Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 35 (5.8.1921)
- Date
- 1921-08-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Herrschaft des Judentums wäre. Daraus wird der Schkiß gezogen, daß das Judentum für die Handlungen der Moskauer Sowjetrogierung mit verantwortlich sei. Diese Ansichten sind durchaus ungerecht. Die werden aber mit der Behauptung begründet, daß die Dowjetvegierurrg wohl das-russische Bürgertum ausgerottet, die wohlhabenden und reichen Juden in Nutzland aber geschont habe. An dieser Behauptung ist zutreffend, datz die Moskauer Sowjetregierung zu Beginn ihrer Herrschaft wohlhabenden und reichen Juden einen scheinbar besonderen Schutz hat angedeihen lassen. Diese russischen Juden halten schon während des Krieges und noch während der Kerenski-Revolution sehr erhebliche Vermögenswerte ins neutrale Ausland gerettet. Da ihnen aber die Sowjetregrerung erklärte, datz sie als eine zum Teil aus Juden zusammengesetzte Regierung die Vermögenswerte der russischen Juden schonen wolle, haben viele davon ihre Vermögenswerte aus dem Ausland wieder nach Rußland zurückgeholt. Sobald aber die Sowjet regierung glauben konnte, datz die bis dahin unbehelligt gebliebenen russischen . Juden im Vertrauen aus die Versprechungen der Sowjetregierung ihr Vermögen wieder in deren Machtbereich zurückgenommen hatten, hat sie alsbald zugegriffen. Der Paragraph des bolschewistischen Strafgesetzes gegen Spekulatton bot eine bequeme Handhabe dazu, solche Juden, deren Vermögen der Sowjetregierung begehrenswert geworden war, ebenso zu fassen, wie jeden anderen Bürgerlichen. Diese Anklagen endigten regelmätzig d«nit, datz die Juden ebenso hingerichtet wurden, wie nichtjüdische Bürgerliche, und datz ihr Vermögen der Sowjetregierung und deren Kommissaren zufiel. So wurden schon am 27. August 1919 in Saraisi 37 reiche Juden, die bis dahin gegen Zahlung einer Abgabe den Schutz der Sowjetregierung genossen hatten, von der „Außerordentlichen Kommission" wegen Spekulation verhaftet und am 2. September auf einem öffentlichen Platze in Rjasan gehängt. Neuere Nachrichten aus verfchiAenen Quellen melden die Hinrichtung einer ganzen Anzahl wohlhabender Juden in Morschansk und Kowrow. Durch solche Nachrichten sowie durch die Tatsache, daß zahlreiche Juden aus dem bolschewistischen Rußland'unter Zurücklassung aller ihrer Vermögenswerte ins Ausland hoben flüchten müssen, dürfte bewiesen sein, daß die Moskauer Sowjetregierung nicht als mit dem russischen Judentum identisch bezeichnet werden kann. Unter der Spitzmarke „Sendet Hakentreuzlcr ins Ausland!" heißt es in der „Freiheit": Die Rechtspresse behauptet, daß der Schriftsteller Maximilian Harden im Aufträge der deutschen Regierung nach Amerika reise, um dort durch Vorträge Deutschlands Ansehen zu verbessern. Die Regierung hat diese Behauptung bereits dementiert, aber die Rechtspresse bleibt unbeirrt bei ihrer Darstellung und verlangt von der Regierung, daß sie deutlich einen Bindestrich zwischen sich und Harden ziehe. Worauf es der Rechtspresse dabei> ankommt, zeigt folgende Auslassung der „Kreuz- Zeitung": „Wenn man etwa glaubt, durch einen fremdstämmigen Mann^ der jedes Nationalgesühls entbehrt, für Deutschland wirken zu können, so ist das, abgesehen von den Gefahren der moralischen Wirkung, eine so große politische Dummheit, daß sie eben nur in Deutschland ersonnen werden kann. Die politische Stellung eines Volkes ist in erster Linie von der Achtung abhängig, die es bei den Völkern genießt. Ein Mann wie Harden, der das deutsche Volk mißachtet, konn also nur dem deutschen Ansehen einen noch größeren Stoß versetzen, als es die Revolution schon getan hat." Offenbar hält die „Kreuz-Zeitung" nur solche Mäimer geeignet, im Ausland das deutsche Ansehen zu