Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 27 (10.6.1921)
- Date
- 1921-06-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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als zweckmäßig erweise, sei noch nicht sicher, der Anschluß der israelitischen Kirche Württembergs daran müsse erst geprüft werden. Bisher hätten Beamte des KultuVministeriums den Borsiß der israelitischen Oberkirchenbehörde geführt. Möge auch prinzipiell die Auffassung richtig sein, daß ein Glaubensgenosse den Borsitz führen solle, so hätten doch die tatsächlichen Erfahrungen gezeigt, wie außerordentlich günstig die Mitgliedschaft eines Regiernngsbeamten fei. Die demokratische Grundlage der Verfassung sei auch im Eütwurs gewahrt worden. Ministerialrat Dr. .ft i r j ch sprach die Erwartung aus, daß das im Herbst zu ertvartende Kirchengesetz eine billige Bcrückfichtigung der Interessen der israelitischen Religionsgemeinschaft bringen werde. Dr. Wolf bezeichnete es als einen Fehler, wenn man die Landesorganisation aufgcben wollte; es genüge, neben einer kleineren Kirchenversamnilung einen kleinen Ber I waltungsauSschnß einzusetzen. Dr. G u m b e l trat für die Rechte / der Minderheiten ein. Rechtsanwalt Lep m a n widersprach den Vorschlägen ans Verkleinerung der Oberkirchenbehörde und der Landeskirchenversammlung. Er wünschte eine Vertretung der Gemeinden in der Verwaltungsbehörde, sorvie die Errichtung eines ständigen Fachausschusses der Rabbiner und Lehrer. Präsident B a e l z stellte fest, daß alle Redner sich für Beibehaltung der Landesorganisation ausgesprochen hätten. Er verstehe es, daß man einen Israeliten an der Spitze der Oberkirchenbehörde haben wolle, und werde nur, tvenn man es wünsche, auf seinem Posten bleiben. Rechtsanwalt Dr. G u m b e l widersprach unter Anerkennung der Verdienste des Präsidenten einen« Wechsel in der Leit«mg der Oberkirchenbehörde. Oie Zuöen in öen Kriegsgesellschaften. Mehr als Jahresfrist ist vergangen, seitdem Herr Alfred Roth, das Haript des Deutschen Schutz- und Trutzbundes, seine kürzlich erschiertene Schrift „Die Juden in den Kriegsgesellschasten" angekimdigt hatte. Dieser lange Zeitraum har aber keineswegs veredelnd ans das Vorhaben gewirkt. im Gegenteil, die Broschüre ist noch tveil gehässiger und tendenziöser zusainnieng-.stellt als ihr militärisches Gegenstück „Die Juden im Heere". Ausfallend ist es, daß der Verfasser sich wiederilm hinter dem Pserldonhm „Otto Arnim" versteckt - wahrscheinlich weil das „deutscher" klingt als der Name Roth, den auch Juden führen! Oder vielleicht and), um gelegentlich sich selbst, ulit seinem eigentlichen Namen zitieren und herausstreichen zu können, ähnlich wie es Herr Theodor Fritsch mit seinen verschiedenen wohlklingenden Namen macht. Der ganze tendenziöse Charakter dieser Schmähschrift wird schon dadurch gekennzeichnet, daß er beispielsweise nur die jüdischen Nutznießer des Krieges und Vergehen von Juden anführt, geflissentlich aber verschtoeigt, wie groß die Zahl der christlichen Kriegsgewinnler, Schieber und Wucherer ist; aus öen KriegsgeseUschaften führt er cbensalls fast nur jüdische Namen an. Die Arbeit hat er sich im übrigen recht leicht geinacht, zu einem großen Teile bringt er ZeitungsanSschnilte aus völkischen Blärlerit oder Schriften, um. auf deren „Tatsachenmaterial" gestützt, seine verhetzenden Folgerungen zu ziehen. Richtigstellungen von Behörden oder vvn jüdischer Seite tut er mit stolzer Handbewegiing als „Ausreden" oder „Vcrtuschungsmanöder" einfach ab. Daneben tverden alle möglichen antisemitischen Märchen aits Talmud und Schulchan Arnch «nieder aufgewärmt u««d in üblicher Manier das gesamte Judentum für die