Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 54 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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UÄerall wog sein kluger Rat, überall schlug sein kindlich Hrz in Güte und Fürsorge für die Armen, Schwachen und Bedrängten. Da aber, wo er sich am sichersten fühlte, dawaren die Verbände, welche jüdischen Fragen dienten. Mitbegründer des Liberalen Vereins der Synagogen Gemeinde BreSlau hißte er immer da seine Feldherrnflagge,, wo es galt, den Kampf für den Liberalismus im Judentum zu organisieren. Hier kannte sein Feuergeist kein Konzedieren und Paktieren, hier war er der sturmgewohnte Führer, der hunderte von Lauen mit sich riß, hier war er, wenigstens in früheren Jahrzehnten, leider vielfach der Gegenstand persönlicher Anfeindungen, die ihn schwer trafen. In der Repräsentanten-Versannnlung war Reich eine beachtete, beliebte Persönlichkeit, im Vorstände der Vereinigung für daS liberale Judentum in Deutschland schätzte man seinen klugen Rat und voll Verehrung zollte die jüdisch-liberale Jugend dem Nestor Dank für seine tätige Mitwirkung und erfolgreiche Beratung in den Problemen der liberalen Jugendbewegung. Nun ist er ermattet dahingesunken der alte Dr. Reich, Ehre feinem Andenken und an seiner Bahre daS Versprechen, daß wir ihm nacheifem und so die Erinnerung an ihn nicht verlöschen lasten wollen. By. Lehrer-Jubiläum. Am 1. Januar 1922 sind es 25 Jahre, seitdem Herr Lehrer H. M o o p s in den Dienst der Synagogen- Gerneinde Breslau als Religionslehrer eintrat. Dieser ausgezeichnete Pädagoge, der bereits 36 Jahre sein, Lehramt in Breslau als Hauptlehrer der jüdischen! Industrieschule ausübt, darf heute am Sabbat unseres' Lichtfestes mit gehobener Freude auf eine lichtvolle und erfolgreiche Wirksamkeit zurückschauen. Neben seiner Lehrtätigkeit beteiligt sich der Jubilar auch an vielen gemeinnützigen Bestrebungen innerhalb der Breslauer Gemeinde und hat sich besonders reiche Verdienste durch seine langjährige restlose Mitarbeit an der Organisation des jüdischen Lehrerstandes in Schlesien erworben, dtzren Vorstand er seit Jahrzehnten als Schriftführer angehört und an deren Unterstützungskasse er z. Zt. 0 Vorsitzender wirkt. Seiner Anregung und seiner sachverständigen Leitung verdanken die Ferienkurse für jüdische Lehrer ihre Entstehung und Durchführung. Möge es dem beliebten Jubilar vergönnt sein, noch recht lange bei bester Gesundheit seine segensvolle Tätigkeit fortzusetzen. Das ist der Glückwunsch seiner Freunde und zahlreichen Verehrer. —r. Gedenkfeier für Professor Dr. Hoffmann. Wie wir erfahren, veranstaltet die Agudas Jisroel, Ortsgruppe Breslau, am Sonntag, den 8. Jamrar, zu Ehren des verstorbenen Rektors des Berliner Rabbiner Seminars, Prof. Dr. D. Hoffmann, eine Gedenkfeier. Nähere Ankündigung erfolgt in der nächsten Nummer. jf i vereine un6 Versammlungen. Repräsentanten-Versammlung. Die Repräsentantenversammlung am 21. d. Mts. wunde durch den Borsteher mit der Bekanntgabe einer Anzahl eingegangener Schreiben eröffnet. Dem Dringlichkettsantra ge des Vorstandes, den Fürsoraeausschuß zu ergänzen, wurde zugesttmmt und in diesen die Herren Bernh. Berger, Raph. Friedlaender, Walter Bayer, Kurt Brienitzer, Herm. Elias und Repräsentant Mar Freund delegiert In..Erledigung der Tagesordnung wurde der Annaihme einer Anzabl von Legaten, meist zu Grabpflrgezwecken, zugestimmt. Die Interpellation Schachtet u. Gen.