Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 30 (1.7.1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Freitagabend, müsse mehr von der Jugend besucht werden, in den Ferien sollten die Kinder auch am Sabbat zur Synagoge gehen, der Gottesdienst müsse aber liberal ausgestaltet, mehr deutsche Gebete eingeführt werden. Die jüdischen Lesehallen sollten mehr benutzt werden. Die Jugendvereine sollten den Grundstock des Liberalismus bilden. — Der zweite Referent erklärte die Erziehung der Kinder zu liberalen Juden für die Hauptaufgabe des Liberalismus. Der Berliner Jli stehe zwar nicht der Zahl nach, wohl aber nach Art seiner Betätigung auf der Höhe; er bemühe sich, das Verständnis für das religiöse Leben und für den Liberalismus zu fördern; ihm, dem Referenten, habe dies in seiner Jugend gefehlt. Das Wichtigste bei der Jugenderziehung sei das, was die Kinder zu Hause sehen, sie müssen mit Liebe zu den alten Einrichtungen erfüllt werden. Der Liberalismus fordere die Jugend auf zr,m Kampf gegen Gleichgültigkeit und Taufe, der Liberalismus wolle nicht zerstören, sondern aufbauen auf der Grundlage, die er für gut erkannt habe; die Erziehung zum Liberalismus sei nicht nur Aufgabe des Hauses und der Laien, sondern vor allem der Rabbiner und Lehret, welche die Jugend mit den Idealen des liberalen Judentums erfüllen sollten. An die Borträge schloß sich eine lebhafte Diskussion an. Besonders bemerkenswert waren die Ausführungen des Herrn Dr. H o ch f e l d. Der Zionismus übe hauptsächlich deshalb eine so große Anziehungskraft auf die Jugend aus, weil er mehr politische als geistige Ziele verfolge, weil er Unmögliches wolle, in gleicher Weise wie die extremen politischen Parteien, die auch so verlockend auf die Jugend wirken. Orthodoxie und Zionismus befänden sich ferner heute gleichsam in der Offensive, der Liberalismus in der Defensive, die Offensive gebe aber Schwung, der Liberalismus leide unter einer gewissen Sattheit, in seiner Stärke liege zugleich seine Schwäche, Orthodoxie und Zionismus treiben schon in der Schule Agitation, mit der skrupellosen Art ihrer Agitation käme der Liberalismus nicht mit, aber agitieren müsse er auch. Das Judentum sei keine Sammlung von starren Lehren und Grundsätzen, sondern etwas historisch Gewordenes, das in Fluß sei. Herzenssrömmigkeit sei wertvoller als die religiösen Formen, diese seien aber nicht etwa überflüssig oder wertlos, sie spielen auch für den Liberalismus eine Rolle, sie seien Ausdrucksmittel für das religiöse Leben, seien Stütze, aber nicht Fessel. Eine verständige Pflege der Formen solle euch von den liberalen Juden geübt werden. Berlin: Auf einstimmigen Beschluß des Prosessorenrats hat die L a n d w i r t s ch a f t l i ch e H o ch s ch u l e zu Berlin dem Professor Nikodem Caro, der am 26. Mai 1871 in Lodz geboren ist, die Würde eines Doktor der Landwirtschaft ehrenhalber verliehen. Diese seltene Auszeichnung wurde Herrn Geheimen Regierungsrat Professor Dr. N. Car o, der auch dem Kuratorium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums angehört, aus Anlaß seines 50. Geburtstages deshalb zuteil, weil Caro im Verein mit Professor Dr. A. Frank ein Verfahren ausgearbeitet hat, den Stickstoff der Luft in der Form von Kalkstickstoff nutzbringend zu gewinnen. Nicht nur während des Weltkrieges, als Deutschland keinen Chile-Salpeter erhalten konnte, sondern auch in jetziger Zeit hat die hauptsächlich Prof. N. Caro zu verdankende Beschaffung des gebundenen Stickstoffs für Landwirtschaft und Industrie sehr große Bedeutung. Einzelne Anlagen, die nach dem Frank-Caro scheu Verfahren künstlich Stickstoff für den durch den langen Krieg ausgeraubten Boden der Landwirtschaft Herstellen, arbeiten mit Tausenden von Arbeitern. 