Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 9 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die Lchve von Ver GrtStunq de» sstetstze». 4. Die Schwierigkeit der Anwendung der IenWsreligion auf soziale und PoMsche Fragen. Zusammenfassender Nachweis der geschichtlichen Be« dingtheit der christlichen Unterscheidungslehren. IV. Dozent Profeffor Dr. Guttmann, mittags 12—1 Uhr: Der Talmud und seine Gegner. 1. Die Entstehung des Talmuds. 2. Der Talmud und die nichtjüdische Welt. 3. Der Talmud und der Stifter des Christentums. 4. Der Schulchan avuch. V. Dozent Dr. Ra-bin. nachmittags 4—5 Uhr: Der Kampf um die Bibel. 1. Enthält das Buch der Genesis Mythos oder Geschichte? 2. Monotheismus oder Henotheismus? 3. Gesetzesreligion und Prophetenreligion. 4. Die Bibel als Quelle sittlicher Lebensanschauung. VI. Dozent Dr. L e w k o w i tz, nachmittags 5 bis ® Uhr: Das Judentum und die moderne Weltanschauung. 1. Das Wesen der jüdischen Religion. 2. Der iiidische Gottesgedanke und das wissenschaftliche Weltbild. , 3. Der Menschheitsgedanke des Judentums und' die Rassentheorie.!. Die Sozialethik des Judentums und der Wille zur Macht. 5. Geschichtliches Judentum und die individuelle Religion. Die Vorlesungen finden, wenn eine andere Nachricht ttlcht mehr gegeben werden sollte, in den Hörsälen des hiesigen Jüdisch-theologischen Seminars. Wallstraße 14, statt. Der Umfang und die Schärfe der Angriffe, die gerade kn neuester Zeit auf unseren Glauben gerichtet werden und sich in den Mantel sogenannter Wissenschaftlichkeit kleiden, lassen die reg st e Teilnahme an den der Abwehr dieser Angriffe dienenden Kursen dringendst erwünscht erscheinen. Deshalb bitten wir um tunlichst beschleunigte Bekanntgabe an den Unterzeichneten, welche Herren oder Damen aus der hiesigen Gemeinde an iihnen teilnehmen werden und ob sie Zuweisung von Wohnung und VerpflMing durch uns wünschen. Berücksichtigt können nur Anmeldungen werden, die bis zum '15. März d. I. bei uns entgehen. Der Ausschuß für die Abhaltung jüdischapologetischer Kurse. Goldfeld, Geheimer Iustizrat. Im Jüdisch-theologischen Seminar, Wallstraße '14, > wird Herr Seminar-Rabbiner Professor Dr. Guttmann am Sabbath „Sachor" um V2IO Uhr morgens seine erste Predigt halten. Dreißigjähriges Geschästsjnbilämn. In der vorigen Woche beging das in der ganzen Provinz Schlesien rühmlichst bekannte Breslauer Spezialhaus für Teppiche und Gardinen Josef Spanier lk Sohn kn würdiger Weise die Feier seines dreißigjährigen Bestehens. In den von den zahllos eingegangenen Blumenspenden in einen frühlingdustenden Hain verwandelten Geschäftsräumen hatten sich die persönlichen und Geschäftsfreunde des Jubilars zur Darbringung ihrer Glückwünsche in großer Zahl eingefunden, und umrahmt von den großartig von zwei ersten Sängern der Breslauer Oper vorgetragenen Festhhmnen, feierten ernste und humorvolle Ansprachen die großen Verdienste und dcck rastlose Streben des gegenwärtigen Inhabers der Firma um di« Förderung deS Breslauer Geschäftslebens. In ihrer eindrucksvollen Schlichtheit legte die stimmungsvolle Feier beredtes Zeugnis ab von der großen Anerkennung und dem weitgehenden Ansehen, dessen sich die Firma infolge ihrer soliden und reellen Geschäftsgrundsätze erfreuen darf. Theater-Nachrichten. Jüdische Annstabende in Breslau. Einen erlesenen Genuß bereitete uns am 16. v. Mts. der ausgezeichnete Mge Charakterdarsteller de-s Görlitzer Stadttheatcrs, Herr Alfred Olschki, der in der Bücherdiele einen Mischen Kunstabend veranstaltete. Der Künstler verfügt über ein glänzend geschultes Organ, das