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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-09-16 · 41 (16.9.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
41 (16.9.1921)
Date
1921-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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bettervertreter!). Die Arbeiterführer wollten die Organisation zwingen, die kooperative Wirtschaft sortzusetzen, und sie haben künstlich Arbeitslose in Palästina geschaffen- Bei der städtischen Kolonisation ist es, sagt dev Redner, ein Hauptfehler, daß wir keine tüchtige»» Schneider, Schuhmacher, Schlosser, Tischler ufw. haben. Daher müssen die Arbeiter das erworbene Geld wieder zu den Arabern tragen. Wir haben wohl einige höhere Schulen, sogar drei Musikschulen und es fehlt uns nicht an Prosessoren, Aevzten, Ingenieuren, aber wir haben keine G e - wer de schule, aus denen tüchtige Handwerker herangebildet werden können. Bezeichnend ist, daß die Söhne dcr Ansiedler im Auslande studieren und die Handarbeit den älteren Kolonisten überlassen. Redner beamragt, zugleich im Austrage der amerika- Nischen Delegation, daß eine Kommission von fünf anerkann ten Fachleuten, möglichst aus einem Lande, das ähnliche landwirtschaftliche Bedingungen ausweist, wie Palästina, die Verhältnisse ein Jahr lang studiert und einen Kolon»- s a t i v n s p l a n ausarbeitet. Justizrat Dr. Bodenh e i m e r -> Köln stellt als einer der ältesten Ziopisten fest, daß trotz aller Fehler gewaltige Fortschritte im Palästinawerke gemacht worden seien. Die landwirtschaftliche Kolonisation sei sehr wichtig, sie erfordere aber lange Zeit und große Geldmittel. Für die politische Eroberung des Landes ist es in erster Linie Wichtig, die S t ä d t e zu besiedeln. Der Jude ist meist Stadtbewohner. Wir müssen Städte begründen und neue Industrien schaffen, wo wir Arbeiter beschäftigen können. Erst mit diesen Städten wird die Absatzmöglichkeit für die Erzeugnisse der Kolonien geschaffen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. In 5 Jabren müssen wir die Majorität im Lande haben. »Starker Beifall.) Redner denkt vor allem an die hochentwickelten Industrien und Gewer'bezweige in Polen und Rußland. Es sei schleunigst zu untersuchen, in welcher Form man diesenach Palästina übertragen könne. Aus Antrag Lichtsteims wird einstimmig die Verlegung der Nationalfonds nach Jerusalem ausgesprochen. Verschiedene Arbeitervertreter verlangen Fortführung der Kollektivwirtschaft und lehnen die intensive Bewirtschaftung ab. Sie weisen darauf hin, daß auch alle Sachverständigen die ertensive Landwirtschaft als die allein mögliche erklären. Weiter wird auch in der Debatte betont, daß man nicht bloß immer die Arbeiterinteressen in der Kolonisation in den Vordergrund stellen solle, sondern auch an den in Rußland und Polen stark verbreiteten Mittelstand denken solle. Diese Debatten wurden meist in Jiddisch geführt. Die Hauptarbeit wird in den verschiedensten K o m in i s s i o n e n geleitet. Es ist eine politische Kommission gebildet worden, in der vornehmlich die A r a b e r f r a a e, die Fraee des Verhältnisses zur Mandatarrnacht, die Frage der Grenze und des Schutzes gegen Ueberfälle zur Erörterung gelangen; ferner wird eine Pa-, lästinakommission mit Subkommissionen die Fragen der Einwanderung. der Kolonisation und des Schulwesens, eine Finanzkommission über die Aufbringung des sehr erheblichen Geldbedarfs, über die Verwaltung der Finanzinstitute und des P a l ä st i