Verfehlungen Einzelner verantwortlich ciemactjt. So behauptet er kühnlich, daß „die Juden nur nach ihren in den Synagogen gelehrten Lebensgesetzen handelten, ivenn sie die Gelegenheit des Krieges und der Kriegswirrschasl restlos anSnüyten, nin sich zu bereichern". Herrn Roths Ansicht könnte der Oesfenilichkeit gleichgültig sein, denn hervorragende christliche Gelehrte haben den Nachweis geführt, daß die Ethik der jüdischen Religion in nichts der christlichen zurücksiehe, die ja zum großen Teil sich auf der jüdischen aufbant, aber das Traurige ist, daß solche Darstellungen selbst bei sogenannten gebildeten aber kritiklosen Leuten Glauben finden. Natürlich ist nach Roth-Arnim die Zwangswirtschaft durch Rathenau nur eingeführt worden, um den Interessen des Judentums zu dienen, und er scheut sich nicht. Rathenau und Baltin mit Kot zu bewerfen, indem er behauptet, daß diese ihre Pläne von vornherein auf einen unglücklichen Ausgang des Krieges eingestellt, ja ihn durch diese zu fördern getrachtet hatten!! Mit einer derart genieinen llnterslellung spricht sich Herr Roth, dessen „Verdienste" um das deutsche Volk nur in wüster Verhetzung bestehen, selber das Urteil. Es lohnt sich wahrlich nicht, im einzelnen aus die vielen Einseiligteiten und Entstellungen des Roth'schen Pamphlets einzugeheu. Man kennt die Teridenz: die Jllden handeln nur ans Eigennutz, es geh« ihnen das „Gefühl dafür völlig ah, ihre ftcmdlungen den Erfordernissen der Gemeinschaft anznpasscn." Anscheinend hat es der Verfasser ganz vergessen, daß während des Krieges aus seinem eigenen Parteilager schwere Anklagen gegen die Preistreiberei vieler Landivirte erhöbe«« wurden, «uitoi denen sich kaum J««de» gefunden haben dürften. In die Kriegsgesellschaften hättet« sich nach Roths Darlegungen die Inden nur gedrängt, ««««« zu verdiene««, in den Stellen aber, «vv es erfahre««er >«nd tüchtiger Fachinänner bedurfte, „die in selbstloser Aufopferung ohne jeden Gedanke» an eigenen Vorteil ihre schwere Pflicht zn erfüllen hatten", da «vor der Jude nicht vorhanden. Wie cs mit dieser „selbstlosen Allfopferung" sich zuweilen verhalten Hai. zeigt Sie kürzlich erfolgte Verhaftung zweier eheinaliger Offiziere von« Wumba »vegen Bestechung, die in Genieinschaft mit anderen christliche«« Angestcllten cine«n kleinen Tischler nicht ohne Gegenleistung Millionenaufträge zugeschanzt hatten. Davon «veiß Herr Roth in seinem Buche natürlich nichts! Mil welchen Waffen Herr R. käinpfl, offenbart crAn einer Wiedergabe der jüdische«« Statistik, wonach 11,5 Prozent der leitenden Stetten in denKriegSgeseUschaften mit Juden besetzt wäre««, an die er seine Z«veifct kttüpft und erklärt: „Es darf „somit" als feststehend gelten, daß in deit führenden Stellen der Kriegswirtschaftsämter und Kriegsgesellschaftei! «und 20 Prozent Inden saßen." Trotz dieser selbstbehaupteten 20 Prozent spricht Herr R. von eine««! dominiere««den Einfluß der Juden - Kopfrechnen schwach. Das Rothe'sche Buch reiht sich in seine« ganzen Ausmachung «vürdig der so««stigen antisemitischen Literatur a>«. Eigene Ansichten und Urteile werden als unumstößliche „Beweise" hingestelli, an allem Uebcl sind die Juden schuld. Das ist die bequemste Methode, die Volksseele zu vergiften und über die Verfehlungen andere« den Schle er de« Nächstenliebe zu breiten. Der Teutsch-völtische Schutz- und Trutzbund Hane im Jahre 1911) ein Flugblatt „Der Jude in der Kriegswirtschaft" verbreitet, in dem den Juden die Veranttvortung für das Versagen de« Organisationen der Kriegswirtschaft zugeschoben wurde. Dem Leiter der Schuhkriegsorganisaüonen, Kommerzienrat Wallerslem, Ossenbach, und dem Fabrikanten Levi, Stuttgart, «vurde der Vorwurf