Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 2 (1922)
- Issue
- 4 (27.1.1922)
- Date
- 1922-01-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2613366-2613657-2613660--0281-2617491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Breslau. Errichtung neuer Gotteshäuser! Seit mehreren Jahren macht sich in unserer Gemeinde der Mangel cm Synagogenplätzen, insbesondere -n den hohen Festtagen, unangenehm bemerkbar. Dies ist nicht nur auf die tu den letzten Jahren erfolgte Ver- -roßerung unserer Gemeinde, sondern sicherlich auch auf haS gesteigerte religiöse Interesse zurückzuführen. Die Gemeindebehörden frub dauernd l>emüht, neue Gottesdienste einzurichten. Leider ist die Beschaffung geeigneter Säle in Breslau fast unmöglich gelvovden, sodaß auch der Einrichruna weiterer Ziveiggoüesdienste ein Ziel gesetzt ist. Hierzu kommt, daß sich die technischen Schwierigkeiten der Einrichtung der bereits bestehenden Zweiggottesdienste aus manniafachen Gründen von Jahr zu Jahr häufen und die Gefahr besteht, daß der eine oder andere Gottesdienst wird aufgchobcii tverden müssen. Schließlich ist auch von vielen Seiten mit Recht darauf hingewiesen worden, daß sämtliche Gottesdienste zu sehr zentral gekegen und die Entfernungen zu denselben, insbesondere von der SüdvorstOdt. sehr groß sind. An den hohen Festtagen sind auch die Synagogen und Zweigaottesviensre an gewissen Tagesstunden stark überfüllt. Auch nrächt die Unterbringung der Schiller nnd Schülerinnen und der übrigen Jugend, sowie der Minderbemittelten, große 'Schwierigkeiten. Die Gemeindebehörden haben zur Prüfung aller dieser großen ftreKien Kommissionen ein gesetzt. Es ist vorgeschlaacn worden, neue Gotteshäuser -m allereinfachster und bescheidenster Ausführung in der Südvorstadt ui c-raditeit. Die Beteiligten haben aber auch schwere Bedenken, ob sich dieser Plan mit Rü^ücht «auf die jetzige Finanzlage der Gemeinde überhaupt wird durcksiühren lasten. Für e i n e n einfacher! Bau, Einschließlich *der Kosten des Grundstücks, ist nach ober flächlicher Schätzung durch Sachverständige ein Aufwand von ungefähr Millionen Mark erforderlich. Mittel hierzu sind leider nicht vorhanden. Aber selbst die Aufnahme einer Anleihe würde der Verwaltung und mithin auch den Grmcindemitaliedern nicht unerhebliche Lasten auserkeaen. Die Errichtung neuer Gotteshäuser würde selbstverständlich in einem größeren Raumumfanqe erfolgen müssen: schon deshalb, damit eventuell einige Zweiggottesbtenfie, die erhebliche Zuschüsse erfordern, aufgehoben -werden können. Es bleibt schließlich auch die Frage offen, für welchen Ritus der Reubau dringender und wie groß die Zahl der Gemcindemitglieder ist, die Plätze in derr geplanten Gotteshäusern erwerben oder mieten wiirden. Für dir Beurteilung der ganzen Baufrcwc sind dies 'bezüglich ungefähre Feststellungen unerläßlich. — Aus Kreisen vieler Gemeindemitalieder sind auch Acußerunqen laut geworden, daß sie größere Spenden für den Bau eines Gotteshauses zur Verfügung stellen würden. Ob und'inwieweit dies tatsächlich der fallt seilt dürfte, ist nM bekannt. Aus allen diesen Ausführungen ist zu ersehen, daß die bestehenden und zu losenden Schwierigkeiten keine gerinnen sind. Es wäre daher dankbar zu begrüben, wenn auch Anregungen aus den Kreisen der (pemrindeniitalieder erfolgen würden. D a s B ü r o der Synagogen - ^entc i n de t st z u r A n n afjmc vo « nt ii nb - (i ch e n und schriftliche it Meldunge n s ü r Plätze gern b e r e i t. H i e. r b e i i st auch a n z u - geben, auf wieviele Plätze (Herrenu n d D a m?. n st c Il e iö r c ff e 11 i c r t n u d auf welche Plätze a l s d a n n i u d e n b e st e h e u d e n S y n a g o g e n und Z w eiggottesdie n st e n v e r - zichtet wird. — Eine möglichst weite'Verbreitung dieses Aufsatzes unter unseren Gemeindemitaliedern wäre sehr erwünscht. Bürodirektor Gustav Glaser. Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils gegen Professor v. Freytagh'Lormghoven. Am 14. Oktober 1921 hat das hiesige Schöffen gericht den Universitätsprofessor Dr. v. farcytaah-Lvring- Hoven, wie seiner Zeit gemeldet, wegen gröblicher Beleidigungen des Lehrers und Kreisdepuücrten Eli Lindheimer aus Guhrau durch einen Artikel des Angeklagten in der „Schlesischen Tagespost" zu 600 Mark Geldstrafe und Publikationsbesugnis verurteilt. Das ltricil führte hierzu aus: Bei Abmessung der Strafe wurde erwogen, daß die Handlungsweise des Angeklagten in hohem Maße geeignet war. den Privatklägcr verächtlich und lächerlich zu machen, einen Mann, von dem unwidersprochen behauptet wird, daß er sich des allgemeinen Airsehens seiner Mitbürger erfreut. Erschwerend fällt weiter ins Gewicht, daß eine derartige Kampseswcise gerade von einem bedeutenden Gelehrten und Bildner der Akademischen Jugend, wie es der Angekagte ist, Härte vermieden werden müssen, zumal in einer Zeit, in welcher nur die Zusammenfassung aller Kräfte das Vaterland allenfalls noch retten kann. Bei diesem Urteil hatte sich der Angeklagte nicht beruhigt, sondern gegen dasselbe Berufung eingelegt, über die am 17. Januar d. I. vor der Strafkammer des Landgerichts Breslau verhandelt wurde. Der Angeklagte war, vielleicht weil er glaubte, daß dies auf den Gerichtshof einen besonderen Eindruck machen sollte, im Gegensatz zur ersten Instanz, persönlich erschienen. Sein Vertreter, Rechtsanwalt Fritsch, rechtfertigte die Berufung, abgesehen von den in der Voriustanz vorgebrachten Ausführungen, damit, daß der Artikel des Angeklagten überhaupt keine beleidigende Tendenz habe, sondern nur eine politische Satire in geradezu klassischer Form darstelle. Sodann richte er sich nicht gegen den Privatkläger, sondern gegen den Typus des Inden als Demokraten, da es ja bekannt sei, daß Demokraten und Juden dasselbe seien. Der Privatiläger habe nur die Vorlage zu der vom Angeklagten dargestellten Figur gegeben. Aus seinen politischen Reden und Schriften, die den Mitgliedern des Gerichtshofes sicherlich bekannt seien, wisse jeder, daß der Angeklagte zwar mit der gebotenen Schärfe, aber nie in verletzender Form kämpfe. Unzulässig sei es, wenn das Schöffenurteil als siraferickwcrend seinen Beruf als Hochschullehrer und Bildner der Jugend heranziehe. Was er in dieser Eigenschaft anßeramtlich tue, gehe, niemand etwas an. Der Vertreter des Privaiklägers, Rechtsanwalt F o e i*b c r , erwiderte hieraus: Wenn der Angeklagte die niedrigen Beschimpfungen feines Aufsatzes nicht als beleidigend empfinde, so beweise vös'nür. daß' er sich rtt den deutschen Kulturkreis noch nicht eingelebt hal>e. dem er freilich erst seit