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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-05-13 · 23 (13.5.1921) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
23 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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jedoch wenig, denn alsbald kam es zu den wüstesten Tumultszenen. Der erste Redner Dr. Mehrl verteidigte den Arierparagraphen, der angeblich bestimmt sei, eine Sicherung vor unberufenen Elementen zu geben, die Rechte der Mitglieder jedoch nicht tangiere. Der Kontraredner Dr. Braun erklärte, daß, wenn Bernunftsgründe maßgebend gewesen wären, dieser Antrag nie hätte eingebracht werden dürfen. Nach diesen Worten kam es zu einem derartigen Tumult, daß man schon mit dem Ende der Versammlung rechnete. Es wurden Stöcke und Schirme geschwungen und.Doktor Braun gezwungen, die Rednertribüne zu verlassen. Nach ihm sprach ein Herr Rohner gegen den Paragraphen. Da er Christ ist, wurde er einige Minuten angehört, als er jedoch einige Ausfälle gegen die Hetzer im Klub machte, wurde er in brutalster Weise vom Podium heruntergedrängt. Nach ihm ergriff der bekannte anlisemitische Abgeordnete Doktor Riehl das Wort, der erklärte, es handle sich bei dem Paragraphen weniger um die arischen Männer, als um die deutschen Mädchen, die vor dem lüsternen Judentum geschützt werden müßten Nach der Rede Riehls, die von der Mehrheit der Versammlung mit Beifall ausgenommen wurde, ließ der Präsident abstimmen. Wie ihr Korrespondent in später Abendstunde erfährt, wurde, wie nicht anders zu/erwarten war, der Arierparagraph mit Zweidrittelmehrheit angenommen. Es stimmten 3056 für und 784 Mitglieder gegen den Antrag. In den Oesterreichischen Touristenklub können von heute ab nur arische Mitglieder ausgenommen werden. Saloniki. Die Juden in Griechenland. Das plötzlich aufgetauchte Gerücht eines Ritualmordes hatte hier kürzlich zu Unruhen geführt. Es handelt sich aber bei den Vorfällen nicht um das Symptom einer wirklichen antisemitischen Bewegung, sondern lediglich um eine Kundgebung -mißleiteten Pöbels. Der „Frankfurter Zeitung" wird dazu über die Lage der Juden in Griechenland folgendes geschrieben: Bekanntlich sind von den (1914) 180 000 Einwohnern der Stadt die Hälfte spaniolische Juden. Sie sind in allen Berufen tätig. Man sieht jüdische Lastträger, Botsleute, Handwerker, die Mehrzahl jedoch sind Kaufleute; nach glaubwürdiger Schätzung befinden sich zwei Drittel der Geschäfte in ihren Händen. Ihre Sprache ist spaniolisch, d. h. sie haben ihre spanische Muttersprache, die sie im 15. Jahrhundert aus der Heimat mitbrachten, bewahrt, sie ist nur in geringem Maße weiterentwickelt und mit zahlreichen Lehn- und Fremdworten durchsetzt. Die im Handel tätigen sprechen außerdem geläufig griechisch, türkisch und französisch. Letzteres erlernen sie in den Schulen der Alliance Jsraelite, die sie bevorzugen. Die Stellung der Juden unter türkischem Regime war seit der gastfreundlichen Aufnahme im 15. Jahrhundert stets günstiger als die der anderen, christlichen, Fremdvölker der Türkei. Sie haben, als sie griechische Untertanen wurden, wenig gewonnen. Griechenland hat aus dem alten Landesterritorium, dem Peloponnes, Athen, dem übrigen Mittelgriechenland, so gut wie gar keine jüdischen Einwohner, nur in den seit 1881 nach und nach von der Türkei erworbenen Landesteilen gibt es jüdische Gemeinden, die stärkste in Saloniki, andere z. T. auch recht zahlreiche, in Volo, Korfu, Jannina, Arta usw. Die Juden leben streng abgesondert von ihren christlichen Mitbürgern, Mischehen kommen nicht vor. Ihre Namengebung ist der griechischen nicht angeglichen, in der äußeren Lebensführung befleißigen sie sich, soweit sie Geld haben, einer starken Europaimitation, oft eines wenig geschmackvollen Luxus. Sie genießen volles Bürgerrecht, dienen in der Armee, bringen es auch hie und da zum Reserveoffizier, aktive jüdische Offiziere gibt es im griechischen Heere nicht. Politisch sind sie nicht fest orientiert; einen eigenen jüdischen Kandidaten für das Parlament hatte nur Saloniki aufgestellt. Schädlich für sie war es, daß einer der wenigen sozialistischen stark