gemacht, daß sie ihre Stellung dazu ausgenützi hätte««, auf Kosten der Allgemeinheit und der übrigen Schuhfabrikamert Sondervorleile zu erwerben und sich persönlich zrt bereichern. Wallerstein und Levi stellten darauf Strafantrag gegen den Hauptgeschästssührer des Bundes, Roth, der für die Verbreitung des Flugblattes verantwonlich «var. Roth versuchte in der Verhandlung vor dem Tchöffengerichi in Hamburg die am 26. Mai stattfand, zunächst die Verantwortung für die Verbreitung des Flugblattes von sich abzuwälzen, dann, als ihm d-es mitzlu«tgen war. den Wahrheitsbeweis anzutreten'. Er wurde zu einer Geldstrafe von 1500 Mark eventl. 150 Tagen Gefängnis verurteilt. In de« Begründung hob das Gericht hervor, daß der Wahrheitsbeweis als völlig mißlungen zu betrachten sei. Nur weil das Gericht nicht angenommen habe, daß der Angeklagte aus gemeiner Gesinnung heraus handelte, sei von einer Freiheitsstrafe abgesehen und aus Geldstrafe erkannt worden, die aber mit Rücksicht auf die durch nichts bewiesenen Berleuindungen auf den Höchstbetrag festgesetzt worden je:. vreslau. Zum Antisemitismus in üen Schulen. Bon unterrichteter Seite wird uns von einer Berfügimg Kenntnis gegeben, die die hiesige städtische Schuldeputation unter dem 27. Mai d. I. an alle städtischen Mittel-, Botts- und Hilfsschulen gerichtet hat. Sie lautet: „Der städtischen Schulverwaltung sind in der letzten Zeit wiederholt Beschwerden über Kränkungen jüdischer Schüler und Schülerinnen durch ihre Mitschüler und Mitschülerinnen zugegangen. Wir bitten deshalb die Lehrerschaft, gewissenhaft zu prüfen, ob innerhalb ihres Wir kungskreifes diese Beschwerden berechtigt sind. Sollte es der Falt sein, darin erwarten wir, daß die Lehrerschaft dagegen einschreilei. Denn die Schule würde ihren Berus, Erzichungs und Bildungsstätte zu sein, nicht erfüllen, wenn die Schüler auf das Ungehörige, Ungerechte und Unedle ihres Berhaltens nicht hingewiesen würden. Die christliche«« Schüler dürfe«« nicht glauben, das Recht zu haben, daß sie «tugestraft ihre jüdischen Mitschüler 1 ihrer Abstammung und Religio«« «vegen kränken dürfen. Auch darf in den jüdischen Schülern nicht die bittere Ginpsindung Platz greifen, daß ihre Religion und ihre Abstammung in den Augen ihrer Mitschüler ein Makel sei. Wir geben uns der sicheren Hoffnung hin, daß von der Lehrerschaft niema««d in dieser Hi««sicht seine Pflicht als Erzieher ver««achläffigen «vird, daß ntctnanö einen Ausland duldet, der «tns gewiß nicht zur Ehre gereicht." Zur Richtigstellung. Jl! Nr. 26 dieses Blattes hatten wir eine Zuschrift pur« Abdrlick gebracht, die sich mit dem in der hiesigen Gemeinde zirkulierenden Rundschreiben Ser Jüdischen Arbeiterküche beschäftig,«'. Da nach unseren Feststellungen die dort erhobenen Borlvürfe sich als durchaus unbegründet enviefert haben, Hallen wir cs für selbstverständliche Pflicht, nachsolgenderi Erklärungen Raum zu geben. Die Red. In Nr. 26 Ihres Blattes drucke«« Sie eine Erklärung, worin e.ue sogenannte „Poale Zion" sowie ein angeblicher hiesiger „Bund" - beides angebliche jüdische Arbeiterorganisationen - das Rundschreiben der Arbeiterküche als nicht von den hiesigen jüdischen Arbeiter- Organisationen veranlaßt hinzustellen versuchen. Demgegenüber erklären «vir folge«,des: Tie jüdische Arbeiterküche «vird von den hier bestehenden jüdischen Arbeiter-Organisationen, der offiziellen deutschen Poale-Zion, sowie dem Hapoel-Hazair ver«valtet. Außerdem untersteht die Küche dem Arbeiter-Fürsorgemnt der Jüdischen Organisationen Deutschlands, Berlin, sowie der Kontrolle des Herrn Rechtsanwalt Jacobsohn. Breslau. Der „Bund", welche« sich in Rußland und Oesterreich liquidiert hat und sonst in