n a - Grundfonds (Keren-Hajefsod) zu beraten haben,, und endlich eine Organisationskommission, welche Vorschläge für die durch das Anwachsen der Bewegung erforderlichen Aenderungen des Organisationsstatuts zu machen hat. Im Plenum des Kongresses wurden inzwischen nach den Referaten von Tr. R u p p i n und Professor W a r b u r g eingehend die Kolonisationsfragen erörtert. Tie Sitzungen dauern unter lebhaftester Teilnahme des Publikums bis tief in die Nacht hinein fort, »ind es ist nichts Seltenes, daß noch in den ersten Morgenstunden die Redner ein bis zum letzten Platz gefülltes Haus finden, das mit gespannlester Aufmerksamkeit ihren Darlegungen folgt. Aus dem Referat Dr. Ruppins ist noch nachzutragen, daß er insbesondere die i n d u st r i e l l e n Ausbeut ungsmöglichleiten in Palästina beleuchtete. Notwendig sei. so meinte er, eine Aenderung des gegenwärtigen Zollsystems, damit den in Palästina erzeugten Waren besserer Zollschutz gewährt werde. Unter dieser Voraussetzung hätten besonders günstige Aussichten; Konservenindustrien, Oelfabriken, Gerbereien, Zuckerfabriken, Tabakfabriken, Baucküd Möbeltischlereien und die Uhrenindustrie. Große Hoffnungen setzt Dr. Ruppin auch auf die Beteiligung amerikanischer Industrieller, die bereits einen verheißungsvollen Anfang geniacht hätten. In der letzten Plenarsitzung verlas Nahum S o k o l o w ein Telegramm, welches der englische Kolonialsekretär Churchill an den Präsidenten der zionistischen Weltorganisation. Dr. W e i z - mann, gesandt hat. In dem Telegramm heißt es wörtlich: Uebermitteln Sie bitte dem Kongreß die h e r z l i ch st e n Wünsche von Seiner Majestät Regierung, die zuversichtlich glaubt, daß Ihre Bemühungen. Palästina als ein blühendes und glückliches Land wieder aufzubauen, wo Juden und Araber in gleicher Weise an der Sicherung des gemeinsamen Gedeihens Zusammenarbeiten, von Erfolg gekrönt sein werden." __ Breslau. Generalversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Breslau. Am ^Sonnabend, den 24. d. Mts., SV* Uhr abends, findet im großen Saale der Gesellschaft der Freunde, diene Grauperrstraße 3/4, die Generalversammlung der Ortsgruppe Breslau mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vorsitzender Justizrat Hirschberg: Unsere Stellung zur Ostjuderrsrage unb zur Bewegung Naumann. 2. Syndikus Rechtsanwalt Focrder: Unser Kamps in Breslau während der letzten zwei Jahre. 3. Schatzmeister Herr John Levi: Was haben wir'? Was brauchen wir? 4. Wahl 'des Vorstandes. 5. Freie Aussprache. « Am Sonntag, den 25. d. Mts., vormittags 10 Uhr, firubct im kleinen Saale der Lefsing-Logc die Landesversanrntlung der Delegierten Niederschlesiens statt. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Breslau, teilt uns mit: Am 5. d. Mts. wurde auf der Teichstraße ein jüdischer junger Mann, der mit eiirer christlichen jungen Dame und deren Mutter ging, von einem Angehörigen des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbnndes angerempelt und mit de»» unflätigsten Beleidigungen überschüttet, die sich teilweise auch gegen seine Begleiterinnen richteten. Bei dein hierdurch er»tstehende»r Auslauf drängten sich auch einige dcutschvölkischc Jünglinge an den Rohling heran und stellten sich ihin mit den Worten als Zeugen zur Verfügung, „berufen Sie sich nur auf uns, cs kommt uns auf eine»» 'JOicincrb nicht an". Diese Aenßcrmrg, die durch eine ganze Anzahl von Zeuge»» bewiesen werden kann, ist charakteristisch für die Glaublvürdigkeir eidlicher Bekundunge»» von