oppositionellen Abgeordneten des vorigen Parlaments, Kuriel, ein Jude war. Ein irgendwie politisch gefärbter Antisemitismus existiert in Griechenland nicht, ebensowenig irgendein ethisches Vorurteil gegen sie, im Gegenteil: die kleinen jüdischen Geldwechsler sind wegen ihrer besonderen Zuverlässigkeit geachtet. Lokales. Israelitische Kranken-Verpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft (Chewra Kadischa). Auf das Inserat in der 'heutigen Nummer betreffend die Werbung von Mitgliedern weifen wir hiermit besonders hin. Die Israelitische Kranken-Verpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft, die seit säst zwei Jahrhunderten in unserer Gemeinde segensreich wirkt und sich der Anerkennung der weitesten Kreise erfreut, ist durch den unglückseligen Krieg, noch mehr oder durch die als Folgen desselben herdeigeführten llngünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in außerordentliche finanzielle Bedrängnis geraten. Nur durch Beihilfen seitens unserer Gemeinde und hochherzige Spenden edler Wohltäter war cs dem Israelitischen Krcmkeichause bisher möglich, seinen Betrieb zum Segen der Kranken fortzuführen, jedoch sind die Fehlbeträge der Verwaltung infolge der bedeutenden Zuschiisse, die für arme und minderbemittelte Kranke geleistet werden miissen, so hoch, daß die weitere Existenz der Anstalt in Frage gestellt ist. Wir zweifeln nicht, daß auf Grund des jetzt ergangenen Aufrufs alle diejenigen unserer Genreindemitglieder, die noch nicht Mitglied der Chewra Kadischa sind, ihren Beitritt sofort anmelden und das Israelitische Krankenhaus, dieses stolze Symbol jüdischer Nächstenliebe, durch einmalige Spenden und laufende Ncitgliedsbeiträge unterstützen werden. Zur Beachtung für Zahnkranke! Als sich dieser Tage ein junger Zahntechnikergehilfe bei dem Zahntechniker Arbeiter am Blücherplatz um eine Stellung bewarb, fragte er ihn zunächst nach der Konfession. Auf den Bescheid, daß er Jude fei, fertigte er ihn sofort mit den Worten ab: „Daun hätten Sie nicht erst zu warten brauchen!" Es ist daher anzunehmen, daß Herr Arbeiter auch auf jüdische Kundschaft keinen Weil legt. Wanderbibliothek. Zur Förderung des religiösen Lebens in den kleinen Gemeinden unterhält der Verband der Synagogen- Gemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz eine Wanderbibliothek, die sich überaus gut bewährt hat, aber jetzt einer Ergänzung bedarf. In vielen jüd. Familien befinden sich sicher geeignete Bücher belehrenden jüd. und belletristischen Inhalts, ebenso Jugendschriften, die entbehrlich sind. Um freundliche Ueberlassung solcher Bücher wird hiermit gebeten. Diese Geschenke nimmt das Büro Wallstraße 9 gern entgegen und es läßt dieselben auf Wunsch auch abholen. (Telefon Ring 1612.) Blinden-Vcrcin „Eintracht" (e. B.). Am 30. April beging der Verein vor ausverkauftem Konzerthaussaale sein 25jähriges Stiftungsfest. Der Abend brachte ein ungewöhnlich reichhaltiges Programm, das ausschließlich von Blinden bestritten wurde. Das Orchester spielte rein und mit feinem Verständnis, die Orgelvorträge, deren Interpret mir leider unbekannt blieb, standen auf beachtenswerter künstlerischer Stufe. Die vom Vorsitzenden, Herrn Adolf Selten, gehaltene Festrede gab einen interessanten Ueberblick über die Entwicklung der Blindenfürsorge. Ein von ihm gedichteter und von Herrn R. Winkler vertonter Festchor gelang ausgezeichnet. Das Tenorsolo lag in Händen des Herrn A. Stöckel. Man wird gut tun, sich diesen Namen zu merken, er kann einmal bedeutend werden. Die umfangreiche Altpartie sang Fräulein Clara Neldner. Ihr warmer Alt bezwang leicht die nicht unbeträchtlichen Schwierigkeiten; eine gute Schulung im Verein mit feinster Musikalität macht sie zu einer guten Altistin. Alle Mitwirkenden zu nennen, verbietet der Platzmangel. Die Lieder von Herrn Stöckel waren interessant. Als Begleiterin am Flügel waltete Fräulein Lotte R o g o s i n s k i ihres schwierigen Amtes. Technisch zufriedenstellend, ist sie voll Verständnis bemüht, den Inhalt der Werke zu erschöpfen. Es war ein interessanter Abend. *W. Sch. In der Kunstgewerbestube von Fra« Rosa Freudenthal, Goethestraße 11, ist vorübergehend eine interessante moderne Synagogendecke von Rosa Weyl ausgestellt, und ist Montag bis Freitag von 4—7 Uhr nachm, an den Pfingsttagen von tl bis 2 Uhr nachmittags zu besichtigen. 