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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-08-12 · 36 (12.8.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
36 (12.8.1921)
Date
1921-08-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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tief beschämend für jene jüdischen Kreise, daß sie der Geistesblitze eines solchen Mannes bedürfen, «nt ihrer Gesellschaft ein „besseres Gepräge" zn geben — und sei es auch lediglich durch von ihm gut erzählte — jüdiscl-e Witze. Einweihung üer Leichenhalle in Vaö Kudowa. Am 3. August hielt die Chebra kadischa in Bad Kndowa ihre diesjährige Generalversammlung ab, welche mit der feierlichen Uebergabe der neu erbauten Leichenhalle verbunden war. Die Chebra ist vor fünf Jahren von Kurgästen zu dem Zwecke gegründet worden, eine Leichenhalle zn errichten, für kranke Kurgäste zu sorgen und während der Saison einen^ würdigen Gottesdienst zu unterhalten. Durch die Kriegswirren zog sich der Bau der Leichenhalle bis jetzt hin. Nunmehr ist etwa 10 Minuten vom Kurplatz entfernt auf einent von Bäumen bewachsenen, sanft ansteigenden Hügel die Halle errichtet worden, von der Straße aus kaum sichtbar, und nur der vergoldete Davidstern leuchtet über den Bäumen hervor. Nachdem der Erbauer der Halle, Herr Baumeister Prinz ans Breslau, mit einer Ansprache dem Vorsitzenden der Chebra, Augenarzt Dc. Josef Schlesinger-Breslmt, die Halle und die Schlüssel zu ihrer Pforte übergeben hatte, begrüßte dieser die zu der Einweihungsfeierlichkeit sehr zahlreich erschienenen Gäste und legte seiner Ansprache den Schehechejonufpruch zu Grunde. Er gedachte der im Laufe der fünf Jahre dahingegangenen Vorstandsmitglieder, der durch den Krieg uns entrissenen Brüder aus Posen und Westpreußen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß wenigstens unsere oberschlesifchen Brüder uns als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens erhalten bleiben mögen. Sodann dankte er allen denen, die sich um den Bau verdient gemacht haben, der Bauleitung, ihren Handwerkern und Arbeitern, den Gemeindebehörden von Kndowa, welche für billiges Entgelt den Platz zur Errichtung der Halle hergegeben haben, der evangelischen Kirchengemeinde, welche bisher in ihrer Halle beit verstorbenen jüdischen Kurgästen Gastrecht gewährt hat und den Vertretern der Synagogengemeinden zu Breslau, Glatz, Gleiwitz, Tarnowitz, Kattowitz und Beuthen, sowie des Ordens Bne Briß, welche zu der Feier erschienen waren. Er sprach den Wunsch aus, daß die Halle nur selten in Benutzung genommen werden möge; wenn aber die Notwendigkeit eintrete, dann möge der Bau für die trauernden Hinterbliebenen nicht eine Halle der Verzweifelung, sondern des Trostes und der Beruhigung und der Ergebung in Gottes Willen sein. Hierauf übergab er den Schlüssel zu der Halle Herrn Rabbiner Dr. Ellguther-Neisse, welcher die Pforte öffnete und in würdiger Weise die Weihe der Halle vornahm. Nach dem Vortrage eines Psalmen durch Herrn Kantor Wartenberger-Breslau schilderte er die jüdischen Tugenden, welchen die Halle ihre Entstehung zu danken hat, Liebe, Treue und Einigkeit Nach ihm sprachen der Bürgermeister von Kndowa, Herr Dr. Schindler, und der Generaldirektor der Badeverwaltung, Herr Offenberg; beide Herren gaben der Hoffnung Ausdruck, daß eines der nächsten Ziele der Chebra die Erbauung eines Gotteshauses in Kudowa sein möge. Mit einem deutschen Liede des Herrn Kantor Wartenberger schloß die erhebende Feier. In der anschließenden Generalversammlung wurde der Vorstand einstimmig wiedergewühlt; nur an die Stelle des ersten Vorsitzenden Dr. Schlesinger, welcher eine Wiederwahl ablehttte, trat Herr Wolf Gottheiner aus Breslau. Außerdem wurde