Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 17 (24.3.1921)
- Date
- 1921-03-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Polnische Volk aus Oberschlesien ist mit den Juden nicht derart vorgogangen, wie die Polen aus Ostpreußen und der Provinz Posen, obwohl auch die in Oberschlesien wohnhaften Juden sich dem Lager der Hakatisten- Deutschen angeschlossen haben. Die Parole „Jeder zu seinesgleichen" ist infolge des Kampfes, den die Hakatisten und Juden gegen die polnische Bewegung in Oberschlesien führten, nicht so populär geworden, wie dies die Notwendigkeit verlangte. Die polnischen Kaufleute wurden nicht genügenberücksichtigt, die polnischen Industriellen, Kauslcute, Aerzte und Rechtsanwälte beklagten sich wiederholt, daß die polnische Bevölkerung die Deutschen und Juden unterstützt und dadurch sich selbst schadet. Jeder, der die frühenm Verhältnisse kennt, wird ohne »volleres zugeben, daß «die Klagen mit Recht erhoben worden sind. Es ist wohl, mit der Zeit eine Besserung eingetreten, nicht aber derart, wie es sein sollte. Wir sehen, daß cs bis zum 'heutigen Tage in Oberschlesien eigentlich keinen polnischen Mittelstand gibt, wir sehen, daß der Handel sich ausschließlich in den Händen der Juden nnd Deutschen befindet. Es ist sogar schwer zu verstehen, woher diese Schwäche des polnischen oberschlesischen Volkes gekommen ist, so zum Beispiel für die Aerzte und deutschen und jüdischen Rechtsanwälte. Es gibt solche Personen, die dies damit erklären, daß die Richter günstiger auf ernte Sache geschaut haben, wenn sie ein Deutscher oder Jude und nicht ein Pole verteidigt hat. Dies ist selbstverständlich sinnlos, gewissermaßen aber begreiflich, weshalb hat aber unser Volk oft die ärztliche Hilfe bei einem jüdischen Arzt gesucht, weshalb hat es die Mischen Kaufleute unterstützt? Wie schaut es gegenwärtig ans? Der größte Teil des polnischen- Volkes werwet sich mit einem Abscheu von den .Inden ab und haßt sie aus tiefster Seele. Unser Volk ist also ein Gegner der Juden, unser Volk befürchtet, daß nach dem Anschluß Oberschlesiens an Polen die Juden aus dem polnischen Reich unser Gebiet überfluten werden. Das Volk muß also in den Versammlungen belehrt werden, daß es dazu nicht kommen wird, denn die vom Volk gewählten Abgeordneten des schlesischen Landtages werden dafür sorgen, daß die Juden Oberschlesien nicht verunreinigen. Im Gegenteil, dieAnzcchl wird sogar kleiner sein als gegenwärtig. Es ist doch eine bekannte Tatsache, daß die Deutschen gegenwärtig die Juden mit offenen Händen ansnehmen, denn die Langkuttigen spionieren irnd agitieren zu Gunsten Deutschlands. Vor kurzer Zeit erschien ein Aufruf, in dem man die deutsch-jüdische Machination gegen die polnische Mark besprach, um unser Volk von Polen ab' zuschrecken. Ist es unserem Volk gestattet, in der gegenwärtigen Borabstimmungszeit, in der das Schicksal unseres Landes entschieden wird, darauf ruhig zu scharren, wie die Juden wiederum «dem deutschen Lager sich cmschließen und Verrat ülben? Nein, das ist nicht gestattet, das ist ein Verbrechen! Es ist also unsere Pflicht, mit den Juden in Oberschlesien so vorzugehen, wie sie es verdienen. Das Volk in dieser Hinsicht zu belehren, verpflichtet einen jeden, die Vorstände her Vereine, die Zweigstelle der Berufsvereinigungen. die MstrmmungsrÄner, die Kapläne, unsere nationale Presse und überhaupt jeden Bürger, der wenigstens einen Funken Liebe ft'rr Polen besitzt, hier in Oberschlesien ist es unsere Pflicht, daraus hinzuweisen, daß die Juden die unversöhnlichen Feinde Polens sind. Diese allgemeine Arbeit das Volk zu belehren und darauf hmzuweisen, daß die Juden boykottiert und daß die Waren nur bei einem Polen oder Deutschen, der für Polen stinmien