Leuten jener Kreise. Wer zunr Morde fähig ist, wird freilich auch vor den» Me»neid »»icht zurückschrecken. Repräsentantenversammlung. Nach längerer Pause trat am letzte»» Domuag die Revräsentantenverslammlung unserer Gemeinde zusammen, u»n eine umfangreiche Tagesordnung auszuardeiten, in der es sich zumeist um Bewilligung von Beihilfen 'handelte. Man vermißte auf der Tagesordnung eine Besoldungsvorlage, die oie Bezüge der Gemeindedeamten den herrschenden Teuerungs- Verhältnissen anpaßte. Die zu diesem Gegenstände eingegangenen Gesuche von Gemeindeveamien und Angestellten wurdcn der Gehallskommission überwiesen und diese ermächtigt, ar» die Gesuchsteller alsbald Vorschüsse zur Auszahlung zu bringen. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsteher der Versammlung dem verstorbenen ehemaligen Vorstandsmitglied«: David M u g d a n Worte dankbaren Gedenkens. Die Versammlung erhob sich zu seiner Ehrung von ihren Plätzen. Alsdann begrüßte der Vorsitzende und nach ihm der Vorsitzende des Vorstandes den neuen Verwaltungsdirektor, Herrn Dr. R e ch n i tz , und erhielt das Einverständnis der Versammlung dazu, daß dieser in Zukunft in der Versammlung zu Worte käme, um die Vorlagen des Vorstandes vertreten zu können. Nach der Annahme einer Anzahl von Zuwendungen für Grabpflege-zwecke bewilligte man eine Beihilfe von 3000 Mark für die Mische Avbeiterfürsorge in Breslalu und den gleichen Betrag für die notleidenden Juden in der Ukraine, ferner 300 Mark außerordentlich dem „Israelitischen Mädchenbort", hier, .1000 Mk. dem Jüdischen Frauenbund zwecks Unterbringung von Kindern in Segeberg, einmalig 1000 Mk. für das Oberschlesierhilsswerk (Berichterstatter Herr Max Freund) und eine einmalige Unterstützung von 10 000 Mk. dem Jüdischen Schwestemheim. Derselben Institution übergab man ein zinsfreies Tarlehn von 58 000 Mk. zur Herstellung einer Dienstwohnung für den Verwaltungsdirektor in ihren Räumen, das durch die Mietszahlung abgetragen werden soll. Der Vorstand versprach sich zu bemühen, auch für die bisher nicht versorgten Beamten Wohnungen zu beschaffen. Der Gebi'vhrentaris für Leistungen der Synagogen erfuhr eine zeitgemäße Erhöhung. Mit den neuen Preisen für die Platzkarten in den Synagogen und Zweiggöttesdiensten erklärte sich die Versammlung mit der Abänderung einverstanden, daß die Plätze in der neuen Synagoge aus Gerechtigkeits- 7.» linden wie in der alten um 100 Prozent gegen den Friedenspreis erhöht würden. Der Tarif für die Prüfung zu errichtender Grabdenkmäler wurde festgesetzt, die Ausraben für die Instandsetzung der neuen Synagoge und deren Orgel mit 88 000 Mark genehmigt und «ine vermehrte Anstellung von Aufsehern für die neue Synagoge gutgeheißen. Die kurze geheime Sitzung bewilligte Zuschüsse, Beihilfen, Umzugskosten und Vergütungen für Mehrarbeit. Zu der in der vorigen Nummer erschienenen Noti; aus Altheide teilt uns Herr Dentist Georg Leo, Leipzig, mit, daß der eine Belohnung von 300 Mk. aussetzende Anschlag der Kurdirektion auf seine Veranlassung erfolgt ist, nachdem er dort von einem Hakenkreuzler tätlich angegriffen worden war. Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Breslau. Wir »veisen ausdrücklich darauf hin, daß an jedem Montag A b e n d eine V c r a n st a I t u n g des „I l i" stattfindet, unb wir bitten 'unsere Mitglieder. sich auf jeden Fall diesen Abend freizuhalten. Auf unseren Ausruf für die „Jüdische Kinderhilse" e,i,;gen uns ser»»evhin zu; I. Meverhoff, Berlin .... 