Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 8 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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artiger unliebsamer unk die jüdischen MttgliÄer aufS tiefste kränkender Borkonrmnisse beseitigt, sind leider gescheitert. So wird sich die Hauptversammlung binnen kurzem mit der Angelegenheit beschäftigen. Dev: Vereine gehören heute noch nicht 5?« Juden an, die nie $1 irgend welchen Beanstandungen Alllast geboten haben. Auch die christlichen Mitglieder der Sektion, in bereu Sirmc wir schreiben, verstehen llicht ituv, dast die jüdischen Bereinsangehörigen die Angelegenheit geklart haben wollen, sondern sie danken es ihnen, Ist es doch heute vor allem Pflicht aller anständig Denkenden, besonders aber der geistig Schaffenden, alle Schichten ^itm Wiederaufban unseres Vaterlandes zusammenzufassen und nicht durch ein Nachgeben gegenüber niedrigeil Masseninstinkten den Rist zwischen den Bevölkernngsklassen unseres Vaterlandes noch zu vertiefen. Alle Verantwortungsvollen im Verein werden sich daher verpflichtet fühlen, mit dazu beizutragen, dast der geschilderte Vorgang eine Episode bleibt, dast das böse Beispiel nicht etwa in Köln Schule macht und der Ruhnr unserer Vaterstadt als einer Stadt der Toleranz und Gerechtigkeit ihr ungeschmälert erhalten bleibt." Die Verfassung für Palästina. Das englische Kolonialministerium, als die zuständige Aufsichtsbehörde für die britischen Mandatsgebiete, veröffentlicht soeben die königlichen Verordnungen für den Aufbau einer Verfassung für Palästina. Die Exekutive steht dem Hohen Kommissar zll, der sie unter Aufsicht des englischen Kolonialministers und der Mitwirkung eines Kabinetts von technischen lind politischen Fachleuten, dem Exekutivrat, ansübt. Bon einem Zeitpunkte an, den der Hohe Kommissar selbst bestimmen kann, wird die Tätigkeit dieser Exekutive ergänzt durch die beratende Mitwirkung eines Selbstverwaltungsrats. Der Selbstvevwaltungsrat soll die Befugnis haben, alle Gesetze und Verordnungen — offenbar steht ihm auch das Recht der Budgetberatung zll — zu beschließen, die „für Wohlfahrt und Ordnung von Palästina" erforderlich sind. Als einschränkende Bestimmungen sind vorgesehen, dast der Rat nichts beschließen darf, tvas geeignet ist, die Gewissensfreiheit und die freie Ausübung irgendeines. Gottesdienstes zu beschränken, dast keine Verordnung in Kraft tritt, bevor sie die Zustimmung des Hohen Kommissars gefunden hat, und dast das Veto des Hohen Kommissars ausschiebende Kraft besitzt, bis ein Beschlust des englischen Kolonialministeriums vorliegt, ob die Verordnung bezw. der Beschlust Gültigkeit haben werde oder nicht. Ferner ist vorgesehen, dast der Hohe Kommissar in einem Zeitraum von einem Jahre nach Inkrafttreten einer Verordnung oder eines Beschlusses des legislativen Rates befugt sein soll, ihn auf Befehl des englischen Königs auster Kraft zu setzen. Der legislative Rat besteht aus dem Hohen Kommissar, zehn beamteten, drei wejtexen nichtbeamteten oder ernannten und zwölf gewählten Mitgliedern. Die drei nichtLeamteten, aber ernannten Mitglieder müssen jeweils einer jüdischen, einer mohammedanischen oder christlichen Partei oder Gemeinschaft angehören, die bei den Wahlen als Minderheit offenbar nicht zu einer ausreichenden Vertretung gelangt ist. Die zwölf wählbaren Mitglieder des legislativen Rates werden von zwölf Wahlmänner-Kollegien gewählt, die ihrerseits nach konfessionellen Gesichtspunkten oingeteilt sind. Die Wahlmänner zu diesen Wahlkollegien werden in direkter Wahl