Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 42 (23.9.1921)
- Date
- 1921-09-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Stadt verunziert. Gegen die Polizei, welche dieses schändliche, undeutsche und unchristliche Treiben duldet, erhebe ich den Vorwurf der mangelnden Pflichterfüllung. Dr. Stern, Rechtsanwalt." Hannover. Der „Sturm", ein deutschvölkisches Hetzblatt in Hannover, dessen Herausgeber der wegen Betruges mit 2V2 Jahren Gefängnis vorbestrafte Georg Quindel ist, wurde wegen hetzerischer Artikel vom Oberpräsidenten für 14 Tage verboten. DeutschvSlkifche Bücherpolitik. Die Deutschvölkischen haben nun ihren zweiten Roman erhalten, nachdem der erste: Dinters „Die Sünde wider da- Blut", der von der „Deutschen Zeitung" selbst als „reines Tendenztraktätchen mit guter Tendenz und schlechter Kunst" bezeichnet worden war, nicht mehr recht ziehen will. „Volk in Gefahr" heißt das neue Buch; und als Untertitel trägt eS: „Deutschvölkrscher Roman". Nach den Lobsprüchen der „Deutschen Zeitung" muß der Inhalt dem Dinterschen „Tendenztraktätchen" nichts nachgeben; um so mehr aber ist die „Deutsche Zeitung" entsetzt über die „unglückliche Aufmachung" des Werkes durch den Verlag. Böller Entrüstung schreibt das deutschnationale Blatt: .Die erste Auflage von zehntausend Bänden dieses vorzüglichen Werkes sollen unsere Leser so rasch als möglich selbst auflausen, zu eigener Anregung und Erbauung, und, damit der Verlag vor der Herausgabe der Meilen Auflage eine sehr ärgerliche Unüberlegtheit gut machen könnte! Wie kann man nur ein Buch, das so brauchbar Ist zur Aufklärung weitester Kreise über das wahre Wesen des Judentums, seiner dringend nötigen Wirksamkeit: noch unbelehrte Geister zu gewinnen, ahnungslose Herzen zu erobern, so sehr entziehen. indem man das Titelblatt mit dem Hakenkreuz schmückt und das Werk durch den höchst überflüssigen Untertitel „Deutschvölkischer Roman" künstlich auf den engeren Leserkreis beschränkt, der solche ' Bücher eigentlich nicht mehr nötig hat! Für die Menge der doch unbelehrten, jüdisch verführten Deutschen, ist das Werk damit von vornherein wie mit dem Giftzeichen, wie mit dem Totenschädel zwischen den gekreuzten Armknochen gebrandmarkt! Umgekehrt! AlS Bcrleger würde ich von vornherein sogar auf einem geschickteren Titel bestanden haben, der die Gedankenlosen unwiderstehlich anzieht, von der großartigen Sittlichkeit des Stoffes nichts ahnen läßt; im übrigen aber müßte alles getan werden, als Leser die heranzulocken. die ihn brauchen: Den Tavidstern meinetwegen aufs Titelblatt und als Untertitel, wenn schon einer heran muß, etwa: „Zur Tragödie des Judentums unter den Deutschen" oder so. ... So sollte der — auch stilistisch hochstehende Roman viel in die Hände intelligenter Arbeiter kommen. Welcher sozialistische Arbeiter nimmt aber einen mit dem Hakenkreuz geschmückten „deutschvölkschen" Roman entgegen, und wenn man ihn ihm schenken wollte, geschweige denn, daß er ihn besonnen auf sich wirken ließe? Ungelesen an die Wand werfen wird er ihn." ... Bor kurzem hat ein früherer Beamter des preußischen Finanzministeriums ein Buch über den letzten Hohenzollern geschrieben, das allem eher als einer Apothese Wilhelm II. gleichkam. Infolge geschickter Aufmachung, genau nach dem System, das im vorstehenden die „Deutsche Zeitung" dem deutschvölkischen Verlag empftehlt, wurde aber -der gegenteilige Eindruck erweckt, und das Werk fand reißenden Absatz gerade in den deutschnattonalen Kreisen. Darob große Entrüstung in der gesamten rechtsstehenden Presse über