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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-05-06 · 22 (6.5.1921) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
22 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jüdisch liberale Zeitung Die „saviich-lidenllr Lrttuao" eesiveinl jeden Srrttao und kostet durch dle Dost oder durch dir chefchLftostrlle derogen. viertellüdklich Mk. 4.- Sinzeinummer 40 Df. Ladluaorn auf Voftflveckko«to Breslau 433S7,Südlsch- Udrralr Srlwua. Aaffenverwaltuno. G. Bauer. Breslau i irt nmii timf 11 11g DrrantworUlcher Schrlftlelter: Julius Loeb, Breslau 13, DMorlastraße i04d I Für v»e JtedaMoi» deMmmte Aufftriftn fluO nr a» ötef* SMrtffr tu rlevtev Geschäftsstelle: Breslau 3, Neue Sraupenstr. 3 Annadmeschlu» für Berichte: Montag mittag Sprechstunden der Schrlfllelwag: «Montag dls Arellag 11—12 vorm, ln der SeschUftssteUe. Annavmeschlust für Anzeigen: Dienstag früh Dle 3Vi cm drelte Mllllineterrelle kostet so Vf., Famlllenan»elgen so Vf. Bel Dleberdolung Srma-Igung «.Larlf 1 a Rr. 22 Breslau, den s. Mal 1921 1. Jahrgang m alle Wsnievl unD m 3nMm. Eine Erwiderung an die „Deutsche Zeitung". von Geheimrat Ed. König- Bonn. Bor kurzem war Geheimrat K ö n i g in der „Deutschen Zeitung" durch Maurenbrecher in heftigster und unqualifizierbarer Art angegriffen worden, weil er im „Jüdischen Jugendverein" zu Köln auf Einladung einen Bortrag gehalten und dabei von der Gemeinsamkeit des Interesses von Juden und Christen an der Abwehr der bekannten Delitzschen Schrift" Die große Täuschung" gesprochen hatte. Der berühmte Gelehrte ist über die Schmähungen der „Deutschen Zeitung" erhaben; erwähnt sei in diesem Zusammenhang, daß er der erste deutsche Gelehrte ist, von dem ein großer Aufsatz in der führenden Londoner Zeitschrift „The Expositor" (Februar 1921) erscheinen durfte, und ferner wird jetzt im Mai ein Artikel in den ebenso bedeutenden „The Expositorv Times" in Edinburgh zum Abdruck gelangen. Geheimrat König stellt uns feine allgemein interessierende, in vornehmer Ruhe und kühl ironischem Tone gehaltene Erwiderung an die „Deutsche Zeitung" freundlicherweise im folgenden zur Verfügung. Die Redaktion. In Nr. 164 der „Deutschen Zeitung" ist in dem Artikel „Das Alte Testainent und das Judentum" der Umstand, daß ich auf Einladung eines jüdischen Jugendvereins in Köln einen Vortrag gehalten und in dessen Eingangsworten von der Gemeinsamkeit des Interesses von Juden und Christen an der Abwehr der Delitzschen Kampfschrift über „Die große Täuschung" gesprochen habe, zum Anlaß für einen heftigen Angriff teils gegen meine Person und teils gegen meine Ansicht von der erwähnten Gemeinsamkeit d esJnteresses genommen worden. Darüber muß ich mindestens folgende kurze Bemerkungen machen. Was z u e r st meine wissenschaftliche Stellung anlangt, so bin ich in jenem Artikel mit großem Unrecht als „Traditionalist" gekennzeichnet worden. Denn seit meiner Habilitationsschrift über „Der Sprachbeweis in der Bibelkritik" bin ich im G e g e n t e i l in die Reihe der Bibelkritiker eingetreten und habe als solcher z. B. in meinem Schriftchen „Die moderne Pentateuchkritik und ihre neueste Bekämpfung" (1914) gegen die Traditionalisten gefochten. Nur ein sehr flüchtiger Blick auf meine Stellung kann zur gegenteiligen Meinung führen. Nämlich unter den Kritikern nehme ich — und mehrere sind mir darin gefolgt — eine verhältnismäßige Sonderstellung ein, weil ich aus zwei Gründen