wird, gekauft »verden müßten, wird so manchen Juden aus Oberschlesien treiben, „wer nicht mit uns geht, der ist gegen uns". Ihr, die Ihr in den Dörfern arbeitet, betrachtet Euch ganz genau.den jüdischenGastwirt oderKauftnann, erfahrt für wen er agitiert, für Polen oder für Deutschland, und nachdem Ihr alles festgestellt habt, müßt Ihr den Einwohnern dieses Dorfes sagen, »vie sie den Juden zu behandeln haben. Es ist doch eine unerhörte Sache, wenn in einem rein polnischen Dorfe der Jude die deutsche Leine zieht und unser Volk aber ungeachtet dessen seinen Groschen zu ihm trägt und ihn bereichert. Keiner müßte in 'den Städten Hilfe bei einem jiidischen Rechtsanwalt oder Arzt suchen. Die polnischen Rechtsanwälte, Aerzte, Kauflente, Industriellen und Bankleute sind doch keine Neulinge in ihrem Beruf. Den Juden-Hakatisten werden wir den Verstand nicht beibringen, »viv »verden sie von der deutscher: Krankheit nicht auskurieren, bei uns wird es solange keinen polnischen Mittelstand geben, solange wir die Parole: „Jeder gehe LU seinesgleichen" nicht befolgen werden. Wir wollen den Juden, die bei der Abstimmung mit den Hakatisten ein und dieselbe Leine zachen, zeigen, daß wir wissen, wie wir die Feirche des polnisiiben Volkes 'behandeln sollen. X « Neiße. (Tierschutz und Jugend verr o h u n g.) Der Verband der Tievschutzvereine des Deutschen Reiches hat einen Bericht seiner Jugendkommission „Maßnahmen des Tierschutzes gegen die herrschende Jugendverrohung" herausgegeben, dem eine Denkschrift des Vorsitzenden des Tierschutzvereins Neiße, Rabbiner Ellguther, zugrunde liegt. In dem Bericht selbst werden Tierschutz-Veranstaltungen empfohlen, wie sie in Neiße unter Leitung des Herrn Rabbiner Ellguther bereits mit großem Erfolg stattgefunden haben. Lokales. Abstimmung und Antisemitismus. Die Vaterlandsseindlichkeit der antisemitischen Bewegung zeigt sich in folgendem, offenbar von polnischer Sei.e anonym an mehrere altere Mischen Damen unserer Stadt gerichteten Schreiben, das in raffinierter Weise die antil'emitischin Treibereien ausbeutet. Im vaterländischen Interesse geben wir erst heute davon Kenntnis: Treudeutsche Seele! Ich stelle fest, daß Sie altes Mütterchen auch beabsichtigen, mit den Abstimmungsberechtigten zur Rettung Oberschlesiens erscheinen zu wollen. Ich stelle Ihnen anheim, hübsch und ruhig zu Hause zu bleiben, denn für Sie schwebt hier eine Lebensgefahr. Glauben Sie ja nicht den deutschen Versprechungen, daß Ihnen voller Schutz gesichert sei. Sie sind dann völlig preisgegeven, sobald Sie über die Abstimmungsgrenze kommen. Der hier stark organisierte Amisemitenbund wird schon dafür sorgen, daß Sie an die Wahlurne nicht herankommen. Ein Mitglied des Oberschlestschen Amiftmitertbundes." Der Verein Machsike-Tora veranstaltete eine Ge. d e n k f e i e r zu Ehren des verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. Rosen 1 hal. Es sprachen Rabbiner Dr. Simonsohn und Dr. Ma r g u l i e s - Florenz. Schläscher Obend. Am 80. März veranstaltet Frau Thekla E i s n e r, die in den letzten Jahren ihre Kunst lediglich in den Dienst der Wohltätigkeit stellte, einen Max.Heinzcl-Abend, dessen Ertrag die bittere Not der einzigen Tochter Heinzels lindem soll. Die Vortragsfolge enthält außer den Humoresken „De Summerfrische", „De Segerwitzer Turmuhrc" und „De Grunwald-Mielchen us'm irschtem Boalle" noch andre heitre Dichtungen. Die von Paul Mittmann vertonen Schlesischen Lieder (Tanzteufel, Kratschenlied u. a. m.) werden von Frl. Marg. H o s f m a n n und Herrn Hans H i e l s ch e r zu Gehör gebracht. Der Abend verspricht also künstlerische Genüsse und eine heitere Stunde, so daß ihm, auch ween seines Zweckes, ein, voller Erfolg zu wünschen ist. Karten bei Hainauer. , IvSI Kalender 5681 Wochentag Mo Mär, 31 T. nat Marli 29 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnllt Freitag Sabbath 25. 