für jede Stimmung, für jede Nüance ein vortreffliches AusdruckZmittejl ist; der leisen Klage eines gepeinigten Kindes wird es ebenso gerecht, wie dem grellen Aufschrei der gequälten, verbitterten Kreatur. Dann hat Olschki neber einer vibrierenden Intelligenz vor allem Seele, — viril Seele! ... Und so schuf er mit hinreißendem Schwünge sprachliche Neugestaltungen alter, bekannter Mischer Kunstwerke, die bei allen Zuhörem einen tiefen Eindruck htnleckichen. Er las zuerst das Simson-Kapilel aus der Bibel. Wundervoll wußte er das Zwiegespräch zwischen dem Helden und der Buhlerin zu kontrastieren und man erlebt« wieder ergriffen den Ewigkeitswert dieses gewaltigen alten Trauerspiels. Dann rezitierte Olschki aus den Werken von Perez; er las aus dessen „Dorszaddik", aus dem Dvama „Di« goldene Kette" uftv. Hier hat modeme Wische Mystik und inbrünstiges Gottsuchertum seine bezauberndsten Blüten getrieben; Perez' Schriften gehören wahrlich der Weliliteratur an, wie die Wecke eines Tolstoi, Hauptmann older Strindberg. Die rührende Schlichtheit und Innigkeit des geduldig und schweigend leidenden Knaben Bonze, der dwiütig vor Gottes Richterstuhl steht, bat nicht weniger' poetischen Reiz, als etwa die Gestalt einer Hannelel — Die Schriften eines Asck sieben nicht so hoch, wie die von Perez, aber ihren Wert haben sie auch. — Zum Schluß las der Künstler noch mit gewaltiger Wucht und Steigerung den berühmten Akt des „roten Jtzig" aus B'eer-Hoßmanns „Charvlais". In dieser Szene ist mehr Herzblut spürbar, als in einigen ähnlichen berühmteren Szenen des „Kaufmanns von Venedig". — Reicher Beifall lohnte am Schluß den Vortragenden. Hoffentlich haben wir bald wieder Gelegenheit, ihn in Breslau zu hören. Wenn es gelänge, Olschki für das hiesige Lobetheater zu gewinnen, so wäre das Kunstleben Breslaus um einen bedeutenden Faktor reicher! — Auch das jüdische Künftlertheater, das jetzt in Beckin mit so großem Erfolge gastiert, veranstaltete am 20. Februar im Saal der „Gesellschaft dev Freunde" einen jüdischen Abend. Herz G r 0 ßb a r t und Frieda Blumentbal lasen ebenfalls aus Wecken von I. L. Perez. Hier sind schauspielerische Urkräfte am Weckt — Diese Leut« können etwas, was die „Schulen" vonDrähm ünd Reinhard immer ersehnten, nie ganz erreichten; diese Vollendung kann aber auch nur aus den tiefsten Tiefen des menschlichen Herzens und Leidens ersichen! Es ist kein Zufall, daß diese hohe Kunst aus dem unterdrückten, mißachteten OstMeittum stammt. Leider unterließ man es, d?m PEkum gedruckte, hochdeutsch« «rWmngen Mt geben, und so ging den Meisten viel verloren; den« di« wenigsten verstanden Jiddisch. — Viele der Zuhörer wurden ungevul. big. unaufmerksam, veckießen vor Schluß den Saal und weckten garntcht. daß es ganz große Kunst war. di« ihnen geboten wurde. Dr. L. D Bücher. Eduard FuchS: Die Jude« in der Karikatur. (Mit 307 Tertillustrationen und 81 zum Dell doppllf«itige» Beilagen. Ladenpreis ij* Original. Leinenband 200 Mack. Luxusausgabe 400 Mack. Verlag von Albert Langen, München.) Das Judenpvoblem beschäftigt die europäisch« Welt seil dem Ausgäng des Mittelalter-. Was es aber bisher in der Literatur keines einzigen Landegab, ist ein« Geschichte -er Juden in der Karikatur oder genauer:. bet Judenkarikaturen. Diese Lücke füllt nun Eduard Fuchs aus und macht diesen Stoff zum Gegenstand einer umfangreichen Studie. Man. hätte aus dem reichlich sich dakbietenden Material eine politische Tendenzschrist formen, man hätte ein Buch der reinen Unterhaltung daraus zusammenstellen können. Eduard Fuchs ist keinen dieser Wege