n i ch t s o w e i t, wie mancher andere, gehen kann. Das rührt teils daher, daß ich stets eine aIlse i t i g e Beobachtung des entscheidenden Materials erstrebt habe. Sodann hängt es hauptsächlich damit zusammen, daß ich jenen kritischen Grundsatz Lessings, daß -trotz der Verschiedenheiten von Geschichtsberichten doch das in ihnen überein ft immendbezeugte Ereignis — z. B. Hannibals Ueberschreitung der Alpen — nicht geleugnet werden könne, auch auf die althebräischen Geschichtsquellen angewendet habe. Und ob ich „in den religiösen Sinn des Alten Testaments niemals tiefer einzudringen vermocht habe, wie mein geehrter Gegner ohne Beweis ausspricht, das wird sich gleich im folgenden zeigen. Nämlich was sodann den sachlichen Fragepunkt betrifft, ob ich mit Unrecht von einem gemeinsamen Interesse von Juden und Christen an der Abwehr z. B. des Delitzschen Angriffs auf das Me Testament gesprochen habe, so soll dieses Unrecht durch die folgenden Behauptungen erwiesen werden. Erstens sei die religiöse Betrachtung des Alten Testaments im Judentum und im „Evangelium" durchaus verschieden. Aber dieses „durchaus" ist geschichtswidrig. Denn so sehr auch seit dem jüdischen, d. h. nachexilischen, Zeitalter der alttestamentlichen Religionsgeschichte das Gesetz betont wird, so bildet doch daneben stetsdie Weissagung einen Quellpunkt im religiösen Leben der.gläubigen Judenschaft. Dafür können hundert Beweise aus den späteren Teilen des Alten Testaments, den Apokryphen und der rabbinischen Literatur angeführt werden, wie z. B. im letzten Kapitel meiner „Geschichte der alttestamentlichen Religion" (1915) nachgelesen werden kann. Auf seiten des Christentums aber wird schon im Neuen Testament das Gesetz nicht so beiseite geschoben, wie Herr Dr. Maurenbrecher aus einer einzigen Stelle (Gal. 3, 19) ableiten will. Denn derselbe Paulus verneint ausdrücklich die Frage, ob er das Gesetz zunichte machen wolle, und nennt ebenso ausdrücklich das Gesetz „heilig und gut" (Röm. 3, 31; 7, 12). Aussprüche, nach denen ebendieselbe Stellung zum alttestamentlichen Sittengesetz auch von Jesus und den Reformatoren eingenommen wird, brauchen ja eigerrtlich gar nicht erst angeführt zu werden. Aber man denke doch z. B. an Matth. 22, 37—49 und Luthers Vorreden zu seinen beiden Katechismen. Folglich haben Judentum und Christentum ein gemeinsames Interesse, einem Ansturm gegenüber, wie er von Delitzsch gegen die sinaitische Gesetzgebung gemacht worden ist, zur Abwehr zu schreiten. Und kann dieses gemeinsame Interesse zweitens durch den ferneren Hinweis meines Gegners beseitigt werden? Er warnt da vor der Verwechselung von „Altes Testanient" und „Judentum". Das ist gewiß richtig, aber wenn er das Judentuni einfach „am Ende des Alten Testaments" stehen läßt, so ist das wieder eine einseitige und darum unrichtige Formulierung. Denn das Judentuni knüpft zweifellos an Abraham an und betont auch in Moses Gesetzgebung „die zehn Worte" als die Hauptsache. Folglich ist durch einen Angriff, wie ihn z. B. Delitzsch gegen die Patriarchen und die göttlich-prophetische Enthüllung am Sinai unternommen hat, die gemeinsame Abwehr durch Judentum rmd Christentum herausgesordert worden. Etwas anderes, als einen Beitrag zu dieser gemeinsamen Abwehr habe ich aber weder in meiner Gegenschrift „Friedrich Delitzschs „„Die große Täuschung"" kritisch beleuchtet" (jetzt in 4. verb. Ausl, vorliegend) noch in meinem Vortrag zu Köln leisten wollen. Folglich