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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-09-02 · 39 (2.9.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
39 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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schaftSkörper so etnzugltrLern, daß von ein« Schädigung vieles Körpers nicht mehr gesprochen Werve« kann, so ist sie, was vie Kategorie der Durchwandern anlangt, notwendigerweise auf die größtmögliche Abkürzung des Aufenthalts dieser Leute in Deutschland gerichtet. Auch hier ftnvwesentliche Erfolge zu verzeichnen. Es ist heute dem weitaus größten Teil der Durchwanderer möglich, Deutschland fast ohne nennenswerten Aufenthalt zu passierrn, da die ameri. konischen Einwanderung Abschrankungen für sie als »Ver. folgte" erleichtert sind, und es wird dafür gesorgt, daß alle diejenigen Leute, deren Zuwanderung sich nach genauer Prüfung der Verhältnisse als unbegründet und sinnlos her. ausgestellt hat, so bald wie möglich wieder in ihre Her. kunftsländer abgeschoben werden. Es bedarf fernerhin keiner Betonung, daß kriminelle Elemente der Fürsorge der Mi. schen Institutionen in keiner Weise teilhaftig werden. Das Arbeiterfürforgeamt der Mischen Organisationen Deutschlands stellt durch seine im obigen kurz dargestellte Tätigkeit in der Bewältigung der für Deutschland aus der ostjüdischen Wanderung entstehenden Probleme einen nicht mehr auszuschaltenden Faktor dar. Die deutsche Oeffentlich. keil wird gut daran tun, ihre Aufmerksamkeit einem Werk zuzuwenden, das unter schwierigsten Verhältnissen den Deut* schen Interessen die größten Dienste leistet. Dr. Alfred MareuS. In der Russischen Zeitung" heißt es in einem Aufsatz, betitelt: Vom burschenfchaftlichen Geist. Ein Wort an meine Bundesbrüder: Und dann der Antisemitismus. Man will angeblich nicht ihn, sondern man will den völkischen Geist hervorkehren und definiert völkisch als das Positive, dem das Antisemitische als das nur Negative gegenüberstände. Dennoch bleibt die Gefahr, daß der bewußt deutsch denkende nichtarische Mitbürger unter den arischen Ausländer und Feind gestellt wird. So lange das möglich ist, so lange ist die innere Eircheit (ohne die der Weg zur nationalen Machtgewinnung ungangbar ist) ein bloßer Traum. So kann, scheint mir, auch das „positive" Völkische ein Element der Zersetzung sein. Innerer Zusammenschluß aus sozialer Grundlage — das muß einer der geistigen Grundpfeiler der deutschen Burschenschaft sein. Daß er nur auf der Basis staatsbürgerlicher Gleichberechtigung, also der Demokratie, erfolgen kann, versteht sich dabei von selbst: die riesigen Leistungen, die in den kommenden Jahren von jedem einzelnen Deutschen verlcngt werden, können nur von politisch gleichberechtigten Menschen vollbracht werden. So wünsche ich mir die geistige Grundlage der heutigen Burschenschaft: Bor allem andern national, des weiteren aber sozial und (nicht parteipolitisch) demokratisch. Das ist der Geist, der in dem dritten Vers unseres Deutschland-Liedes liegt: Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, danach laßt uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand. Ich glaube, daß, wenn dieser Vers als Bekenntnis gesungen würde statt des heute so beliebten Ehrhard-Liedes („Hakenkreuz am Stahlhelm, schwarz-weiß-rotes Band, Wikingerschiff am