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Jüdisch-liberale Zeitung · 1922-02-03 · 5 (3.2.1922) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
2 (1922)
Issue
5 (3.2.1922)
Date
1922-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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WWWWM' WWWWWWW MWM!WMM!WUWWMW Aus -em Reich. Rabbiner Dr. Kobel. Wir E bereits mitgetttlt haben, ist Rabbiner Dr. N. A. Nobel im Alter von 50 Jahren verstorben. Er entstammte einer bekannten Rabbinerfaniilie und ivirkte nach ausgedehnten rabbinischen und philosovhischen Studien 14 Jahre in verschiedenen Gemeinden Deutschlands als Rabbiner, zuletzt in Hamburg. von wo er 1910 ttüch Frankfurt berufen wurde. Neben vielen anderen Lhrenämtern hatte er auch den Vorsitz des allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes inne, ein Beweis des Vertrauens, daihm von allen Amtsgenossen im Reich ent- Mngebracht wurde. — In Rabbiner Dr. No-Lel verliert W* deutsche Judentum eine seiner bedeutendsten Persönlichkeiten. Der Verstorbene besäst eine Kenntnis des dibfischen und talmudischen Schrifttums, die ihresgleichen luchte. Niemals aber genügte es chm bei seiner Lehrtäricrt'ttt. dem immer wachsenden Kreis seiner Schüler den kosten Wissensstoff weiterzugeben, sondern stets trachtete danach, dieses Wissen zu verinnerlichen und zu dem lebendigen Quell der Religion vorzudringen. Hierzu befähigte ihn neben seinen religionsgeschichtlickien Studien seine Kraft der religiösen Intuition, dieselbe Kraft, die seine Kanzelreden durchglühte und sie zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden ließ. Eine innige Liebe verband diese auch im Menschlichen wundervoll ausgeglichene, gütige Natur mit dem deutschen Geistesleben, vor allem mit Goethe, in dessen Wesen er sich immer wieder aufs Neue versenkte, wie denn auch sein letzter öffentlicher Borttag noch vor ein paar Wochen Goethe zun: Gegenstand hatte. Zu dem Philosophen Hermann Cohen stand er zeitlebens in einem für beide Teile ertragreichen Verhältnis. Me seine außerordentliche Persönlichkeit alle ergriff, die ihm nahe traten, so wirkte sie zumal auf die Jugend, die in ihm ihren geistigen Führer erblickte. Ein sichtbares Zeichen dieser Verehrung ist die Festschrift, die ihm vor wenigen Wochen von Freunden und Schülern zum fünfzigsten Geburtstag gewidmet wurde. Berlin. Ein origineller Denker, der Philosoph Gregor Itelson, Dozent an der jüdischen Volkshochschule zu Berlin, vollendete sein 70. Lebensjahr. Itelson ist eine in Berliner wie in internationalen Philosophenkreisen wohlbekannte Erscheinung, ein Denker, der durch sein umfassendes Wissen auf den verschiedensten Gebieten, insbesondere dem der Philosophieqeschichte, wie durch seine eigenen systematischen Ideen auch ans deutsche Gelehrte und Philosophen anregend gewirkt hat. Starke Beachtung hat vor allem seine neue Theorie der Logik gefunden, deren Grundlinien er auf dem internationalen 'Philosophenkongreß in Genf entwickelte und die den Versuch darstellt, die Logik, nicht wie bisher, als Denklehre, sondern als gegenständliche- Wiffsnschnstf als' Lehre-.