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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-07-01 · 30 (1.7.1921) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
30 (1.7.1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdisch liberale Zeitung Die „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint jeden Freitag und kostet durch die Voll ober durch die Geschäftsstelle bezogen, vierteljährlich Mk. 4 Ginzeinummer 40 Vs. Zahlungen aufVostscheckkontoBreslau 433S7,2lldifchllberale Zeitung, Kafsenverwaltung, S.Bager, Breslau i ■ t um ■ »Ti mm» ttt » nnniTTmi Reaktion und Geschäftsstelle: v Breslau 3 Neue Graupenftraste?, i. Imiirifiiiimimiiiiinniiiimimi Annahmeschlust für Berichte: Montag mittag Sprechstunden der Schrlftleltung: Montag bts Arettag 12—1 vorm, tn der SefchüttSsteNe. Annahmeschlust für Anzeigen: Dienstag früh Dle 3l/a cm breite MlNtmeterzetle kostet üo Pf., Aamtltenanzetgen 40 Pf BelMederdolungErmäßigung «.Tarif Nr. 30 Breslau, den 1. Zull 1921 1. Jahrgang Für unsere Kinder! Um möglichst »Veite Kreise des deutsche» Indent»»«»» zur Beteiligung au der von der .tentralmohlsahrtsslelle der deutschen Anden ins Leven gerufenen „Indischen Kinder- Hilfe" heranznziehen, »vird die „Jüdisch-liberale Leitung" in Abständen von 2 :r Wochen diejenigen Spenden veröffentlichen, die der „Indischen Kinderhilse" durch ihre Bermittlnng zufliesten. Die Einzahlnngen derjenigen Beträge, für die derRnowei» ge»vünscht »vird, bitten »vir auf da» Postscheck-Konto 45387, Kassenverwaltung der „Iüdisch-liberalen Leitung", Breslau I, vorznnehmen. Sie »nüssen ausdrücklich als Spende für die „Jüdische Kinderhilfe" gekennzeichnet sein. Wir bitten unsere geschätzten Leser, sich der Rubrik „Jur unsere Kinder" in »veitesteu» Maste zu bedienen und hoffen, recht bald beträchtliche Sninme» austveisen zn können „ Jüdisch-liberale Heilung. Brief aus Palästina. Bon Dr. A. M i b a } h n 11. Da.5 ,,0,0vaolit.jd)C Wochenblatt für die Tchiveiz" veröffeiulich! c:ncj» Brief aus Palästina, in dem aus zionistischer Jcder die grosteu Lchwieriakeiten der palastineusischeii Berbältnisse geschildert iverden. Wir bringen i!m als besonders wertvolle Ergänzung des in der »'origen Nummer des Blattes cridiiciicncii Berichtes im folgenden zur Kenntii'S unserer Leser. Die Red. Jaffa, «>. Juni. Unergründlich ist der Wandel der politischen inib diplomatischen Kundgebungen unb rrnglattblich rasch tiehmen sie nette und vorher unvorousgesehene Gestalten an. Bor kann: zwei Monaten beteuerte Churchill die Unanfechtbarkeit der BalfonrdeUaration und jetzt ivird dieselbe Deklaration vont Oberkommissär Palästinas abgetönt und ,,qemilbcrt", um des lieben Friedens mit den arabischen Hetzern tvilleit. Doch gehen wir konsequeiü an .die Beurteilung der mtgetiblicklichen Lage in Palästiita und itet)incn wir alles im Zusammen Hang vor. Die 2 t i 11t m u n g ist im ganzen Lande rntd ganz besonders iit Jaffa und den judäischen Kolonien noch eine recht ungemütliche. Die Araber sind tlngehalten tmd unzitfrieden mit den bisherigett Crfolgett imb drohen offen und versteckt — das Spiel vom >. Mai gelegeittlich zn tviederholeit. Die Inden sind, niTbemaffiiet und llnorganisiert, ein Ratlb der heillosesten Panikgerüchte tmd von eitrer mtbeschreiblichett Nervosität. Beide, Araber und Juden, wurden seit Mitte Mai auf bcu 'i. Juni verwiesen, an welchem Tage, gelegentlich oer ltzeburtstagsfeier des