Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 1 (1920-1921)
- Issue
- 8 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Aussprache, 2. „Ausgaben der jüdischen Kinderfürsorge" (Rechtsanwalt Dr. Fritz L a mm-Berlin), Aussprache. Dienstag, den 26. Januar 1921, vormittags 9% Uhr: 1. „Sozialhygienische Ausgaben in der jüdischen Wohlfahrtspflege", Referent: Privatdozent Sanitätsrat Dr. H a naue r-Frcrnkfurt a. M. Korreferenten: a) Prof. Sanitätsrat Dr. Toby Cohn-Berlin: „Fürsorge für Nervenkranke", b) Sanitätsrat Dr. Wilh. F eil che nfeld-Berlin: „Fürsorge für Lungenkranke", c) Sanitätsrat Dr. Nawratzk i-Berlin-Niklassee: „Fürsorge für geistig zurückgebliebene Jugendliche". 2. „Die Notwendigkeit der örtlichen Zentralisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege sowie die Maßnahmen zur Verhütung von Doppelunterstützungen mrwürdiger Bittsteller". Referenten: Frau Clara Samuel-Elberfeld, Eugen Casp a r y-Berlin. 3. „Pläne zur Begründung einer deutschen Reichsarbeitsgemeinschaft für freie Wohlfahrtspflege und die Anteilnahme der Zentralwohlfahrtsstelle". Referent: Dr. Albert Lev y-Berlin. Aussprache. Nachmittags 4 Uhr: 1. „Jüdische Auslandshilfe", Direktor Dr. Friedrich Ollendorf f-Berlin. 2. „Die Karlsbader Welthilfskonferenz und ihre Bedeutung für die jüdische Wohlfahrtspflege". Referent: Dr. Alfred K l e e-Berlin. 3. „Probleme der Mtjudenfrage in Deutschland." Referent: Fritz Mordechai Kaufmann- Berlin. Aussprache. Königsberg. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach Rabbiner Dr. B a e ck - Berlin über „Die GottesanschauungdesJudentum s". De.r Vortragende verglich einleitend, den Gottesbegriff des Buddhismus mit dem des Judentums, das eine Bejahung im Gegensatz zu der Verneinung des Buddhismus darstellt. Obwohl die Bibel ein Buch voller Pessimismus ist, erscheint das Judentum als die Religion des Optimismus, des Glaubens an die' Pflicht, das Gute zu vollbringen. Dem Schickfalswort des Altertums: „Du mußt" stellt es das Wort „Du sollst" entgegen. Charakteristisch für die jüdische Religion ist das Unmythologische derselben. Während im Altertum das Schicksal der Gottheit im Mittelpunkt des Lebens der Menschheit stand, geht das Judentum davon aus, daß das Handeln der Menschen zum Schicksal der Welt wird. Kennzeichnend ist ferner der Begriff des Geheimnisses, ein Wort,' das im Hebräischen mit dem Begriff des Geborgenseins verschmilzt. Mit dem Gefühl, geschaffen zu sein, verbindet sich die Gewißheit, daß der Mensch ein Schöpfer ist, ein Schöpfer des Guten. Das große Wort des Judentums „Du sollst, denn Du kannst", unterscheidet es von allen anderen Religionen pnd gibt ihm neben dem,Gefühl der Demut auch das der Ehrfurcht. Dies Doppelte, Geheimnis und Gebot, geht als ein großes „Und dennoch^ durch das Leben des Judentums. — Nürnberg. Den Rechtsanwälten vr. Erlanger und Dr. S i l b_e r st e i n wurde der Titel „Justizrat" verliehen.. Justizrat Dr. H e lb, 1. Vorsitzender der Anwaltskammer von Mittelsranken und langjähriger Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, erhielt den Titel eines „Geheimen Justizrates". Mus -er Provinz. ) verband -er Szmagogen-Hemein-en -er ' Regierungsbezirke Breslau un- Ltegnitz. Am Sonntag, den 16. Januar fand im Repräsentantensitzungssaal zu Breslau die Hauptversammlung des Verbandes statt. Geh. Sanitätsrat Dr. Reich begrüßte bei Eröffnung die zahlreich anwesenden Delegierten und dankte dem bisherigen Vorsitzenden, Herrn Handelsrichter M u g d a n, für seine Tätigkeit. Er gedachte sodann derzeit -er letzten Tagung verstorbenen Mitarbeiter des Verbandes, der Professoren Guttmann und Brann, des Geh. Justizrats Friedmann und des Direktors Dr. Loewenthal. Durch den Krieg und seine Folgeerscheinungen habe die Arbeit in den letzten 3 Jahren