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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-07-22 · 33 (22.7.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
33 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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fius -er Presse. Immer noch Unruhe in Palästina. Die „Kölnische VolkszeLtung" erfährt von ihrem Vertreter: In Haifa ist die Stimmung zwischen Arabern und Juden noch immer eine so erregte, daß es den letzterer: trotz ihrer Zahl und ihres Einflusses nicht gelang, in die hiesige Handelskammer mit gleichen Rechten ausgenommen zu werden. So. sahen sie sich genötigt, eine besondere ausschließlich jüdische Handelskammer mit obrigkeitlicher Genehmigung zu bilden. Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Die Tageszeitungen haben den Lesern bereits berichtet, daß der Haß zwischen Arabern und Juden in der Stadt Jaffa in schrecklicher Weise zum Ausbruch gekommen ist, indem er mehr als 50 Totschläge und über 250 Verwundungen herbeiführte. Die große Mehrzahl der Ermordeten und Verwundeten sind Juden. Alle klagen natürlich die Gegner als schuldig an. Die Araber, daß die bolschewistischen Juden den Aufstand und die Vergewaltigung herausgesordert und begonnen hätten — die Juden, daß die Polizisten die Mörder begünstigt hätten, stdtl sie zu hindern. Die Regierung bemüht sich, die wirklich Schuldigen zu bestrafen. Die Berliner „Volkszeitung" schreibt unter dem Titel: „Tatsächliches zur Ostjndensrage. Asylrecht sür die Staatenlosen" folgendes: Durch die bedauerlichen Vorkommnisse uu Internierungslager Stargard ist der Blick der Oessentlichleit wieder aus das sogenannte „Ostjudenproblem" gelenkt worden. Wohl über wenig Fragen ist man in Deutschland so unorienttert wie über die Einwanderung der Ostjuden. Zunächst must daraus hingewiesen werden, daß während des Krieges aus Veranlassung der Obersten Heeresleitung ostjüdische Arbeiter in großer Zahl zum Teil zwangsweise nach Deutschland geschasst wurden. Es ist bezeichnend, daß es gerade Dieierrigen Kreise sind, die 'heute noch diese unglücklichen Deportationen verteidigen, die jetzt die damals zwangsweise hereinge'brachten ostjüdischen Arbeiter auf das schärfste angreifen. Die Zahl der damals nach Deutschland gekommenen Arbeiter kann mit ca. 30 000 angegeben werden. Diese Zahl erhöhte sich uwer dem Einfluß der grauenvollen Jüdenverfolguugen im Osten Europas. Der dauernde Kriegszustand in Polen und der Ukraine, die ununterbrochenen Kämpfe zwischen Ukraincvn, Polen, Weißrussen und bolschewistischen Truppen haben für die Inden Polens und der Ukraine entsetzliche Verhältnisse geschaffen. Diese Lage der Lstjuden in der Hölle der Pogremländer, die Verfolgungen seitens der Polen und * der Ukrainer waren es, die dann weiterhin Ostiuden nach Deutschland gebracht haben. Ihre Zahl war über bei weitem nicht so. groß, wie es von der rechts stehenden Preffe so gern dargestellt wird. Im ganzen sind von 19TH4—1921, also in sieben Jahren, ca. 100 000 Juden, einschließlich der bereits während des Krieges zwangsweise nach Deutschland Gebrachten nach Deutschland gekommen. Schon seit mehr denn einem halben Jahr Hai die Zuwanderung vollkommen aufgehört, im Gegensatz ist die Abwanderung, die ständig zu konstatieren war — ist doch Deutschland vor allem ein Durchgangsland für diese Osttuden — außerordentlich gestiegen. Nach Feststellung des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands leben zurzeit von den hierher Geflüchteten nur noch höchstens rund 55 000 in Deutschland, rund 45 000 sind weitergewandert oder in ihre Heimatländer ziwückgekehrt. Der hier gebliebene Teil der ostjüdischen Einwanderer setzt sich aus Menschen zusammen, die tatsächlich Deutschland im Augenblick nicht verlassen können. Ein Teil von ihnen wartet aus die Einreiseerlaubnis nach anderen Ländern, zum großen Xol nach Amerika. Ein anderer Ten wartet aus die Möglichkeit, ist die Heimat zmüa- Mehren. Eine große Anzahl dieser Menschen ist durch die nriegssolgen Maieruos geworden. Em besonderes Beisp.ei dafür stno Die sog».nannten Galizier, die mit Dem- Ichen und