englischett Königs, eilte politische Erklärung t»om Oberkommissär abgegeben würde. Auch hierüber fuvjiertcii bereits Legenden, und noch am Vorabend des deitktvürdigeit Tages, als ich mit den übrigen eingeladenen Gästen iit Jerufaletti ankant, raunte man sich allerlei Vermiltungen über den Inhalt und die Tragweite der erwarteteir Deklaration 311. Diese karrt. Irr deinselben prunkvollen, großen Saal des Regierungspalastes mif dern Oelberg, wo Herbert Samuel seine Antrittsrede am 5. Juli i 920 gehalten, und wo sein erstgeborener Sohtt sich die Landestochter Hadassa Grasowsky angetrant hatte, gab der Ober kommissär diesriral eine Erklärung ab, die vorr vielen Inden als ein ernster Stoß für tlttfere Hoffintttgert ans eirre rasche Crlangnng des zionistischen Zieles vetrachtet tverderr tvird. Nach einer recht interessanten Schilderillig der Fortschritte, die das Land mtd das „Volk Palästinas" in den abgelanseneir 1l Mo - ——«|i MW-llbllM JuoenOoerein zu lm\m. Sonntag, den 3. Juli 1921, früh ^«6 Uhr: Ganztagsausflug nach dem Schlesiertal Hinfahrt biS Breitenhain, Rückfahrt von Charlottenbrunn Treffpunkt vor dem tzauptportal am Hauptbahnhof Zusammentreffen mit Liegniher und Schweidniher Zli- Mitgliedern. - Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt. Montag, den st. Juli 1921. abends 8 Uhr: Gemütliches Beisammensein im Südpark. Zur Beachtung: Der QuartalSbettrag ist fällig. Wir bitten um baldige Einsendung auf das Postscheckkonto BreSlau 17 44g Alfred Berger. >_i nateii der Regierungstätigkeit Sa>nnels erreicht haben, wendete er sich der politischett Seite 311 und gab die bedeutungsschweren Erklärungen ab, die Sie sicherlich t aus telegraphischetii Wege erhalten haben tverdeti, die ich daher mir kurz resüntiereu will. Zunächst kam - nicht, wie manche vielleicht erlvartet hüttell, eine Verurteilung der'arabischen Hetzpropagaitda, die ttttu scholl so'viel Menschettblut kostet, soitdertr — ein neuer „Peirnsch" zur schon so oft angerufetleu Balfonr deklaration. Denn die Erregung der Araber gegen diese Erkläritug des britischell Staatsmalmes ist sehr groß, 1111b diese Kinder des Landes miiffen vor allem beruhigt tverdeit. Die Balfourdeklaration ttenester Aitflage bedeiltet also-."„Daß den'Juden, die über die ganze Welt verstreut sind und das Heilige Laitd seit jeher liebelt, die Möglichkeit geboten werde, hier ihre'Heimat em^urichten und daß einige von ihnen, nach Maßgabe der Aufttahittefähigkeit des Landes — bestimmt durch die Zahl und Interessen der gcgenmiiitigeu Einwohner — »,ach Palästina kommen dürfen, uni durch ihre Mittel lind Energie das Land^aufbanen zil helfet,, zum Ntitz llitd Froult,teti" aller Landeseinwohner." Vorher hatte Sir Herbert Samttel es als eine für Englands Rechts gefühl ittlatntehtilbare Zunttttung abgelehnt, daß ettva eilt Judenstaat errichtet tvürde, der über die liichtjüdische Mehrheit herrschen solle. Ferner beteuerte der Ober kommissär, daß, wenn Schritte nötig sein sollten, um die christlichen und mohammedanischen Bevölkernngsteile davon zu überzeitgen, daß ihre Rechte wirklich gesichert sind, solche unternommen mevbeir tvürden. Er sprach attch von der E i tt tv a it d e r li n g, gab zu, daß mit den neuen Einwanderern einige Träger bolschewistischer Ideell iits Land gefommcn feien, imb daß diese nun zunt großeit Teil gefangen seiet! inld der Ausweisung harren. Die Einwanderung sei vorläufig eingestellt, bis die Ruhe ins