1906 hatte Caro vom Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes die Silberne Medaille erhalten. Berlin: Einwanderung nach Mexiko. Die Zahl der Emigranten, die sich nach Mexiko begeben wollen, ist in der letzten Zeit sehr gewachsen. Sie steht in keinem Verhältnis zu der Aufnahmefähigkeit des Landes. Nachrichten, die über Mexiko vorliegen, lauten dahin, daß es ein Land der Tagelöhner, der Arbeiter ist. 90% der Bevölkerung lebt von Löhnen, so daß es etwa 14 Millionen Proletarier gibt. Daher bedeutet es dasselbe: nach Mexiko Arbeiter und nach Brasilien Kaffee oder nach Chile Salpeter bringen. Die Einwanderung, die Mexiko braucht, ist nicht die der Arbeiter — wenigstens so lange, bis sich seine wirtschaftlich industrielle usw. Tätigkeit vervielfältigt hat —, sondern die Einwanderung von Leuten, die Land erwerben und es mit Maschinen bearbeiten oder auch von Leuten, die mit ihrem Kapital neue Industrien gründen. Mittellose Arbeiter können deshalb für absehbare Zeit nicht dringend genug davor gewarnt werden, nach Mexiko auszuwandern. Gtargard i. Pommern: Vom Internierungslager. Der preußische Minister des Innern hatte hierher einen Vertreter zwecks Untersuchung der bekamtt gewordenen Mißstände im hiesigen Internierungslager entsandt, um zu prüfen, in welcher Weise sich einzelne Wachmannschaften Uebergriffe gegen die internierten Ostjuden haben zu schulden kommen lassen. Die Untersuchung ist nun abgeschlossen und hat das Ergebnis gezeitigt, daß die Wachleute Erich Otto, W i l l n o w und Raps wegen schwerer Mißhandlungen am Donnerstag aus dem Dienst entlassen worden sind, und daß deren Bestrafung erfolgt. Gegen drei weitere Leute schwebt das Verfahren; es ist noch nicht abgeschlossen. Die Internierten behaupten mit positiver Bestimmtheit, daß sie von einem Wachmann mit dem Gewehrkolben geschlagen worden sind, und daß dabei das Gewehr mitten entzweigesprungen ist, während die Wachleute dies bestreiten. Tatsache ist jedoch, daß das Gewehr eines Wachmannes am anderen Tage nach dem Brande in zwei Stücke geschlagen war, doch will der betreffende Wachmann mit dem Gewehrkolben auf den „Erdboden" (1) geschlagen haben. Die Wachleute wollen zu den Mißhandlungen von den Internierten gereizt worden sein. Daß die unglücklichen Opfer geschlagen worden sind, hat die Untersuchung einwandfrei ergeben. Allen Wachleuten wird von jetzt ab ein Revers vorgelegt, worin sie sich nnterschriftlich verpflichten, alle Mißhandlungen usw. zu unterlassen. Wer gegen diese Vorschrift verstößt, wird sofort entlassen. Hoffentlich faßt man die entlassenen Prügelhelden nicht laufen, sondern fi'chrt sie ihrer wohlverdienten Strafe zu. München. (Ehen jüdischen Rechtes in Deutschland.) Das Bayerische Oberste Landesgericht hat jüngst einen Beschluß erlassen, der wegen seiner praktischen Bedeutung in weitesten juristischen Kreisen Aussehen erregt hat und vom Justizministerium durch Veröffentlichung im Staatsanzeiger zur Kenntnis der Standesämter gebracht wurde. Tatbestand und Entscheidungsgründe sind kurzgefaßt folgende: Die Beschwerdeführerin S. P. und ihr Ehemann sind mosaischer Religion und litauische (früher russische) Staatsangehörige. Ihre Ehe wurde am 30. 7. 19 von dem Rabbinat M. nach jüdischem Ritus durch Erteilung des Scheidebriefs geschieden. Die Beschwerdeführerin beabsichtigt nun, sich mit dem polnischen Staatsangehörigen Sch. D. in M. zu verehelichen und hat deshalb bei dem Standesamt M. den Antrag gestellt, das Aufgebot zu erlassen. Das Standesamt hat dies mit Hinblick auf 8 1309 B. G. B. mit Art. 30 E. G. B. G. B. abgelehnt, da die deutschen Gesetze nur eine gerichtliche Scheidung der Ehe kennen und deshalb die Scheidung durch das Rabbinat M. nicht als für die Erlassung des Aufgebots zu einer neuen Ehe genügend anerkannt werden könne. Das gemäß § 11 Abs. 3 P. St. G. angerufene Amtsgericht und das für die eingelegte Beschwerde zuständige Landgericht haben dem Standesbeamten beigepslichtet, ebenso als letzte Instanz das Oberste Landgericht. Wesentlich sind die folgenden vom Ob. L.