durch die männliche Bevölkerung, die das 25. Lebensjahr überschritten hat, gewählt. Der Iustizapparat des Landes besteht aus einer 4veltlichen interkonfessionellen Strafgerichtsbarkeit mit drei Instanzen — Polizeigericht. Diftriktsgericht und Obergericht — und konfessionellen Gerichtshöfen für Familien- und Zivilrechtssachen, getrennt für die jüdische, die christliche und die mohammedanische Bevölkerung. Die Urteile der konfessionellen Gerichtshöfe sind aber nur unter Anrufung ber weltlichen Gerichtshöfe vollstreckbar, die dadurch ein gewisses Aussichtsrecht über die Wahrung allgemeiner Rechtsnornlen ausüben müssen. Breslau. Trauerfeier für Geheimrat Dr. Reich und Professor Dr. Wohlauer. Am Sonntag, den 19. d. Mts., veranstalteten der Liberale Verein der Synagogengemeinde und der Jüdischliberale Iugendverein, Breslau, gemeinschaftlich eine Tranerfeier für die Heimgegangenen Führer. Gcheimr-.it Dr. R e i ch und Professor Dr. W o h l a u e r. Eine überaus groste Zahl voll Anhängern nnb Verehrern aus allen Richtungen und Bevölkernngsschichten hatte sich im grosten Freunde-Saal zu der crni'ten Weihestunde, zu der auch die Hinterbliebenen erschienen waren, eingefunden. Zunächst gab der Vorsitzende des Liberalen Vereins, .Herr Alfred B i e l s ch o w s k y , ein umfassendes Bild des Lebens und des Wirkens der Heimgegangenen Führer. Er schilderte in anschaulichen, zu Herzen gehenden und t>om Schmerz der Stunde erfüllten Worten, was beide Männer aewesen sind, was sie in ihrem grösteren Wirkungskreis und insbesondere was sie für unsere Glaubensgemeinschaft und für unsere liberale Bewegung bedeutet haben. Nach einem kurzen Harmoniumzwischenspiel toibmete im Namen des Jugend- Vereins Herr Curt B r i e n i tz e r den Dahingeschiedenen tiesergreifende und in ihrer Kürze doch alles, was ihn und die Zuhörerschaft im Augenblick erfüllte, packend kennzeichnende Worte ernsten Gedenkens und unauslöschlichen Dankes. Harmoninmspiel schlost die eindrucksvolle Feier ab. Jüdischer Frauenbund. Die Ortsgruppe Breslau des Jüdischen F r a u c n b u n d e s veranstaltet am Montag, den 27. Februar. 11 Uhr vor- ' mittags, im Repräsentantensaale des Gemeindehauses,; Wallstraste, ihre diesjährige H a u P t v e r s a m m l u n g. Auster den Berichten und der Neuwahl des Vorstandes stehen wichtige S a tz u n g s ä n d e r n n g e n ans der Tagesordnung. In erster Reihe handelt es sich um die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister. Es ist also zu wünschen, dast die Mitglieder sich recht zahlreich beteiligen. Jüdisch-liberaler Iugendverein. Am Montag, den 27. d. Mts., spricht Herr Gememderabbiner Dr. Vogelstei!n über „Abraham Geiger". Wir weisen besonders dgrguf hin, daß es h?r letzte Vortrag in dem veranstalteten Zyklus ist. Sonntag, den 26. Februar 1922, vormittags 11 Uhr, Karlstraste 13, Kursus Bayer: „Die Genesis in bibelkritischer Betrachtung". Turmbau zu Babel. Vereine unS Versammlungen. Der „Verein der Posener" veranstaltete am 11. d. M. in den „Vier Jahreszeiten" sein Wintervergnügen. Dr. S ch u s t a n gab den zahlreich erschienenen Gästen einen Ueberibltck über das Wesen und Wirken des Vereins. Anschließend daran zeigten mehrere Künstler nnd Künstlerinnen ihr Können. Es ' wurde deklamiert, Geige gespielt und gesungen. Die Reihe der Vortragenden schloß Frl. Julie Michaelis, die Soubrette des Breslauer Schauspielhauses, mit mehreren? Couplets, die besonders gut gefielen. Theatrv.Nachrtchten. Lobe-Theater. Uraufführung von John Galsworthy's „Der Mob". Galsworthv, ehemaliger Baronet, Sohn