im wesentlichen ruhen müssen; bei der nunmehr in Aussicht genommenen Neubelebung der Tätigkeit bedürfe insbesondere der Religionsünterricht in den kleinen Gemeinden und die Fürsorge für den Lehrerstand besonderer Beachtung. Nach Erstattung des Kassenberichtes durch Herrn Dr. Weißstein führte Gemeinderabbiner Dr. B o gelstein u. a. aus: Die Zukunft des Judentums sei die Jugend. Für sie werde am besten durch guten Religionsunterricht gesorgt; die hierfür gebrachten Opfer würden sich aufs höchste lohnen. Erforderlich sei dazu, daß die Religionslehrer pädagogisch und wissenschaftlich geschulte, religiöse und charaktervolle Persönlichkeiten seien. Damit zu Beginn deS netten Schuljahres die alte Arbeit wieder einsetzen könne, empfehle sich eine statistische Uebersicht. der ist Frage kommenden Gemeinden als' Unterläge für die Reorganisation. Notwendig fei aber auch eine Hebung, der mehr als prekären Lage .der Kultusbeamten,' damit ihre BerufSfreudigkeil nicht leide, und der.Zuzug zum Lehrerberuf sich nicht verringere; auch die Anstellungsverhältnisse müßten sich bessern, insbesondere durch Einrichtung eines SchlichtungsauSschusses zur Ausgleichung von Differenzen, wie er sich in Ostpreußen sehr bewährt habe, durch Aufstellung eines Normal- Vertrages ' und feste Anstellung..-nach dreijähriger Probezeit. Zum Wiederaufbau unseres gesamten Lebens kämen wir nur, auf sittlicher, religiöser und geistiger Grundlage. Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal appellierte insbesondere an das Pflichtbewußtsein der größeren Gemeinden m der Fürsorge für die kleineren, damit ausreichender Religionsunterricht erteilt und dem Nichtwissen in religiösen Dingen gesteuert werden könne. Prediger B ä h r - Waldenburg sprach insbesondere für die Lehrerschaft, deren Notlage außerordentlich groß fei. Der Entwurf für eine Gesamtorganisation der Gemeinden, auf den rhn der^D. I. G. B, bei einer Eingabe verwiesen: habe, bedeute durch feine - finanziellen Bestimmungen nach seiner Meinung eher eine Hemmung als eine Förderung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Beamtenschaft. Dringende Hilfe fei erforderlich; andernfalls müsse sich die Lehrerschaft an die Behörden wenden. Professor Dr. W o h l a u e r erklärte, die Repräfentantcnverfammlung werde jederzeit Vorlagen, die der Unterstützung der ferneren Gemeinden gellen, freundlich gegenübersteyen. „ ^Rechtsanwalt A. .Ja k o bf ohn trat für daä aktive und passive Wahlrecht der Beamten ein. - -: Lehrer Unikower sprach sich iür die Inspektion des Religionsunterrichtes durch ältere Kultusbeamte aus, verlangte, daß der Verband mehr als bisher für die Beamten eintrete, insbesondere die ganz unzulänglichen Anstellunasverhältnisse regele. .. Zustizrat H i r sch - er g^ist gegen: das passive Wahlrecht; dies bedeute k«ne Degradierung, im Gegenteil, der peambesolle aus der Gemeinde yeräusgehöben werden. Bei den .darauf erfolgenden HSahje.n wurde Hers. Emil Waldstein-Breslau zum Vorsitzenden gewählt: an die Stelle . von Herrn Professor 'Dr. Guttmantt ttnd Professor Brann traten Dr. Bogelstein und Dozent Dr. Heinemann. Ferner wird für Rabbiner Dr. Berger-Görlitz Prediger Bähr-Wäldenburg neugsvählt. Dem Ausschuß gehören ferner Sn: Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal-BreSlau, Felix LandSberger-Glogau für Geheimrat Friedmann, Geh. Sanitätsrat Reich-Breslau (wiedergewählt), Justizrat Landsberger-Schweidnitz, Herr Ebstein-Liegnitz, sodann wurden die Satzungen zum Teil geändert; Herr Waldstein gab die Begründung. Die Annahme der Aenderungen erfolgte unter einer Stimmenthaltung. Zu Kassenprüsern wurden Herr Mbert Hamburger und Herr Naphtali- Breslau gewählt. _' Untersiühungskasie -es Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien un- Posen. BreSlan. Nach