-von den .MegenstöndeN überhaupt" zu verstehen und von dieser Grundlage aus einen neuen Aufbau der Lomk dnrchzusühren. Der Gelehrte, der in Berlin lebt, ist neben ber Arbeit an seiner neuen Logik noch mit der Niederschrift seiner Erinnerungen beschäftigt. Beuthen. Schutz der Religionsfreiheit im polnisch werdenden Oberschlesien. Der Präsident Calonder empfing hier im Stadthause am 11. d. Mts. Vertreter verschiedener Berufsständc der deutschen Bevölkerung, sowohl aus dem dentschbleibenden. wie aus dem abzutretenden Teile Oberschlesiens. Zu einer außerordentlich eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich der Empfang der Vertreter der drei Religwnsgemeinschaften, die in voller Eintracht im Interesse der religiösen Beziehungen den freien Gebrauch der Muttersprache in Kirche, Schule und Vereinen forderten. In seiner Enwiderungsansyrache machte Calonder sich das Wort des Pfarrers Ulitzka zu eigen, daß die Muttersprache das Tor zur Seele des Menschen und damit zur religiösen Erzlehuttg Me. Calonder llusiette weiter, er erblicke seine vornehmste Aufgabe in der wirksamen Ausgestaltung des Schutzes der Minderheiten und erstrebe auch seinerseits die hohen Ziele, die ihm von den Vertretern der oberschlesischen Geistlichkeit in so eindrucksvollen Worten dargelegt worden seien. Frankfurt a. M. Ein jüdisches Museum. In dem ehemals Rothschild'sthen Geschäftshaufe Fahrgasse 146 in Frankfurt a. M., in dem sich jetzt das Gemeindehaus der Israelitischen Gemeinde befindet, wird demnächst auf Veranlassung dieser Gemeinde ein jüdisches Museum eingerichtet, in dem Alterttimer und Kultusgegenstände Ausnahme finden sollen. Mit dem Magistrat geführte Verhandlungen haben zu einem Abschluß geführt. Das Städtische historische Museum wird aus seinen Beständen Gegenstände als Leihgabe zur Verfügung stellen. Die Einrichtung und Katalogisierung übernehmen Professor Müller vom Historischen Museum und Julius Goldschmidt. Seesen. Verstaatlichung der Iaeobsonschule. Der braunschweigischen Landesversammlung ist bekanntlich eine Vorlage zugegangen, welche die Ueberleitung der Iaeobsonschule in Äesen in den Besitz des Staates bezweckt. Ursprünglich gedacht als Unterrichts- und Erziehungsanstalt in erster Linie für Knaben jüdischer Religion, hat sie im Laufe der Zeit immer mehr den Charakter einer Simultanschule angenommen, den sie beim Uebergange auf den Staat nunmehr in ausgesprochener Weise erhalten soll. Die durch die Besoldnngsrefovm gestiegenen persönlichen Lasten machen es dem Stiftungsvorstande der Iaeobsonschule unmöglich. sie aus eigenen Mitteln weiter zu erbalten. Auch die im März v. I. von der Altschülerschast ins Leben gerufene Hilfsaktion hat keine dauernde Finanzierung der Stiftung der Schule bringen können. Die Stadt Seesen lehnt eine Privatschule mit ausgesprochen konfessionellem Charakter ab. Die städtischen Behörden haben sich aber bereit erklärt, tm Falle der Verstaatlichung einen jährlichen Beitrag von 100 600 Mark zu den Schullasten zu bewilligen. Der Staat ist bereit, die festangestellten Lehrkräfte nebst Schuldiener und die Verpflichtungen der Stiftung den Ruhegetzalts- und Hinterblisbenenversorgungsempfängern gegenüber zu übernehmen. Neben der geldlichen Belastung hat der Staat folgende Verpflichtung übernommen: Von den Lehrern soll mindestens ein akademisch und ein seminaristisch gebildeter Lehrer jüdisch sein, damit diesen der jüdische Religionsunterricht übertragen werden kann. Auch der Hausvater soll jüdisch sein, wenn bei der Neubesetzung dieses Amtes die Mehrzahl der Hausschüler jüdisch ist. Bei der Wahl des Direktors und der Mischen Lehrer bezw. des Hausvaters steht den: Stiftungsvorstand das Vorschlag-recht zu. Mit der Anerkennung dieser Bedingungen soll aber