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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-11-11 · 47 (11.11.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
47 (11.11.1921)
Date
1921-11-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Auch der Deckmantel der VaterlandSKede und de- RaffenbewußffeinS fiel bald, als Michel erklärte, wie schon seit Kant für die geistig vertiefte Auffassung jedes Deutschtums Vaterlandsliebe und freies Weltbürgertum identisch seien und sich niemals widersprechen konnten. Dann zeichnete der Redner zwei tiefe Legenden des Deutschtums auf: Eine eigene mit heldischen Zügen, die ihm von Jugend auf als Leitstern über dem Leben steht, und die des heiligen Dichters der Deutschen. Hölderlins, als einer prophetischen Schau deutschen Wesens, an dem die Welt genesen könne. Einer so hohen und edlen Auffassung deutscher Art gegenüber stellte sich das Treiben der Hakenkreuzzügler als „Verrat am Deutschtum" dar. sittlich hemmungslos, entehrend, unwürdig und doppelt schmachvoll für uns Deutsche, weil es sich mit sündhaften Waffen gegen den alliebenden, weltumspannenden Geist des deutschen Volkstums richtet und an dessen hoher Tradition Verrat übt. Michels Einstellung erhellt als die grundlegend richtige. Jede Formulierung der „Indenfrage" kommt aus dem Judenhaß. Kollektivhaß ist krankhaft, Haß als Eigenschaft des Nationalcharakters ist den: deutschen Wesen, dem alliebenden, weltumspannenden, hohen deutschen Geist grundfremd, darum heißt Judenhaß in Deutschland Verrat und Sünde am eigenen Volkstum. Der antisemitischen Einstellung ist nicht etwa eine Philosemitische. der nationalistisch gefärbten Iudenfrcsserei eine internationalistisch betonte Iudenfreundschaft entgegenzu.sehen, nein, es ist die souverängeistige Stellung zur Sache zu finden, in einer tieferen Deutung unseres Deutschtums und einer höheren Form von Volks- und Vaterlandsliebe. — Der Vortrag Michels fand in Darmstadt in der Herbstausstellung der Darmstädter Sezession statt. Er wird breiter ausgeführt demnächst als Broschüre im Verlag Paul Steegcmann. Hannover. erscheinen. Vreslao. Zuschrift. Herr Rechtsanwalt Spitz- Breslau schreibt uns: Sie geben in der letzten Nummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung" aus dem Protokoll über den Kameraden- Bundestag 1921 ohne Kommentar „Diskufsionsausfühnlngen des Delegierten Robert Hirschseld" wieder. Die klingen in der knappen — vielleicht nicht übermäßig geschickten — Fassung eines Protokolls und außerhalb des Zusammenhangs mit der Aussprache, von der sie ein Teil waren, ziemlich radikal, und werden vielleicht manchem das Gruseln beigebracht haben, natürlich das Gruseln über „diese Jugend". Aber der Berliner Lehrer und Gelehrte Robert Hirschfeld, der so sprach, ist keineswegs einer fener jugendlichen Wondsrvögel, über deren wunderlich' Wesen und keck' Gehaben ehrsame Zipfelmützenträger halb ärgerlich und halb überlegen den Kopf zu schütteln gewöhnt sind. Er ist vielmehr der an Jahren wohjl Aelteste im Bereiche der jüdischen Jugendbewegung. ein Mann, den auch nach seinem „Abrahamsfeste" die jüdisch-liberale und die Kameradenjngend mit gleicher Liebe und Freude zu den Ihrigen zählt, einer der Hauvtgründer der ArbeijZgemeirsschast jüdisch-liberaler Iugendvereine Deutschlands, einer der tätiasten Mitarbeiter der Ili-Mitteilungen, für deren Rubrik „Schrifttum und Literatur" er verantwortlich zeichnet, einer, der f ü r die Jugend und m i t dor Iuaend lebt und kämpft und daraus im Drang und