Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 34 (29.7.1921)
- Date
- 1921-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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geäußert und den Hetzfunken folgendermaßen völlig ausgetreten: „Der Deutschvölrrjche Bund hat unter demobigen Titel in Nr. 328 dieser Zeitung eine Zusammenstellung veröffentlicht, die laut Angabe „auf Grund unbedingt zuverlässiger Erkundigungen" durch den Ortssondevdienst der Deutschen Telegraphen-Jnformation beruht. Diese Zusammenstellung hat seinerzeit bereits die Pariser Zeitschrift „La Marseille France" unib nach dieser die „Kreuzzeitung" am 12. Februar gebracht. Diese Liste ist nachgewiesenermaßen falsch. Nach Dimitri Bulaschow ist unter den 17 Volkskommissaren, die das eigentliche Regierungskabinett bilden, der Volkskommissar des Krieges, Trotzki, der einzige Jude, und in allen regierenden Sowjet-Organisationen zusammen befinden sich unter Milrechnung von zwei ehemaligen inzwischen verstorbenen Mitgliedern 10 Juden." Tut nichts, der Jude wird verbrannt. Sagt der Patriarch. flus den Seebädern. Kolberg. S o n n w e n d f e i e r u n d Antisemitismus. Fast überall m der Provinz und in ganz Deutschland haben die Deutschnationalen um den 24. Juni herum Sonnwendfeiern veranstaltet. An sich ist es gewiß anzuerkennen, wenn alte Gebräuche aufrechterhalten oder auch wiederhergestellt werden. Auch Goethe als Minister hat den Jenaer Jungen ihr Johannisfeuer, das die Polizei verbieten wollte, nicht verwehren, sondern den alten Brauch unverloren erhalten wollen. Ganz verwerflich aber ist es, eine derartige Feier zur Hetze gegen eine ganze Klasse von Mitbürgern zu mißbrauchen. Das ist bei der Sonnwendfeier der hiesigen deutschnationalen Partei durch den Festredner, einen Nervenarzt, geschehen. Ein Vergleich der Götterdämmerung mit unserer Zeit, der im Mittelpunkt der Rede steht, läuft darauf hinaus, Loki, den Feuergott der eddischen Dichtung, den Juden gleichzusetzen. Wo ist unser böser Geist? Älljuda in Berlin und Wien ... Er hat unsere Seele vergiftet, daß wir den Kampf erst lässig führten, dann ganz aufgaben. Und so geht es weiter in der kindlich naiven Weise des Mittelalters, das die Schuld an Mißernte und Pestilenz den bösen Hexen gab und sie dafür auf dem Scheiterhaufen büßen ließ. Es lohnt nicht, die oberftächliche Auffassung des Redners, der die schwere und verwickelte Frage der Gründe unserer Niederlage leichtfertig tze antwortet, indem er sie allein auf die Juden abschiebt, näher einzugehen. Und wenn er im weiteren Verlaufe seiner Ansprache seinem Haß gegen deutsche Männer die Zügel schießen läßt, die seine engen politischen Ideen nicht teilen, so können wir ihn seinem eigenen Urteil überlassen. In derselben Rede besinnt er sich nämlich darauf, daß es unheilvoll ist, die Schuld dem Nachbarn zu geben, den man mit Augen sicht, und daß das Volk, dem Einheit not täte, sich so zerfleischt. Wenn es sich dabei nur um die Entgleisung eines Einzelnen handelte, Mer dessen Verantwortungsgefühl und Urteilskraft man ja verschiedener Ansicht sein und sie in Zweifel ziehen kann, so wäre nicht viel darüber zu sagen. Sonderbare Heilige und überreizte Naturen gibt es überall, und die Außenwelt hätte über diese absonderliche Festrede ja auch kaum etwas erfahren. Wenn aber dem konservativen