-, betreffend die Leichen« Wärter,-konnte nicht zur Besprechung gelangen, weil der Interpellant am Erscheinen verhindert war. Für die jüdische Ärbeiterfürsokge wird eine einmalige Beihilfe von 5000 Mk. bewilligt und im Anschluß daran ein Antrag Wohlquer an. genommen, der den Vorstand ersucht zu prüfen, ob ein laufender Beitrag und in welcher Höhe für 1922 bewilligt weri^n könne. Dem Verein „Freie jüdische Volkshochschule" wird eine einmalige Beihilfe von 1000 Mark gewährt, Zu Rechnungsprüfern werden die Repräsentanten Frankel, Lewin und Mac Freund gewählt. Der Verwendung von Stiftungszinsen wird antragsgemäß zugestimmt. Die Erhöhung des Grab- Pflege-Gebührentarifs entfesselte eine längere Debatte. Unter Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge wird die Vorlage des Vorstandes angenommen, die in ihren Sätzen (20—32 Mark) weit hinter den Berliner Gebühren zurückbleibt. Alsdann gelangt cinr zeitgemäße Erhöhung der Begräbnisplatz- Gebühren auf Friedhof Loheflraße (2500—2800 Mark) zur Annahme. In eine Kommission zur Beratung der Beerdignngsgebühren entsendet die Versammlung die Mitglieder Justizrat Breslauer, Frankel und Mar Freund. Der Wahl des Rabbiners Dr. Heppner zum Stistunasrabbier der Mcre- Letpziger-Stiftung an Stelle des nach München berufenen Dr. Prys wird zugestimmt, und die Kosten für Herstellung der Wohnung im Schwesternheim für den Verwaltungsdirektor werden mit 74 000 Mark bewilligt. Die geheime Sitzung beschäftigte sich mit Beamtenfragen und Gchaltsangelegenb eiten. Als Kassengehilfin wurde Fräulein Ina Seimansohn, die bisher probeweise beschäftigt war, vom 1. Januar 1921 ab fest angestellt. Der während der Verhandlungen emgebrackite Dringlichkeitsantrag Wal'ch u. Gen., bei Trauerfeiern in Cosel den Warteraum und die Trauerhalle zu Heizen, gelangte zur einstimmigen Annahme. Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Breslau. Die für den 29. d. Mts. angesetzte Chanukkahfeier fiel mit Rücksicht auf, das Ableben des Ehrenmitgliedes des Vereins, Herrn Geh. Sanitätsrat Dr. R e i ch, aus. Am Montag, den 2. Januar, findet keine Veranstaltung statt. Am 9. Januar spricht Herr Lehrer Robert Hirsch feld, Berlin. 1 Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ein ungewöhnlich wertvoller und fesselnder Vortrag wurde uns in der vergangenen Woche in Breslau geboten. Auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des Zentral- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt der berühmte Frankfurter Ordinarius für Gesellschastswissenschaften Prof. Dr. Franz Oppenheimer am 21. d. M. im Saale der Gesellschaft der Freunde einen Vortrag über die „Soziologie des Antifemitismu s". — Oppenheimer, der Sohn des verstorbenen liberalen Rabbiners der Berliner Reformgemeinde, der früher einmal ein tüchtiger Arzt war, ist heute als Soziologe ein Gelehrter von Weltruf. Der Rektor der Stockholmer Universität, Prof. Steffen, Lloyd George's Intimus, schrieb neulich in der „Internationalen wissenschaftlichen Revue", daß Oppenheimer überhaupt der einzige große Soziologe der Gegenwart fei! War es schon an sich höchst interessant, einen solchen Mann über dieses ebenso wichtige, wie traurige Thema sprechen zu hören, so wußte man zudem noch die künstlerisch vollendete Form des Vortrages bewundern. Die aufrechte, offene und mannhafte Art des bekannten Universitätslehrers hatte geradezu etwas Herzgewinnendes. Er schilderte den Unterschied der