diese „bodenlos niärige Handlungsweise", diese „jüdisch - sozialistische Bauernsängevei", diesen „Schwindel". Mit welchem Recht, sieht man aus obigen Ausführungen der „Deutschen Zeitung". Sie haben eben auch eine Moral mit doppeltem Böden, diese Herren, eine für sich und eine für die anderen. Breslau. v. Jüdisch-liberaler Jugeudverein. Der „Jli"-Breslau eröffnet am 26. d. Mts. seine Wintettätigkeit und tagt wie bisher in dem Saale der Gesellschaft „Eintracht", Tauentzienstraße 12 (Eingang nur Anger). Folgendes Atbettsprogramm ist ausgestellt: A. Montag abend abwechselnd: 1. Herr Gemeinderabbiner Dr. Bogelstein: Abraham Geiger (dreiwöchentlich). 2. Herr Rabbiner Dr. Saenger: Die Juden aus denk Balkan (vievwochentlich). 3. Herr Religionslehrer Dr. DavÄsohn: Prophettsmus. 4. Herr Rechtsanwalt Erich Spitz (beginnend im zweiten Halbsemester): Jüdisch-geschichtliches Thema. Herr Erich Bayer: Lätüre uni) Erläuterung der Genesis, unter Berücksichtigung bibelkrittscher Ergebnisse. 6. Oeffentliche Versammlungen. Als Redner sind in Aussicht genommen die Herren: Gemeinderabbiner Dr. Goldmann-Leipzig, Rabbiner. Dr. Dienemann-Offenbach, Dozent Professor Dr. Elbogen-Berlin, Pastor Liz. Moering-Bveslau, Lehrer Robert Hirschfeld-Berlm, Prediger Dr. Coblenz-Berlin. B. Ferner jede vier Wochen in den Räumen der Spinoza- Loge, Schweidnitzer Stadtgraben 9: Beisammensein am Freitag Aberch. 6. Chanukkah- und Purim-Feier. Fveurwe und Anhänger der Bewegung sind als Gäste stets willkommen. Zur Erhaltung der gudustriefchule für israelitische Mädchen. Am Donnerstag, den 15. d. Mts., fand im Repräsentanten-Sttzungssaale der Gemeinde ein« vom Vorstand» ein» lerufene Versammlung statt, in welcher über Mittel und Wege Stellung genommen werden sollte, um die Auslösung der Schuld, deren Bestand gefährdet ist, zu verhüten. Herr Rabbiner Dr. V 0 g e l st e i n schilderte die Lage dev ans ein Alter von 120 Jahren zurückblickenden Anstalt, hob ihre -rzieherische und kulturell» Bedeutung hervor namentlich für Diejenigen Kreise unserer Gemeinde, die ihre Kinder aus be- 'timmten Gründen nicht in die allgemeinen Schulen zu schicken gesonnen sind, wie für die zahlreichen Kinder der Ostjuden, die sonst dem Spotte, Hohn und der Geringschätzung ausgesetzt wären und antisemitische Neigungen sördem könnten. Er dankte weiter dem Lehrerkollegium für seine hingebende Arbeit, das trotz der schwierigsten Verhältntsse ansgeharrt und. sordette zu Vorschlägen auf, wie die Erhaltung ermöglicht wird. In der daraus folgenden Aussprache, an welcher sich der Leiter der Anstalt, Lehrer M 0' 0 p s , die Herren Justizrat G u m p e r t, Sanitätsrat Dr. Staub, dev derzeitig« Präsident der Leffingloge, Dr. Freyihan und Frl. Münz rege beteiligten, erkannte man allgemein die dringende Notwendigkeit an. die Schule zu t* halten. Dt» vovgeschlagene Resolution: Die Versammlung beschließt, eine Werbekommission etnzusetzen mit der Aufgabe, Mittel zur Erhaltung der Anstalt für eine Reihe v«on Jahren aufzubringen, gelangt« zur einhelligen Annahme. Aus Anregung Justizrats Gumpevt bildete sich fofort unter Vorsitz von Santtätsrat Dr. Staub eine Kommission, die aus 30 Personen erhöht werden soll, um alsbald die Werbetätigkeit zu beginnen. Im Verlaufe, der Debatte machte Rabbiner Dr. Bogelstein aus Anfrage die Mitteilung, daß, auch unsere Gemeindebehörden den Fortbestand der Anstalt als Notwendigkeit betrachten und aus die jetzt einzUlettenden Schritte bereits früher empfehlend hingewtesen haben. Wie wir hören, wollm auch ehemalige Schülerinnen, von denen eine Reihe zu angesehenen Stellungen hier und anderwärts gebracht, am nächsten Sonntag tn Räumen der Lesstngloge Zusammenkommen, um auch ihrerseits für das Weiterbestehen der Schule mttzuwirken. 