Parteiblatt die „mit Freuden" ergriffene Gelegenheit gegeben wird, eine solche auf krausen Gedankeygängen aufgebaute Hetzrede in vollem Wortlaut wiederzugeben, so hat die Oeffentlichkeit das Recht und die Pflicht, sich damit zu beschäftigen und ein solches verwerfliches Treiben gebührend zuriickzuweisen. Göhren (Rügen). Großes Maul — kleines Hirn Hier wird in jüngster Zeit eifrig „geklebt". Eines jener von deutscher Kultur zeugenden Hetzzettelchen, mit denen eifrige Antisemiten Zäune und Wände zu zieren pflegen, ist natürlich mit Hakenkreuzen geziert und enthält einen „Vers" mit dem Anfang: „In unseres schönes Göhren, Juden nicht gehören ..." Man erkennt daran, daß einer deutsch-völkisch sein kann, ohne die geringste Grütze aus der deutschen Schule profitiert zu haben. Wirklich: „Der Antisemitismus ist der Sözialismus des dummen Kerls!"__ Palästina. London. Nach einer Reuter-Meldung aus Alexandrien wird sich eine Abordnung aus Palästina, bestchend aus vier Mohammedanern und drei Christen, unter Führung eines chenraligen Bürgermeisters von Jerusalem, nach England begeben, um der englischen Regierung die Wünsche dieser Bevölkerungskreise iiber Verwaltung und Verfassung des Landes mitzuteilen. Das neue Palästina-Parlament. Sir Herbert Samuel, der Oberkommissar für Palästina, hat kürzlich mitgeteilt, daß die Schaffung einer palästinensischen Volksvertretung unmittelbar bevorstehe. Meldungen aus Jerusalem befassen sich mit dieser Frage, um vornehmlich das Verhältnis der neuen Körperschaft zu den bereits vorhandenen „Advisory Council" festzustellen. Danach steht fest, daß die Mitglioderzahl des Parlaments die des Council, welches bekanntlich nur 10 Mitglieder zählt, erheblich übersteigen wich. Sicher ist ferner, daß das Parlament von der ganzen Bevölkerung des Landes nach einem noch festzusetzenden Modus gewählt wich. Was den Charakter der Volksvertretung angeht, so glaubt man, daß lediglich eine Erweiterung der beratenen Funktionen des Advisory Council zu erwarten ist. Jedenfalls wird die neue Vertretung dem europäischen Parlamentstypus näher stehen, ohne ihm jedoch gleich zu kommen. Man hofft, daß die nächsten zwei Monate die Frage der Volksvertretung endgültig klären werden. _ Die Judenpogrome in Weißrußland. Kowno, im Juli. Die hier im Exil befindliche „weiß ruihenifche Polksregierung" erlaßt einen Aufruf gegen vie Judenpogrome in den von Den Polen und Bolschewisten besetzten Teilen Weitzruthenicns. Es heißt darin: Viele Jahrhunderte lang leben und arbeiten in unserem weitzrulhenischen Land Schulter an Sulter mit uns unsere Mi scheu Mitbürger. Kultur und Wohlstand unseres Landes sind durch gemeinsame Arbeit ausgebaut worden. Das weiß ruthenische Volk hat seine Hände niemals mit dem Blut seines Brudervolkes befleckt. Jetzt sind dunkle Mächte am Werk, unserem gesitteten weißruthcnischen Volk den Haß, gegen die Juden einzupsllanzen. Es ist befremdlich, daß die Okkupatigjnsmächte überhaupt diese hetzerische Agitation in ihrem Machtbereich dulden. Deine gesetzliche Negierung, die jetzt gezwungen ist, das eigene Land den Feinden zu überlassen, appelliert an Dich, weißruthcnisches Volk: „Nicht gegen die Juden, sondern zusammen mit ihnen kämpfe gegen die gemeinsamen Bedrücker und Feinde, gegen das Unrecht, für ein besseres und glücklicheres Verhältnis von Mensch zu Mensch, ohne jegliche Religionsjunicrschiede." Vorstands-Antrages Herrn Amtsgerichlsrat Dr. Rechnitz, Beuchen O.