heben, die vorn ur d hinten ein Hakenkreuz tragen und auf der Stirn, ebenso wie die „Kreuzzeitung", den Wahlspruch eingebrannt haben: „Vorwärts mit Gott für König und Vaterland." Antisemitische Geistesblüten. dUit antisemitischen Ergötzlichkeüen ließ sich der Leipziger Demokratische Vtudentenverein durch Herrn Schwarz m die rechte Ferienstimmung versetzen. Hier einige Kostproben: „(Hakenkreuz) Wer hilft? Fabrikant sucht 50 000 Mark zur Erweiterung seiner — Litorfabrik!" — Hans (!) Günter spricht vom heldischen Haß: „Wir haben die heidnischett Runen hmgegeben gegen die lateinischen Buchstaben, den Stabreim gegen den weichen Endretm, unser krafwolles Heidentum gegen das entartete Ehristentum, das heimische Recht gegen das römische und damit kapitalistische Verhältnisse, dle nordische Kunst gegen griechische noch im 18. Jahrhundert, und Deutschhett auf Deutjchheit. — Der Hatz ist ein Sinn der Seele. An ihrem Hasten sollt ihr sie erkennen. Ein ALann taugt so viel wie sein Haß. Schöpferisch ist jeder Haß, ob er auch zerstöre und verbrenne." — „Wer blondes Haar und blaue Augen hat, kann doch ungermanisches Gehirn und Seele haben!" — Bei der Galtenwahl sollen rassische Gesichtspunkte entscheiden; der Gedanke zuchtarischer Siedlungen ist zu erwägen. (Ariergestüte! Wie herrlich weit haben wir es doch gebracht! Und da will man vom Untergang des Abendlandes reden?) — Interessant ist die Stellung der Deutschvölkischen zur Literatur. Mols Bartels ist hier der große Geist, der stch bei jedem neu auftauchenden Schriftlleller erst ein Bild und den Stammbaum ansieht, und dann seine Werke kritisiert. Ein gewisser „Amelek" schreibt: „Heine war ein großer Asse, der alles nachmachte, und zum Dank mit dem Gestank seines Ghetto beschmutzte. — Jüdische Kritiker schnuppern an allen Kunstwerken herum wie die Hunde an Laternenpfählen!" — Der Schutz- und Trutzbund macht auch Entdeckungen, z. B. daß Clemenceau ein Jude sei. Das Berliner Tageblatt weist darauf nach, daß er keiner ist. Aber der Deutschvölkische ist ja nie verlegen: Wenn er blutlich kein Jude ist, dann ist er eben geistig so verjudet, daß er eben — ein Jude ist! Der Schutzunh Trutzbund weiß auch, warum das Gelb (Gold) in die neuen Reichsfarben eingchrungen sei. Nämlich — hört und staunt! — gelb ist das Judenabzeichen; denn im Jahre 1215 hat Papst Innozenz III. eine Judenottmung erlassen, wonach jeder Jude etwas Gelbes als Abzeichen tragen mußte. — Die „jüdische" Relativitätstheorie wird von den Juden bald in praxi angewandt werden. Beispiel: Eine Frau kauft in einem jüdischen Geschäft 10 Meter Samt. Sie mißt zu Hanse nach, es sind nur 9 Meter. Sie klagt. Der jüdische Anwalt meint, die Differenz erkläre sich durch das schnelle Messen des Verkäufers und das Langsame Messen der Hausfrau. Der jüdische Geschäftsmann bekommt Recht. Und dies soll kein Scherz sein, sondern große Wahrscheinlichkeit für sich haben. Breslau. vom Selbstschutz. Ein sehr geschätzter Leser unseres Blattes erhielt auf Einsendung der kürzlich erschienenen Notiz „Vom Selbstschutz" vom Polizeipräsidium folgende Antwort: „Auf den eingesandten Artikel „Vom Selbstschutz", der mir bereits bekannt war, teile ich Ihnen ergebenst mit, daß Polizeilicherseits alles geschieht, um derartigen Unfug zu verhindern." i f Ein antisemitisches Sanatorium. Der Leiter des Waldsancstoriums Obernigk, Dr. med. Kontnh, legt im Lesesaal seiner Anstalt das Deutsche Wochenblatt des Knüppel-Kunze aus. Wahrscheinlich glaubt er, daß die hiettmrch unter seinen Patienten entstandenen Reibereien deren Lungen und Nerven stärken. Merkwürdigerweise schließt er nicht einmal jüdische Privatpatienten aus seinem Sanatorium aus. Unsere Glaubensgenossen mögen hiervon Notiz nehmen. Technische Rothilfe. Die technische Nothilfe veranstaltete am Freitag tm Zoologischen Garten ein WohltätigkettSseft zu Gunsten Oberschlesiens. In bester Stimmung wurde gesungen,?