Aermel, Kaiserkrone am Knopf"), das eher burschenschaftlichem Geist entsprechen würde. Breslau. MdI»« Dr. WM'» MMMslWr WHWtt. Kurz vor Jahresschluß ist soeben nach mehrjähriger Pause, die durch Kriegsverhältnisse verursacht war, Dr. Heppners Jüdisch-literarischer Abreißkalender für das Jahr 6682 erschienen. Papier, Ausstattung und Druck sind überraschend gut und lassen von den Schwierigkeiten, mit denen gegenwärtig alle Veröffentlichungen zu kämpfen haben, kaum etwas in die Erscheinung treten. Der Kalender enthält außer den kalendarischen Angaben für das jüdische und für das bürgerliche Jahr Notizen über Gedenktage, literarische Hinweise, einzelne Uebersetzungen neuhebräischer Poesien und biblischer, talmudistischer oder rabbinischer Sitten- oder Weisheitssprüche und die Bilder einiger bedeutender Männer. Der gelehrte Verfasser, dessen Verdienste um die Erforschung der Geschichte der Juden in der Provinz Posen und um die Verbreitung der Kenntnis dieser Geschichte bekannt sind, hat mit großem Fleiß die Daten namentlich aus der neuesten jüdischen Geschichte zusammengetragen und in dem Kalender verwertet. Ob Die Auswahl der angeführten Persönlichkeiten stets das Richtige getroffen hat, mag bisweilen bezweifelt werden. Vielleicht hält der Verfasser in Zukunft strengere Airslese und gibt mehr Daten aus der jüdischen Geschichte als Angaben von Persönlichkeiten. Jedensolls kann der Kalender bestens empfohlen werden. Rabbiner Dr. Vogelstein. Gründung einer neuen jüdischen Andachtsstätte im Süden Breslaus. Am Sonnabend, den 27. August, fand ln den Räumrn „Vereinigte jüd. Lehrzirkel", Viktoria, straße 68, eine Versammlung statt, in welcher nach längerer Aussprache der zahlreich erschienenen Interessenten ein Ver. ein gegründet wurde, der den Namen. „Oh e l Jakob" erhielt. Der Zweck des Vereins ist die Gründung einer Mt. schen Andachtsstätte im Süden Breslaus. Die Leitung der Angelegenheit liegt in den Händen von Herm Robert Markus, Höfchenstraße. Wie wir erfahren, handelt es sich bei den dort abzuhaltenden Gottesdiensten um Andacht nach orthodoxer Art. Ablösung von Reujahrsgratulationen. Die Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands teilt mit, daß die Ablösung von Neujahrsglückwünschen durch Spenden erfolgen kann, die bis spätestens 10. September an das Büro der Arbeitsgemeinschaft unter der Adresse Alfred Berger, Breslau 7, Höfchenstraße 61, Postscheckkonto Breslau 17 443 zu richten sind. Die Namen der Spender werden in der noch vor der Feiertagen erscheinenden Nummer der „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft" veröffentlicht. An wetteren Beiträgen für unsere Sammlung für dir .^Jüdische Kindechilfe" siuo eingegangen: Hans Warn, Berlin ........ 20 Mk. Paul Fuß, Breslau ..30 , M. Stttenfeld, Freiburg i. Schles.25 „ S. Nebel, Breslau.25 , Amtsgertchtsvat Dr. Erich Schwenk, Görlitz, (Ueberschutz eines Konzerts des Kantors Paglin- Dresden vom 5. 7. 