wenigen Jahren angchöre. Wolle er ein erfahrener Politiker sein, so müsse er wissen, daß sich unter den Führern der Demokratie nur verschwindend wenige Juden befänden. Merkwürdig sei daß er, dessen Partei sonst stets die Juden alS Sozialdemokraten und Bolschewisten bezeichne, heut hierüber plötzlich anderer Ansicht sei. Als ganz unzulässig bezeichnetc cs der Bertr-tcr des Privatklägers, wenn der Angeklagte hier durch die Erwähnung seiner polii-stbeu Schriften und durch das Aussprechen der Erwartung, daß der Gerichtshof sie kenne, einen politischen Zusammenhang zwischm sich und den Mitgliedern des Gerichts konstruieren wolle. Das stelle eine unzulässige Beeinflussung dar. der ein deutscher Gerichtshof sicherlich unzugänglich bleiben würde. Von einem gerinaen PslichtbwußLsein zeuae auch die Auffast'mtg, als ließe sich die außeramtliche Tätiakeit des Angeklaatcu von seinem Berus als Hochschullehrer trennen. Es sei ein leitender Grundsatz des deutschen Beamtenrechis. daß jeder Beamte sich auch außerhalb seines Berufes der Würde seines Amtes entsprechend zu führen habe. Diesen Grundsatz habe der Angeklagte aufs schärfste verletzt, zumal er genau wisse, daß sein Artikel von einem bestimmten Teile der Studentenschaft mir dem größten Eifer gelesen und blind nachgebclet würde. Der Anaetlagt. dessen Wirken unsere innere Einigkeit untergrabe, gehöre zu den landfremden Elementen aus dem Osten, die in Deutschland nur Schaden anrichieten. Durch diese letzte Bemerkung fühlte sich Herr p. Frcytagh-Loringhoven anscheinend aauz besonders arg. betroffen. Er entgeanete erregt, daß er ein Baltensprößling sei. Die Balten hätten seit 700 Jahren die deutsche Kultur im Auslande bochgehalten. Im Anschluß hieran hielt cr eine kleine Vorlesung über das Wesen des Schlüsselromans. Als eine Abart dieser Lsteraturgattung wollte er seinen 'Artikel gegen den Privattläger aufgefaßt wissen. Schließlich endete cr mit der Behauptuna. das deutsche Judentum trage, wenn nicht die ganze, so doch einen erheblichen Teil der Schuld an dem unglücklichen Kriegsausaang. Ter Vertreter des Privatklägers erwiderte, daß das Vorbringen dieser infamen Anschuldigung die Würde des Gerichts verletze und der Anactlagte sich hierdurch wohl den letzten Rest von Sympathie, den er vielleicht noch besitzen könnte, verscherzt habe. Rach kurzer Beratung verkündete der Gerichtshof das Urteil dahin, daß die Berufung des Angeklagten verworfen sei und es bei dem erstinstanzlichen Urteil zu bleiben habe. Repräsentanten-Bersammlung. Die nächste Sitzung findet Sonntag, den 29. d. Mts.. 10 Uhr vormittags, statt. . Im Verein für indische Ge'chi^te und Siteratur hält am 30. t>. Acts. Seminardozcnt Dr. Heineinan n einen Vortrag ützcr Icbrda Haleri. — Ter grotza Dichter bei jüdisch-spanischen Blütc'cit ~ ist beut deutschen Publikum durch die vortre'slichL Uctzersetzung einer Auswahl aus seinem Divan Von Emil Bernhard neuerdings wieder näher gc bralt worden. Dr. ^einemann Hat sich in seinen Bor lüungirr in der frrcu jüdischen Volkshochschule in dem e-'en beendeten 5>elbsemcster auck mit Sriuda .^allvis AMan'choui-ttg "beschäftigt. Ter Bortrag am 30. d. Mts. wird dieses Thema ein-elunder behandeln. Er sei allen Lesern unserer w'rimsr.ms cmvwhlon. 1922 Kalender 5682 Wochentag Monat I , > Sabbath-?