>etanzt uhb musiziert; die geschickte Leitung und der erfreulich tarke Besuch lassen em günstiges Ergebne dieser Veranstaltung erhoffen. W. Sch. ltt*I Kalender 5681 Monat Sabbath- Wochentag Aug. 31 T. Ab 29 T. Wochen- Propheten- LuSgang abfchnttt abschnitt Freitag 5. J. sabbath 6. 2. Breslaupo 'vca nivv vi -a"i wvy 4 Bach Mose JirmljHh Ksp. n,4-js( nt, 4 / % Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung deS Derfaffers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schristleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung. Zamllieaaazeigea. Verlobt: Ruth Feibel mit Jlko Aiminski, Breslau; Tina Cohn, Neustadt O.-S., mit Erich Warschawski, Berlin; Erna Miedzwinsky mit Werner Frank; Else Metzner mit Robert Fröhlich, Breslau. Vermählt: Dr. Karl Danziger mit Dr. Elfriede Goldmann, Brieg; Walter Loebel mit Selma Luchtenstein, Breslau; Martin Kosterlitz mit Erna Berger, Beuthen O.-S.; Dr. Lothar Katz mit Trude Lichtenstein, Breslau; Kurt Löwengard mit Elli Kallmann, Berlin-Charloitenburg. Geboren: Sohn: Erich Sandberg und Rose, geb. Meckauer, Breslau; Fritz Bial und Lucie, geb. Schenkalowski, Gleiwitz. Tochter: Alfred Redlich und Käthe, geb. Schimmelburg, Breslau. Gestorben: Bertha Zöllner geb. Katz, Breslau; Victor Neumann, Breslau; Benno Loewy, Gleiwitz; Friederike Pulvermacher, Breslau; Gustav Weinhausen, Breslau; Sallh Heinrich, Oppeln. Dtr Kursus „prWsullls" beginnt nächste Woche. Weitere Meldungen von Kursus- Teilnehmern erbittet die Leiterin Fräulein Lucie Jakobson, hier, Nikolai-Stadtgraben 19, sofort schriftlich. Reparaturen sofort. Optiker Gardiy Albrechtstraße 4. Gottesdienst ln den Gemeinde-Synagogen ZU Breslau: IltiSjMB. Hw«Syiiai. Freitag 5./8. Beginn abends 7.30 D. 7.30 ü. Bbd. 6./8. FrfibgoltodieDJt morgs. Wodmtaislyugog« 6.i*.0 ü. n Hptaottesdienst Voim. 8.15 ü. 9.00 ü. n NeniooBdvcil» „ — — fc'redigt — — — Schluß abends 8.20 ü. 8.200. An den Woch.- 7./8. bis Beginn morgs. 6.30 ü. 6.45 U. tagen 12.'8. „ abends 7.30 ü 7.30 U. ivonnrmauon, Alte Synagoge, oonnaoena, uen o. Augusi: Kurt Neumann (Vater Lesser di., verstarb.), Karuthstr. 8. Die Zinsen der Hermann Auerbach-Stiftung sind an einen iüdischen bedürfktgen jungen Mann, der stch der Malerei oder Bildhauerkunst widmet, zu vergeben. Deutsche Reichsangehörigkekt Bedingung. Befähigung ist durch matzgebende Zeugntsse nachzttwetsen. Geborene Breslatter oder Schlesier haben bei gleicher Eignung den Vorzug. Meldungen mit entiprech. Zeugnissen bis t. Oktober. Der DmjtonO Oer Oynagogen-tMtiOe Btcalau. In unserem Verlage ist erschienen: m Mauer UWllllMlhI d e für Stadt «nd Land geltend. Bestimmungen Zusammengestellt und erläutert von den Rechts, anwälten vr. Gillis und 0r. ltnger in VreSlan 80 Seiten. Gr.-8. Preis 10 Mark. Zu beziehen durch Jede Buchhandlung oder den Verlag Th. Schatzky, Breslau 3, fl. Graupenstr. 5 Fernsprech. Ntng 451,4600. Spezialitäten in der Preislage von 1.50—3.00. Karl Baumgarten Neudorfefr.Qä, Ecke AUQual&atr. Fernruf Ring 3010 OrUndcngsJahrlOOft, Fordern Sie meinen Besuch. Zigaretten, sämtliche bekennte Marken. Braucht Ihr Licht, >>Illl>lI>I>IIIII>III>I>IlIlIIlIIIIIIIIIIIIIIlIlI>lIlIIIIIIIlIIIIlIIIIIIlI>IIIIIIIII>llIIIII»IIIII»II»III»»Il»IIIIII» so ruft mich! IIIIIIIIIIIItllllllllllllllPIIIIIIIIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Richard (kellert Eelektrlsche Licht- und Kraftanlagen Gräbschenerstr. 39. Freiburgerstr. 17 Telefon Ring 7903 «»»»» »»»Ms» »»» Buchdruckerei und Verlags - Anstalt THL SCHATZKY O. m. b. H. - Breslau 3 Lieferung von Drucksachen lür Handel. Industrie u. 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