1921 Kalender 5681 Wochentag Monat Sept. 30 T. Freitag Sabbath 23. 24. Elnl 29 T. 20. 2], Sabbath- Au-gang BreSlauö^ Wochenabschnitt Kl2jr'2 5. Bach Bloae Kap. «»-«' Prophetenabschnitt Jesaja 00, 1*88 Reparaturen sofort. Optiker Garai, Albrechtstraße 4* Gottesdienst in den Gemeinde-Synagogen ZU Breslau: WeaeSjnig. 23.,9. Beginn abends 5.450. 5.45 0. 24./9. Migittadiust morgs. Wodiatiftquwi 6.30 0. SptgottesdlsBst vorm. 8.15 0. 9.00 U. Predigt „ — 9.45 U. Joondsottisd. nachm. 4.00 — bchiail abends 6260. 6.28 U. 2Ö./8. bis Beginn morgs. 6.600 6.45 0. 80./9. „ abends 5.450. 5.45 0. Freitag Sbd. An den Woch.- tagen Konfirmation, Alto Synagoge, den 24. September 1921: Theo Wei tt (VaterOberkantor WeiU) WallstraBe 9. Hans T r a m m e r (Mutter Irma) TauentzunstraUe >24. Neue Synagoge, Helmuth Löwenthal (Vater Leon* hard) >chubertstr. 12. Albrecht Schacher Vater Max (tot) Wölflstr. 19. Helmuth Abraham (Vater Philipp) Kunzendotf. Hans Littmann (Vater R A. Dr.) Eichborn» straOe 4. Curt Rosenbäum (VaterMax)Kürassiers;r. 20. Arthur Bloch (Vater Alfred) Opitzstr. 1. Heinz Llpp» mann (Vater Felix) Gabitzs r. i90. Am NeujahrS- und DersöhnungStage findet in de. Räumen des Vereins Machst ke- Thora, Wallstraße, Gemeindehaus Gottesdienst statt. Karieu am 26. und 27. d. MlS. bei Herr W lly Falk, Wallstr. 5. Wir bitten bei Einkäufen auf die DQdiidi - liberal? Zeitung Bezug zu nehmen. Für die Zweigaottesdiensle an den hoben Festtagen wird eine Anzahl Freikarten (Sitze und Stehplätze) Donnerstag, den 29. September, vormittags 9—11 Ahr, in unserem Büro Wallslraße 9 auSgegeben. 8« iitimi t« Smatuitii-Cmriiiit. An unicitm K, ank.nhause ist die Jnspektorstelle am I. Januar 1922 z« besetzen. Dt« Stelle tn prnsionrbnrchiiql. Die Anrechnung ven Dienstjahren IN gleicher Stellung dleibl besonderer ^rreinb imig Vorbehalten. Bewerber jütschen Glaubens, ledig oder vrrhriiatet, nnv zwar nur solche, die Un'jährige Ersahiung im VerwaitungSsache und im Kranfmhaukweim vesitzrn, wollen idr Gesuch unter Beisü ung von LebenSlaus und ZrugniSabschnfien, sowie unter Angabe der Gei»alt»au>ptüchr vaidigil an den umetzeichneten Notstand ein« rtcken. Brettan, den IS. September 1921. Hohrnzvlletnftr. 66. Oer OorlM Cer HmIlWn kraM-vnOgliW-Wsil. JoSI-Gebete Ten ü tttr Neujahr und Versöhnihiqstag sind wieder erschienen n in best, tfiiedensausstattg. lielerbar in: Leinen Marmorschnitt Mk. 43.—, Leinen echt Goldschnitt Mk. 48.50 Knrlstr. ZO JaKOb B.BrandelS TO; 1.2123 Breslau I. Zentralverein d. St. j. Ql. Ortsgruppe Breslau Jonnabend abend 872 Uhr pr. General - Versammlung 11111111111(1111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111! im großen Saale der „Gesellschaft der Freunde". Einlaß nur gegen Vorzeigung der Ubersandten Einladungskarte. Für die gch empfehle meine rrfttlasfige» Equipagen z« Hochzeiten »nd Beerdigungen. Aas. Petrok HocM. BsrÄERSPSS Jetzt: Breslau, Fischergasse iS. — Tel. R. 1278 Zahnarzt Dr. Egon Guttmann Rosenthalerstr. 43, Sprechstunden 9—12,3—6 Uhr. Tel. K. 1637 SZ Kaust nur bei Inserenten! 35 I Im Berlage von E. A. Schwetschke Sc Sohn ) 1 erschien soeben: j iM mit tat rcrtit?! e I Beantwortet durch kritische Beleuchtung | | des zweiten Teils von e f Öelitzschs „Die grosse Täuschung" | von Eduard König Dr. litt. Semit., phil., theol. ord. Prof. u. Geh. 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