keineswegs eitt bestimmter konfessioneller Charakter der Anstalt zum Ausdruck gebracht werden. Es soll im Gegenteil, wie auch der Vertrag vorsieht, der Charakter, der Anstalt als.Simuttanschule ausdrücklich betont werden. Stettin. Einbruch in die Synagoge, Berliner Kircheneinbrecher haben vor wenigen Tagen nachts die Synagoge in Stettin heimgesucht. Sie drückten einige Butzenscheiben ein, riegelten dann einen Flügel auf mtd verschafften sich so Eintritt in die Synagoge. Um in den Raum, in dem die Geräte zum Gottesdienst ausbewahtt werden, zu gelangen, brachen sie verschiedene Türen auf. Sie erbeuteten Silbersachen von großem Werte, darunter 10 Dhoraauffätze im Gewicht von 4 Kilogramm, zwei Kronen, die auch mehrere Kilogramm wiegen, Berber und Leuchter. Die Täter, die noch unbekannt sind, haben nach deni Einbruch, wie die Ermittelungen ergaben, den Weg nach Berlin eingeschlagen. Für ihre Ergreifung ist eine hohe Belohnung onsgesetzt worden. Stuttgart. Das Ministerium des Kirchen- und Schulwesens hat die Stelle des 1. Stadtrabbiners in Juda; und er bej.aht es und kommt zu dem von Nietzsche spater geprägten Typus des „Ue'tuvmenschen"; solche sind sirr ihn die bedeutenden israelitischen Propheten, die geistigen Gipfel des Judentums, wie sie in dieser Größe und Reinheit kein Volk der Erde je hervorgebracht hat. Dann erklärte Heinemann, wie Halevi's Anschauung von der „geschichtlich gewordenen Religion", — „der Weinltock kann erst wieder die goldenen Trauben der Gotteskindschaft im eigenen Lande tragen", — mit Notwendigkeit zu der Sehnsucht des Dichters nach der „heiligen Stätte", nach Zion, führen mußte, ein Streben, bei dem er dann seinen Tod fand. Unsterblich seien aber nicht nur die Lieder Halevis. In mannigfacher Gestalt seien seine Gedanken in späteren Jahrhunderten wiedergekehrt, bei Spinoza, bet Kant, bei Gosche wergl. z. B. Gretchens Frage über die Religion im Faust), ferner jetzt bei. dem modemen Theologen Otto in seinem schönen und tiefen Buche über „Das Heilige". Zum Schluß meinte .Heinemann, daß unsere Zeit manches von Halevi und dem Mittelalter übernehmen sollte-, — nickt die damals noch in den Kinderschuhen steckende, nach jeder Richtung hin unvollkommene Wissenschaft, aber die echte und über alles Erdenleid erhebende Religiosität, die damals viel größer gewesen sei, als heute. — Die erfreulicherweise sehr zahlreich erschienene Zuhörerschaft. die den außerordentlichen Bortrag wohl noch lange in der Erinnerung behalten dürste, spendete mit Recht reichen Beifall. Es möge bet dieser Gelegenheit der Wunsch ausge? sprachen werden, daß der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" wachsen und sich noch weiter ausdehnen möge, sodaß seine segensreiche Tätigkeit noch recht vielen zugute kommt. Dr. D. Religion als Gegenwart. Daß bas Frankfurter Freie jüdische Lehrhaus Martin Buber zu einer in sich geschlossenen Folge von Borträgen über Religion verpflichtet hat, ist um so dankenswerter, als man nur selten Gelegenheit erhält, Buber zu Höven. In einer Zeit, in der die religiöse Sphäre sich wieder zu öffnen beginnt, ist es Bedürfnis und Bereichenlng zugleich, den Worten eines Mannes zu lauschen, der nicht nur als Erforscher religiöser Dokumente der Vergangenheit, sondern auch als religiöser Denker und ei-qewvüchsige religiöse Gestalt von dem Wesen der Religion zu zeugen vermag. Der erste Vortrag galt im wesentlichen ber Vorbereitung und Grundlegung