10 Mk. Kantorowicz u. Co., Breslau . . . 500 Mk. Sa. 510 Mk7 Theater-Nachrichten. Lobetheater. „Der Sta r." Hermann Bahr nennt es ei»r Wiener Stück. Diese eigentlich nichtssagende Bezeichnung, aus der man nach Belieben viel oder we»»ig herauslesen kann. deckt eine nicht unbekannte Handlung. Tie ersten beiden Akte scheinen einen guten Wurf zu verraten; man sieht einen guten Aufbau und eine geschickte Hinleitung zu einen» logisch erscheinenden Höhepunkt. Aber dann kommt der Abstieg! Ter dritte Akt enttäuscht an sich schon d»»rch seine Langatmigkeit und mangelnde Logik, aber den vierten Akt könnte man getrost missen, da er von Unmöglichkeiten strotzt. Ein kleines Bürgermädchen. das den Helden durch einen unverständlich begründeten, an den Haaren herbeigezogenen Besuch in seiner Jnnggesellenbude zu der ebenso unverständlichen plötzlichen Verlobung bringt, ist zum mindesten eigenartig. Dir Spielleitung des Herrn Wilhelm L i ch t e n b e r g tat ihr Möglichstes, um die Gefechtslage zu retten. Wenn die beiden letzten Akte nicht ganz ins Wasser fielen, so war es zu einem beträchtlichen Teile sein Verdienst. Max Schliebener verspricht noch manche interessante Leistling, er muß sich aber mehr Routine aneignen; man hat oft den Eindruck, daß er seine Arme und Beine nicht unterzubringen weiß. Hier könnte die Regie viel Gutes wirken. Frau Maria Fein bot wieder eine erstklassige Leistung und erschöpfte den Inhalt ihrer Rolle voll und ganz. Gottfried Falkenhausen als Tr. Rohr spielte seine Rolle geschickt und mit Wärme. Eine ergötzliche Type war der Indra des Herrn Lichtenberg, ebenso Julius A r n f e l d s Peter Gallus und Oskar Höckers betrunkener Holzhändler. Karl Zistig markierte ausgezeichnet den Katzenjammer des bezechten Kapellmeisters, während die Tragödin des Fräulein Stoff etwas zu stark karrikiert war. Tie kleineren Rollen waren durchweg gut besetz:. W. Sch. Kabarett Kaiserkrone. Das glänzend renovierte Lokal bietet ein Kleinkunstprogramm selterier Güte. Ena und Ossi Waiden, wohl das beste deutsche Tanzpaar, bilden den Trumpf des Ajbends; an sie reihtzn sich würdig Julius Joseph» als Humorist und Ansager, A st a F e l a als Phantasie- und Charaktertänzerin und K i t t y s Marmorskulpturen, die beiden hochwertigen Duette O t t und L v, und Willy und Senta Lueca vervollständigen das Glänzprogramm. Die Kapelle Grein er ist wie immer La. W. Sch. 1921 Kalender 5681 Wochentag Mo Sept. 30 T. aat Elul 29 T. Sabbath- Ausgang Wochenabschnitt Prophetenabschniti Freitag Sabbath 16. 17. 13. 14. Breslau 6^ rnri "3 5. Bach Mose Kap. 2110—25‘9 rnpy; ’jn Jesajah 64,1-10 Reparaturen sofort Optiker Garai, AlbrecHtstraße 4. Gottesdienst in den Gemeinde-SynagogenI ZD Breslau: UteSynag. HensSynag. Freitag 16./9. Beginn abends 6.00 U. 6.00 ü. Sbd. 17./9. FrObgottesdienst morgs. WodKDtagsrat. V Hptgottesditnst vorm. 8.15 ü. 9.00 U. n Predigt „ — 9.45 U. w Jagendgottesd. nachm. — 5.00 ü. Schluß abends 6 45 U. 6.45 U. An den Woch.- 18./9. bis Beginn morgs. 6.30 ü 6.45 ü. tagen 23./9. abends 6.00 U. 6.00 ü. Konfirmation, Neue Synagoge, den 17. September 1921: Pranz Lippmann (Vater Hugo, Regierungs* und Baurat, Hohenzollernstraüe o7/39. ■ » Für Kommende Feiertage » > Soeben erschien: Israels Feste und Gedenktage \on Albert Katz gebunden [Mb. 14.—, mit LeinenrficKen Hk. 15.—. Eine Sammlung von 27 Abhandlungen, in mannigfacher Form und Darstellung, fast alle Pest- und populärsten Gedenktage des Jahres umfassend. 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