Druck eines nicht immer sorgenfreien Lebens Trost, Genügen und Glück gewonnen hat und gewinnt. Wenn das, was ein solcher Mann über das Verhältnis von Alter und Jugend im heutigen Judentum zu sagen weiß, anders klingt als das. was man sonst von Menschen der höheren Semester zu hören gewöhnt ist, so mag man seiner Auffassung zustimmen oder sie ablehnen: ans eines erber wird man jedenfalls verzichten müsien: nämlich diese Meinung mit den üblichen bequemen Redewendungen von „jugendlicher Unreife" und „gärendem Moste" abzutun. Und auch darüber möge man sich klar sein: svie Robert Hirschfeld denkt die jüdische Iuaend in ibren besten und wertvollsten Teilen. Dächten auch viele Alte wie Robert Hirschfeld unb setzten sie diese ibre Gesinnuna wie er in Förderung der kämvfenden Jugend um, — es stände besser, stände gut um dos Judentums Gegenwart und Zukunft. Zum Ableben Aron Kober-. Wir hatten die vorige Nummer unseres Blattes bereits redaktionell abgeschlossen, als uns die Nachricht ereilte, daß Herr Aron Kober, der jüngste der Begründer und Inhaber des hochangefehenen Breslauer Handelshauses Joseph Kober, heimqeganqen sei; wir können deshalb dieses tiesschmerzliche Ereignis erst heute würdigen. Eine Zierde der Breslauer Gemeinde, eine Zierde der Iudenheit ist mit dem erst Achtundfünfzigjährigen dabingeschwunden. Er stand dem Liberalismus und uns Liberalen wahrlich nicht freundlich geaenüber; nicht um Haaresbreite wich er von den frommen Ueberlieferungen. in denen er ausgewachsen; der GÄanke, daß ackch die Religion dem Gesetze der Entwickelung unterworfen sei. stieß bei ihm auf bewußt schroffe Ablehnung, und die Anhänger dieser Auffassung waren ihm zeitlebens ein rechtes Aergernis.. Dennoch — diesem Manne konnte keiner ernstlich gram sein; war doch all sein Denken, Reden und Handeln durchglüht von tiefster und heiligster Ueberzeugung, und wußte doch vor allem jeder, daß Aron Kober ein Jude war in des Wortes höchstem und reinstem Sinne. Die da von „christlicher Nächstenliebe" wie von etwas Besonderem und Ausschließlichem — wohl gar im Gegensatz zu den Lehren des Judentums — zu reden wagen, sie mögen hinaehen und beschämt dieses nun abgeschlossene Leben betrauten,, dem das Judentum seinen köstlichen Inhalt gegeben. Nicht nur hilfsbereit — hilfsfreudig war dieser Mann allezeit. Er gab mit offenem Herzen und übervollen ' Händen, wo immer eine soziale Aufgabe oder ein einzelner Menschenbruder ihm der Förderuna wert erschien, wo immer eine Not an ihn herantrat. Doch nein: er wartete nicht, bis sie sich ihm nahte: mit dem edelsten Spürsinn suchte er sie auf, dankte von aanzem Herzen jedem, der ihm die Gelegenheit wies, ein gutes Werk zu tun, und war am frohesten, lvenn er helfen durfte, ohne daß es auf den lauten Markt und an die große Glocke kam. In Halberstadt, wo er in froher Jugendzeit die frommen Lehren des Judentums tief in sich angenommen und in der Tochter seines Lehrers Auerbach das Glück seines Lebens gewonnen, ist er, seiner Anordnung entsprechet, zur letzten Ruhe gebettet worden. Reiner Hände und lauteren Herzens ist er gewesen; sein Andenken bleibt im Segen. Zur Erhaltung der Gemeinde Alt-Berun O.-S. sere Breslauer Leser interessierenden Aufruf des Rabbiners Im „Israelit" lesen wir folgenden, wohl auch un- Dr. Baßsreund-Myslowitz O.