Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 29 (24.6.1921)
- Date
- 1921-06-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tum sei als „unedle" Rasse ein Schädling für die europäischen Völker und müsse von diesen ausgestoßen, unterdrückt oder sonstwie unschädlich gemacht werden. Die völlige Sinnlosigkeit aller Rassetheorien ergibt sich für jeden, der an wissenschaftliches Denken gewöhnt ist, schon aus ihrer Voraussetzung, der unerklärbaren Gegebenheit der Rassenunterschiede. Diese Grundannahme ist mystisch, damit unwissenschaftlich und von vornherein unannehmbar. So haben denn auch alle ernst zu nehmenden Vertreter der Naturwie der Gesellschaftswissenschaften jede Rassenitzeorie ein für alle Mal längst abgelehnt. Aber in der populären Literatur, die sogenannten historisch-politischen Charakter trägt, werden diest für die Wissenschaft längst erledigten Lehren gerade jetzt immer wieder hervorgeholt und im Dienste ökonomischpolitischer Interessen propagiert. Zur rechten Zeit esscheint da Karl Kautskys zum ersten Mal bei Beginn des Krieges herausgegebene Schrift „Rasse und Judenum" in zeitgemäß redigierter Neuauflage bei Dich in Stuttgart. Mit der Kautsky eigenen Haren Erkenntnis, die er zugleich so unübertrefflich dem Leser mitMrilen versteht, führt er die Rassentheorien ad absurdum, sowohl in ihrer Allgemeinheit wie im speziellen Falle des Antisemtismus. Er zeigt zuerst, wie den Rassentheorien jede wissenschaftliche Grundlage mangelt, wie der Begriff der Rasse seinen Verfechtern selbst völlig unklar ist, so' unklar! daß die bei seiner Anwendung auf den Menschen beständig zwei mit' dem Tierreich entnommene, zwar gleichlautende, aber durchaus verschiedene Begriffe durchcinanderwerfen, nämlich den' der- Haustierrassen, der vom Menschen in bestimmter Absicht durch künstlicher Züchtung hervorgebrachten Tierformen, und den der Wildtierrassvn, die nichts als durch das Milieu entstandene geographische Varietäten (Verschiedenheiten) sind. Nur bei den erstevm, den Haustieren, kann man — aber nur ganz subjektiv und' immer in Bezug auf eine bestimmte Eigenschaft von unedlen und edlen Rassen reden, beim zweiten ist dergleichen völlig unsinnig. Auf den Menschen aber läßt sich natürlich nur die zweite Rafleneinteilung anwenden, womit denn alles Gerede von den edleu und unedlen Rassen schon hinfällig wird; aber auch diese Ämeiliktttz flilf für ihn nicht unbesehen, sondern nur unter BerückstchllgüNK eines besonderen technischen oder sozialen Verhältnisses. Wie die Wildtierraffe sich ändert, wenn sie ihre geographischen Grenzen überschreitet, so auch die Menschenrasse. Dieser aber ist mit ihrer leichteren Beweglichkeit in lim so höherem Mäße Gelegenheit zur Ausarbeitung, damit auch zum Zusammentreffen mit anderen Rassen und zur Rassen - Mischung gegeben. Je mehr historische Schicksale eine Rasse durchlebt hat, je entwickelter, je kultivierter sic ist, um so stärker ist sie auch gemischt. Reine Menschenrassen gibt es überhaupt nicht mehr, ebensowenig strenge Grenzen zwischen den einzelnen, sondern nur fließende Uebergänge. Je höher die Kultur steigt, je intensiver der Völkerverkehr sich gestaltet, um so einheitlicher wird die Menschheit. Nicht die Rassen bilden Gegensätze, sondern die ökonomischen Beziehungen schaffen solche, sowohl zwischen fremden Völkern, wie zwischen den Klassen eines Volkes, die wirtschaftliche Ausbeulung bringt sie hervor. Wo vom „Rassenkampf" geredet wird, dient diese Phrase nur dazu, ökonomische Interessengegensätze zu verschleiern. Und infolge dieser Ausnutzung für geschäftliche Interessen ist die Phrase vom Rassengegensatz und Raffenkampf noch nicht an ihrer Lächerlichkeit zugrunde gegangen. Diese allgemeine, Erkenntnis, die jeder urteilsfähige Sachkenner unterschreiben wird, wendet Kautsky nun auf die sogenannte Judenftage an. Er zeigt zunächst, daß nach allen anthropologischen Untersuchungen von besonderen körperlichen Merkmalen der Juden, die als Gesamtheit von den sie umgebenden Völkern unterscheiden, in keiner Weise die Rede sein kann, was auch bei der wechselvollen hiswrischen Enttvickelung des jüdischen Volks garnicht möglich sein würde. Er weist ferner nach, daß der sogenannte jüdische Charakter nichts weiter ist, als die „auf die Spitze