einer vierjährigen, durch die Zeitverhältnisse gebotenen Pause tritt am 23. Januar, vorm. 11 Uhr, in der Lessingloge Hierselbst die Generalversammlung der Kasse zur Beratung zusammen. Die Kasse hat den Zweck, dienstunfähig gewordene Mitglieder, Lehrer und Lehrerinnen, Witwen und Waisen, in besonderen Fällen auch Nichtmitglieder, nach de.m Maße vorhandener Mittel zu unterstützen. Leider reichen die Mittel nicht auS, um den Anforderungen, welchenamentlich in der jetzigen Zeit an sie gestellt werden, entsprechend zu genügen. Gering ist auch die Zahl der Ehrenmitglieder. Unsere Glaubensbrüder und Glaubensschwestern, Gemeinden, Gesellschaften und Logen sollten es als Ehrenpflicht betrachten, gerade jetzt, wo die Gemeindebeamten und Witwen unter der Not zu leiden haben, durch besondere Spenden wie durch laufende Beiträge die Mittel der Kasse zu verstärken, damit sie ihre Aufgaben erfüllen kann. Dankbar sei hier unserer Breslauer Synagogen-Gemeinde, der Lessingloge, der dritten Brüdergesellschaft, einiger Wohltäter, der Gemeinden Beuthen, Kattowitz und Liegnitz gedacht, die durch mehr oder minder größere Zuwendungen unsere Bestrebungen unterstützt haben. Die Kasse betrauert neben anderen Mitgliedern besonders den Heimgang ihres verehrten Vorsitzenden, des unvergeßlichen Professors vr. Brann, der zu den Gründern der bereits über 40 Jahre bestehenden Einrichtung gehörte. An Stelle des Schriftführers, Justizrat Hirschberg, welcher sich große Verdienste um die Kasse erworben hat, ist seit zwej Jahren Rechtsanwalt Nothmann getreten, von dessen Wirken wie von dem unseres langjährigen bewährten Schatzmeisters, Herrn Adolf Bial, wir ersprießliches für das weitere Gedeihen erhoffen. Zuwendungen und Betrittserklärungen sind an letzteren, Kaiser-Wilhelm-Straße 32, Postscheckkonto Breslau Nr. 11 552 zu richten. Schreiderha«. Gegen die starke antisemitische Verhetzung im Riesengebirge, von der kürzlich berichtet wurde, fand hier eine öffentliche Protestversammlung statt. Sämtliche Redner wiesen darauf hin, daß die von dem bekannten Postsekretär Obst ausgehende antisemitische Agitation für die Riesengebirgsorte bereits schwere Schädigungen durch das Fortbleiben der Fremden nach sich gezogen habe. Für die Gemeindebehörden schloß sich Bürgermeister Staeckel den Ausführungen an. Es wurde beschlossen, in allen Fällen antisemitischen Vorgehens zur Selbsthilfe zu greifen. — Wie wir erfahren, hat die zuständige O. P. D. L i e g n i tz eine Uirtersuchung der Vorgänge in Schreiberhau dahingehend angeordnet,, in wieweit der wiederholt genannte Postsekretär O b st in unzulässiger Weise sich antisemitisch betätigt hat. Lokales. Die Zentralstelle für die technische Durchführung der oberschlesischen Abstimmung in Breslau beabsichtigt in dem Beheben, allen abstimmungsberechtigten Oberschlesiern die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, für die jüdischen Abstimmungsberechtigten auf der Reise und während des Aufenthalts im Abstimmungsgebiet auf Wunsch rituelle Verpflegung zu beschaffen. Dies geschieht von ihr in Gemeinschaft mit der Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, die auch während des Weltkrieges die jüdischen Soldaten und Kriegsgefangenen in vorbildlicher Weise mit ritueller Verpflegung versorgt hat. Um ein Bild zu gewinnen über die Anzahl der Abstimmungsberechtigten, die auf. rituelle Verpflegung reflektieren,. werden solche Abstimmungsberechtigte gebeten, baldigst ihre Adresse und ihren Abstimmungsort der Zentralstelle, Breslau, Kaiser Wilhelmplatz 20, Tel. Ring 10 223,. oder der genannten Vereinigung Frankfurt a. M., Schützenstraße 14 oder einem der beiden Vorsitzendender Schlesischen Abteilung dieser Vereinigung Kaufmann AronKober, Breslau, Königsplatz 6 und Bankier L o e w y, Breslau, Goethestraße 