bin ich und ist mein diesbezügliches Verhalten mit Unrecht zum Gegenstand eines Angriffes in 164 der „Deutschen Zeitung" gemacht worden. Bonn, im April 1921. Geheimrat Ed. König. N psWmstsge - Um hsjOv. Bon Max Bogetstein-Breslau. Der Verfasser betrachtet, wie er uns erklärt, seine Ausführungen als eine Antwort auf den in der letzten Nummer d. Bl. erschienenen Aufsatz des Herrn R. A. Spitz: „Mußte das sein?" Er bringt, wie erbetont, im folgenden lediglich seine persönliche Auffassung zum Ausdruck. Die Red. Zur Palästinafrage hat Dr. Alfred Apfel Anfang Februar in einem neutralen jüdischen Jugendbunde eine Rede gehalten, die Kurt Blumenfeld als eine Großtat bezeichnet hat. Mir erscheint diese Rede als ein höchst v e r h ä n g n i s v o l l e r Schritt, weil sich darin mehr als bloße Sympathie für die zionistische Arbeit bekundet. In ähnlicher Weise haben sich hervorragende Führer des Liberalismus dazu geäußert. Das wichtigste für uns aber ist es, daß Herr Dr. Paul Nathan in der Märznummer der Zentralvereins-Zeitschrift „Im Deutschen Reich" einen Artikel veröffentlicht hat, mit dessen begründendem Teil ich fast voll einverstanden bin, dessen Schlußfolgerungen aber sich eine bewußt deutschjüdische Jugend keineswegs anzuschließen vermag. Ich betone ausdrücklich, daß ich weder im Nonien des gesamten Verbandes oder eines der drei Bünde, noch im Namen irgend einer Ortsgruppe spreche. Ich weiß, daß auch bei uns sich viele Gegner meiner Ansicht finden werden. Auch sie mögen sich äußern. Dr. Paul Nathan bespricht in seinem Aufsatz „Die jüdisch-nationale Heimstätte in Palästina" die durch das Palästina-Mandat geschaffene Lage und schreibt dort wörtlich: „Die Zionisten mit weitgehenden Hoffnungen sehen ihre Pläne in hohem Grade eingeengt. Die Nicht- Zionfften aber stehen einer Sachlage gegenüber, die Raum zu einem Gegensatz zu den Zionisten nicht mehr bietet." Und noch auf derselben Seite sagt er: „. . . Es schrumpft der Gegensatz zwischen Zionisten und Nichtzronisten zur Bedeutungslosigkeit zusammen." Am Anfänge desselben Auffatzes schreibt er: „Nach dein Grundsätze: ceffat causa ceffat effectus nähern wir jetzt uns dem Augenblick, da eine E inheitsfront des Judentums wieder in den Bereich jüdisch-liberaler Jugeaüverein Montag, den 9. Mai 1921, abends 874 Uhr, int Saale der „Gesellschaft Eintracht", Tauentzienstraße 12 (Eingang nur Anger) cm Deranftoltuno Oec MMMtzdit 1920/21. 1 Einführung der neuen DereinSmitglieder. 2. pnkliW WUWklMWM in Um». 3oMim. Referent: Herr Alfred Berger. Die Versammlung beginnt ohne Rücksicht auf die Anzahl der Erschienenen eine Viertelstunde nach anberaumter Zeit. Freunde und Anhänger unserer Bewegung willkommen. naheliegender Möglichkeit rückt. Nicht die Judenfrage innerhalb der zivilisierten Welt hat durch das Mandm .ihre Lösung erfahren; wohl aber die Kontroverse über die Durchführbarkeit (!) und über die Nützlichkeit der Durchführung des zionistischen Endziels." Er begründet dies alles damit, daß nach dem Wortlaut des Mcmdatsstatutes von einem jüdischen Staate gar nicht nrshr die Rede sein kann. Somit könne die Kolonisationsarbeit der Zionisten keine andere sein als die von nichtzionistischer Seite schon vor dem Erstarken des Zionismus betriebene. Ist dem wirklich so? Sind tatsächlich die Schranken, die uns von den Zionisten trennten, gefallen? Oder bestehen nicht vielmehr noch immer Unterschiede ganz prinzipieller Natur? Wir halten das zionistische