestimmt, ebenso dem Vergleiche Ster, der die Bezüge erhalten soll, wie wenn er am 15. Februar 1920 pensioniert worden wäre. Zu einer längere« Aussprache über die Tätigkeit der Konserenzgemeinschaft der Großgemeinden kommt es bei der Besprechung der Interpellation Schachtel betreffend Tätigkeitsberichte des Vorstandes. Die geheime Sitzung stimmte einer Grundstückserwerbung zu, regelte die, Bezüge einer Angestellten, bewilligte die Ausschreibung einer Reliaionslebrerstelle und beschloß die Erhebung der Svnagogenbeiträge. Diese sollen für das Jahr 1921 sechs Prozent der Reichseinkommensteuer von 1920 betragen. Die Hauptversammlung der Ortsgruppe Breslau des Jüdischen Frauenbunds fand am 27. Februar im Saale des Rcpräseniantenkollegiums des Gemeindehauses statt und war sehr zahlreich besucht. Die Vorsitzende, Frau Beate G u t t m a n n, pab einen kurzen Bericht über die allgemeine Tätigkeit der Ortsgruppe, wobei sie auf die bevorstehende Tagung des erweiterten Hauptvorstandes des Bundes in Breslau und auf die geplante Gründung eines schlesischen Provinzialverbandes hinwies. Ihre Ausführungen wurden crgänrt durch die Berichte der Vorsitzende«?» der einzelnen Gruppen. So sprach Frau Olle „darf über die Beratungsstelle, die materielle rmd seelische Not zu lindern sucht, ein Bindemittel zwischen den jüdischen Frauen aller Bevölkeruugsschichten bildet und die jungen unter ihnen in die soziale Arbeit einfnhrt, also einen guten Nachwuchs heranzieht. Sehr erfolgreich wirkt die offene Äinderfiirsorgc. unter Leitung der Frau B o g e l st e i n. Sie nimint sich der nnehel'chen, der sittlich gefährdeten und der schwächlichen Kinder an. Es ist ihr gelungen, eine größere Anzahl von Kindern, auch aus den, Alittelstande, in Heil- und Erholungsstätten unterzubringen, und in einem eigenen Landheim in Goldbach bei Reinerz 81 Kinder selbst zu verpflegen. wobei die auch sonst außerordentlich dienstleisteride Jugcndfürsorgerin Lucie Cohn besonders hilfreich war. Kinder in vorschnlpflichtigem Alter finden im Kleinkinderheini Aufnahme, das nach dem Bericht von Frau Johanna Cohn jetzt 15 Kinder beherbergt. Die Zahl der Schützlinge hat sich vermindert infolge zahlreicher Adoptionen. Leider lassen die Finanzen viel zu wünschen übrig. Ein größerer Fehlbetrag ist durch Verkauf von Papieren gedeckt worden. Ferner wurde von Frau Grete Bial Bericht erstattet über den sec-ensrcichc Tätigkeit ausübenden Mädchenklub und über das geplante Erholungsheim, das in erster Reihe erwerbstätigen Frauen des Mittelstandes eine Sommererholung ermöglichen soll. Viel Mühe macht die rituelle Quäkerspeisung, deren Aufsicht Frau Landsberg führt. Was den Spetidettfonds unter Vdrwaltüüg deZ FräMeirt Selttiä Wi-ewer anbelangt, so weist er eine Einnahme von 2661,79 Mark und eine Ausgabe von 2572,80 Mark auf. so daß ein Bestand von 89,39 Mark bleibt. Die Kasse steht nach dem von Frau Hedwig Engel voroelegten Ausweis mit 30298,95 Mark bei einem Bestände von 9206,10 Mark im Gleichgewicht. Nachdem der Kassiererin Entlastung erteilt ivurde, wurden einige Satzungsänderungen vorgenommen, demzufolge die Ortsgruppe in dos Vereinsregister eingetragen werden soll. Ter Mindestbeitrag wurde auf 6 Mark jährlich festgesetzt, die Zahl der VorsiaMmltglieder auf 17 echöht und Sem Vorstand« prMch d« Recht erteilt, sich durch Zuwahl geeigneter Persönlichkeiten, wenn nötig, zu erweitern. Die darauf folgende Borstandswahl ergab die' Wiederwahl der Damen Beate Guttmann. Paula Ollendorf, Hedwig Malarhowski, Paula Freund, Hedwig Engel, Maria Braß. Clara Schottländer, Grete Bial, Johanna Cohn, Emmy Bogelstein, Regina Ncisscr, Rosa Urbach, Regina Danziger und die Neuwahl der Domen Hulda Sänger. Anna Simonsohn, Herta Meyerstein. Cäcrlie Landsberg und Liesbct Kassierer. Die Bereinigung der' „Achtzehn Männer", Breslau feierte am Dienstag, den 7. d. Mts., nachmittags 4-K Uhr. in der Alt-Glogauet' Synagoge in alter Weise ihr Stiftungsfest. Theater-Nachrichten. Lobe-Theater. Erstaufführung von Angela Cana's Lustspiel „Der Werwolf". Wer der Verfasser dieses ziemlich wertlosen Scherzes iftV Niemand weiß es. Das spanische Signum Aingelo Cana scheint ein PseudoniM zu sein, denn des Autors Name meldet kein Lied, kein Heidcnbuch. . . Die Reklame verkündete in riesigen Lettern, daß das Stück in Berlin und Wien viele ausveckarffte Häuser