21 .100 * Rechtsanwalt Dr. Scharfer, KönigshÜtte, (anläß. ltch der Geburt seines zweiten Sohnes) - _._200 „ 400 Mk7 Theater-Nachrichten. Lobetheater. „Die Nibelungen", erster und zweiter Teil. „Und redermann erwartet sich ein Fest". So harrten am Mittwoch ungezählte Scharen des ersten Be. fühtgungsnachwetses, den die neue Direktion der Vereinigten Theater unter Paul Barnay im Lobetheater erbringen wollte. Und man muß sagen, daß es ihr gelungen ist. Wenn auch Kleinigkeiten manchmal nicht ganz so waren, wie man es sich gewünscht hätte, so waren eS eben doch nur Kleinigkeiten, und der einheitliche Zug, der durch das Ganze ging, dasdeutliche Streben nach künstlerischer Aus. gestaltung durchflutete die ganze Arbeit des Abends. Gerade Hebbels Nibelungenttilogie ist wie wenige Trauerspiele ge« eignet, einen Ueberblick über die schauspielerische Leistungs« sätzigkett einer größeren Anzahl von Solokrüsten zu ge. währen, aber es stellt auch an Regie, wie an die Darstellung sehr hohe Anforderungen. Die von Paul Barnay selbst geführte Spielleitung schuf eigenartige, nicht uninteressante Wirkungen mittels einer fein empfundenen Stilbuyne; von der Sttlwidrigkeit, die gerade die Stilvüynen so ost unerträglich macht, blieben wir diesmal verschont. Zu erwähnen ist auch der bedeutende Anteil, den die Auswahl der Beleuchtung an der Herstellung stimmungsvoller Büynea« bilder hat. Auch hier eine abgeschlossene, gute Leistung. Die Darstellung stand auf einem künstlerisch höchst beacht, lichen Niveau; überragend war Maria Feins Kriemhild. Die unendlich sorgfältig ausgesührten dynamischen Schattierungen beim Uebergange vom unschuldigen Mädchen zur pissenden Gattin und von da zur rasenden Rächerin feigey Meuchelmordes gelangen ihr in vorbildlich hohem Maße. Karl Z i st i g als Hagen Tronje tat oft des Dämonischen etwas zu viel und wirkte auch sonst nicht natürlich genug. Besonders vermochte er die psychologische Herausarbeitung der Umwandlung von Bewunderung in Neid, von Mannestreue in verbrecherischen Eigennutz nicht zu treffen. Gottfried Falkenhausen als Günther bot eine durchaus zufriedenstellende Leistung, ebenso Hilma Schlüter als Amme Frigga. Frau Schlüter möchten wir noch in größeren Ausgaben sehen; sie scheint eine starke Begabung mit bester Schule zu verbinden. Der Siegfried des Herrn Oskar Höcker war eine lichtsrohe Erschei. nung. Nach Gestalt, wie nach Sprache und Darstellung verstand Herr Höcker es, die Wittungen dieses sonnigen Helden glaubhaft zu gestalten. Nicht uninteressant war H e d d a Lembach als- Brmrhild. Allerdings ist an ihrer Technik noch so manches auszusetzen; so z. B. ist sie oft nicht zu verstehen, besonders in Szenen der Leidenschaft oder des Grübelns. Aber wenn man ihre schauspielerische Auffassung der Rolle betrachtet, so wird man aufmerksam. Auch sie möchten wir noch in anderen Rollen sehen, ehe ein abschließendes Utteil möglich ist. Die Chargen waren ungewöhnlich gut. Besonders angenehm berührte das Hochziehen des Vorhanges bei verdunkelter Bühne, während die allzu häufig angewandten, meist sehr unreinen Trompeten nicht gerade sehr angenehm wittten. Wenn man aber von solchen unbedeutenden Kleinigkeiten absteht, so kann man der neuen Direktion nur zugesiehen, daß der erste Abend durch, aus als Erfolg zu verbuchen ist. Das ausverkauste Haus sparte denn auch nicht mit dem wohlverdienten Beifall. Hoffentlich lohnen die Breslauer der neuen Direktion die unendliche Mühe und die hohen Unkosten nun auch mit um so regerem Theaterbesuch. Das Lobetheater, wie es jetzt ist, verspricht endlich wieder eine Breslaus würdige Kunststatte zu werden. Nun mag Breslau zeigen, ob es dies zu schätzen weiß-. W. Sch. 1921 Kalender 5681 Wochentag Mo Sept. 30 r. tat Ab 30 r Sabbatb- ÄjuSaang Wockienabschnitt Prophetenäbschnitt Freitag Sabbath 2. 