gegangen. MS der obickttbe Mann der Wissenschaft, der er ist, wählt« er «ine Form der Verarbeitung, die diese- Mateckal zu Zeit« und Kulturdokumenten erhebt, so daß ezum Schlüssel für viele Seiten einer Frage wird, die zu den wichtigsten aller Zeiten gehört, und deren ernsthafte Beantwortung gerade auch für unsere Zeit von der höchsten Bedeutung ist. Aus dies« Art entstand hier ein wertvoller Beitrag nicht nur zur Geschichte des Judentums, sondern zur allaemeinen Geschichte Europa-, insbesondere zur Geschichte de- Kapitalismus, der europäischen geldwirtschaftlichen Entwicklung. Dazu kommt der Reichtum an Bildern. Di« interessantesten Juverckarikaturen aller Jahrhunderte sind hier von Fuchs vereimgt, lind häufig von ihm zuerst ausgefunden und hier zum ersten Male an- Licht gebracht worden. Nur wenige davon waren vorher schon weiteren Kreisen bekannt. Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung de- Verfasserzum Ausdruck bringen, übernimmt die Schristleitung nur die preß« gesetzliche Verantwortung. 1SSS! Kalender 8682 Wochentag Mo März 81 T. nat Adar 29 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 3. 4. 3. 4. Breslaub^ .terr, 2. Buch Mose Kap. 251—2ß® HMn pj v: 1. Könige s. 28 «. 1-13 1877 [S 1922 Optiker GAR AI ts Albrecktstr. 4 Gottesdienst ln den' ' -Simnsosen in Bresluu: Freitag SbcL 3./S. Beginn abends 6.45 V. 645 ü. 4./S. FtMiij ottntirast morgs. SMHntagtm. w Hptgottesdiensf vorm. 8.45 ü. 9.00 ü. fleamondweihe vorm. — — Predigt vorm. — 9.45 ü. Jpgendsotiesi nachm. 3.30 TT. 3.1511.* äcklaß abends 0.16 0. 6.16 D. 5./3. bis Beginn morgs. 6.46 U. 7.00 0. 10. '8. „ abend 8 6.46 ü. 5.45 D. An den Woch.- tagen * In der Synagoge des jüdischen Krankenhauses. Konfirmationen in der Alten Synagoge (4. 3.): Georg Sehiftan (Vater Segfried), Hubenstr. <3. Heinz Freuden* thal (Va'er Siegfried), SchloBplatz 9. Manfred Adler (Vater Arthur), Hohenzollernstr. 6S. Konfirmation in der Heuen Synagoge (4. 3>)r Hans Seidenberg (Vater Isidor), Sadowaatr. 5«. QQOOOOOÜbuaOO DO 00000000 001300000 o 0 ° I. 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Marz, abends 8 Uhr, im RerräsrntanUn-SihungSiaaL Äatlstrahe v, IL, statlsindende» Ordentlichen Mitgliederversammlung ladm wir unsere Mitglieder hiermit ergebenst e»r. Die Tagesordnung ist bereits dUlch desondeic Einladung bm Mitgltedem zugeganien. Ter Vorstand. Für die Bekanntgabe von Famllien-Rachrlchten bitten wir die mr Füdisch»liberale Zeitung -W» ständig zu benützen — Ermäßigte Anzeigenpreis« W' Mitte März erscheint Mitte März erscheint STAATSBANKEROTTE von Bankier Georg Hermann Loewy in Breslau zirka 100 Selten stack, zum Preise von etwa Mk. 20.— Dao aus Vorträgen Im Rahmen der Fachhochschulkurse der rechts- und staatswlffenschastlichen Fakultät der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-llniversität entsiandene Büchlein gibt ln lebendig geschriebener und allgemeinverslänblicher Darstellung eine durchaus umfaffenve Aufklämng über den Begriff, das Wesen und die Geschichte der Staatöbankerolte und wirft infolge seiner absolut objektiven. wiffenschaftNchen und historischen llnanfechibackeit ein um so grelleres Licht auf die enffetzmerregende Lage des Staaisbankerotts, in der sich Deutschland seit Aahrm bereits befindet, um zum Schluß aus diesen Betrachtungen heraus mit dem intuitiv sicheren Dllck des ftel von packeffoglk uttellenbm Fachmanns auf die einzige Mvglichkeit hlnzuwelsen, dle dem Gleitm aus der in den furchtbackten Rbgrund führenden schiefen Ebene Einhalt tun könnte. 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