Land tviedergekehrt sei, sie werde aber dentnüchst nach fünf Kategorien (Touristen, Leute mit unabhängigen^Mitteln, Leute mit einem bestimmten Berns, Familienangehörige von in Palästina ansässigen Einwohnern, Leute, die in Palästina in Arbeit gehen können), sotvie den bereits unterwegs befindlichen Palästinafalirern (in beschränkten, Maße) gestattet sein. Der Oberkominissär erinnerte nochmals daran, daß die Bedingilngen, in denen sich Palästina heute besittdet, eine Masseneinwanderung nicht gestatten. Sodann versprach Herbert Samuel Maßnahmen zur Heranziehung des Volkes voll Palästina au die Landes regiertlug iu iinuter steigendem Maße, sofortige Ein führuttg des Muuizipaltvahlgesetzes, daß die Interesse» der nichtjüdischen Einwohner Palästinas durch das Mandat und den Völkerbund gesichert tvürden, nstv. Er äußerte sein Bedauern über die Vorfälle in Jaffa und drückte die Hoffnung ans, daß die Schttldigen bestraft iverden tvürden. Er schloß mit der Versicherung, daß Palästina und seinem edlen, friedliebenden Volke eine herrliche Znktlnst bevorstehe. Es ist schwer zu sagen, welchen Eitldrnck diese Er klärtlng in, Lande gemacht hat. Die Juden sind durch sie verletzt und enttäuscht, die Araber dennoch nicht znfriedett. Zugegeben tvird allseits, daß die wunderbare Unfähigkeit und rührende Organisationslosigkeit unserer Bewegung einen Hanptteil der Schuld an diesem po litischen Debaele tragen: daß die englische Regierung und ihr höchster Beainter in diesen, Lande von der zionistischen Leitung sozusagen hinters Licht geführt worden seien, als man von ihnen auf Grund von zu hochgeschraubten Versprechungen betreffend unsere Ko lonisationsfähigkeit die völlige Freigabe der Ein watlderung erlangte, ivelche dann bereits nach den ersten Wochen sich für die vorlättfigen Existenzmöglichkeiten in, Lande als zu hoch erwies. Zugegeben auch, daß unsere zionistischen Organe in, Lande, die in den ersten Jahren fürstliche Budgets verpulverten und jetzt seit einigen Monaten überhaupt keinen Rappeil mehr besitzen, ihre Pflicht gegenüber beit großen Kolonisations aufgaben nicht erfüllt haben. Immerhin ist der Vortrag des Oberkommissärs allein ans diesen unseren Schtvächen heraus nicht vollständig und restlos zn erklären. Die Lage ist vielmehr ernst, und die aufkeiinende Auf' standsbeivegung der Araber gegen die Etlropäer, wie sie hier und in Aegypten zum Vorschein gekontmen, zwingt zu Schritten, die in norrnalen Zeiten nicht unternommen worden tvären. Es gilt, die Araber, die dtlrch unvera,ittvortliche Hetzer fortwährend gegen tlns und die Regierung aufgestachelt tverden, zu beruhigen, ihnen die eingetrichterten Gespenster aus den Hirnen z,t verscheuchen und das normale Verhältnis zlvischen den benachbarten und früher auch befreundeten Rationen tvenn möglich wieder herzustellen. Diese und die Gründe allgemeiner Natur (Unruhen und Krise auf der ganzen Erdkugel) haben den jüdischen Landesverweser dazu gebracht] von den Inden zu Gntlsten der Araber Opfer zu verlangen, die sonst kauiz, glaublich erscheinen würden. Von diesem allgemeinen Standpunkt aus betrachtet, verliert der Vortrag des Oberkommissärs von seiner Schärfe für uns und behält nur noch die Zweckmäßigkeit? gründe. Für uns heißt es daher vorläufig wiederum: Geduld, Einkehr und vernünftige Zurückhaltung, bis bessere Tage kommen und die Folget, der jetzigen Er eignisse vertvischen. Wir dürfen natürlich nicht einen