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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-08-19 · 37 (19.8.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
37 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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als größte Schieber von Memmingen" hingestellt und auf dem Wege zum Gefängnis beschimpft, angespien und verprügelt. Nachdem Rosenbaum ins Gefängnis eingeliefert war, stürzte sich die tobende Volksmenge auf einzelne Wohnungen von jüdischen Geschäftsleuten und versuchte dort einzudringen. Es war ein regelrecht organisiertes Treiben, das dann gegen die Juden einsetzte. Aber dabei blieb es nicht. Die ganze Bewegung ging in kommunistisches Fahrwasser über. In der stürmischen Sonnabend-Nacht konnte man dann seitens der Tumultanten Rufe hören, daß es nun gegen alle Kriegsgewinnler gehe. Dabei wurden Namen und Firmen auch nichtjüdischer Geschäfte genannt. Noch Sonnabend spät nachts zog ein Trupp von Demonstranten, anscheinend von unzufriedenen Arbeitern der Firma Magner-Schulz geführt, vor die Wohnung des Inhabers dieser Firma und schlug dort mehrere Fensterscheiben ein. Der Sonntag verlief im großen und ganze» ruhig, wenn auch die errate Stimmung unter der Bevölkerung noch nicht ganz gewichen war. Eine Deputation der Demonstranten, unter Führung des kommunistischen Abgeordneten Mohring, begab sich auf die Polizeiwache und forderte Aufschluß über angebliche dunkle Manipulationen der Firma Benno Rosenbaum. Nachdem die Deputation die geforderte Aufklärung erhalten hatte, entfernte sie sich. Vreslau. Gegen das Hakenkreuz. Der Zentvalverein deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens, Ortsgruppe Breslau, teilt uns folgendes Schreiben mit, das er an die Redaktion der „Schlesischen Zeitung" gerichtet hat: Sehr geehrte Redaktion! In der Nummer der „Schlesischen Zeitung" vom 31. Juli d. I. bringen Sie undrr der Ueberschrist „Angriffe gegen das Hakenkreuz" einige Vorfälle zur Sprache, in denen dieses Abzeichen seinen Trägern gewaltsam abgenommen wurde. Sie knüpfen daran die Bemerkung, das Hakenkreuz sei ein uraltes Kultabzeichen und werde auch von Ausländern getragen; Träger des Davidsternes feien noch nicht angegriffen worden. Hierzu gestatten wir uns, Ihnen folgendes mitzuteilen: Die Ausschreitungen und Gewalttaten gegen Träger des Hakenkreuzes sind durchaus zu verurteilen. So bedauerlich sie sind, so begreiflich werden sie jedoch für den, der weiß, daß gerade unter dem Zeichen des Hakenkreuzes gegen die jüdischen Mitbürger Gävalt gepredigt und ausgeübt wird. Insofern ist es durchaus verkehrt, den Davidsstern mit dem Hakenkreuz in eine Reche zu stellen. Denn noch nie hat ein Träger des Davidssternes das gleiche gegen Andersgläubige gewollt oder getan. Daß das Hakentvmz mit Recht als Abzeichen der Gewaltanwendung geriche gegen Juden gilt und dafür selbst in den Kreisen der Deutschnattonalen Volkspartei gehalten wird, mögen folgende einwandfrei festgestellte Tatsachen beweisen: 1. Ende Juni d. I. durchzog eine Selbstschutzabteilung Kreuzburg O.-S., die mtt Hakenkreuzen versehen war, eine Fahne mtt einem großen Hakenkreuz sich vorcmtragen ließ und dabei -antisemitische Lieder sang. 2. Ende Juni d. I. waren eine Anzahl Freikorpsführer im Hotel ,Mnserhof" in Neisse zusammen, die sich laut dahin ausließen, daß „Polen und Juden kein 'Pardon gegeben werden solle,, solche Elemente müßten in ihrem eigenen Blute ersaufen". Anstelle. des Koppelschlosses trug eine Anzahl dieser Personen ein Hakenkreuz aus Messing. 