einer Londoner Jüdin, ist eine der liebenswertesten Gestalten des heutigen britischen Schrifttums. Schon vor dem Kriege nahm er in nrehreren bühnenwirksamen sozialen Anllagcstücken und in einigen tiefempfundenen, dichterisch hochstehenden Romanen für die Enterbten und Unterdrückten Partei, und im Welt» kriege war er, — was damals in England äußerst gefähr« lieh war —, einer der ganz Wenigen, die in ernsten Auf» rufen gegen die Blockade des Kontinents, die ganze Kriegs» Hetze und die nationalistische Psvchose protestierten, und die dem englischen Imperialismus die unangenehmsten Wahr» beiten ins Gesicht schleuderten. Als der König Georg di« Kriegserklärung unterschrieb-, legte der Dichter seinen ihm einst vom Monarchen verliehenen Adel ab. Bekanntlich bat aber das Wahrheit-Sagen häufig unangenehme Konsequenzen, — bergt, die Schicksale von Sokrates, GiordaNo Bruno, Galilei u. v. a. — und Galsworthy wurde denn auch in seinem Palerlande weidlich beschimpft. In dem 1917 er. schienenen Drama „Mob" schildert nun der Autor ein wenig sein eigenes Martyrium; «r zeigt uns einen „guten Europäer" von Abgeordneten und Staatssekretär, in dem das Gewissen der Menschheit Fleisch und Blut geworden ist, und der gegen den Krieg und die Vergewaltigung Anderer eifert; damit macht er sich allgemein unmöglich, mutz Amt und Stellung nicderlegen, wird von seiner Familie verlassen, vom Pöbel bespien und zuletzt erschlagen. — Das Ganze ist ein nicht Dichtung gewordener Leitartikel; aber wenigstens ein ausgezeichneter und wirklich sympathischer Leitartikel, der an das anknüpft, was die Besten aller Zeilen und Völker über das ewige Thema „Liebe deinen nächsten, wie dich selbst!" gesagt haben. Die Darstellung war zum größten Teil recht gut. Zisttg spielte den Abgeordneten, ein wenig zu finster, fanatischverbissen, nicht genug „Held". . . („hier steh' ich, — ich kann nicht anders!") .... aber immer sah man erschüttert und mit warmem Mitgefühl bei ihm den lebenswahren, leidenden Menschen. Hedda Lembach war als seine Gattin wieder eine edel-beseelte Franengestalt, als Erscheinung herzgewinnend, in Sprache und Haltung von ruhiger, vornehmer Würde. — Die Herren Meinecke, Kaiser, Böhme, Wemhöser und Höcker wurden ihren Aufgaben durchaus gerecht. Herrn Renfer'S Sekretär war — wenn auch stets fesselnd — doch nicht aus» gazlichen; dieser Schauspieler hat zweifellos eine große Zukunft, wirkt aber manchmal noch dilettantenhaft. Ganz entzückend verkörperte die kleine Gertrud Gruschka das Töchterchen des Abgeordneten. Dr. L. D. Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung deS Verfassers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schriftleitung nur die preß» gesetzliche Verantwortung. i * 1922 Kalender 5682 Wochentag Mo Febr. 28 T. nat SAsbat 30 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnrtt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 24. 85. 26. 27. BreSlau^ 2. Buch Mose Kap. 211—24« Jer. 34, 8—22, 33. 25—26 Der Artikel „D e r Mangel an jüdischem Er > ziehnngspcrsonal" von Gertrud B e n z i a n -Hamburg ist der „Zcdakah", dem Mitteilungsblatt der „Zentralwohlfahrt sstelle" entnommen. Die Red. 1877 43 Jahre Fachmann 1922 Optiker GARAI :: AlbrecHtstr. 4 am Gottesdienst In den Gemeinde-Synagogen zu Breslau! Freitag 24./2. Beginn abends 5.30 U. 5.80 U. Sbd. 25./2. FrütigotteuM morgs. Wedmtt{s- STMUM 6.45V. yt HptgoHesdieisf vorm. 8.45 ü. 9.00 U. » „ taondneiht voTm, 10.00V. 9.30V. N W Predigt vorm. 10.15 U. 9.45 V. w 71 Jjgendpotfeid. nachm 3.30 V. 3.00V. tühlu'J abends 6.04 0. 