-G sestgelegten Rechtssätze: „Die Frage, ob eine in Deutschland durch Ausübung einer geistlichen Gerichtsbarkeit vorgenommene Ehescheidung als bürgerlich rechtswirksam erachtet werden kann, ist ganz allgemein und namentlich auch für Ausländer ohne Rücksicht auf irgend ein religiöses Bekenntnis zu verneinen. Von einer rechtsgültig vollzogenen Auflösung der Ehe durch Scheidung könnte hier sonach selbst dann nicht gesprochen werden, wenn die Scheidung dem in Betracht kommenden ausländischen Recht vollkommen entsprechen würde und ihre Rechtsgültigkeit von der hierzu berufenen ausländischen Regierung anerkannt wäre. Aus -er Presse. Polnische Gefühlsroheit. In der „Germania" gibt Reichstagabgeordneter Dr. Herschel folgende Episode aus Oberschlesien wieder: „Beim Angriff auf Loslau war dem polnischen Jnsurgentenführer M i ch a l s k i das Pferd unter dem Leibe erschossen worden. Er befahl, daß sein Streitroß auf dem jüdischen Leichenwagen feierlich bestattet werde und daß die jüdischen Bürger es zu begleiten hätten, als die Stadt von den Aufrührern genommen war. Das ist keine erfundene Geschichte für die reifere Jugend, sondern eine von Zeugen eidlich erhärtete wahre Begebenheit." Rabiudranath Tagore und Studentenschaft. Die „Berliner Bolkszeitung" berichtet: „Als die l^rropareise Rabindranath Tagores bekannt wurde, stellte im Asta, dem Allgemeinen Studenten-Ausschuß einer deutschen Universität, eine Freideutsche Gruppe den Antrag, den Dichterphilosophen auch zu ihrer alma mater für einen Vortrag zu bitten. Der Vorsitzende des Studentenparlaments gerät in Verlegenheit, da er von dem Mann mit dem seltsamen Namen in seinem Leben noch nichts gehört hat; er bittet um Aufklärung. Da schallt es aus schmisseverziertem Antlitz im Bierbaßbuffo: „A ufklarun gunnötig. Wird wohl irgend ein jüdischer Rabbiner sein, Farbentragende lehnen Antrag aus völkischnationalen Rücksichten ab." Lebhafte Zustimmung. Trotz aller Einwände der Frcideutschen wird unter akademischem Trampeln beschlossen, Herrn Tagore nicht einzuladen, weil sein Besuch „weder dem Ernst der Zeit" noch vor allem „den Belangen der deutschen Würde" entspräche. - Kommentar überflüssig. Die Red. Breslau. Die Notwendigkeit der Erhaltung der Industrieschule. Die Industrieschule für israelitische Mädchen, die seit mehr als hundert Jahnen dahin ge? wirkt hat, in ihren Zöglingen jüdischen Geist lebendig zu erhalten und sie zugleich zu nützlichen Mitgliedern nicht nur unserer Gemeinde, sondern auch des gesamten Volkes zu erziehen, steht vor einer folgenschweren Entscheidung. Krieg und Revolution erschütterten ihre finanzielle Grundlage so sehr, daß ihr Fortbestehen fraglich geworden ist. Aber gerade jetzt hat diese Schule einen besonderen Wert im Hinblick aus die vieler: Fttichtlingskinder, welche gewiß ganz besonderer Fürsorge und guter Erziehung bedürfen. Wer also sozialen Sinn und ein warmes Herz für die notleidende Jugend unserer Gemeinschaft 'besitzt, sollte dieser Anstalt nicht gleichgültig gegeniiberstehen. Sie hat stets die Anerten'nung der Breslaner Schulverwaltung 'besessen und müßte gerade jetzt von unseren Gemeindemitgjliedern in dieser schweren Krisis unterstützt werden. Am Montag, den 4. Juli, nachmittags 6 Uhr, soll im Repräsentantensaale der Synagogengememde die Hauptversammlung entscheiden, ob man die Mittel fände, die Jndusttieschule weiter zrr erhalten oder ob man sie aufiöfen müsse. Alle Freunde und Gönner der Anstalt werden darauf aufmerksam gernacht und gebeten, recht -zahlreich zrr erscheinen. Insbesondere gilt dies von den Mitgliedern des Vereins, dmen die Wohlfahrt der von ihnen bisher erhaltenen Schule besonders am Herren liegen muß, und die hoffentlich Mittel und Wege firmen werden, sie werter zu erhalten^ R. U. Reprasentmsien-Bersammlung. Die Repräsentanten-Versammlung unserer Gemeinde, die letzte vor der Sommerpause, erledigte am Mittwoch ihre Tagesordnung nebst mehreren