Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-01-28 · 9 (28.1.1921) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
9 (28.1.1921)
Date
1921-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2613366-2613604-2613613--0046-2617211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

bedeute: mit allem zufrieden sein, nicktändern wollen, während da- Nichtzufriedensein, daanfänglich Negierende, das Revolutionäre, das Charakteristikum des Aufbauenden sei, bezeichnete Redner daS Judentum als zu den aufbauenden Völkern gehörig und als unvergänglich, weil es sich auf eine Idee eingestellt habe und nie auf Wirklichkeiten. Dies gelte jedoch nicht mehr seit der Emanzipation; mit dieser versuchte ein aufbauendes Volk sich einem untergehenden Typus anzupassen, woraus schwerste Konflikte erwachsen mußten. Wir seien in einer untergehenden Epoche, zwar nicht etwa der abendländischen Kultur als solcher, jedoch des Zusammenbruches eines Systems, einer ganzen Lebensordnung. Durch die Assimilation sei das Judentum genau so untergangsreif geworden wie andere Völker; denn es zeige sich kein genügendes Bestreben, neues Leben zu schaffen. Deutlich spreche dafür das vollkommen uninteressierte Verhalten der Westjuden angesichts der furchtbaren, seit langem andauernden, systematischen Ausrottung der Ostjuden, diesem wichtigsten Teil des Judentums überhaupt. Auch auf die Verleihung Palästinas durch die alliierten Mächte habe das Westjudentum nicht genügend reagiert. Trotz alledem sei eine gewisse Hoffnung auf die Zukunft des Judentums nicht unberechtigt, zwar nicht aus Momenten der inneren, sondern der äußeren jüdischen Situation. Diese Hoffnung schöpfe er aus der großen antisemitischen Welle der Gegenwart, die ein Beweis dafür sei, daß im Judentum noch alte Kraft zum Aufbau lebe. Er schöpfe sie ferner aus der neu-hebräischen Literatur, aus der Tatsache, des Vorhandenseins eines neuen Typs jüdischer Jugend, eines neuen jüdischen Menschentyps in Palästina. Der Wege zu diesem Aufbau gebe es nun zwei. Der eine werde von vielen der Besten vertreten und verdiene es, daß man ihn nicht ohne weiteres beiseite lege. Es sei der rückhaltlose Anschluß an die neuen Ideen der Menschheit. Diesen Weg dürfe aber das Judentum nicht gehen. Der andere, den es als einzigen gehen könne, müsse aus jüdischem Geist heraus geboren sein. Der Zionismus wolle das Judentum aus Untergang und Unglauben in den Zustand schöpferischer Kraft führen. Er müsse dies mit der ganzen Radikalität seiner Ideen und Postulate tun; denn die Lage des Judentums lasse es nicht zu, daß er auch nur das Geringste von seinen radikalen Forderungen aufgebe. Bei der Anämie des jüdischen Bolkskörpers nütze nicht mehr Philantropie, nur die radikale Schaffung einer neuen Welt. Dem Zionismus gingen die besten Kräfte verloren, wenn er irgendwelche Konzessionen machen würde. Nur durch neue große Aufgaben könne das Judentum aus seiner Lethargie herausgerissen werden. Einst habe nach der biblischen Sintflut ein neues Zeitalter für die Menschheit begonnen. Oft wiederhole sich die Zeit der Sintflut in der Geschichte der Menschheit; trotzdem gingen die Menschen nicht unter, sondern sie wurden stets erneuert und geläutert. So wolle in unseren Tagen der Zionismus die Arche sein, die alle Kräfte zu einer neuen Epoche des Aufbaus sammelt und erhält. — Diskussion fand nicht statt, da Wortmeldunge n nicht erfolgten. (Wir haben den Inhalt der geistvollen Ausführungen des zionistischen Führers ohne Kommentar wiedergegeben, brauchen aber wohl nicht erst hervorzuheben, daß wir uns in vollem Gegensätze zu seiner Auffassung befinden und dem Zionismus eher die Rolle der Sintflut als die der Arche einzuröumen geneigt sind, Die Red.) Wohltätigkeit. Ueber dieses Thema sprach am vergangenen Sonnabend im Schiedmayersaal Herr Rabbiner vr. Hamburger im Verein „Gmillus Chessed Umischan Aweilim" (Krankenverpslegnngs- und Minjanverein), Nach kurzer Erörterung der Frage, ob