des Gedcmkenzusammenhangs. Gleich zu Beginn umriß Buber in vordeutenden Worten sein Thema. Er will im Verlauf seines Lehrgangs darlegen, inwiefern es Religion als absolute Gegenwart gibt, inwiefern uns weiterhin Religion als unbedingte Wirklichkeit entgegentritt und inwiefern schließlich Religion fiir jeden Menschen zu jeder Zeit gegenwärtig und wirklich ist. Von diesen Leiffätzen, die er vorerst nur als Richtpunkte, als Ahnung des Ziels aufftellte. ohne sie schon mit Inhalt zu erfüllen, wandte Buber sich unmittelbar der gegenwärtigen Zeitsituattvn zu, um von der Betrachtung ihrer Bedingtheit zur Erkundung der immerdar gültigen religiösen Grundhaltung fortzuschreiten. Er kennzeichnet« unsere Epoche als ein Zeitalter der Talsenkung zwischen zwei Wölbungen der Herrschaft des Logos, als eine Zeit des angchaltenen Atems, in der man, trotz ungemein gesteigerter religiöser Bedürftigkeit, das Wesen der Religion doch so sehr verkennt, daß man sie zu funkttonalisieren, d. h. in Abhängigkeit von anderen Daseinsmächten zu bringen strebt. Die verschiedenen Weisen, in denen die Religion gegenwärtig ihrer selbstmächtiaen Totalität beraubt und zur Hörigkeit verdammt wird, stellte Buber in gewählten Antithesen und feinziselierten Formulierungen dar, wobei er sich freilich leider oft genug auf einer die Auffaffungsgabe des Publikums übersteigenden Höhe des Ausdrucks hielt. Zunächst entwickelte er die biologistische Richtung unserer Tage, die aus der Religion ein Mittel der Lebensbehauptung macht und die religiösen Konzepttvnen zu Fiktionen' herabzudrücken sucht. Sehr treffend nannte er eine solche Anschauung, die noch heute Stuttgart dem DcmdeSrabblner Dr. Rkeger ln Braunschweig übertragen. _ Sir Edgar Speyer. Antisemitische und deuffchvölkische Blätter verbreiten mit Behagen die Londoner Meldung, wonach der Milchef des besannen Ncwyorker und Frankfurter Bankhauses Speyer, Sir Edgar Speyer, aus den Listen des englischen Kronrates gestrichen und auch seiner englischen Bürgerrechte, die er durch Naturalisation erwarb, für verlustig erklärt wurde, „weil Edgar Speyer sich durch Handlungen und Reden Seiner Majestät gegenüber als nnloyal erwies und während des Krieges mit Untertanen feindlicher Staaten m ungesetzlicher Weffe verkehrte, Geschäfte mit ihnen abschloß und auf diese Weise dem Feinde half." Die „Frkf. Ztg." meint wohl nicht mit Unrecht, daß es so scheine, als ob hier ein Exempel statuiert tverden sollte, besonders da die „Rechtsgrundlage" in einem Gesetz der Nachkricgßpsychose besteht. Ein endgültiges Urteil über den Fall kann man nicht eher abgäben, bevor man die Gründe für die Ausstoßung i-m einzelnen kennt. Die „Deutsch-völfischen Blätter" sind natürlich schnell fertig mit ihrem Urteil; für sie kam die Meldung nicht überraschend, ..da Juden ja keine Treue kennen, es sei denn die zu ihrem Geldbeutel". Die Treue haben selbstverständlich die Anttsemiten und Dentschvölkischen in alleinige Erbpacht genommen. Breslau. Jüdisch-liberaler Iugendverein zu Breslau. Am 30. Januar fand unter starker Beteiligung unsere Generalversammlung statt, die als geschästsführender Borsitzender Herr Curt Brienitzer leitete. Bor Eintritt in den geschäftlichen Teil gedachten .Herr Brienitzer und Herr Rechtsanwalt Spitz in warmen, tiesergreifenden Worten des überaus schweren Verlustes, den auch unsere Organisation durch den so jähen Heimgang des Herrn Professor Dr. Wohlauer erlitten hat. Den