>2n. .Tebet Ausgang 31 T. : 29 X a * Wochenahschnitt Prophetenabschnitt Freitag. Sabbath "27:" 28. 277 28. Breslau!^ Utzw 2./-lose ic.N-r n -yu ns Ezechiel 28.25-2^ 29. 1-21 Zirkus Busch. Andreas Hoser l'etüelt sich der neue Traht'ellakr, den Camillo Mayer allabendlich im Airkns Busch ausü'bt, und aus der hohen D>irkuskuvpel ertönt schauerlich-sa'öu das alte Lied ..Zu Mantua". Mare'' seien -nci'e (frfofoe mit dieser Attraktion. 1877 i1l 1922 Opti&er GAR AI :: Albrectitstr* 4 A Heute und folgende Tage: J 4 Inventur-Ausverkauf! mmm Weissenberg & Brauer r » Enorm billige Preise! So '»«tim» in den GemeiBde •vnwM %\\ BWltHl!_ UleSfBtq. RenSjnif. Traitaf' ßbd. {23./1. | Beüinu j abends; Hofgtfrefdlmf) 1 fieitnontfwsihe! vorm. vorm. As des,29. g. Woch.-| bis ta^er» j g. 2. Prediot vorm. Jnpi.Bfiesi I nachm Schluß j ibendß! Beginn j morgs. 4.45 0. WiMiP' r.’BKUw J ü.45Ü.j 8.45 D.i 10.00 D IO.iSU. 3.30 ti. 519Ü. 6.45 U. I ebenda i 4.45 U. 4.45 U. 9.00 0. h.oOU. 9.45 U. 5.19 U 7.150. 4.45 U. CftefftutUdr* Kihvttg tlrr Neprase«^a«1eu-Versammlu»- SvAttuag» den 28. Januar 19SS. vorm. 19 Ahr tag» im Sitzungssaal» Wallstrotze 8» 10 0000000000000000000000000000000 0 0 a Die glückliche Geburt eines fröftigen o § StanrmhaNers zeigen hocherfreut an 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 nonPDaao,'nafli<'nnnnaQOOOnanDqnm) «Miller Br. 0.. «. Bll Minna gev. Lchcher. Stettin, den 22. Januar 1925t. tzal^teterg'N'tt. 3"., ui. Braucht Ihr Licht,!MWsM»MWMMIM»NMMlI!MMI!!lI!!I!MkkW!ItMWIWIII!tII!r>>jltiI so ruit mich! Richard Oellert Jtt ünitnir Irr Brnrifmliilri-lnfinlni Dr. Wohlaoer. Elektrische Licht* und Kraftanlagen Gräbschonerstr. 39, Freiburgerstr. 17 Telefon Ring 780^ Ich habe mich als Zahn&rxtin lind werktags von t vorm. u-3~6 Uhr nachm* ■ii um in ii i > So nta^s von 10—11 Uhr vorm. Equipagen Dr. Dora Jacobsohn m»Ü«ierdignziqe«. j Augustostr*95 hpt. Am. PetroK Hochf. Toi«loa Eliag S5*5* «»«sra» IS. — Tel « in« Kabarett Rnlser’mne Karry Heinz McuntaiiR "ritz FnVUch / Baronalä Isif vou der PhiSbc Herta Lehm orf - Mitni Carla Kity Ä Hard Reggio? Rubin? In rnuerenr Vertage 'st erschi"nen: Mn bmlsllsr lvohluingsrecht d e für Ltadt und Land acltend. Bestimmungen. Zusamrnengestelli und erläniert von den Neckte» onlvölien vr GillkS und vr. Anger in BrcSlau 89 Seiten. Gr.-8. Preis 10 Mark. Zu beziehen durch jede Bachhandtang oder den Verlag Th- Schafzky, Breslau 3, tt. Graupenstr. 5 Rcmfprcd.*. Nina 451, 4600 »pielt in rres!au mit 1 1 Herren- Hüte el^oant tjreisvi'ert PAUL Schorsch & CO. dunkernatraeo 22/94 Bres'au 1 Wir bitten bet Einkäufen auf die Uüdifdi-Uberah Zeitung Bezuq zü nehmen. r K Jngeni uir~f&äro Curi lüaeöer Junfcernstrcxße. 79 beseitigt sdinellsiens Störungen in elektrischen Anlagen und übernimmt Ctusführun# von Tleuanfctgzn jeden Umfanges 'ferntuf : ‘Za.öctienst. TiacfiktieJisti K. 9195. K. 9193. | Buchdruckerei und H Verlags - AnslaU | TH. SCHATZKY rj o. m. t>. H. S Breslau 2 Lieferung von Drucksachen?Qr Handel, Industrie u. Privat J Kaust nur bei Inserenten! Herausgeber: Liberaler Verein der Synagoaen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Ludwig Davidiohn in Breslau. Druck und Kommtsstpnsverlagr Th. Schatzk«, Vuckdvtckerei und yerlaasantzalt, G. m. b. $>.. BreSlmr T.n. Neue Grauvenstraße 5. 7944