-S.: „Die Gemeinde Alt- Berun, eine der ältesten Gemeinden Oberschlesiens, ist bis auf acht Mitglieder zusammengeschrumpft und kann ihre^Institutionen, Synagoge, Friedhof, Religionsunterricht, aus eigenen Mitteln nicht meh erhalten. . Um. Äks». attschWüHsgKy-,. ..EiyrWun gen-zu retten-, ltm den Wiederaufbau der alten Gemeind? zu ermöglichen, bittet der Unterzeichnte um reichliche Spenden, indem er sich besonders an die ehemaliger Mitglieder der Gemeinde Alt-Berun wendet. Geldsendungen erbeten an Rabbiner Dr. Baßfreund-Myslowitz O.-S. oder auf dessen Konto bei der Bank für Handel und Industrie. Breslau. Ring." Das Hakenkreuz der Markthallen-Drogerie. Der Inhaber der Markthallen-Drogerie, Fritz Pudollek, Alte Sandstraße 7. versendet Reklamezettel, die ein großes Hakenkreuz zeigen, und orientiert damit das Publikum, daß er auf jüdische Kundschaft keinen Wert legt. Jüdisch-liberaler Jngendverein. Wir weisen h er mit erneut darauf hin, daß der von Herrn Griifi Bauer geleitete Kur'us: „Die Genesis in bibe"ntisckier Betrachtung" am kommenden Sonntaz, den 13. d. M'.s., vorm. 10,'/ Uhr. Karlstraße 13, beginnt. Kunstausstellung Lessing-Loge. Der Realismus, die kritische Auffassung der Welt und des Lebens, der scharfe, klarerfassende Blick für das Tvpifche pregen sich in den meisten Schöpfungen der Söhne des Apelles vom Stamme Israel aus. Voltaire, der erbitterte de- Fstventum-, ftftßi «tun fett -Hefe auf: «M iöds kann wohl vermöae seine- Flrißeals Arzt oder erakter Wissenschaftler Bedeutendes leisten, aber nie als Maler oder Plastiker. Der große Spötter kannte das Judentum de- Ghetto. Kaum jedoch waren die Schranken des Ghetto gefallen, da entwickelte sich auch schon der jüdische Maler und trat se'r erfolgreich in Wettbewerb mit seinen arischen Kollegen. Dir von der Lessing' und der Heinrich Grätz« Loge im eigenen Heim zusammen^estellte „Ausstellung jüdischer Künstlet beweist, daß auch auf dem weiteren Gebiet der Malerei die Grenzpfähle livischen Ariertum und Semittsmus beseitigt sind. Dt» Förderung von jungen begabten Künstlern auf dies«, Weise ist zu begrüßen, keinesfalls aber dürfen dann die Meister Josef Israels (nur indirekt durch eine Radierung, die von dem Holländer van Roggen nach einem Gemc lde des Meisters geschaffen ist, vertreten) und L - s s e r. Ury so'len! Von dem Ausgestellten sei nur Einigegenannt, so besonders die Male eien von Köbner und Eugen Spiro, eine (leider n"r eine!) Radierung von Hermann Struck, eine größere Anzahl von selten plastisch wirkenden Radierungen und Lithographien von Lieber, mann, eine prächtige Steinzcictnung (Felix Dahn) und eine Anzahl famoser, stimmun^stiefer Radierungen von Siegfried La boschin. Ferner kräftige Arbeiten von Willi Braun, charakteristische Vorträtradierungen von Heinrich Tischler und packende Skizzen von I. A s ch b e i m. Ni*t unerwähnt mögen die Ainderstudiru von K ä t e E P b r a i m - M a^ k u s bleiben. Alles tn allem: Re^en einzelnen nichtssagenden sind bedeutende und hervorragende Wecke zu finden. E. W. Sonderausstellung von Frau Lucy E. Gottschalk im KunstgewerbehauS, Tauentzienstratze 2. Es ist wirklich nicht nötig, beim Kaufe künstlerisch auSgeführter Toile-sien nach den unerschwinglichen und. kaum zu beschallenden Par'sr Modellen etwa eines Poiret oder Tracheur zu fragen. Die Gewänder, die nach den Angaben der bek.innt>-n, hiesigen, jüdilchen Kunstgewerblerin Frau Lucv E. Gottschalk angefertigt und im Kunstaewcrbeh«nt3 au>a.c stellt sind, müssen auch das höchstentwickelte künst. l?r'llche Fein"esü'l entzücken! Wundervoll in den Farbenzusainme^stellun^n, apart und originell in der Idee, immer malesiscken Sinn verratend und dabei durchaus nicht teuer — so sind alle die ausgestellten Kleider