36, zu melden. vom Israelitischen Krankenhause in Breslau. i. Eine ungeheure Bewegung ging vor einigen Monaten durch die Reihen unserer Glaubensgenossen, und darüber hinaus erfaßte sie Kranke, Genesene und Aerzte aller Konfessionen, als bekannt wurde, daß sich das Israelitische Krankenhaus, diese Anstalt, welche seit Menschengedenken der leidenden Menschheit Zuflucht und Rettungsanker gewesen war und es noch ist, in so erheblichen finanziellen Schwierigkeiten befinde,' daß .eine Einschränkung ihrer wohltätigen Betriebes sicher, ihre völlige Schließung eine kurze Frage der Zeit sei. Aufatmend dürfen wir feststellen, daß die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen sind, und daß die Situation, wenn sie auch immer noch ernst genug ist, hoffnungsfreudigen Ausblick für die Zukunft zuläßt, nachdem edle Menschenfreunde in mustergültiger Art eingegriffen haben, der Vorstand der Anstalt, verstärkt und unterstützt von Aerzten und Laien, in weiser Führung neue Wege der Wirtschaft eröffnet hat, und eine Reihe glücklicher Momente hinzugekommen sind, durch welche die Haben-Seite im Hauptbuchs des Krankerchattses sichtbar gestärkt wurde. Nicht uninteressant dürfte es sein, in diesem Zeitpunkte zunächst einen Rückblick zu halten auf Entstehung und Entwicklung des Krankenhauses, das in Ehren genannt wird, -sobald von den schlesischen Einrichtungen züm Heile der leidenden Menschheit die Rede ist. Im Jahre 1726 wurde dje Israelitische Krankenverpflegmrgsanstalt zur Pflege der armen jüdischen Kranken in Breslau gegründet; sie war zunächst in Metsräumen untergebracht und siedelte erst im Mai 1760 iat das eigens Heim über, nachdem ihr die landesherrliche GenehmigMg erteilt worden war „ein eigenes an der Stadtmauer -Wischen der Antvni- und der Graupengasse in der Gegend gelegeneeinzelnes Häuschen, wo der im Fahre 1749 gesprungene Pulverturm gestanden/ von dem Tuchmacher König chor 700 THaler Schlesisch zu einem beständigen Hospital zu erkaufst". Bei diesem Grundstück handelte es sich um das jetzige HauS Watt straße 19, welches demMaurermeister Haase gehört und in dem u. a. die Landschul-Synagoge untergebracht ist. Im Jahre 1806 während der Belagerung von Breslau wurde das Hospital teilweise eingeäschert, bald aber wieder hergestellt. Das Anwachsen der Synagogen- Gemeinde, insbesondere aber die Pflege der im Jahre 1813 verwrmdeten jüdischen Soldaten zeigten bald die Unzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Räume und nach langen Erwägungen errichtete man endlich im Jahre 1823 eine Filial-Krankenanstalt auf dem Maschlerschen Grundstück am Schweidnitzer Anger. Mer auch diese Teilung erwies sich als Stückwerk und der Vorstand schätzte sich^ glücklich, als es ihm im Jahre 1841 durch ein Legat der Brüder David und Jonas Fraenckel in Höhe von 60 000 Talern ermöglicht wurde, den Neubau auf der Antonienstraße auszuführen, der außer dem Hospital auch die Israelitische Waisen-Verpflegungs- Anstalt aufnahm. Die letztere siedelte 1883 in das eigene, heute noch benützte Heim auf der Gräbschenerstraße über und die Chewra Kadischa setzte an ihre Stelle auf der Antonienstraße unter Erweiterung ihres Arbeitsgebietes ein Siechercheim. Dieses konnte dank der Stiftung des verewigten Rittergutsbesitzers Julius Schottlaender 1897 ein eigenes, modernes und behagliches Heim in Breslau-Kleinburg, Kirschallee, beziehen. 1903 siedelte das Krankenhaus in den stolzen, allen modernen Anforderungen der Hygiene entsprechenden Neubau an der Hohenzollernstraße über, welcher auf einem vorzüglich geeigneten, frei und hoch gelegenen Terrain errichtet wurde, das durch trockenen und porösen Boden ausgezeichnet war. Dem Regierungsbaumeister a. D. Herold und Baurat Schmieden, beide in Berlin, war die Bearbeitung des Bauplanes übertragen worden, ,, die Bauleitung lag in den Händen der Regierungsbaumeister a. D. R. und P. Ehrlich, Breslau; die gärtnerischen Anlagen wurden nach Plänen des städtischen Gartendirektors Richter hergestellt. 