der Liquidation sich befindet, indem er sich in die kommunisüschen Parteien auflöst, ist ge,näß seinen« eigenen Programm in Deutschland leine offizielle Organisation. In Breslau laufen zwar einige Bundisten herum, die sich jedoch als „Kommunisten" bezeichnen. Aehniich verhält es sich mit der sogenannten ,Mken Poale-Zion". Diese sind von unserer Organisation ausgeschlossen worden, da sie das kommunistische Programm angenominen und sich dadurch in Widerspruch mit uiq'erer Organisation gestellt haben. Nachdem diese Reinigung innerhalb unserer Reihen geschehen «var, haben wir natürlich diese störenden Elemente von den Mandaten, die sie in der Arbeitcrküche innehatten, enthoben. Jüdische Sozialdemokr. Arbeiter-Organisation „Poale-Zion", Breslau. gez.: M. N e u st a ü t. Dr. Hermann T u ch de i. Johannes Kurzbarl Zur Aufklärung. Gegenüber der Erklärung einer sogenannten „Jüdischen Sozialdemokratischen Arbeiter-Organisation „Poale Zion" und des Jüdischen Arbeiter-Vereins „Bund" erklären wir, indem wir auf die vor lietjenbe Richtigstellung de« Jüdischen Sozialdemokratischen Arbeiter- Organisation „Poale Zion" verweisen, daß die Angaben der Erklärung des angeblich hier existierenden „Bundes" und der „linken Poale Zion" eine Mystifikation sind. Wir bitten auch an dieser Stelle die hiesige Judenheit, uns durch Bereitstellung von Mitteln unsere Arbei« weiter zu ermöglichen, da die amerikanischen Hilfsgelder nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Verwaltung der jüdischen Arbeiterküche. Breslau, Albrechtstraße 50. gez.: Kurzbarl. 1921 Kalender 5681 Monat Sabbath- Wochentag Juni 30 T. Sfwan 30 T. Wochen- Propheten- AuSgang abfchnitt abfchnitt Freitag 10. 4. Sabbath II. 6. Bre-lau-o» ~$DQ .1'N« 4. Boob Moae Kap. 1l—4® Soaaa H, 1—22 Breslaus lamvirituai Sonntag 12. 6. riiv?^ Eaaobial 1, l«, S, 12 2. Bach Mo»« Kap. 19 o. 20 4. Boob Mosa Kap. 28, 28—81 Montag 13. 7 ^BreSlaut^ fi. Baoh Mosa Babakak j Kap. 16,19-16,17 2,90-8,19 4. Baoh Moto Kap. 88.26—31 Gottesdienst In den -Synagogen zu Breslau: »Iliw-I. l'Veitag I0./6. Beginn ubends 7.B0Ü. 7.B0U. Mbd.' H./6. FrOhgotlesdiensl morgs. 6.60H. Wodiaolagtm. Hptgottesdienst — 8.30 U. 9.B0U. Heamondweihe — — — „ Predigt — — 10.00 u. V Jupdgottesfct. nachm. — — Schloß abends — — Aii den W'och.- I2./6. bis Beginn morgs. 6.80 U. 6.45 U. tugen 17.6. „ abends 7.60 U. 7.30 U. Konfirmationen, Neue Synagoge, Sonnabend, den 11. Juni: Bruno Kuntz (Vater Justus K„ tot, Scharntiorstsraße 2f>;, Julius Rosenbaum’Water Max R., Siebenhufenerstr. 17), Siegbert Schnell (Vater Julius Sch., Schamhorststr 2b), Heinz Brann, (Vater Leopold B, Kirschallee 22). Sonntae, den i2. Juni: Heinz Schenkolewski (Va,er Nathan Sch., Kaiser-Wilhelm-Straüe 51). Ordnung des Gottesdienstes in den Gemeinde-Synagogen omWoihenfeite A. Alte Synagoge: Sonnabend, den U. Juni Beginn abends 8'/2 l’tu- „Sonutag, „ 12. >, morgens 8»/., „ „ 12. „ Predigt vorm. 10 „ ., 12. „ Beginn abends 8 Montag, BL .. morgens s>, „ «:«. „ Predigt n. Totenleier vorm. 10 „ 13. „ Schluß abends» Hin 3 Min. B. Neue Synagoge: Sonnabend, «len ««. Juni Beginn abends 8 V, Uhr Sonntag, „ 12. „ morgens 9 „ „ .. 12. „ Predigt vorm. 10 „ „ 12. .. Beginn abends?'/. ,, Montag, 13. ,, .. morgens 9 „ ., „ 13. ., Predigt u. Totenfeier* vorm, io „ „ „ 13. „ Schluß abends 9 llbr 3 Min. Spezialitäten in der Preislage von 1.50—3.00. Karl Baumgarten oSÄS Neudorfsfr.92., BckeAuguafosfr. Fernruf Ring 3016 Gründc^gsjohr 1002. Fordern Sie meinen Besuch. Zigaretten, sämtliche bekannte Marken. a Haushalt. Dame, aus besten jüdisch. Kreisen, wünscht tagsüber Leitung eines möglichst frauenlosen Haushalts. 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