3. Ende Juni d. I. wurden in Neustadt O.-S. von Angehörigen süddeutscher Freikorps Häuser und Zäune mtt Hakenkreuzen versehen, hinter denen die Worte „Tod den Juden" standen. Herr Stadt- Pfarrer Hübner wies damals in der Kirche aus die Niedrigkeit solcher Handlungen hin. 4. Am 20. Juni d. I. versammelten sich in Neudors, Kreis Rosenberg, etwa 20 Angehörige des Selbstschutzes — in der Mehrzahl Studenten — um den Wagen zweier jüdischer von den Polen vertriebener Einwohner und bedrohten sie mtt den Rusen „Schlagt die Juden tot"; ferner bemalten sie den Wagen mit diesem Satz und mtt Hakenkreuzen. 5. Auf der Fahrt nach Oberschlesien ließen sich gegenüber den mitfahrenden Passagieren Angehörige des Freikorps Oberland, die sämtlich Hakenkreuze trugen, dahin aus: „Erst jagen wir die Polen raus, dann schlagen wir die Jrwenköpfe ein". 6. Am 20. Juni d. I. zog General Höfer bei einer Besichtigung eines Lazaretts in Neustadt O.-S. einem Angehörigen des Freikorps Oberland das Hakenkreuz aus der Uniform heraus, mit den Worten: „Wir sind doch nicht dazu da, hier Uneinigkeit zu säen, sondern Einigkeit zu stiften". 7. Die Propagandaabterlung des Selbstschutzes Oberschlesien, Gruppe Oberlawd, vertreten durch Hauptmann Römer, hat unserer Ortsgruppe München mtt der Bitte um weiteste Verbreitung folgende Erklärung abgegeben: „Die Gruppe Oberland des Selbstschutzes Oberschlesien hat jede innerhalb ihrer Formatton getriebene Propaganda mtt Korpsbeschl vom 18. Juni verboten. Die Entfernung der Hakenkreuze auf den Stahlhelmen einiger Oberländler wurde mit gleichem Befchl ungeordnet." Hieraus geht hervor, daß auch die Gruppe Oberland das Hakenkreuz als Abzeichen des Radauanttsemttismus ansicht. Aus den oben angeführten Tatsachen ergibt sich ferner, daß der Korpsbeschl unbeachtet blieb. 8. In der Anlage überreichen wir ein Flugblatt mtt der Ueberschrist: „Macht ganze Arbeit mit den Juden! Bestien reizt man nicht, man tötet sie." Dieses Flugblatt entnimmt seinen Inhalt den Schriften des Hakenkreuzverlages m Dresden- Hellerau. 9. Der Deutsche Jugendbund „Bismarck" sagt in seinen Statuten: „Mr verurteilen aufs schärfste jede Hetze gegen Fremdvölkische. Um auch den geringsten Anschein dessen zu vermeiden, bttten wir unsere Mitglieder, das Hakenkreuz nicht gleichzeitig mit unserem Bundesabzeichen zu tragen." Hier wird von deutschnationaler Seite das Hakenkreuz also als Zeichen der Verhetzung bezeichnet. 10. Der Berliner Buddhistenbund hat bereits während «des letzten Winters eine Erklärung dahin veröffentlicht, daß er das von chm bis dahin als Bundesabzeichen getragene Hakenkreuz ablege, da es in Deutschland für die Zwecke politischer Gewaltpropaganda mißbraucht werde. 11. Besonders in den letzten Wochen sind zahlreiche Häuser Breslaus, darunter auch die Neue Synagoge, nachts mit Hakenkreuzen bemalt worden. WüÄ>e das Hakenkreuz nur als ein uraltes Kultzeichen angesehen, so wären diese Bemalungen unverständlich. Wir erwarten von Ihrer Loyalität die Aufnahme der vorstehenden Erklärung in der Annahme, daß Ihnen an der Feststellung der Wahrheit liegt. Hochachtungsvoll Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Breslau. Der Vorsitzende: Der Schriftführer: gez. Hirschberg, gez. Foerder, Justtzrat. Rechtsanwalt. Die „Schlesische Zeitung" hat diese Erklärung trotz wiederholten Ersuchens nicht ausgenommen. Unter dem 5. August hat der hiesige Regierungspräsident der Ortsgruppe