3. 29. 30. Breslau?^ NRN 8 8uc-ii Uose Kap. 11*«—16” 'n -na« ns Jes 54, 11—17, 55, 1-5 Reparaturen sofort. Optiker Garai, AlbrecHtstraße 4. Gottesdienst In den Gemeinde - Synagogen reitag 8bcL n den S7och.- taeen 2.(9. beginn abends 6.‘J0U. 3./9. frühgotindinst moxgs. Woduntigssynimi 6.30 ÜJ Hptgottesdimst voim. 8.15 ü. > red lut ,, 9.45 U. JngdsottesdiBMt nachm, — öchluli abends 7.18 ü. 4./9. bis Beginn morgs. e.cso u 9. 9. abend?- 6.30 ü. 6.300. 9.00 U. 10.00Ü. 5.10 U. 7.18V. 6.45 ü. 6.80 ü. udolf lossek (.ater )uuus, o<>, rnst G u Ids t ein Vater Emil, Fe.datrabe 21/23). Die Erneuerung der Platzkarten für 1921/22 erfolgt für die bisherigen Inhaber bezüglich der Plätze: in der Alten Synagoge vom 7.— 9. September „ „ Neuen „ „ 12.-14. „ im Konzerthauslaale „ 16.—20. „ „ Kammermusikjäale am 22. , „ Freundeiaaie * '^3. » yermannloge * 24. „ nur vormittags von v—1 Uhr. Wallstratze v Nach Ablauf der Frist findet eine Erneuerung nicht mehr statt. Die Preile der Platzkarten sind erhöht. Die freien Platzkarten für obige Gottesdienste werden auf Grund von Ordnungc nummern, die vom 6. September zur Ausgabe gelangen, vergeben. Im §aale der Lessingloge findet em weiterer Gottesdienst nach altem Ritus statt. — Briefliche oder telephonische Anfragen können nicht berücksichtigt werden. Sn jlntBOiili Der jpoiOitn-StratliiDf. Für den Ehor der Alte« Synagoge werden jüdische Herren als s*r Tenöre bei hohem Gehalt gesucht. Meldungen an Büro der Synagogen-Gemewde, Walistr. 9. ff ’( Ich habe meine Praxis von NamSlau " in Schlesien nach Breslau verlegt. Sprechstunden: 9-2, 3-6. Zahnarzt Dr. Egon Guttmann Rosenthalerstraße 48 L — Tel. Ring 1637. fegssssss^Hisgysssasscsg Statt Karten Die Trauung meiner Tochter Gisela mit Herrn Manfred Metzner findet am 11. Septbr. 1921, vorm. 11 Uhr In der NeuenSynagoge statt Breslau X, Kohlenstr. 8. Kriene Cohn geb. Neumann Neue öchu/eiidnitierstr, 5 -N Ske j&Geaanle ^rmßcmdiifir H jetten u. Domen kaufen SCe j^ul und vortei&afi AmftcCd Rcsmtfiaf gch empfehle meint erstklassigen Equipagen §n Hochzeiten nun Beerdignngen. Am. PetraR Mi. SäsrÄiStSP» Jetzt: «reelan. Fischergasse IS. — Lei. R. 1S78 f 7nfnlsur-13üro Curt lüaeöer V Junkcrrutraße 19 beseitigt schnellstens Störungen in elektrischen Anlagen und übernimmt CLusführunp uon UZeuanfagen jeden Umfange* Ternruft Zapdienst/ tXac&tdlenstt -r. 9193. 4916. J Braucht Ihr Licht, IIDIIIIIIlllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll,II,„„IIIIII,,,,,,,, so ruft mich! IlIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlIIIIIIIIIIIIIIIIIlIIIIIIIIIIIIlIIII!IIIlIII»lI»I!IIIIIIIIII Richard kellert Eelektrlsche Licht- und Kraftanlagen Gräbschenerstr. 39. Frelburgerstr. 17 Telefon Ring 7901 Rabbiner Dr. ßeppner’s M-Liternrisdier Abreiss-Kniender ist Zu beziehen durch den Buchhandel. Preis 7.50 fl)k. 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Für die Bekanntgabe von Familien-Nachrichten buten wir die SM" Aüdisch-liberale Zeitung "W ständig zu benützen — Srmähigte Anzeigenpreise £■ Kauft nur bei Inserenten! 3S Herausgeber: Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Ludwig Davidsohn in BreSlau. Druck und Kommissionsverlag: Th. Schatzky, Buchdruckerei und Verlagsanftalt, G. m. d. H.» BreSlau QI, Neue Graupenstraße 6.

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