es überhaupt notwendig sei, vor einem jüdischen Zuhörerkreis über Wohltätigkeit zu sprechen, führte der Redner etwa folgendes aus: „Wir leben in Deutschland gegenwärtig in einer Zeit sozialer Kämpfe, wie sie nie zuvor dagewesen sind, und wenn wir der Ursache auf den Grund gehen, so kommen wir zu der Erkenntnis, daß alle diese sozialen Erschütterungen vielleicht vermieden worden wären, wenn man mehr Wohltätigkeit geübt hätte. Auch wir Juden haben nicht immer das höchste unserer Gebote, wohltätig zu sein, vollkommen befolgt. Wir besitzen zwei grundverschiedene Worte für Wohltätigkeit, nämlich „zdoko" (die Unterstützung des Bedürftigen) und „gmillus chessed" (die Hingabe der eigenen Person für die unseres Mitmenschen). Wohl besteht kein Zweifel, daß wir stets hilfsbereit waren, wenn es sich um materielle Wohltätigkeit handelte, aber aus dem Gebiete des „Gmillus chessed" haben wir viel vernachlässigt. War weiß nicht von den Leiden einer Mutter zu erzählen, die von ihren hungernden Kindern um Brot, das letzte Stüchchen Brot, gebeten wird, weil mit dem Tode des Familienvaters Elend und Sorge eingezogen sino. Wer kennt die Tausende, die sich schämen, die öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch zu nehmen, und deren schweigende Not zu lindern höchste Menschenpflicht ist. Gerade hierin haben wir Juden uns nicht immer vorbildlich gezeigt, denn der Egoismus erfüllt noch zu sehr die Brust des Menschen, als daß er darauf verzichten könne, feinen Namen auf einer Spenderliste prangen zu sehen. Die wahre Wohl? tätigkeil, die darin besteht, dem Nebenmenschen in seiner Not mit warmem Herzen, offener Hand und einem starken Willen Trost zuzusprechen, ist eine Forderung der Ethik. Und zur Erfüllung dieser ethischen Forderung gehört ständige Uebung. Höcyste Wohltätigkeit ist die, die rechtzeitig geübt wird; dem soll man helfen, der zu fallen droht, nicht erst dem bereits Gefallenen." Der Redner schloß, den Vortrag mit den Worten des Talmud: „Ueber das Recht hinaus das zu tun, was milde Gerechtigkeit uns lehrt, ist höchstes Gebot." Die zahlreich erschienenen Zuhörer dankten dem Vortragenden durch reichen Beifall. Hff. Konfirmation in der Alten Synagoge am 29. Januar 192t: Adolf Rosenblum, Vater Paul, Nikolaistraße 22. mi Kalender 5681 Wochentag Mo Jan. 31 T. nat Stabil 30 T. Sabbath- AuSgang Wochenabschnitt Prophetenabschnitt Freitag Sabbath 28. 29. 19. 20. Breslaus 2. Baoh Mose cop. 181—20® mavütfa Jes. 6,1-18; 7,1-6, S. 6-6 Gottesdienst Id den Gemeinde-Synagogen: Alte Sfflig. NncSjnag. Freitag 28./1. Beginn abends 4.45 U.* 4.45 ü. Sbd. 29./1. 1, morgs. 8.45 U* 9.30 U. ,1 Predigt vorm. — 10.00 ü. » ,1 iaadattcfiwrt nachm. — 3.00U. Schloß abends 5.20 ü. 5.20 U. Au dea 30./1. Beginn morgs. 7.00 U. 7.15U. Woch.- bis tageu 4./2. « abends 4.45 U. 4.45 ü. * Probevortrag des Herrn Kantor Silberpfennig aus Thorn. Zwecks Neuordnung der Bibliothek und Neuausnahme ihrer Bestände ist die ausnahmslose Rückgabe aller entliehenen Werke bis spätestens 19. Februar erforderlich. Die bis dahin nicht zurückgelieferten Werke werden durch den Bibliotheksdiener eingezogen, der dafür eine Gebühr von l Mark zu fordern das Recht hat. Während des Monats Februar werden Bücher nicht ausgeliehen. — Der Lesesaal dagegen ist zu den bekannten Stunden geöffnet. Der Vorstand -er Spnagogen-Gemekn-e. Konditorei uKaffee L. Hirschlik (früher Posen) Reotchestrefte 11/13 vollständig renovierte Räume. Zum Abschluß von Bescherungen ztl liberalen Bedingungen und mäßigen Prämien in Transport, Feuer, Ginbruchsdiebstahl, Leben, Unfall und Haftpflicht, Aufruhr und Plünderung, Swie von Reiselagern (Musterkoffer), eisegepäck, Juwelen u. Schmucksachen für erstklassige Gesellschaften empfiehlt sich R. Struve, QtnetfMMtr für WO» Augustastratze 139. Fernruf: Ring 11824. Vertreter allerorts gegen höchste Bezüge gesucht. Silber! Gelegonheitskäufe! Nach beendeter Inventaraufnahme habe ich einen Teil meines Lagers echter Silberwaren, sowie schwer vers. Alpakkawaren abgesondert and za sehr billigen Preisen zum Verkauf bereitgestellt Verkauf nur in der Fabrik Geschäftszeit darchiehend 1-5 Uhr Julius Lemor Silberwarenfabrtk Breslau-West, Fischern 11.) Tel. 742 — Gegr. 1818. /-"-\ Die glückliche Geburt eines Jungen zeigen hocherfreut an Walter Loewenberg und Frau Gertrud geb. Alexander. Breslau, den 23. Januar 1921. Tauentzienplatz 9. _ Nach 7 j8.hr. ärztl. Tätigkeit an der medizin. Akademie in Düsseldorf (Prof. Schloßmann) am städt. Krankenhaus Stettin (Prof. Neisser), am Kaisern. Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus Geh. Rat Baginski) am Rndolt-Virchow-Krankenhaus, Berlin, und an den isr. Krankenanstalten in Breslau habe ich mich hier, Brandenburger Straße 37, ak Aerztln für innere Krankheiten niedergelassen. Sprechstunden: 8—9, 4—5, Sonntag 9—10. Ferasprä Dr.med.R.Hoffmimn. gch empfehle meine erstklassige« Equipagen 3« Hochzeiten und Beerdigungen. Bug. Petrak Hacbf. SÄi' Jetzt: Breslau, Fischergaffe 16. — Sei. R. 1278 Fritz Beinridi Breslau, Ohlauer Straße 79 Fabrikation und hager von Juwelen, Gold- und Silberneren Reiche flusmafil in Perlensdunuch Einkauf von 3urcelen, Gold, Silber u. Edelsteinen IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIBIII ■■ ■■ s Emmo Delahon s S Breslau I, Ofalauerftrabe 36/37 | 8 gegiündet 1870 8 ■ Papier und Sdhreibraaren | - Spezialgeicbäft für Konlorbedarf. , 88 m Der diesjährige Inventur - Ausverkauf ■IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIMIII J^^Wk^lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUII besinnt Montag* den 31. Januar Hervorragende Kaufgelegenheit in Damen-Bett Herren gjQSCIIg Tisch Nur Kinder Haus-_ Verlangen Sie kostenlos die relchilliistrlerte Ausverkaufs-Preisliste. Leinenhaus RiakrhoufsIfVf iiiiiiiiiiiiiiiiiim m$F WS m\J MN ijpKVJp Nikolaistraße 74/76 BRESLAU Ecke Herrenstraße I Wll-MMll Mnfjccolö yorrfftraße »r Telefon Ring 510-. Ermittelungen! Beobachtungen! Anskünste! (geiratsauskünfte i« BreSla« S«Mk.) besorgt an allen orten der Welt zuverlässig zu Larifp reisen .IMINLS.?trirN-»kkviii i. Iirtrll Usch. Ittrkliif Bratenes»" 27 schrSaüber Stadttheater Selefott «tng 7»07. Guter bürgerlicher Mittagstisch auch außerhalb öes Hanfes, bl fliiier jüd. Familie zu haben. Oifciten unter T. K. 14« an die ffrped derJüdisch-ttbeialm Zig pelzmodcbatts?anl $ckar$(h z Mas 1. JnnKcrnstraJie 22/24 Fernsprecher Ring 8893. Für die Bekanntgabe von Familien - Nachrichten bitten wir die W Füdischoliberale Zeitung ständig zu benützen — Ermäßigte Anzeigenpreise! Manne-WUeün. i lufifcecuatc. %\ Jacken* und Blusenkragen Schleier * Strümpfe»Handschuhe stets das neueste e { In besten Qualitäten zu mSftlgen Preisen * mimom In unserem Berlage >st soeben erschienen: m Mauer die für Stadt und Land geltend. Bestimmungen. Zusammengestellt und erläutert von den Rechtsanwälten vr. GiltiS und vr. Nnger in Breslau. 80 Seiten. Gr.-8. Preis 10 Mark. Th^diotzk9.BreslBB 3 Rene Sranpenstr. 5, Fernfprech. Ring 451,4600. Waschanstalt SANITAS Breslau-Kleinburg Tel. Ring 4969 nach Gewloht Lieferung in wenigen Tagen. Garantiert ohne scharfe Mittel Jedes WSschestflck Ist voll versichert. MrkjMen ofijiiö. WüMker Breslau, Schillerstraße 5 Wrldll., -AWslh«', WihMnnft WrMch«-Mtlirii. Reparaturen. ütnanMinp. Gut unb schnell! Mäßige Preise! SMMllHBMBMlMIBBflHHI | Pelzigeren | größte flusmahl |j in allen Arien W stets vorrätig am hager. B! Aufbewahrung H von Pelz- und IMsachen B | gegen Mollen, Feuer und Einbrudisdiebstahl, I* | auch wenn nicht von mir gekauft. | |E. Bischof? | Breslau, Ring 42. ■ Herausgeber: Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde Breslau. — Verantwortlich für den Inhalt: Julius Loeb; für das Feuilleton: vr. Ludwig Davidsohn (beide in Breslau). Druck und Kommissionsverlag: Th. Schatzky, Buchdruckerei und Verlagsanstalt, G. m. b. H., Breslau IH, Reue Graupenstraße 5. 14414^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.