6 Gebäude waren errichtet worden, aber bald machte sich die Notwendigkeit einer Erweiterung fühlbar, die Belegungsfähigkeit betrug bisher einschließlich des Jnfektionsgebäudes 140 Köpfe; der im Jahre 1914 an der Straßenfront fertig gestellte, wiederum von den Herren Ehrlich geleitete Neubau schaffte für rund 260 Kranke Platz. Die Grundlage zur Beschaffung der Baugelder bildete eine Spende der verewigten Herren Emanuel und Max Breslauer in Höhe von 60 000 Mk., das Vermächtnis des Herrn Louis Burgfeld mit 200 000 Mk., hochherzige Zuwendungen, denen sich später eine Reihe anderer Bettstiftungen und Stiftungen zugesellte. Haben wir so mit diesen Ausführungen die rein äußeren Schicksale der Krankenanstalt in großen Umrissen zu schildern versucht, so soll in einem zweiten Artikel der Männer im Vorstand und der Aerzteschaft gedacht werden, die sich besondere Verdienste um die Krankenanstalt erworben haben. Ein Schlußartikel soll sich dann mit den materiellen und wirtschaftlichen Dingen beschäftigen und einen Ausblick auf die zukünftige Gestaltung der Geschicke unseres Kleinods — denn das ist uns unser Breslauer Israelitisches Krankenhaus —- enthalten. __ Israelitische waisen-verpflegungs-^nsialt in Breslau. Wir richten an unsere Breslauer Glaubensgenossen, aber auch an auswärtige Freunde und ehemalige Zöglinge die inständige Bitte, die seit 126 Jahren bestehende und segensreich wirkende Anstalt, die gleich anderen Instituten in arge Bedrängnis geraten ist, zu unterstützen.. Jahresbeiträge bezw. Erhöhung derselben sind dringend erwünscht. . Wir bitten aber auch, sich der Anstalt und ihrer Zöglinge bei ernsten und freudigen Gelegenheiten zu erinnern und sie wie einst unsere Eltern und Großeltern mit größeren Spenden und Legaten zu bedenken. Wer 600 Mark und darüber spendet, wird in unser seit länger als 100 Jahre geführtes Legatenbuch und auf die Wohltätertafel eingetragen, auf der so mancher die Namen lieber Angehönger, die nicht mehr unter uns weilen, verzeichnet finden wird. Die Anstalt gedenkt ihrer noch heute nicht nur bei der alljährlichen Gedenkfeier, sondern nach der Väter alter frommer Weise auch an ihren Jahrzeittagen. Beiträge und Spenden können auf das Postscheckkonto Breslau Nr. 45 828 Israel. Waisen-Berpflegungs- Anstalt eingezahlt werden. X. Zur Liemenlisie -es Schutzun- Truhbun-es. Der letzten Nummer unseres Blattes lag ein Abdruck des B er zei chnis s es christlicher Kaufleute bei, das der deutschvölkische Schutz- und Trutzbund in der hiesigen Geschäftswelt verbreitete. Me aus Zuschriften, die daraufhin seitens mehrerer in dem Verzeichnis aufgeführter Firmen an uns gelangt sind, hervorgeht, sind deren Inhaber bei der Inseratenwerbung für die Liste vollkommen darüber im Unklaren gelassen worden, daß es sich um eine das, Wirtschaftsleben unserer Stadt im höchsten Grade'schädigende antisemitische Maßnahme handelte. Folgende Firmen bedauern auf Grund dieses Irrtums in die Liste ausgenommen worden zu sein, teilen mit, daß sie ihre sofortige Streichung vom Schutz- und Trutzbund verlangt haben und erklären, daß ihnen jegliche antisemitische Tendenzen fernliegt: E. Bischofs, Pelzwaren, Ring 42. — F. W. Fuchs, Rohprodukte, Lange Gasse 4. — E m m o Del ah on, Papier- und Schreibwaren, Ohlauerstraße Nr. 36/37. — B ru n o H ü b e r, Papier- und Schreibwaren, Neue Graupenstraße 17. — MaxS chulstzka, Leipziger Zeben-versicherungs-Gesellschaft, Clausewitzsträße 6. — (Su $e n Weigt, Möbel, Ring 19. — Otto M o o'tz & Co., Herren- und Damenbekleidung, Mücherplch 17/18. — Richard Besuch, Schuh-'