Dringlichkeitsanträgen in wenig mehr als zwei Stunden. Sie nahm einleitend Kenntnis von einer am Sonntag stattfindenden Sitzung über die Zusammensasiung der jüdischen Wohlfahrtsarbeit und entsandte in diese die Herren Geheimrat Reich und Rechtsanwalt Jacobsohn. Eine Bitte des Beamtenvereins um Aufbesserung der Beamtengehälter, wurde der Gehaltskommission überwiesen. Zur Beschwerde der Hörer des hiesigen Rabbinerseminars betreffend Säumigkeit in der Ablieferung der aus der Gemeindebibliothe! entliehenen Bücher wurde allseitig betont, daß die jetzigen Hörer darunter nicht verstanden worden waren. Infolge eines Dringlichkeilsantrages wurden dem Vorstande die Mittel bewilligt, die im Hause am Anger hervorgetretenen Schäden sofott zu beseitigen. Alsdann wurde in die Tagesordnung eingetreten. Die Versammlung gab ihre Zustimmung zur Annahme von der Gemeinde gemachten Stiftungen, zrr den Vorlagen über Gebühren für Grabstellen und zur anderweitigen Verwendung der dem Kurhospital Salzbrunn bisher gewährten Jahrcsbeihilfe. Zur Neuordnung der Bestimmungen betreffend die Kinderbeihilfen beschloß sie, den allmählichen Abbau derselben erst dann eintreten zu lassen, wenn das Gesamteinkommen eines Kindes 160 Mark monatlich übersteigt, und zwar um den überschießenden Betrag. Die Beihilfe zur Gewährung von Teuerungszulagen an Beamte der kleinen Verbandsgemeindenen wurde auf 3000 Mark erhöht. In der sich anschließenden geheimen Sitzung handelte es sich um die Bewilligung von Unterrichts- und Vertretrmgshonoraren und die Gewährung von Wirtschaftsbeihilsen. Israelitische Kranken-Berpflegungs-Austalt. Am Sonntag, den 26. Juni 1921, fand die nach den Satzungen in dreijährigen Zwischenräumen vorgefchriebene Generalversammlung der Israelitischen Kranken-BerPflegungS- Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft im Saale der Gesellschaft der Freunde statt. Der Vorsitzende der Israelitischen Kranken-Verpflegungs- Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft Herr Eduard Sacheröffnete die Sitzung. Die Wahl des Vorstandes ergab die fast einstimmige Wiederwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder. Anstelle des durch Krankheit ausgeschiedenen Herrn Justizrat Joel wurde mit 205 Stimmen Herr Heinrich Oschinsky neu in den Vorstand gewählt. Ferner hatte Herr Hermann Jacobowitz 62, Herr Schneidermeister Draier 34 Glimmen erhalten. Einige Summen waren zersplittert. Herr Eduard Sachs erstattete in eingehenden Darlegungen den Rechenschaftsbericht und wies auf den allen Gesellschaftsmitgliedern bereits zugegangenen ausführlichen Berwaltungsbericht hin. Der Vorsitzende erstattete sodann einen ergänzenden Berwaltungsbericht, indem er in ausführlicher Weise auf die großen Schwierigkeiten hinwies, die dem Krankenhause vurch die Not der Zeit erwachsen sind. Er gab ziffernmäßig die außerordentliche Steigerung der Betriebsausgaben bekannt, mit der leider die Einnahmen nicht gleichen Schritt halten konnten, sodaß große Fehlbeträge unvermeidlich waren. Auch hier habe die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen sich wieder in hervorragendster Weise betätigt und nur durch die hochherzigen Spenden, die dem Krankenhause von edlen Menschenfreunden zugeflossen sind, war es dem Vorstande möglich, den Betrieb oes Krankenhauses aufrecht zu erhalten und die Segnungen desselben den Armen und Kranken zuteil werden zu lassen. Der Vorsitzende spricht allen Beteiligten und zwar sowohl den edlen Spendern, wie den Freunden und Gönnern der Anstalt, die sich durch ihre Werbetürigkeit an dem menschenfreundlichen Werke beteiligt haben, die innigste Dankbarkeit des BorstanoeS aus. Er knüpft hieran die Bitte, an alle Gemeindemitglieder, auch weiterhin dem Krankenhaufe ihr Wohlwollen zu bewahren und durch ihren Beitritt zur Israelitischen Kranken-BerpslegungS- Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft, sowie durch hochherzige Zuwendungen