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Jüdisch-liberale Zeitung · 1920-12-10 · 2 (10.12.1920) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
2 (10.12.1920)
Date
1920-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Mus dem Breslauer GemeiaSeleben. Von Geh. Sanitätsrat Dr. Reich, Breslau. II. Und nun wollen wir noch einige Betrachtungen der wichtigsten Aufgabe der Re prüfe ntantenversammlung widmen, der Beratung des Haushaltplanes fitr die Jahre 1920/21 «nd 1921/22. Ein Blick auf den Abschluß desselben weist eine außer- »rdentliche Steigerung der Ausgaben auf, mit der die Mehreinnahmen nicht entfernt Schritt halten. So wenig erfreulich diese Wahrnehmung ist, überraschend ist sie nicht. Sie findet ihr Gegenstück im Haushaltplan des Reiches, der Länder, der »Gemeinden, der Privathaushaltungen. Und ihre Ursache ist überall die nämliche: die Steigerung Aller Lebensbedürfnisse und aller Lebensbedingungen. Sie macht sich im Haushallplan der Verwaltung der Grundstücke unter anderem geltend in der Vermehrung der Ausgabe für die Gemeinde-Grundsteuer, für Wasser-, Gas- und Stromverbrauch, für die notwendigsten Ausbesserungen; in der Verwaltung der Armenpflege in der Erhöhung der Unterstützungen, der Jugendfürsorge, der Fürsorge für bedürftige Durchwanderer, der Verteilung von Heizstoff und Kleidung; in der Verwaltung der Synagoge insbesondere in den Kosten für Beleuchtung, Beheizung, Bereinigung. Aber die Erhöhung dieser sachlichen Ausgaben tritt zurück gegenüber der Steigerung der Gehälter der Beamten, der Unterbeamten und Hilfsbeamten, der Löhne der Angestellten, der Ruhegehälter, der Witwen- und Waisengelder. Der von den beiden Gemeindelörperschaften endgültig festgesetzte Titel für die Ausgaben beträgt 2 316 301 Mk. Davon entfallen auf die Gehälter der Beamten und die übrigen eben genannten Kategorien 950 596 Mk., nicht viel weniger gls die Hälfte sämtlicher Ausgaben. Der vorjährige Etat weist einen AuSgabetitel von 1 001 910 Mk. auf; hier beträgt die Ausgabe für die Beamten usw. 306 488 Mk., etwas weniger als ein Drittel der Gesamtausgaben. Das Mehr an Ausgaben für sie im neuen Jahr beträgt also 644 108 Mk. ft _ Ich habe schon weiter oben auSgeführt, daß die Gemeindektzrperschaften für unsere Beamten ein warmes Herz haben nnd ihrer schwierigen Lage volles Verständnis und tatkräftige Hilfe entgegenbringen. Und sie werden es auch in Zukunft an sich nicht fehlen lassen, soweit die Verhältnisse es erheischen nnd die Steuerkraft der Gemeinde es irgend gestattet. Run noch einige Ziffern aus dem Gemeindehaushalt?' Es belaufen sich die Einnahmen auf .... 664 578,96 Mk. „ « . „ Ausgaben „ .... 2 316 301,51 ,, Es ist also ein Zuschuß erforderlich von . . 1 651 722,55 „ ES beliefen sich die Einnahmen des vor. Js. auf 357 807,88 Mk. * „ „ „ Ausgaben * „ „ „ 1 001 910,67 „ Es war also ein Zuschuß erforderlich von . 644 102,79 „ Demnach ist der diesjährige Zuschuß um. . 1 007 619,76 „ höher, als der vorjährige. Um den erforderlichen Zuschuß zu decken, sind 36% Steuern für die Breslauer und 24% für die im Landkreise wohnenden Gemeindemitglieder festgesetzt worden. Die sorgfältige und gewissenhafte Ausarbeitung des Gemeinde-Haushaltsplanes, sei! Iah zehnten zu einem erheblichen Teile da- Werk unseres eisten Vorsehers, des Herrn Edua:d Sachs, brachte es zustande, daß die Verhandlungen rasch und glatt verliefen, die einzelnen Verwaltungen bewilligt und der gesamte Haushaltsplan fast einstimmig angenommen wurde. Fast einstimmig; der Vertreter der Zionisten enthielt sich bedauerlicher Weise der Abstimmung. Und das hing wohl mit folgender Tatsache zusammen. Bei der Beratung des Haushaltplanes der „Allgemeinen Verwaltung-, in der die Beihilfe zur Förderung religiöser, wohltätiger und gemeinnütziger Zwecke zur Sprache kamen, beantragte der Sprecher der Zionisten, daß dem Zionistischen Jugendverein in gleicher Weise eine Unterstützung zugewendet werde, wie dem Liberalen Jugendverein. Der Verfasser dieses Artikels und Herr Walsch wiesen darauf hin, daß dieser Verein die Beihilfe erhalte, nicht weil er ein liberaler Verein, nicht weil er ein religiös politischer Verein sei, sondern nur deshalb, weil er ein religiöser Verein sei. Er Pflege die religiöse Gesinnung seiner Mitglieder, verbreite unter ihnen die Kenntnis der Geschichte, der Literatur, der Ethik des Judentums, sorge für religiöse Vorträge und halte regelmäßige Kurse ab. Aus diesem Grunde verdiene er die Gemeindeunterstützung, wie sie auch ein konservativer Jugendverein erhalten würde, wenn ein solcher hier bestünde. Für