Geschäftsbericht erstattete das Mitglied des Vorstandes. Herr Ludwig Korn, beu .Kassenbericht, der ein erfreuliches Bild der Opferwilligfeit aller Mitglieder bot. die hoffentlich im kommenden Jahre mit Rücksicht auf die neuen hohen Lasten eine Steigerung erfahren wird, Herr Alfred Berger. An beide Berichte knüpfte sich keine Debatte. Im ersten Wahlgang wurden durch Zuruf die bisherigen drei Vorsitzenden, die Herren Erich Bayer, Curt Brienitzer und Rechtsanwalt Spitz wiedergewählt. Ten Wahlakt leitete Herr Lehrer FreuMich. Im zweiten Wahlgang wurden durch Zettelwahl folgende Mitglieder in den Vorstand gewählt: Alfred Berger..Egon Dickmann, Zahnarzt Dr. Egon Guttmann, Lutte Jacobson, Georg Jonas, Frieda Karger. Ludwig Korn. Lotte Leschziner, Käte Lindner. Fritz Stoll. Max Vogelstein. Als Vertreter des Liberalen Vereins gehört ferner Herr John Levi dem Vorstand an. — Nach einqchender Anssprache gelangte folgender Antrag zwecks Regelung der Beilragspflicht für das Gefchäftssahr 1922 zur Annahme: Der Beitrag für ordentliche Mitglieder beträgt 10 Mark Pro Quartal, für außerordentliche 50 Mark pro Jahr In diesen Beträgen ist die Bezugsgebühr für die „Jüdisch-liberale Zeitung" enthalten. Eine Reihe von Statutenänderungen gelangte einmütig zur Annahme. Herr Sally Wulkan gab für die Ausgestaltung der Vereinsarbeit sehr wettvolle Anregungen und um 11% Uhr konnte Herr Brienitzer, der die Verhandlungen mit gewohnter Umsicht und Sachlichkeit geleitet hattd, mit Worten des Dankes an alle Anwesenden die Versammlung schließen. A. B. viele Vertreter hat, einen Selbstmord des Geistes und' wies nach, daß der Biologismus sich selber ad absurdum! fühtt. da ja die von ihm als Fiktionen bezeichneten religiösen Vorstellungen nur so lange lebensbvauchbar sind, als man an ihre Wittlichfeit glaubt. Religion fft in Wahrheit nicht ttne Variable des ungerichteten Lebens, sondern schreibt nmgekehtt diesem Leben die Richtung vor! und bestimmt sttn Gesetz. Es folgte die Erötterung einer vielfach in der Soziologie herrschenden Auffassung, der gemäß die religiösen Konzeptionen lediglich die Projekt ttonen des Lebens einer Gruppe sind und Gott zum personifizietten Gruppenbewußtsttn gestempelt wird. Diese Ansicht, die die tatsächliche zeitliche Bedingtheit aller Religionen unter der .Hand in eine Abhängigkeit der Religion als solcher vom Dasein der Gruppe verwandelt, würde, zu Ende gedacht, eine unhaltbare Verabsolutierung der Gruppen mit sich bringen und die Idee der unsichtbaren Menschheit aufheben. Schließlich ging Buber noch' auf eine der soziologischen Richtung nahestehende Geistes- Haltung ein, der Religion nichts andereals ttne Funktion der Kultur bedeutet. An dem Beffpiel Spenglers zeigte er, daß in einem solchen Weltbild Religion gleichsam nur als statffche Erscheinung, d. h. als Inbegriff von Dogmen und liturgischen Handlungen Platz hat, daß dagegen den eigentlich schöpferischen Epochen der Religiosität in ihm lein Raum gegönnt wird. Wie Religion vor dem Leben steht und es umfaßt, wie sie über die Sphäre der Gesellschaft hinaus sich als Cigenmocht erhebt, so grenzt sie auch von sich aus die Kulturen ein und läßt sich in deren Abfauf nicht hineinzwingen. Der Abwttfung fälschlicher Einbeziehung der Religion m die ästhetffche, die tthische, die logische und die psychologische Sphäre wird der nächste Bottrag gewidmet sttn. (Fkft. Ztg.)

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