Programm für dem Wesen des Judentums widerspreck-end, sei es nun durchführbar oder nicht. Darum müssen wir den Zionismus ablehnen, dürfen ihm also auf keinen Fall Unterstützung angedeihen lassen. Diese Stellungnahme kann durch die von Dr. Nathan angeführte Tatsache keine Aendernng erfahren. Denn wenn auch den Zionisten nicht die Möglichkeit gegeben fein sollte, ein Staatswesen zu errichten, so geht doch ihr B e st re b e n dahin. Sie wollen in Palästina nicht s0 - z i a l e , sondern nationale Arbeit leisten. Die soziale Arbeit steht ihnen im Dienste der nationalen. Jeder Erfolg auf sozialem Gebiete kommt den nationalen Bestrebungen zugute. Palästina wird uns stets als Geburtsland des Judentums teuer bleiben, auch wenn dort nicht ein Jude wohnen sollte. Dem Judentum sind noch so viele andere und gewaltigere soziale Aufgaben gestellt, dre ganzer intensiver Arbeit bedürfen. Und zumal für uns deutsche Juden ist es heilige Pflicht, mit voller Kraft am Aufbau .unseres schwer bedrängten Vaterlandes mitzuschaffen. Damit ist unsere Stellungnahme zum Keren hajessod gegeben. De r Ke r e n h a j e s s 0 d d i e n t n a t i 0 n a ljüdischen Z we ck e n. Wir lehnen das Nationaljudentum ab. W i r können u n d d ü r s e n darum f ü r den Keren hajessod nichts gebe n. Die Zionisten suchen zwar die Sammlung als Aufgabe des Gesamtjudentums Hinzustetten, haben dadurch auch schon so manchen gewonnen (sitzen doch sogar in Der Leitung verschiedene Nichtzionisten), aber das ändert nichts daran, daß der Fonds helfen soll, das Palästinaprogramm der Zionisten zu verwirklichen. Zum Beweise führe ich im folgenden wörtlich Sätze ans der zionistischen „Jüdischen Rundschau" an. Ihr wird nran doch wohl Glauben schenken müssen:*) „Die weitere zionistische Oeffentlichkeit hat erst durch die Londoner Jahreskonferenz erfahren, in welch hohem Maße die Durchführung >der wichtigsten zionistischen Aktionen durch 'beit Mangel an Geld behindert worden sei." (1920 Nr. 59.) Im selben Artikel heißt es weiter: und wenn keine Mittel da sind und es nicht gelingt, den Einwanderern Arbeit zu geben, f 0 kann eine Katastrophe entstehen, von der sich der Z i 0 n i s m u s schwer erholen könnte. Darum gibt es im Augenblick keine wichtigere zionistische Pflicht als die Sammlnng des nationalen Kapitals." Sotten w i r das mangelnde Geld für die Durchführung dieser „wichtigsten z i 0 n i st i s ch c n Aktionen" aufbringen und den Zionismus vor der K a t a - strophe bewahren helfen?! Sollen wir an der Schaff u n g eines „nationalen Kapitals" Mitarbeiten?! -— Immer wieder wird der nationale Zweck des Keren hajessod betont. „Nach außen hin ist er die Grundlage unserer (der zionistischen) künftigen Arbeit in Palästina, das große nationale Kapital, ohne daß eine großzügige Arbeit nicht in Angriff genommen werden kann." (1920 Nr. 59.) Aber zum Anfang, zunr ersten Anstoß bedarf es des Kapitals und der Arbeitskräfte, die beide keinen anderen Zwecken dienen als dem n a 1 i 0 n a l e n I n te r ess e" (ebenda). Das läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. — Doch weiter: „Der Keren hajessod ist die Organisation der einmaligen großen Abgabe ... sie dient der Schaffltng des Staatsschatzes für das jüdische B 0 l k". (1921 Nr. 12, Julius Berger.) „Das Gnntd- *) Wir habe», der größeren Deutlichkeit tvegen einzelne Stellen in Sperrdruck gesetzt sowie das in Klammern Gesetzte hinzugefügt.

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