von Frau Gottschalk, die man j«4t im KunstgewerbehauS bewundern H e'n e Nression'stislbes Tanckle'd mit gebatiktem M'schnelle. e'n Ea-men-Kostüm mit gesticktem und l'andgeknl'pften Fransen, ferner ein Gesellin All"osa mit grnuem Velourchiifon. herrlich« ll'"'cke aus Ere"e de Ebine-Tuch mit Applikationen. ein Bllz aus Tibet m Orange-Ton mit schwarzen Bändern, lln Ko^'">m aus olivgrünem Samt mit schwarzen Spitzen und toiere3 andere. Kostümaefck'ick'tlich befrachtet stellen alle diese Arbeiten ewen s'etväcktli^en ^o"tsckr'tt dar. die für die ästhetisch« Phantasie der isi'm^rin ein ehrendes Aeuanis ableaen. Fr u Go"^'all hat <*«'* andere kunstgewerbliche Arbeiten, wie z. B. e«n Budd^a^chränkchen. e'wn Altar und r: E'-t^ür'e zur Theateraufsübrung des Turandotmärchens usae^ellt. * Hosfi'ntNch haben die wo^laelunaenen Arbeiten in der r ttrtcu Oefscntlichkeit den Erfolg, den sie verdienen! Dr. —n. kann; da Rack und ^e'dentuch Auf unt ren Aull ll f r naen uns fernerhin 10 Mk. llllin zu. di» „Jüdische KinderbMe" von Fräulein Lewinsohn- Hinweis. Dr vorl^genden Nummer unseres BlEeS °^t e'n Be-zei^n's der selbständ'qen Mischen Handwecker bei. Wir fei ten unsere Breslauer Leser, sich dessen i Einkäl'icn und sonstigen Aufträgen stets zu bedienen, da "ll Förderung und Ausr:chte?baltung eines gesunden mdi- Hdidwerk<-rstandes. sowie es in diesem Blatte schon lledc'-bolt da^elegt wurde, eine dringende Ausgabe des gef-wtm de''t'chen Judewums ist. Die Red. 1**21 Kalender 50*3 Wochentag Monat Nov 80 7 Sabbathtadwa Ausgang 80?! Freitag Sabbath 11 12. 10 11. dreslauh^ Wochenabfchnitt Prophetenabschnitt I Bneh Mo«'' , Kap VJ—IT* j nab Tesaja 40,27—31 4i. i—16 Reparaturen sofort. Optiker Garai« Albrechtstraße 4. Gottesdienst In den Gemeinde - Synugouifr ZU BreSlaU r UtiSiny. RniSjui. rrsitsg U./11. Begian abends 480 V. 4.80 ü. Bbd. 12./1I. Frähgottwfanit morgs. Vedwrtie- 6.30V W r Hptgottesdienst vorm. 8.4i v. 9.00 ü. n iredi-^t 10.00 ü. 945 V. n n Jogeadrottnl nachm. — 8.0 v. Schluß abends 4 55 0. 4 55 v. An den 13.7ll. Beginn morgs. 6.45 t. 7.15 0. Woch.- bis taeen 18. 11. „ abends 4.15 ü. 4.15 0. Kon'ii mationen, Neue Syn ago'rc, Sonnabend, d. 12. November Cr ich Vulkan (Vater Arthur), Mortzstr 11. I'olix Schwenk (Vater Max), Freibur-erstr. 9, Braucht Ihr Licht, IIHIIIItlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH so ruft mich! lIIIIIIIlIIIIIIIIIIII>IIIIIIIIIII>I>>!IIIIIIIIIII>IINllIIIIIIIII»IIIIIIIIIIIIIIII»III Richard Oellert Eelektrische Licht* und Kraftanlagen Gräbschenerstr. 39, Treiburgerstr. 17 Telefon Ring 790^ Ehemalige Frontsoldaten!! Meldet Euch beim Breslauer Bund M jüdischer Frontsoldaten! Mriit: Julius Loeb,Breslou 13 Viktorlastrasse 104 b. i fcfkmucft * Uhren | | :: Schnellste Ausführung :: 2 S aller Wiederherstellungs* und Neuarbeiten 2 j Mäßige Preise - Gewissenhafte Bedienung j ] (Tafefäevilte. TTunstgeiverfte j |Vogdt, | Ohlauer Strafte 60 | i i Ich empfehl« meine erstklassigen Equipagen zu goAjciten und Beerdiguuge«. Aun. Pstrah NoOif. «Bretlttn Wretckien L Pos -pis»ergasie 18. - Lek. R. 1275 A M \f s ■■ f von Qold- Silber, Plet n #% 11 R fl III meistbietend. ZLKq jeleqante ^rm5aftduhr Hensen u. 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Ring 4SI, 4600, Herausgeber: Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: 0r. Ludwig Davidsohn in BreSlau. Druck und Kommissionsverlag: Th. schatzty, Buchdruckerei und Verlagsanstalt. G. m. b. BreSlau lll. Reue Grauvenstrabe b.

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