1921 * Kalendei e 5681 Wochentag Mo Mai 31 T. nat Ijar 29 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 13. 14. 5. 6. BreSlau^ DMjhp} 8. Bach Hose Kap. 19»—*0* a-nan \"n Ezeohiel 20,1-20 Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung deS Verfassers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schriftleitung nur die preß» gesetzliche Verantwortung. Zamilienanzeigeri. Berlobt: Malli Klinenberaer, Breslau, mit Diplom-Ingenieur Joseph Julmsburger, Breslau; Lucie Kantorowicz, Breslau, mit Dr.Paul Georg Braun, Breslau; Margarete Schwersensky, Breslau, mit Georg Zweig, Breslau; Betty Witzlicki, Breslau, mit David Offenberg, Berlin; Dora Wertheim, Fulda, mit Isst Simonsohn, Breslau; Lotte Baron mit Dr. Herbert Stein, München: Lilly Harry, Breslau, mit Rudolf Borowitsch, Dresden. Vermählt: Regierungsrat Dr. Moritz Stern mit Aenne Rosenberg. Breslau; Siegbert Gorzelanczyk mit Gertrud Lublin, Breslau; Dr. Walter Meckauer mit Lotte Peiser, Breslau; Walter Stern mit Eva Bielschowsky, Breslau. Geboren: Sohn: Richard Callomon und Grete geb. Rachwalsky, Breslau; Dr. Erich Simm und Alice geb. Eger, Berlin; Moritz Lippmann und Elli geb Hirschberg, Breslau; James Aron und Margarete geb. Gittler. Tochter; Frig Wolff und Alice geb. Bernstein, Breslau; Willi Ziffer und Rosa geb. Moses, Breslau; Louis Pinczower und Paula geb. Riesenfeld, Neustadt OS. Gestorben: Sara Miedzwinski geb. Singer, Berlin; Julius Michalek, Breslau; Paul Cohn, Reichenbach in Schles.; Gustav Klein, Breslau; Anna Fuchs, Breslau; Johanna Wiener, Breslau; Hedwig Saphir geb. Adler, BreSlau; Robert Jttmann, Breslau; Eurt Ritter, Berlin; Clara Goldstücker geb. Forell, Friedenau. Matlmt In den Gemeinde-Synagogen: UtiSjnig. IhwSfgag. Freitag 13./5. Beginn abends 7.30V. 7.30 U. Sbd. 14./6. FrfihgotterilHst morgs. — 7.30 ü. 1» „ üptgottudieKt — 8.30 ü. 9.30 U. 11 Fredigt — — 10.00 ü. « „ SdMlttnklimog — 10.00 ü. — JngiDdgottKdst. Schluß nachm. — _ „ abends 8.2 t ü. 8.21 ü. An den Woch.- 15./5. bis Beginn morgs. 6.30Ü. 6.45 ü. tagen 20./5. » abends 7.30 ö. 7.30 ü. Konfirmationen, Neue Synagoge, Sonnabend, den 14. Mai: Günther Redlich (Vater Salo Redlich, HBfchenstraQe 101). Ernst Neumann (Vater Rechtsanwalt Kurt Neumann, Guten. bergstraBe 39), Wir Klarieren f,oh*OTM. aüe Arte" ~ —llnaiml Eillntn reell u. preiswert das Beste der -'iH-nUtan- Industrie Arnhold Rosenthal Neue Schweldnitzef Strafte 5. Es ist eine Ehrenpflicht aller jüdischen Mitbürger, der Welllischen krsM. vnMliW. flnflalt unD Miouip - WWfl [Ciictora MW) als Mitglied beizutreten und hierdurch unser Israelitisches Krankenhaus in seiner durch den Krieg und die wirtschaftlichen Folgen herbeigeführten schweren Notlage zu unterstützen. Nichtmitglieder der Chewra Kadischa haben bei Trauerfällen für sich und ihre nicht felbstän digen Haushaltungs - Angehörigen die Beerdi gungskosten in doppelter Höhe zu bezahlen. Beitrittsmeldungen an das Büro des Israelitischen Krankenhauses, Hohenzollernstr. 96 (Tel. Ring 6716-18.) IDetXOttlOt kaufen will, achte darauf, datz er auch Tomor in dieser Original-Fabrik-Packung erhält. Es gibt tun eine 1^3 Mandelmilch. Pftanzendetter- Margarine Tomor, die allein von m», unter streng ritueller Aussicht des Herrn Rabbiner» Dr. B. Wolf, Köln, hergeftellt wird und als erster vollendeter fleischig und milchig verwendbarer Butter-Ersatz Wevruf genießt. Bor mitzbriwchkicher Benutzung unserer gesetzlich geschützten Handelsmarke To««r wird gewarnt. s_ 5flt p«„ach wird lornor HDö Vp "W2 «aichr, <K: Sana-GesellschaftEleve. Schirms Sparierstöcks bekannt gut unä preiswert Ai!!» 6. Lellsak öblouerstrahe 85 3. Saus vom Ring A<ohS j Damen O für { Herren I Kinder in den neuesten Formen Freund & Krebs Strohhutfabrik Karlstr.30, neb. d. Hofkirche Strohhllte Jeder Art und Herren - FllzhUte A werden umgeformt Malerarbeiten iiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Martin herolü UorckstraßelS Telefon Ring 5109. 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