österreichischen Heeren gemeinsam gekampst hcwen uno jetzt, da sie nicht Poren siuo uno werden tönncu, Naatemos sind. Ebenso stehl die Staatsangeyörigleil der aus der Ukraine Gefluchteten absolut nicht fest. Daher besteht auch sür Diese Menschen kein? Mvgiichrrit der 2iu«* kehr. Die tatsächliche Lage, Unmöglichkeit der Rüctkehr sür diese Leute und, was in engem Zusammenhang damit steht, die praktische Unmöglichkeit der Durchsüyrung etwaiger Massenausweisungen, die im übrigen dem deutschen Ansehen in der Welt nicht förderlich waren, zwiNgerr z»i einer sozialpolitischen Behandlung des ganzen Problems. Eine solche sozialpolitische Behandlung Des Problems ist möglich; die Zusammensetzung der Einwanderer beweist das schrägend. Es handelt sich zum allergrößten Teil uni ehrlich aroeitende Menschen, de pvoDuttive Arbeit zumeist in der deutschen Industrie und im .Handwerk oder auch in der Landwirtschaft leisten. In den Bergwerken des Ruhrgebietes sind rund 4000 Ostjnden unter Tag« beschäftigt, ebenso viele in Hüttenwerken, rund 7000 in der übrigen Industrie Rheinland-Westfalens, etwa 3010 sind in der Landwirtschaft tätig, einige tausend in den Industriegebieten Mitteldeutschlands, e'.nr größere Anzahl als Handwerker in Berlin. Ein geringer Prozentsatz, nur wenig über 10 Prozent, sind im Kleinhandel tätig. Gegen diese Arbeiter beginnt rnan jetzt vorzugehen. Nach Angaben der rechtsstehenoen Preffe harte man glauben sollen, daß das Internierungslager Stargavo, das mehrere tausend Personen saßt, im Handumdrehen tnU ostjüdischen Verbrechern angefüllt sein müßte. In Wirklichkeit sind nicht einmal hundert kriminelle Ostjuden Dort interniert. Der weitaus größte Teil der Internierten besteht, im Gegensatz zu den irreführenden Angaben reatttqnärer Kreise, aus absolut einwandfreien, ar^eiterrden Menschen. Ein größerer Teil von ihnen war wegen vorübergehender Arbeitslosigkeit einmal ausgewiesen, Da sie sich aber jetzt in ihre Heimatländer nicht zurückbegeben konnten, werden sie jetzt, nachdem sie längst wieder Arbeit gefunden hatten, interniert. Mit Recht wird verlangt, daß die große Wohnungsnot, die starke Arbeitslosigkeit in Deutschland nicht durch eine starke Einwanderung von Ausländern vergrößeri wird. Es ist schon oben betont, das; die Zuwanderung jetzt völlig aufgehört hat. Tie geringe Zahl rer augenblicklich hier Gebliebenen sollte aber kein Anlaß sein gegen diese Menschen mit Drakonischen Maßnahmen vorzugeben. Ein Teil von ihnen ist aus der Hölle d^r Pogrome nach Deutschland gestochen, der übrige Teil ist zur Arbeit zwangsweise hergebracht worden. Es licgt kein Grund vor, diesen Menschen, soweit sie produktiver Beschäftigung nach gechen, unser Mitgefühl und unsere Hilfe zu versagen, es licgt kein Grund vor, ibnen das Aivlrechi zu verweigern Breslau. Musikalische Bereinigung. Freunden klassischer Musik, Herren und Damen, bietet sich Gelegenheit, in einem vornehmen klassischen Musikverein am Orchesterspiel teilzunehmen. Fortgeschrittene Musikdilettanten aller Instrumente, die ihre musikalischen Fertigkeiten vervollkommen und ihr Wiffen auf dein Gebiete der klassischen Musik erweitern wollen, können gegen einen geringen Vereinsbeilrag (von 4 Mk. monatlich) an den Bestrebungen des Vereins teilnchmen. Das Streichorchester probt einmal wöchentlich unter Leitung eines Berufsdirigenten und unter Mitwirkung eines Künstlerquartetts. Der Verein erstrebt: 1. die Pflege klassischer Musik, 2. die Pflege der Geselligkeit. Der Verein veranstaltet: a) öffentliche Konzerte, b) interne Musikabende sür geladene Gäste, <0 Solistenkonzerte, d) Musikwissenschaftliche Vorträge, e) Gesellschastsabende, f) Vergnügungen. — Gerade in der jetzigen Zeit dürfte so mancher gebildete, geistig bochstehende Mensch sich von dem Zeitvertreib mit seichten und kostspieligen Dingen wie Kino, Fortrott rc. abwenden u.cd durch die Pflege klassischer Musik seine Feierstunden anregend und harmonisch zu gestalten. — Meldungen von Interessenten (aktiven und passiven Mitgliedern sind an den Dirigenten Herrn R. Schönseld, Augnsta strafte ft, y.t richten. IvSI Kalender 5681 Wochentag Mo Juli 31 T. tat Traums 29 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschmtl Freitag Zabbath 22. 