6.04 V. An den Wooh.- 26./2. bis Beginn morgs. 6.45 ü. 7.15V. tagen 3./3. „ abends 5.30 V. 5.30 V. Konfirmation in der Alten Synagoge (25. 2.): Kurt Bass, (Vater Emil), Opitzstraße 12. DW-lllMlll Wimmln 30 Mau 3Itt unsere Mitglieder! AUe Mitglieder» die bisher ihren Beitrag noch nicht beglichen haben, werden wiederholt darauf hingewiesen, daß die Vereinsbeiträge bis zum 28. Februar auf das Postscheck-Konto Alfred Berger, Breslau» Nr. 17M3, einzuzahlen sind. Ab 1. März erfolgt Einziehung durch Postnachnahme zuzüglich 3.50 Mk. für Spesen auf jede Nachnahme. ^^Pflichtbeiträge einschl. der Bezugsgebühr für di<^Züdifch-liberale Zeitung betragen: für ordentliche Mitglieder (18—38 Jahre) 10 Mark pro Quartal» für außerordentliche Mitglieder 50 Mark für das laufende Jahr. Den ordentlichen Mitgliedern wird im Hinblick auf die Spesen anheimgestellt, den Beitrag für mehrere Quartale im Voraus zu entrichten. jüdisch »liberaler Iugendverein zu Breslau. Eurt Brienitzer, Alfred Berger» gefchästsführend. Vorsitzender, 1. Kassenführer, tzöfchenplatz 3. höfchenstr. 61. Ick habe meine Einkäufe vor der Preissteigerung gemacht Meine L&ger sind gut sortiert. Sie kaufen günstig, wenn Sie Ihren Bedarf sofort dedeen. CUkct Juche Breslau, Schweidnitzer Str. 49 Ist Bedarf an Licht und Kraft Dann nldit lange nadigedadit Ruft nur Ring 7903 Schon die Hilfe eilt herbei Repariert wird sdinetl und gut Ist Eure Leitung mal kaput. Elektrische Lichta. Kraftanlagen Richard Geliert, Breslau Gräbschenerstrafle 39. Strang rltualll FELIX GOMMA «Ulf Markthalle II, Gartenstrasse IlUr Stände 27, 28, 29, 80 UUI empfiehlt seine Flalachu. Wurstwaran In bekannt guter Qualltlt. 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Ein Buch, das jeder Deutsche, der die schwerwiegende Bedeutung und den verderbendrohenden Charakter dieses für Deutschlands nächste Zukunst in erster Linie entscheidenden Problems auch nur leise empfindet oder ahnt, unbedingt lesen muß. Dorausbestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen und auch der Verlag H. Whku S. m. h. tj., BtitüftrtM und verlWoiWl, Miau 3, neue srmiMjlr. 5. i Kibnett KüMrone Wir bitten bet Einkäufen auf die Düdildi-Iiberab Zeitung Bezug zu nehmen. Hanr Beins Neanann Prltx Fröhlich / BarootB bis tob der PhBbe Hart« Lohadorf / Nllmi Carla Klty ft Haid Rotels y Rnbln? na* 2os. Gottheit-Stiftung find Stipendien an jüdische Saldierende der Medizin oder der Jmirprudenz, die in den Provinzen Schlesien oder Posen geboren sind, zu dergrben. Duldungen sinv ,m!er Beifügung ausreichender Zeugniff« und Ausweisen bi» 1. April einzureichen. Der Vorstand der Sgnagogen-Semeßnde. .I||||||,"""',l||||||l""""«l|||[ir""."I|[fl||l,"",",l|l||ll"»,»l||||||||ll.nig f Arnhold Rosenthal f j| Neue Schweidnitzer Straße 5 J W empfiehlt -5 L Uhren und Juwelen j s fiimmiiiiiifiMiiitiiiMiiiMiiiMtiiiiitiiimiiititimiiiiiiiiMmiiiiiMmmiiitiiiMinmiititi g f Großes Lager H | Editer GlashUtter UHren i & Lange SSfrae, Asstsaaa. 8 :liiulllllllllllll>lllllllltlllll„nllll!lillhliini.i.lllllllllll„mllltinilltliM<illlllllllli.,niltllll1)l,iiwa Für Dünge» und Fultermitielgroßhandlung CöftrYitt dl E guter Schulbildung au» achtbar« Famili« per 1. April cd« früher gesucht. S. Slernberg, Düngerdondlung Breslau, Gchweiduttzer-Eiadtgrabeu ly. Herausgeber: Liberaler Verein der Synsaogen-Gemeinde Breslau. - verantwortlich für den Inhalt: vr. Julius Loeb; für das Feuilleton: Dr. Ludwig Davidsohn; beide in BreSlau. _ Druck und Kommissionsverlag: Th. «-hehkn. BuLdruckeret imd BerlagSanstalt. G.m.b.H^ Breslau Ül.Neue Grauvenstwße 5. k