ein in Kudowa selbst wohnendes Komitee mtter dent Vorsitz des Badearztes Herrn Dr. Cohn gewählt, welches die örtlichen Angelegenheiter: der Chebra dauernd erledigen soll. Am Abend vereinte ein Festmahl in Pollaks Restaurant die zahlreichen Festteilnehmer. In formvollendeter, geistvoller und humoristischer Rede gedachte Herr Rabbiner Dr. Lewin-Kattowitz des Borstarrdes der Chebra urrd trank auf das fernere Gedeihen der Vereinigung. Herr Dr. Schlesinger-Breslau lvidmete sein Glas den Vertretern der Kudowaer Gemeindebehörden. In reizender Weise erwiderte hierauf Herr- Generaldirektor Offenberg und führte aus, daß die Badedirektion und die Gemeindeverwaltung in Kudowa sich alle Mühe gäben, den jüdischen Kurgästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Etwa 650/0 der Kurgäste seien jüdischen Glaubens, aber die Zahl von Beschwerden jüdischer Kurgäste, welche an die Direktion gelangen, sei prozentual viel geringer. Daraus müsse man schließen, daß die jüdischen Kurgäste sich in j Kudowa wohl fühlen, und es werde nech wie vor sein Bestreben sein, alles zrt tun, was den jüdischen Kurgästen den Aufenthalt in Kudowa angenehm mache. Deshalb werde auch die Chebra, wemi sie einmal daran gehen werde, eine würdige Synagoge zu errichten, die tatkräftigste Unterstützung der Gemeindebehörden finden. Unter allgemeinem Beifall der Versammelten gab Herr Rabbiner Dr. Ellguther die Ernennung des bisherigen Vorsitzenden Dr. Josef Schlesinger zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden bekannt. Die Versteigerung des Benschens brachte für die Chebra den Betrag von 765 Mark ein. Die würdevolle und in allen ihren Veranstaltungen wohl gelungene Feier wird in den Herzen der zahlreich erschienenen Teilnehmer sicherlich einen dauernden Eindruck hinterlassen. Breslau. Wochentag Mo Aug. 31 T. rat Ab 30 T. Sabbath- AnSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 12. 13. 8. 9. BreSlau!^ D'-On 5. Bach Mose Kap. l‘-S« irvütf’ firn .lea. 1, 1 2T von öen tzakenkreuzteiigern. Herr Rechtsanwalt Foerder übersendet uns ein Flugblatt, das ihm seitens des Deutsck)völkischen Schutz- und Trutzbundes, Ortsgruppe Breslau, zuging. Es hat folgenden Wortlaut: Angriffe auf das Hakenkreuz! Von unseren Mitgliedern werden uns andauernd Meldungen iibermittelt, wonach Träger und Trägerinnen des Hakenkreuzes voll Inden belästigt, beschimpft, bedroht, tätlich angegriffen und sogar des Hakenkreuzes beraubt werden. Eilte Anzahl derartiger Angriffe haben wir bereits zur gerichtlichen Anzeige gebracht. Wir machen zunächst ans die Tatsache aufmerksam, daß das Hakenkreuz das „altgermanisch Heitzeichett" bedeutet ttnd daß wir als Deutsche mit dem Tragen des Hakenkreuzes unsere deutsche Abstammung und deutsche Gesinnung bekunden. Bott unserer Seite sind Träger anderer Abzeichen, insbesondere des jiidischett Davidftcrnes, noch niemals belästigt worden. Als Detttsche nehmet: wir das Recht in Anspruch, unser deutsches Abzeichen öffentlich ztt tragen. In Anbetracht der bereits vorgekommenen zahlreichen Fälle warnen wir hiermit, Träger des Hakenkreuzes in irgend einer Form noch weiter ztt belästigen, da wir andernfalls uns gezwungen sehen wurden, entsprechetlde Gegettmaßregeln zu ergreifen. D e tt t s ch v ö l k i s ch e r S ch tt tzu n d T r u tz b tt tt b Ortsgruppe Breslau. Handschriftlich ist dazu folgender Zusatz gemacht: Die Deutschen habet: der ganzen Welt nicht mtv Mut, sondern wirklichen Heldenmut an der Front bewiesen! Die Juden? Etappe, Heimat nsw. Der Vorwurf, die Teutschvölkifclien wären „feig", wird widerlegt werden auch am hcllichten Tage! Es ist wahrscheinlich, daß das Flugblatt int Anschluß an einen Termin vor «dem hiesigen Schöffengericht gesandt wurde, der gegen beit Leiter der Deutschvölkischen Ortsgruppe wegen Beleidigung am letzten Sonnabend anstand. Der Verteidiger des Schutzbundes, Rechtsanwalt Schmidt, glaubte seine Ausführungen fast ausschließlich Politischtendenziös im Sinne der üblichen antisemitischen Gedankengänge gestalten ztt müssen, bis ihn der Vorsitzende zttr Sache ztt sprechen ansforderte. Ent Flugblatt gleichen Inhalts ist auch unserer Redaktion mtf den Tisch geflattert, jedoch trägt es als Zusatz den Vermerk: Cavetc Judaei! 