jüdischen und nordeuropäischen Psyche in ihrer historischen Entwicklung und legte — ohne jede Selbstbespiegelung — dar, daß die Juden zu allen Zetten geistig und rassenmäßig «in Herrenvolk gewesen seien. Die furchtbare, jahrhundertelange Bedrückung mutzte dann sozialpathologische Erscheinungen im Gefolge haben, auf deren Wirkungen der Gelehrte ausführlich einging. Gerecht und vorurteilsfrei, von einem brennenden Willen zur Wahrheit beseelt, wurden die großen Vorzüge der jüdischen. Bevötterungsgruppen und ihre angezüchteten Fehler gegeneinander abgewogen, und dann der Antisemitismus, „diese, faulige Stelle am rotbäckigen deutschen Apfel" untersucht. Der Vortragende bezeichnet«: diese Bewegung als für das Gesamtwohl Im höchste« Grade schädlich, ta direkt an und für sich ge, meingefährlich. Ten Zionismus als Lösung lehnte er — aus historischen Gründen - ab. Prof. Oppenheimer glaubt, daß wir jetzt, in eine ernste Krisis einträten, in der es sich entscheiden muß, ob die Prophezeiung vom „Untergang des Abendlandes" sich erfüllen wird oder nicht. Wenn die Achtung vor dem Mitmenschen und seiner von ihm mit Recht beanspruchten seelischen Sphäre weiterhin so gering sein sollte, wie jetzt, — so sei Europas Schicksal besiegelt; aber vorläufig solle man noch nicht alle Hoffnung ausgeben! — Langanhaltender Beifall lohnte, dem Redner; — seine kultur« philosopbischen Betrachtungen waren sicher allen Zuhörern ein Erlebnis! — Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Am 22. d. M. hielt Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann im Verein für Geschichte und Literatur, im großen Saal der Lessinglone. einen ausgezeichneten Vortrag: „Ein Blick in das Wirtschaftsleben der deutschen Juden im Mittelalter". — Herr Dr. Hoffryann hat vor Jahren eine mittlerweile berühmt gewordene Dissertation über die mittelalterliche Wirtschaftsgeschichte der Juden veröffentlicht; dieses Buch, in Gustav Schmoller's Forschungen erschienen, ist ein anerkanntes Meisterwerk! Hofsmann ist also ein hervorragender Kenner dieses Gebietes! Er zeigte uns an Hand reichen, wissenschaftlich einwandfreien Materials, wie die Juden, im frühen Mittelalter ursprünglich Ackerbauer, durch die Gesetzgebung zum Geldhandel und ähnlich sozial geächteten Gewerben gezwungen wurden, wie sie aber trotzdem der Volkswirtschaft von hobem Nutzen gewesen seien, denn sie süllten eine wichtige Lücke ans und lösten die Naturalwirtschaft ab. Zahlreiche Vergleiche aus der nichtjüdischen Zunft- und Städteversassung machten Dr. Hosfmann's geschichtliches Bild lebendig und anschaulich. Auch dieser Vortrag war sehr lehrreich und vermittelte vielen Zuhörern Neues. Man hätte den geistteichen Ausführungen des bedeutenden Historikers gerne noch länger gelauscht! —hn.— Wochentag Mo Dez. 31 T. nat Kislev 30 X. Sabbath. Ausgang Wochen. abschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 30. 31. 29. 30. Breslaus m I. Mose 4U-44» "nöto1! nn l.Nönige3.1S-23 4.1 r Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung des Verfassers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schristleitung nur die Preß» gesetzliche Verantwortung. J 1931 Kalender 5682 ^«jenSeet-9 | Ift Geb&cK zu allen FestlichKeiten Reparaturen sofort. Optiker Garai, Albrechtstraße 4* i jottesdlenst In den - " -Synagogen i in Breslau i_Msim. iwnsim. ' fnlteg 80./12. Beginn abends 4 Uhr 4 Uhr SM. . 