23. 16. 17. BreSlauü" 4. vnod No>» n;ni Micha 6. 0—14, 6,1—8. -% Für die mit Namen gezeichneten Auffätze, welche die persönliche Meinung des Verfassers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schriftleitung nur die preß» gesetzliche Verantwortung. * KamMenanzeigen. Verlobt. Käle Raphtali, Breslau, mit Dr. Günther Bibo, Berlin; Gertrud Amann, Magdeburg, mit Paul Herlitz, Wilmersdorf; Ilse Blumlerg mit Heinz Tirschrigel, Breslau; Flora Dekro, Breslau, mit Siegfried Nathan, Löwen i. Schl.; Vera Fleischer mit Georg Spitz, Breslau; Bietti Wols, Rybnik, mit Hermann Schistan, Jalkowitz; Else Laskowicz mit Salo Schutz, Breslau; Ilse Borinski, Kattowitz, mit Erwin Wolf, Breslau. Vermählt: Herbert Czollat mit M'ally Koppenheim, Breslau; Carl Muschel mit Erika Nelken, Breslau; Bruno Salinger mit Lotti Weinberg, Breslau. Geboren: Sohn: Franz Czerny und Gabriele, geborene Pokorny, Breslau; Herbert Matzdorff und Edith, geb. Rothe, Berlin; Dr. S. Ochs und Frau Graetzer, Gleiwttz; Joseph Hofstnann und FrieDl, gcb. Hecker, Breslau. , Tochter: Julius Cronheim und Trude, geb. Kretschmer, M.-Gladbach; Emanuel Leipziger uno Liese, geb. Kapauner, Patschkau; Walter Wollmann und Ltlt. geb. Meyer, Breslau; Arthur Redlich und Grete, geb. Schocnivald, Berlin; Martin Süßmann und Käte, geb. Rosenthal. Breslau. <, Gestorben: Marie Sachs, geb. Marens, Breslau; Johanna Rother, geb. Retsser, Breslau-, Emma Freudenthal, g b. Sachs, Bveslam Miete Köppler, geb. Grünwald, Gletwttz: David Silbcrmann, Ratibor; Bianca Mathias, Breslau; Auna Kolter, Breslau. fln Spenden für öle „Mische kmüerhilfe" sind uns auf unseren Aufruf bisher zugegangen: Ernst Wallach, Berlin.Mk. 1000.— Moritz Arenstein, Breslau .... „ 20.— Martin Saul, * .... „ 50.— Unbekannt. „ 50.— Frau Vorreuter, Dortmund ... „ 100.— Sa. Mk 1220.- Wir danken den Gebern herzlichst und hoffen auf weitere zahlreiche Eingänge im Interesse der guten Sache. Jüdisch-liberale Zeitung. Gottesdienst Id den Gemeinde-Synagogen zu ' Uta Synag. Neue Synag. Freitag 22.,7. Beginn abends 7.30 ü. 7.30 U. Sbd. 9t 23.,7. 91 Frlligottndinst morgs. Wmhntigim. 1t 11 Hptgottesdlcnst — 8.15 ü. 9.00 U. 9t 9t Bredigt „ 9.45 U. 9.45 U. 9t 9t ingcndaattasitit. nachm. — — Sonluß abends 8.44 U. 8.44 U. An den 24./7. Beginn morgs. 6.30 ü. 6.45 U. Woch.- bis tagen 29. 7. " abends 7.30 ü 7.30 ü. Ls ist eine Ehrenpflicht aller jüdischen Mit bürger, der WrlilWn krsnkeil - verpfleguM Hnjlait und WrSigiiiW-WlljW llhMS ' T. als Mitglied beizutreten und hierdurch unser Israelitisches Krankenhaus in seiner durch den Krieg und die wirtschaftlichen Folgen herbei geführten schweren Notlage zu unterstützen. Nichtmitglieder der Ehewra Kadischa haben bei Trauerfällen für sich und ihre nicht selbständigen Haushaltungs - Angehörigen die Beerdigungskosten in doppelter Höhe zu bezahlen Beitritt-Meldungen an das Büro des Israelitischen Krankenhauses, tzohenzollernstr. SS (Tel. Ring 8716-18.) Mtn, Meisen iiiiiiiiiimiiniiiii / *iiiiiiiiiiiiiiiini i. fintliftt MriöukttB kauft und verkauft F. W. Fuchs Jih. E. Kräcker Kresla«. Kangegafse 4 Fernsvr. Ring 11262. Erstklassige Pension ist in besserem Hause an berufstätige Dome za vergeben. Offert, unt. P. 5 an die Expedition der Jüdischliberalen Zeitung. Wir bitten bei Einkäufen auf die Ufldif di - liberale Zeitung Bezug zu nehmen. PelseueuflcH - Oersiciierunuen Prämie: 30 Tage 3.— Mk. 1 pr0 tooo Mark 60 „ 5 — „ \ Vcisicherungs- 90 .. 7.50 .. J Summe Securitas Rolai Versicherung* - Aktien - Gesellschaften Bre General-Agentur fQr Schlesien: Rieh, ätruve Breslau 13, Auguslastraße 139 g- Telefonischer Anruf Ring- 11824 genügt. - Kulante und schnellste Schaden-Regulierung. 2ke jefeciante, ^Ariitfandiifir Herten u, Domen Aaufen. Sxe un3 vortetEftoft AriMi Rc5£ntfi£i£ Neue ScHu/efdrutzerstr. 5 S= Kaust nur bei Änserenten! 3S Spezialitäten in der Preislage von 1.50—3.00. Karl Baumgarten dteuctcrtstr.VL, Lcäce^ngustQStr. - bsrorot lring 201S - GrQndcngaJel Fordern Sie meinen Besuch. 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