erzielt habe, was nun freilich in diesem Falle nicht für das Weck, sondern gegen das Publikum zeugt. In dem übermütigen, jedoch weder geiswolleu noch witzigen Lustspiel wird geschildert, wie in der Umgegend eines spanischen Schlosses ein sehr potenter Lakei sein Unwesen treibt und ein Narr von Okkultist die schlüpfrigen Abenteuer dieses Faunes diversen Astralleibem in die „Schuhe schiebt"; eine Reihe Verwechslungen vervollständigen dann noch das übliche Lustspielrezept. Wenn das Stück nicht gar so flott gespielt worden und das Bühnenbild so entzückend gewesen wäre, hätte man sich gehörig gelangweilt; aber die Aufführung war darstellerisch recht gut. Zwar paßte Friedet Knaack nicht gerade für die verführerische spanische Herzogin, aber der Okkultistenklown war bei Karl Eckhof, der sich eine famose Cagliostromaske MechtgemaÄt hatte, in besten Händen; er wirkte sehr erheiternd: auch ein „reiner Tor" von Professor wurde von Hans Meckel ausgezeichnet gespielt. Die Damen Meller, Kaiser und Habel-Reimers trugen wacker zuur äußerlichen Erfolge des Stückes bei. — Falkenhausen war ein hocheleganter und soignietter Staatsanwalt mit knarrender Stimm« und Monokel, der freilich mehr an Preußen und die wilhelminische Epoche, denn an «ine Pyrenäengegend erinnerte. — Robert Mevn sang in „mondbeglänzter Zau'bernackst" hinter der Szene wie — Caruso! — Und so verliest man, wenn auch seelisch nicht bereichert, jedoch belustigt und schmunzelnd das Theater... Einen wirklichen Kunstgenuß bereitete uns dagegen ein Mitglied des Lobekheaters, Hilma Schlüter, die am 3. März im Kammermusiksaal einen Vortragsabend veranstaltete. Frau Schlüter ist eine ausgezeichnete Sprecherin und eine der besten Rezitatorinnen, die ich kenne. Wenn sie Möricke, Storni, Hölderlin, Keller vorträgt, wird einem der Zauber dieser poetischen Offenbarungen von neuem ganz kund. Die Viclseiüakeit dieser Künstlerin ist frappierend: es ist recht bedauerlich, daß wir diese außerordentliche Darstellerin auf derBiilmc bisher nicht öfters und in wichtigeren Rollen zu sehen bekamen! Dr. L. D- 18SS Kalender 5682 Wochentag Mo März 31 T. not Adar 29 T. Sabbath. NuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 10. 11. 10. 11. BreSlauRW % Bach ftose Kap. 2S*--30» TT .12 "iipf riies Ezechiel 43,10-27 1877 I p.£r.enn l 1922 | Optiker GARAI :x Albrechtstr. 4 Gottesdienst In den Gemeinde-Synagogen sn Breslau: «i>rn»> >m>n>, Freitag 10./3. Beginn abends 6.45 U. 6.00 U. Sbd. 11./3. FriHigottesflnit morgs. V«hnti|i' M, « Hptptttnlietut vorm. 8.45 U. 9.00 ü. 91 ff Neomondweihe vorm. — — m M Predigt vorm. 10.00 u. 10.00U. « W Jogendsotlesi nachm. 3.30 Ü.* 3.00 U. Schluß abends 6.28 U. 6.28 U. As den Woch.- 12./8. bis Beginn morgs. 6.30 0. 7.00 ü. tagen 17.,3. „ abends 5.45 D. 6.00 D. In der Synagoge des jüdischen Krankenhauses. Konfirmationen in der Alten Synagoge 01. 3): Herbert Bänder (Vater Moritz), Trinit&sstraBe 8. Harry Berg« Bann (Vater H.), CiraupenstraBe ft/iO. Konfirmation in der Neuen Synagoge (11. Mtrz): Kar' Herzberg (Vater Benno), Alsenstralie »5. Ormg 1« bMMts I» lei Moie-Doasigeo am Purimfeste« Montag, dan 13. Min 1932: Alte Synagoge.abends 5*/« Uhr Nene Synagoge (Predigt).abends 6 Uhr Dienstag, den 14. Min 1922: Alte Synagoge.morgens 6l/i Uhr Neue Synagoge .morgens 7 Uhr. JBonfiardzjftüBef Jankernstr. 26, Ecke ScbuhbrScke Tel. R. 7303 Schokoladen9 feinste Pralinen Marzipan, Tee- und Weingebäck Spezialität: Täglich frische Petit Fours. r 7\ Ist Bedarf an LIchf und Kraft, Dann nicht lange nachgedachf. Ruft nur Ring 7903, Schon die Hüfe eilt herbei. Repariert wird schnell und gut Ist Eure Leitung mal Kapuf. ffeMv. Xldirf* si. üfiolifanlotfen {Ridkard 9et(ewt yj&wmatau, MQgdftcn« 'St*. 39^ Ich habe meine Einkäufe vor der Preissteigerung gemacht. Meine Lager sind gut sortiert. 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Vorausbesteltungen nimmt jede Buchhandlung entgegen und auch der Verlag Th. Schatzky G. m. b. H. Buchdruckerei u.Verlagsanctalt Breslau 3, Neu« OraupenstraB« 3. Herausgeber: Liberaler Verein her Synagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Jnhall: Dr. Ludwig Davidsohn in Breslau. Druck und Kommissionsverlag, Th. Schatzky, Buchdruckerei und Verlagsanstalt» G. m. b. tz., Breslau III, Neue Graupenstraße 5.

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