getriebene Eigenart des Städters", die sich aus der jahrtausende lang erzwungenen Lebensweise der Juden zur Genüge erklärt. Er zeigt aber zugleich auch, daß diese Eigenart in dem Maße verschwindet, wie die das Judentum e mengenden Schranken fallen, daß der seil dem 19. Jahrhundert in ganz Westeuropa einsetzende Befreiungs- und Affimilationsprozeß dem Judentum zwar einen gewaltigen wirtschaftlichen und geistigen Aufstieg und eine enorme kulturelle Bedeutung gebracht hat, es aber als besonderes Volkstum unablässig und unrettbar auflöst. Nur künstlich wird das jüdische Volkstum noch erhalten durch den Antisemitismus, der, lediglich aus Konkurrenzneid gegen die ihren besonderen Lebensverhältnissen zu verdankende ökonomische und geistige Ueberlegenheit der Juden hervorgewachsen, früher unter religiöser Flagge segelte und sich jetzt naturwissenschaftlich zu drapieren liebt, der sich im 19. Jahrhundert als „Sozialismus der Dummen" unter kräftiger Förderung nichtjüdischer Kopitalistenkreise vornehmlich gegen das jüdische Kapital richtete und jetzt infolge der führenden Rolle, die jüdische Intellektuelle' und' Proletarier in der Arbeiterbewegung' spielen, zu einer besonders dummen und feigen Abart der Sozialistenfreffrrei geworden ist — wie die Pogrome in Polen, Ungarn und Rumänien heute in erster Linie Sozialistenhetzen darstellen. Aber so sehr der Antisemitismus bei der Dummheit und Roheit Anklang findet'; als eine reaktionäre Bewegung bleibt er notwendig erfolglos, wie der trotz aller Bedrückung und Verfolgung stetig fortschreitende A u f st i e g des Judentums zeigt. Das eigentliche jüdische Problem ist die Befreiung der leidenden jüdischen Massen Osteuropas im eigenen Lande, und dieses Problem Ht untrennbar mit dem der Befreiung Osteuropas überhaupt und seinem Eintritt in das allgemeine Kultur- und Wirtschaftsleben verbunden. Die Emanzipation der Ostjuden aber ivird auch ihre Assimilierung an die übrige Bevölkerung herbeisiihren; nicht in der Form, daß die Jud^i etwa zum Christentum übertreten würden, sondern dadurch, daß beide Teile ihre religiösen und nationalen Vorurteile verlieren und sich zu einer auf höherem Niveau stehenden Menschenart verschmelzen werden. Die Ueberwindug aller Rassenvorurteile, die Ablehnung aller aus ihnen gezogenen Folgerungen durch wissenschaftliche Erkenntnis — das ist die Leistung des KautSkyfchen Btlches, das niemand ungelesen lassen darf, der Aufklärung über die gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit erstrebt. In allen Arbeiterbibliotheken wird es heute, wo der Antisemitismus sich auch der Arbeiterschaft zu bedienen sucht, eine hervorragende Stelle einnehmen. LE Sfafettfetl! 5681 Wochentag Mo Juni 3V T. nat Storni 30 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prvphetenabschnitt Freitag Sabbath 24. 28. 18. 19. BreSlau»» 1 Booh Mose Kap. 8l—iB,# \notn »n STaoharise- S, 14.17. 8,1*10. 4,1-7. Gottafflenfl Io den Gemeinde-Swnoogen ZD Braun: littSyng. HeuSyuag. 24/6. Beginn abends 7.30V. 7.30 ü. 28./S. Frttfettnfowt morgti Wrinrttgtm. lhtßgttuMaN — 8.15 V. 9.00 U. fredUrt — — 9.45V. n vedluS naohm. abends 4.00 Ü. 9.08 U. 9.08 U. 26./S. bis 1./7. Beginn morgs. 6.30 V. 6.45 U. abends 7.30 V 7.30 ü. Sbd. An den Wooh.- tagen Konfirmationen, Alte Synagoge, Sonnabend, den 25. Juni: Hans Lublinaki (Vater Samoel, Schwertstraö* 8a), Henry Studzinski (Väter Hermann. AugttettstraBb Hermann Goldstein (Mutter Ida, OhlauerstraSe 59). Konfirmation (Neue Synagoge): in (Vatc Günter H a-u-p tmani tcr Ludwig, NeudorfstraBe 2). der GrLratliche KitznnG - leatenten-Nerfemmtmi g tut Sitzungssaal, Wakkstraße 0, II. Mittwoch, den 29. Juni 1921, nachm. 5 Ahr. ln inünfr ln itittrniutn-itrfinniin Dr. Wohlaner. MnM-nll für IsmlilW MW- NLtglie-er-Vttchmackmg Montag» den 4. Juli» nachmittags 6 Ahr» I» SitwsTnit in Itiriffltiitn - ünkaalm. Wallstratze 9. Tagesordnung: 1. Beratung über die Erhaltung der Schule. 2. Antrag auf Auflösung der Schule. Der Vorstand Hute jsLenwnte ÜrmfatiduJtr Herten, u Damen Aaufiert Sxe x^uX. jxnB vorteiTftaft AmfrcCcI Rcsetiftal Neue Schiveidm'tzersTr, 5 Deckt euern DikmIam aller Art Bedarf an DlfllSIdl beim blinden Bürstenmacher Effenberg» Kaiser-Wilhelmstr. 53, Hof links. 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