80. Geburtstag. Herr Hermann Naphtali, Körnerstraße 46, feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag. Wir bringen dent tätiget: Förderer unserer Bewegung unsere herzlichsten Glückwünsche dar. 1921 Kalender 5681 Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung des Verfassers zum Ausdruck ' bringen» übernimmt die Schriftleitung nur die Preßgesetzliche Verantwortung. Zirkus Augelos hat an: rechten Oderuser ueben der Kaiserbrücke feilten Wander-Zirkus für ein Breslauer Gastspiel aufgeschlagen und dieses mit einem gtrten, flottgesp:elten Programm begonnen, in weichem der vielgefeierte Direktor und Schulreite«' 6ari Straßburger jun. mit vorzüglichen Pferdedressuren und wirklich ausgezeichneten Tanzpferden verdiettte Lorbeeren erntet. Unvergleichliche artistische Leistungen vollbrittgt der foxtrottelnde Joe Gilbert als Kopfsteher, Saltoschießer und Tänzer auf dent Seile. Tie plastischen Posen auf dem Rücken stolzer Pferde sowie der Doppeljockeyakt gehöret: ztt den schönsten Zirkusleistungen unb höchstvergnüglich ist neben den Zwischenspielen launiger Spaßmacher eine zwerchfellerschütternd wirkende Eilpost und eine ebettso originelle wie komische Unket Haltung vot: Rettern, die sich gegenseitig die Zylinder vom Kopf zu schlagen befleißigen. Der spanische Reitakt Will tntd Witte mit Büffel und Pferd ist eine gute Dressttrleistung ttnd feine farbige Effekte erzielen die Serpentinbewcgungen der Lichtsee ans dem leuchtenden Schimmel. Den artistischen Teil erfüllen die wagehalsigen Schleuderbrett- Akrobaten Aregos, sotvie der Danten-Kunftturnakt „Drei Rostocks" tmd der feuerspeiende Bttlkanmensch, ein Spielplatt, der an Reichhaltigkeit unb Güte dem der besten Wanderzirkusprogramme gieichkommt und in seiner Harmlosigkeit Familien ttnd Kindertt ganz besonders entpfohlett werdett kattn. Familien-Sondervorstellungen sind neben ben 7V2 Uhr täglich stattfindenden Abendvorstellungen noch am Sonntag, nachmittags 3yz Uhr, ttugekürzt angesetzt. E. A. K Reparaturen sofort. Optiker Garai, AlbrecHtstraße 4 Gottesdienst In den Gemeinde - Synagogen ZU BreSlOa: Alte Sjggg. tone Sygag. Freitag 12./8. Beginn abends 7.15 ü. 7.15 U. Sbd. n 18./8. U Frlhgottndiust morgs. Wodmtafism. W Hptgottesdiegst Vorm. 8.15 ü. 9.00 U. n Mincha nachm. 4.00 ü. — ** w Predigt — — — Schluß abends 8.05 U. 8.05 U. An den 14./8. Beginn morgs. 6.30 Ü. 6.45 ü. Wooh.- bis tagen 19./8. * abends 7.15 U. 7.15 ü. Konfirmation, Neue Synagoge, Sonnabend, den 13. August: Hugo Heimann (Vater Theodor H., verstorb.), Rhedigerstr. 4. Gottesdienst ln den -Stmogogen iu Breslau: llftSjmg. NeuSynig. am 9. Aw, Tempelzerstörung Sbd. 13./8. Beginn abends 8.05 ü. 8.05 U. ötg. 14./8. „ morgs. 6.30 U. 6.45 U. „ abends 7.15 U. 7.15 ü. .. 71 Schluß " 8.02 U. — Breslau Tel. Rin; 192 Aus den: gonaS SirschelnLegat sollett Unterstützung an arme jüdische Handwerker und kleine Gewerbetreibenden vergebet: tverden. Entpfänger sind zur Rückzahluttg verpflichtet, sosertt sie in gute Verhältnisse gelangen sollten. Gesuche bis 1. September einzureichen. v« Dorftanö litt WWM.SWwe. «glich dot25SensDtlonsnnmmern * enthaltende wahrt Mm- Programm. | Billetts nur Barasch tflclich 9—5 AJhr und 1 Std.vor Beginn a. d. 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