26. 15. 16. BreSlauL^ vk 8. Lavd Hora cap. 0l~8M 'n ifcR.ns Jirmijah VII, tit-VIII. 8. Für die mit Namen gezeichneten Aufsätze, welche die persönliche Meinung des Verfassers zum Ausdruck bringen, übernimmt die Schristleitung nur die preßgesetzltche Verantwortung. V- Kamilierianzeigerr. Verlobt: Martha Seelig mit Georg Wolfs, Breslau; Rose Gottheiner, Breslau, mit Hermann Czollek, Berlln- Charlotlenburg; Elsa Püschel mck Martm GotchelNer, Breslau; Cduy Bogen, Berlin, mit Richard Janower, Breslau. Vermählt: Fritz Steinmetz mit Lotte Brieger, Breslau; Werner Schachtel mit Charlotte Rckier; Jsmar Schüftan mit Lucie Foerder; Dr. rer. pol. Ludwig Brreger mit Else Elias, Berlin-Halensce; Arthur Kahl mit Gertrud Sklarz, Breslau; Franz Btal mit Else Grünselb, Breslau; Alfons GuNmann mit Hanna Samuelsohn, Breslau; Leo Translaleur mit Käie Goldstaub, Breslau-Carlowttz; Paul Dvbecs mit Hilde Cohn, Wahlstatt. Geboren: .Sohn: Rechtsanwalt Hans Kober und Frau, Breslau; Arthur Tischler und Frau Irmgard, gev. Lewy, Breslau; Franz Weiß und Frau, geb. Jacoby, Breslau; Fritz Schragenheim und Frau Grete, geb. Friedlänoer, Rienvurg-Hannovec; Dr. Posner und Frau Trude, geb. Golvrmg, Breslau. Tochter: Zahnarzt Hermann Foerder und Frau Mally, geb. Koppenheim, Breslau; Mar.in Reumann und Frau Frieda, geb. Riesenfe.d, Breslau. Gestorben: Willy Gottheiner, Breslau; Emauuel Hahn, Breslau; Rosa Breit, Breslau; Magda Af^ner, Nikolai; Artyur Fischler, Bres.au; A.ma Lichtenstein, geb. Wiener, Breslau; Adolf Herrmann, Berlin-Tempelhof; Siegmund Keiler, Breslau; Friedericke Lomnitz, Uschütz OS. Allen, dUfen unserer Trauer um unseren gelienVt Vater Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthal in alter Treue und Liebe teilgenommen haben, sprechen wir, außei stände jedem einzeln zu danken, auf diesem Wege unseren innigsten Dank aus. Breslau, Florenz, Berlin den 17. März 1921. Die trauernden Hinterbliebenen. Gottesdienst In den' -Synagogen: Alte Synag. NntSjnag. Freitag 2B./8. Beginn abends 6.15 ü. 6.150. Sbd. 26./8. morgs. 8.45 D 9.800. Mnmondweibe n — — „ n t'reditft n — 10.0017. n Janad|itttafinit nachm. — — bchloß abends 653U. 6.53 ü. An den Woch.- 21.ß. bis Beginn morgs. 6 450 7.000. tagen 1./4. " abends 6.150 6.15 ü. Mag, kn 27. rat} l»ri, oormfttaga u Ubr findet in der Neuen Synagoge eine WWN'MflMSllMftlll statt, zu der wir unsere Gemeindemitglieder er gebenst ein laden. D«r Uorstand der Kqnagagr«-Semei«dr. Grffentliche Sitzung der ReprSseutautru-Uersammlung Mittwoch, den 30. März 1921, abends 8 Ahr Repräsentanten.Sitzungssaal, Wallstraße 9, II. vier vorsttzen-e der Rrpräsentanten-Versammlung Dr. Wob lauer. Kabarett Littke Carlsen Desy Hardt und da» brillante Mirz-Pnzmin. nDB1? "W2 p Süßer Palästinawein Gez. Ober-Ungar Rheinu. Rotwein Feinster Sliwowitz r.yy ***< gfegtr.ßXt. dmuttüfOLkSM Prompter Versand nach auswärts. ros bs m» Zuetsdienbranntueln en groS en detail gebrannt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Bezirksrabbiner Dt. Löwenstein empiehlen Rothschild L Söhne Mampfdrennerei MoSbach» Baden. UHf MMiriDMll fachgemäß alle Arten Ifa-nnfl Gölten Vir liefern ree^ U* Pre‘swert da* Beste der — Uhren* DDd Ooldwaiea- Industrie Arnhold Rosenthal Neue Schweidnitzer Straße 5. Paul Neumann Schneidermeister Breslau 1, Königstraße 11, Hi empfiehlt sich zur Anfertigung feiner iterrenmoden sowie Sportsotnen oller Art. Lager in* und ausländischer Stoffe. Qnter Sitz. — Solide Preise. Stoffe werden zur Verarbeitung angenommen. Buchdruckerei und Verlags - Anstalt TH. 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