Breslau des ZentralveremS deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mttgeteilt, daß der Herr Minister des Innern, Dr. Dominicus, die chm vorgetragenen Fälle über Belästigungen und Mißhandlungen jüdischer Mitbürger durch Mttglieder des Selbstschutzes zum Anlaß genommen habe, den hiesigen Polizeipräsidenten auf diese Borfälle unmittelbar hinzuweijen und ihn um energische Gegenmaßnahmen zu ersuchen. Diese seien getroffen. * * * Der heutige Leitartikel ist mit freundlicher! Genehmigung der Redaktion der „Zevakah*, dem Organ der Zentralwohlfahrtsstell« der deutschen Juden, entnommen. Die Red. /Die Erntefeste tm Luna-Park Häven am Mittwoch, den 17., ihren Anfang genommen und werden außer den Umzügen und Bmierntänzen, Spottsspielen, Sackhüpfen mit PretSoetteilung, wechselnde Sonderveranstalttmgen wie japanisches Tagfeuerwerk, musikalische Uleiberraschungen, Trachten« aufzüge, Schnitterspiele ufw. bringen. Die Dauer der Erntefeste, welche mit dem amerikanischen Hindernisrennen bei günstiger Witterung täglich stattftnden, ist für längere Zeit angeseyt. Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Berlin. Dienstag, den 23. August: Gemütliches Beisammensein in »Schloß Wannfee" bei Beelttzhos. — SonMag, den 28. August, Tages«Aussllug: Potsdam—Michendorf—Seddin. Treffpunkt 8,15 Uhr, Stvbstg. des Bhf. Zoologischer Garten mit Fahrkatte nach Potsdam. (Abfahtt 8,28 ttchr.) 1921 Aalender 5681 Wochentag Moi Aug. 31 T. irat Ad 80 T. Sabbath- Ausgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 19. 20. 15. 16. Breslau?" imw 6. Buoh lfoas Kap. 8«-7U lan: «nj Jesaja 40,1-äß Reparaturen sofort Optiker Garai, Albrechtatraße 4 Gottesdienst in den Gemeinde-Synagogen za Breslaa: >».»«. Freitag 19.,8. Beginn abends 7.00 ü. 7.00 ü. Sbd. 20./8. FiUgottoiUiast morgs. woCsatsgr JUMI o.bOTJ. « Hptoottndlnit vorm. 8.15 ü. 9.00U. n 11 Predigt 8.46 U. 9.80 U. rt vi JiBdQOttndienst nachm. — 6.00 U. Schluß abends 7.49 U. 7.49 U. An den. Woch.- 2L/8. bis Beginn morgs. 6.80 ü. 6.46 TJ. tagen 26.8. abends 7.00 ü 7.00 ü. Konfirmationen, Alte Synagoge, Sonnabend, den 20. August. KurtPrager (Mutter Emma, Vater verstorb., Prelburgerstr.40), Max Wollt (Vater Adolf, Gutenbergstr. 46). Nach konem schweren Leiden verschied heute fi dh meine innipgeliebte Fraa, unsere gute Matter, Schwiegermutter, Großmatter, Schwester, Schwägerin und Tante Auguste Schaal geh. Heatifc im Alter von 61 Jahren. In tiefstem Schmerz: Moritz Schaal Kurt und Erna Sohaal geh. Berger Max und Roea Sohaal geh. Heoker Breslaa, den 16. Aagast 1621 Tanentcienstr. 12. Beerdigung: Donnerstag, den 18. Angnst, nachm. 8'/i Uhr, Friedhof Cosel. r 7ng*nleur~1bßro Curt lüaeöer Tunktmstrafie 19 beseitigt schnellstens Störungen in elektrischen Anlagen und übernimmt CUufUArunf von Tleuanfafgn fedtn Umfanges Temruft ZagcUautt SZac^icUenstt ft 9199* ttWd, J 2)ve jeJC&yanie, ^rmfopidufir Hirten u. Domen Aaufen Sie ynl un3 vortetCfvoft. Amfrofcl RosenlfiaC Neue Schu/ei'dnftrerstr. 5 Braucht Ihr Licht, IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM so ruft mich! Richard Geliert Eelektrisohe Licht' und Kraftanlagen GrSbschenerstr. 39, Frelburgerstr. 17 Telefon Ring 7903 Breslau Tel. King 192 Sonnta •7)8. 7*/fliuri dos25senso enthaltende Billetts mr Bartsch tlallch 9-5 Uhr und I Std.vor Beginn a. d. Zirkuskauen. iiiiuiiuiiiiiiiiiiü r '"iiiuiiiiibiniiin i. liwlitte Mmaiteo kauft und verkauft F. W. Fuchs E. Kräcker Krealau. 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