dem Krankenhause die Möglichkeit zu geben, über diese schwierigen Zeiten, deren Ende leider noch nicht abzusehen ist, hinwegzukommen und die Sicherheit für die Erhaltung oer Anstalt, dieses stolze Symbol jüdischer Wohltätigkeit, zu schaffen. Er vertraut dem stets bewährten Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, der sich bisher in so hervorragender Weise bewährt hat, daß auch dem Krankenhause stets neue Freunde und Gönner erwachsen werden, die dieses segensreich wirkende Institut unserer Gemeinde und unserer Glaubensgemeinschaft auch in Zukunft erhalten. Auch den Körperschaften unserer Synagogen-Gemeinde, ferner den Aerzten und Beamten der Anstalt, den Ehrendamen, der Achtzehn-Männer- Vereinignng und den Bezirksarmenärzten sprach der Herr Vorsitzende namens des Vorstandes Dank und Anerkennung auS. Bei der Aussprache über den Verwaltung- und Geschäftsbericht wurde von Herrn Bankier Loewy ein Antrag der Ortsgruppe der AgudaS Jisroel verlesen, der sich mit der Beobachtung oer Vorschriften über Kaschruth und Sabbatruhe im Krankenhause befaßte und größere Sicherheiten dafür verlangte, daß oiese religiösen Vorschriften im Krankenhause fernerhin gewissenhafter als bisher beobachtet werden. An diesen Antrag schloß sich eine eingehende Debatte, in der auch die Herren Gemeinderavbiner darüber berichteten, daß sie das Krankenhaus erst vor einigen Tagen besichtigt und alle Einrichtungen für die Beobachtung des Kaschruth in mustergiltiger Weise befunden haben. Eine Sicherheit dafür, daß diese Vorschriften auch von allen untergeordneten Stellen im Krankenhause genau beobachtet werden, sei natürlich durch diese Einrichtungen noch nicht gegeben. Im Laufe der Aussprache wurde der Wunsch laut, daß den Herren Gemeinderabbinern die Aufsicht über die Beobachtung der Kaschruthvorschriften im Krankenhaüse übertragen werden soll. Von Seiten des Vorstandes wurde darauf hingewiesen, daß sowohl seitens der Wirtschaftskommission, wie durch die ehrenamtlich tätigen Damen bereits eine genaue Kontrolle auch hinsichtlich der Kaschruthvorschriften stattfinde, jedoch erklärte sich schließlich der Vorstand bereit, die heute vorgetragenen Wünsche in Erwägung zu ziehen und jedenfalls auch fernerhin alle Maßnahmen zu treffen, die eine Sicherheit für die genaue Beobachtung der Kaschruthvorschriften bieten. Die Versammlung war nach eingehender Aussprache mit dieser Erklärung des Vorstandes einverstanden. — Die bisherigen Rechnungsprüfer Stadtrat Georg Leß, Isidor Cohn und Adolf Lewin wurden wieder und als Stellvertreter Elkan Weiß und Ignatz Walsch neu gewählt. Nachdem noch Herr Professor Dr. Wohlauer dem Vorstände des Krankenhauses und insbesondere dem Herrn Vorsitzenden den Dank der Gesellschaft für die hervorragenden Leistungen in der Verwaltung der ihm unterstellten Wolhtätigkeitsanstalten, die insbesondere bei diesen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht hoch genug bewertet werden könnten, ausgesprochen hatte, wurde die General-Versammlung geschlossen. ~ * » * Auch wir können bei dieser Gelegenheit nur nochmaleinen warmen Appell an unsere Gcmeindemitglieder richten, sowohl das Krankenhaus, wie die Altersversorgungsanstalt und das Siechenhaus, deren Weiterbestand infolge der finanziellen Not aufS äußerste gefährdet ist, durch hochherzige Zuwendungen und laufende Beiträge zu unterstützen, damit diese für unsere Gemeinde so außerordentlich wichtigen Wohlfahrtseinrichtungen auch weiterhin ihre Segnungen den bedürftigen Glaubensgenossen zuteil werden lassen können. Die Red. Versammlung der Beerdigungsbeamten. Die Beerdigungsbeamten der Synagogengemeinde hielten am Montag abend in den Nebenräumen des Kammermusiksaales eine Versammlung ab. zu der sie eine Anzahl Gemeindevertteter eingeladen hatten. Nur die liberalen Repräsentanten hatten der Einladung Folge geleistet. Zwei Bertteter der Beamten schilderten in beredten Worten