Augenblick aufhören, unser Recht laut und offen zu fordern, aber Kundgebungen, die etwa geeignet tvären, die Stellring und Tätigkeit des Oberkvinmissärs zn erschweren, sind absolut nutzlos und dlcher zn vermeiden. Es ist eine traurige Ironie des Schicksals, daß gerade der Zionist Sanmel so glatt gegeit die zionistischen Wünsche anstreten mußte, nachdern alle Regientngen der großen Nationen uns in feierlicher Weise billige Versprechungen gemacht haben. Doch mit Zusagen allein wird ein so verwickeltes Problem tvie das der Gründung der jüdischen Heimstätte in Palästina unter den heutigen, so schtvierigen Umständen, nicht gelöst und derjenige, der für Ruhe und Ordnung im Lande sorgen must, hat anderes zn tun, als Versprechen abzn geben. Wenn sich die vorläufig noch sehr große Spannung zlvischen den Arabern und Juden, die es mit sich bringt, daß bei jedem arabischen Fest militärische Wachposten ausgestellt und Kanonen durch die Straßen geführt tverden müssen, gelegt haben tvird, tverden tvir eigentlich erst an die Beurteilung unserer Lage in diesem Lande heranlreten können. Dann tverden mir auch gezwungen sein, alle unsere eigenen Fehler, die ich oft angedentel habe, zn analysieren, sie, tvenn möglich, ausznscheiden und die Palästinaarbeit ans neuen gesunden Grundlagen tvieder aufznnehmen. „Mölsche Kln-erhilfe". Po» Eugen Ecisparv, l. Porsihender dc-> PerwallungsrcNes der KenNolwohifahrt-Ktelle der demschen Inden. Zum ersten Male seit ihrem Bestehen tritt die „-st'ntralwohlfahrtsslellc der deutschen Inden" mit einer Forderung materieller Art an die deutsche Juden heit heran, indem sie die „Jüdische Kinderhilfe" organisiert. Diese Latsachc »illeiu beleuchtet die Liotivendigteit dessen, was geschehen soll. Denn es ist der Za'ntrolivohlsahrlsstelle nicht leicht geworden, ein bisher streng innegehaltenes Prinzip für diesen AnSnahmescill hintallznstellen und von sich aus eine Hilfeleistung prciktisch dnrchznführen, während sie bishcr derartige Aufgaben den ihr angeschlossenen Gelneinden und Orgnnstttionen überlassen zn sollen glaubte. Indessen, >vas die „Jüdische Kinderhilfe" leisten soll und tv^s daruni zunnchsl für sie geleistet werden nmß, ist so groß, daß es nicht mehr Suche einer Eiitzelorgunisalion bleiben kann. Das leider nur »illzn abgerissene Schlagtvort ist hier wirk lich am rechten Plutz: es geht nm unsere Znknnft! Z,nknnsl tvird gestallet durch die Kraft der Menschen, denen sie Ge genannt sein lvird. Wenn irgendtvo unser Schicksal sichtbar und - - lenkbar vor uns sich anfrichtet, so in unseren Kindern, in der heranivachsenden jüdischen Jugend. Daß diese Jugend zn einem sehr erheblichen Teile Not teidcl, ist abzn bekannt, als daß es hier ausführlich zu beweisen tvärc. Die „Kindernot" steht seil langer Zeit ganz vorne in der Reihe derjenigen Begriffe, in denen das Wesen unserer -seit ausgesprochen liegt. Nlonatelang schrie uns dieses Wort von jeder Ntaner und ans jeden, Zeitungsblatt : .-.^ -r= WW-lilUglll Jugtnöotctin zu Berlin. Am Dienstag, den 5. Juli, abends 8 Uhr: Rosenstratze 2—4 Bortrag von Herrn Ernst Seligsohn: „Über die Sabbatidee" Sonntag, den 19. Juli 1921: Vormittags-Ausflug nach Treptow Treffpunkt 9™ Uhr: Stadtbahnsteig des Bahnhofes Aleranderplah »nit Billet nach Treptow :-: (Abfahrt 92°) Der nächste Tagesausflug findet Sontag, den 17. Juli statt Gäste sind herzlich willkorninen.

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