einen zionistischen Verein, in dem bestimmungsgemäß nicht die religiöse Gesinnung seiner Mitglieder, sondern nur die nationale gepflegt werde, kämen Gemeindebeiträge nicht in Frage. Ter Antrag wurde abgelehnt. Man geht wohl nicht fehl mit der Annahme, daß die Stimmenthaltung die Antwort darauf war. Die Vertreter der Zionisten dürfen über die sichere Ueberzeugung haben, daß die liberale Mehrheit jede ihrer Forderungen völlig vorurteilsfrei prüfen und ihnen stets dann zustimmen wird, wenn sie es mit ihren grundsätzlichen UeberzrugunKen und ihrem Veraniwortlichkettsgesühl gegenüber ihren Wählern in Einklang zu bringen vermag. Denn liberal sein, heißt gerecht sein. * * + Der Naturheilvereirr Breslau unö — -je Dstjuöen. Am Montag, den 13. Dezember, 8 Uhr abends, findet im Gewerkschaftshause, Margaretenstraße, die diesjährige Generalversammlung des^ Naturheilvereins statt. Es steht unter anderm ein Antrag zur Beratung» die Ostjuden von der Benutzung des vom Verein unterhaltenen Luftbades auszuschließen. Im Hinblick auf die Durchsichtigkeit dieses Antrages und die mögliche weitere Erörterung, die sich im Anschluß an ihn entspinnen kann» halten wir es für die Pflicht aller jüdischen Kreise, soweit sie Mitglieder dieses Vereins sind, — und das ist erfreulicher Weise sehr zahlreich der Fall — von ihrem Mitgliedschaftsrechte Gebrauch zu machen und cm der Generalversammlung teilzunehmen. vereine unö Versammlungen. Am Montag, den 6. Dezember, fand im Saal der Lessing- Loge eine öffentliche Versammlung der Agndatz Jiöroel, Ortsgruppe Breslau, statt, in der Herr Rabbiner Blum, Chemnitz, über das Thema: „Das alte Judentum in neuer Zeit" sprach. Der Redner erörterte insbesondere die Gegensätzlichkeit des Judentums zu der uns umgebenden Welt. Dieses Anderssein bedeute aber für uns ein Bessersein. Schon viele Lehren des Judentums seien in die Kultur der Menschheit übergegangen, so z. B. auf dem Gebiete der Rechtssprechung, der sozialen Fürsorge; auch der Gedanke der Sonntagsruhe sei ein Triumph jüdischen Geistes. Im rühmlichen Gegensatz stehe die sicher abwägende alte jüdische Sozialgesetzgebung zu unserer heutigen, unsicher tastenden, der wir alle augenblickliche Unruhe verdanken. Aufgabe der heutigen Zeit und der Agudas Jisroel sei es, die Harmonie von Lehre und Leben zu schaffen. Dann werde das Judentum zeitgemäß sein. Diese Zeit sollen wir vorbereiten dadurch, daß wir das jüdische Gesetz immer mehr kennen zu lernen versuchen und es verbinden mit der modernen Kultur, wobei wir jedoch die Gefahr, daß das Judentum durch die moderne Zeit überwunden werde, vermeiden müssen, so wie es sich auch im Kampf mit der hellenistischen Zivilisation im Altertum erhalten habe. Es sei Aufgabe aller Gesetzestreuen, dafür zu wirken, daß sich das alte Judentum auch in Zukunft in unverfälschter Reinheit und Wahrheit erhalte. Der Jüdisch-liberale Jngendverein Breslau faßte in einer zahlreich besuchten außerordentlichen Mitglieder - Versammlung einstimmig den Beschluß, das Abonnement auf die Jüdisch-liberale Zeitung für alle Mitglieder obligatorisch zu machen. Der Jüdisch.liberale Jngeudverei« Breslau veranstalte: am Sonntag, den 12. Dezember, nachmittags 5 Uhr, im Saal der Freunde eine Chanukkah-Feier, bestehend aus seinem reli giösen und einem geselligen Teil. tarnt des GoMiensies h den GemeIiüe-SM«Hi: UfeSjnag. IneSjug. BraiUg 10./12. Beginn abends *4.00 ü. 4.00 U. Sbd. 11./12. w morgs. 9.00 ü. 9.3017. Predigt vorm. 10.00 U. 10.0017. Jogeodgottesd. nachm. — U. 4.00 17. Schlnß abends 4.34V. 43417. An den Woch.- 12./12. bis Beginn morgs. 7.0017. 7.1517. tagen 17./12. " abends 4.0017. 4.00 ü. *) Probevortrag des Herrn Kantor Gerendasl ans Posen* Religions-UnterrLchts-Anstalt II (Abteilung Jlmingfchulc). Lnmrldunge» zu einem in den Räumen der Ilmiugschule sktttfindtnorn 17 Kar-Mizwnlf-Knrsus ■tarnt der Unterzeickmele wöchentlich von 9—>0 Uhr in seiner L>odnung und r ienetag unv DoiincrSiag nachm. 4—5'/* Uhr in der Zlminglchule, Klciststr. cnt>,egc>-. Ratbiuer I)r. Sauger f (Freiswvertes Jinge&otl 1917er Jfahvjgmlg vUMischeSchroesternheim zu Breslau nimmt unentgeltlich Lehrschwestern im Alter von 20—85 Jahren auf, de einen ihrem Beruf entsprechenden Bildungsgrad haben. Meldungen nimmt bis zum Jahresichluß entgegen Geh. Sanitätsrat Dr. Reich Angustastratze 88. Ich habe das Equipagenu. Speditionsgeschäft von der Fiima August Petraki Fischergasse 16 käuflich erworben und halte mich bfi Bedatf zur Stellung von Speditions - Fuhrwerken jeder Alt bestens empfohlen. 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