-S., zum Vevwaltungs-Mrektor. Der Gewählte ist 39 Jahre alt und erfreut sich in Richterkveisen sowohl, als auch in der Beuthener Bürgerschaft hoher Beliebtheit. Möchte diese Wahl, welche von langer Hand vorbereitet und bestimmt ist, eine viele Monate währende Vakanz zu erledigen, für die Gemeinde Breslau, deren rschäfte ungeahnte Ausdehnung erfahren haben, von Nutzen sein! Breslauer Tennis-Verein Ivvv E. B. Das diesjährige. „Internationale Vereins-Turnier" zeitigte folgende Ergebnisse: H e r r e n - E i n z e l s p i e l o. V.: Ij. Alfred F o e r d e r , der zugleich die Vereinsmeisterschaft im Herren- Einzelfpiel o. V. 1921 errang; ß. Herbert RNnd; 3. Richard Pacyna. — Herren-Dopjpelspiel o. V.: 1. Herren Rund «Pacyna. — Damen-Einzel spiel o.-V.: 1. Frl. Erna Grünbaum. 1921 Kalender 5681 Wochentag Monat Juli 31 T. Freitag Sabbath 29. 30. Tammas 29 T. Sabbath- AuSgang 23. 24. Breslaus» Wochenabschnitt l-NYS 4. Bach Mose Kap. 25"-29°« Propheten. abschnitt 'tTö-t v*cn Jirmijah 1, 1—II, a r Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung des Verfassers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schriftleitung nur die preß» gesetzliche Verantwortung. - -. -- - Zamilienanzeigen. Verlobt: Thea Mtslowitzer mit Erich Toczek, Lublinitz; Rosa Eohn, Berlin-Schöneberg, mit Leo Wiener, Breslau. Vermählt: Tr. Willi Jonas mit Käte Wurst, Berlin; Edmund Gabor mit Heidda Weiß, Breslau; Dr. med. Bruno Markiewitz mit Frieda David, Breslau; Leo Eilenberg mit Else Pincus, Breslau; Arlur Lubinsti mit Margarete Bergmann, Breslau. ' Geboren: Sohn: Arthur Loewe und Klärte, geb. Hel. ding, Breslau; Walter Kary und Käte, geb. Tockuß, Breslau; Martin Friedmann und Frieda, geb. Cohn, Berlin; Wilhelm Kiefer und Frau, ged. Hohberg, Breslau; Siegbert Brandt und Margarete, geb. Conrad, Breslau. Tochter: Leo Stein und Maria, geb. Berg, Dortmund: Dr. med. Robert Singer und Lotte, geb. Bodlaender, Neisse; Erich Kassel und Ada, geb. Friedlaender, Oppeln. Gestorben: Helene Israel, geb. Kristeller, Glogau; Hermann Tworoger, Breslau; Joses Esrem Bernstadt; Paula Goldberg, geb. Kramer, Breslau; Ottilie Landsberg, geb. Hausmann, Posen; Margarethe Koenigsseld, geb. Heimann, Breslau; Else Schüftan, geb. Prager, Karlsruhe; Margarete London, Breslau. Breslau. Ms öer Verwaltung -er Spnagogen-Gemein-e. In ihrer geheimen Sitzung vom 24. wählte die Repräsentanten-Vevsammlung! der Synagogen-Gemeinlde Breslau einstimmig unter Annahme des diesbezüglichen Der Artikel „Bismarcks Stsllung zum In. den tum" ist zuerst in der „Kölnischen Zeitung" zur Veröffentlichung gelangt. Tie Red. Reparaturen sofort. Optiker Garai, Albreclitstraße 4 Gottesdienst In den Gemeinde-Synagogen ZU BreSlaU: mSynag. HßneSynag. Freitag Sbd. An den Woch.- tagen Konfirmation, Alte Synagoge, Sonnabend, 3'. Juli: Sieg' fried Friedeberg (Vater Richard, verstorb., Am Rathaus 18. 29.,7. Beginn abends 7.80 ü. 7.30 ü. 30./7. FrBbgottadirost morgs. Wodimtsgsm JJ Hptgottesdtsnst Vorm. 8.15 ü. 9.00 Uh Heumondweibe „ 9.45 ü. 9.10 U. w Predigt Schloß abends 8.33 U. 8.33U. 31./7. bis 5.-8. Beginn morgs. 6.30 ü. 6.45 U. abends 7.30 U 7.80 ü. Zurückgekehrt Zahnarzt Freund Höfchenstrasse 51. 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