31./12. Frlhgottasdisist morgs. WtAoftitm. ' Ipfoottndlntt vorm. 8.45 U. 9.00 U. it ■ ff Predigt vorm. 10.00Ü. 10.00 U. H Jogndgtflnd. nachm. — — ■■ öohioa abends 4.42 U. 4.42 U.; A& den;> WOCL- 1./1. bis Beginn morgs. 7.00 ü. 7.15U. . tagen 5./1. „ abends 4.00U. 4.00 ü. i Konfirmation in der Alten Synagoge, Sonnabend, den ttf, Dezember Walter Hamburger (Vater Wilhelm) Eich« fcornetr. 4/6 4 Durch den Heimgang des Geheimen Sanitätsrats Dr. Carl Reich hat unsere Gemeinde einen überaus schweren Ver* inst erlitten. Mit dem auch im Alter nicht ver* löschenden Feuer jugendlicher Begeisterung hat der aufrechte Mann seine Ideale im Gemeindeleben so verwirklichen gestrebt, jede ehrliche lieber- Beugung achtend and ehrend. Viele Jahre hindurch Ist er Mitglied and stellvertretender Vorsitzender der BeprüsentantefrVersammlung gewesen and hat in Ihr wie in zahlreichen Kommissionen and Aussehfissra eine hingebungsvolle Tätigkeit entfaltet. Mit opferfreudiger Liebe bat er vielen Anstalten und Vereinen innerhalb unserer Gemeinde seine Kraft gewidmet. — Die Lanterkeit and Vornehmheit seiner Gesinnung» seine Güte und Liebenswürdigkeit sind in weiten Kreisen anerkannt and geschätzt worden. Wir werden des treuen Gefährten stets dankbar gedenken. Der Vorstand und die Repräsentanten-Ver* Sammlung der Synagogen-Qetneinde Breslan. Am 25. d. Mts. starb unser hochverehrter Ehrenvorsitzender Hen Oeti. Sao.-Rat Dr. Carl Reich. Wir bedauern den Heimgang unseres bewährten Führers, der unsere Organisation gründete, dem Verein viele . Jahre als Ehrenmitglied angehörte und uns stets ein Vorbild aufrechter Gesinnung in «weror Arbeit für das Judentum war. Wir werden ihm, der ans allen ein wohlwollendes Interesse entgegenbrachte, immer ein ehrendes Andenken bewahren. Breslan, den 27. Desember 1921. Mi ~ nlialn. L A.: Brienitzer. Am 25. d. Mts. ist Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Reich verschieden. Wir beklagen aufs Tiefste den Verlast dieses ausgezeichneten Mannes, der, zu den Gründern unseres Vereins gehörig, seit seinem Bestehen als Mitglied des Vorstandes für die Interessen des Vereins und der Schwestern mit weisem Bäte und warmem Herzen gewirkt hat. Sein Andenken wird allezeit in Ehren gehalten werden. Breslau, den 27. Dezember 1921. Der Vorstand und die Schwestern des Jüdischen Schwesternheims (E. V.) f, Nach 7 Vs jähriger fachärztlicher Tätigkeit als Assistenzarzt — seit 1. Juli 1919 an der chirurgisch. Abteilung des Allerheiligen Hospitals (Primärarzt Herr Prof. Dr. Tietze) — habe ich mich als Facharzt für Chirurgie niedergelassen und befasse mich auch mit Gesichtsplastik (Nasen- und Obrenkorrekturen). leb halte werktäglich Sprechstunde von 11—12 und 3—4 Uhr. Ich beteilige mich an Kassenpraxis. Dr. Mont Schreiber Tel. R. 11269. Ring 15, II. Tel. R. 11269. ■\ W.-IibkiM JngeMereill zu SrrSInu I»II»»II»Ii»IIIIIIIIIII!»IIII„»!»I»»»I!II»I!IIIII,IIIII,»I»IIIIIIIIIIII»»II' Montag, den 9. Januar: Uorirag des Sen« LeHkfk Robert Sirschfelb, Berlik Kaiserkrone Kabarett und Tanzpalast Das brillante Programm. Täglich 4—SV, Uhr: Tanz-Tee mttTanzvorfUhrungen. Pension für einen jüd. Kriegsbeschädigten gesucht. Off. unter A. D. 359 an die Expedition der Zeitung. Zn unterem Berlage »st erschienen: M Mauer MHllillWcht d:e für Stadt and Land geltend. Bestrmmungen. Zusammengestellt und erläutert von den Rechtsanwälten Dr. Sttlttz und Dr. Anger in Vreöla«. 80 Seiten. Gr.-8. Preis 10 Mark. 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