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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-26 · 95 (26.12.1934) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
95 (26.12.1934)
Date
1934-12-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I 1. Beilage 26. Dezember 1934 JUDISCHE AUGEMEME ZeiTUNQ <p<f -fc $ J? Nach dem Buchstaben — oder nach dem Sinn? Die Bibel in der ErwachfenenbMung / Von ltabbüicr Dr. FUCHS, ehcmnitz Der verstärkte Dräne nach jüdischer Bildung — bisher dos l'riviles der wenigen durch Amt, Pietät, Interesse zum Studium der Schrift Berührten — wird wieder das Gemeingut der. jüdischen .Menschen. Uas I.chibnus ist der aktuellste Uevveis. Mit der positiven -Neuheit der all- . gemeinen Teilaahiuen taucht aber gleichzeitig wieder die alte Krage nach der Methodik des Lernens auf. Wie sollen wir lernen; Ohne Vorl*halte, unbefangen, „objektiv". ..gläubig", nach dem liuehstaben oder vun unserer kraft Erziehung, Schicksal und Wesen geuunnenen IWi„n her, in - ehrlicher! — Subjektivität, kritisch, nach dem Siuul — Werktreue, oder Ausschauuugstreue stehen sich gegenüber. Der nachfolgende Beitrag suclit die Präge vom Standpunkt des Jteligiüs-lihcraleu aus zu Beantworten.!>&, Scliriftleituug. Ks muß einmal ein ernstes Wort gesagt werden!' ' Seit Jahren üben jüdische Bib'ellorscher Polemik gccil die protestantische liihclkriük. Wenn dies orthodoxe Gelehrte sind, so ist kein Wort dagegen zu sagen: Uns von ilmen geglaulite Dogma iora min hasclianiajim ist eine ehrwürdige Cbcrzcugun-, vor der jeder Achtung hat, der auch nur einen Funken Früiinui°- kett in sich trügt. ° ,. . Inders aber ist es bei Menschen, die aus ihrer liberalen, Kritik erlaubenden Stellung zur liibcl kein Hehl machen. Man ma« überEinzelheiten der kritischen Forschung denken, wie man will! Das Prinzip der Bibclkrilik hängt nicht von Resultaten ab, sondern ist ein Glaube, — genau so, wie der von Tora min haschamajim, nämlich, dak, die biblischen Schriften genetisch gesehen als Mcnsclicnwerk entstanden sind, Mcnschcnwcrk-,' in dem, reli-iös -ewertet, sich der Gottesgeist offenbart hat, das aber in allem Technischen, in Worten, Eiiizclgcsctzcn usw. auf natürliche Weise entstanden ist und seine natürlichen Schicksale Cl'cxtvcrdcrhiiissc Zusätze u. dgl.) crlahrcn hat. Der Orthodoxe sucht in der liibcl Antwort auf die Frage: Was will mir Gott hier sagen/ Wir Liberalen wollen zwar - gleichfalls wissen, was Gott von Menschen und Juden verlangt, und glauben auch,' daß die liibcl darüber viel zu sagen hat; aber wir glauben, dali es nicht so plan dasteht, .wie ein Lehrer es zu seinem Schüler sagt.-sondcrti doli es in dem Geist zum Ausdruck kömmt,^dcr in den Geschichten, \ orschnftcii, Profelicn und Gedichten weht. Wir wissen z. B., dali es keine absolut richtige Geschichtsschreibung gibt, sondern ilaU alle Historie durch die Ürillc des Historikers und seiner Zeit gesehen wird, und wir glauben deshalb von vornherein, dali alles ■las nicht unserin geschichtlichen Denken, entspricht, was dein nuiürhchcn \ erlaufe der Dinge widerspricht. Untere Fragestellung lautet daher: 1. Was wollte der Schriftsteller sagen? 2. Welche Denkweisen, in. denen wir Kraft unseres anderen Denkens, Wissens, Glaubens ihm nicht folgen können, müssen wir von seiner Darstellung abziehen V Und dann erst fragen wir; 3. Was bleibt als Wahrheit für uns? Es ist offenbar, dali dadurch überall eine doppelte Erklärung nötig wird, und beide werden vielfach total anderes ergeben als die orthodoxe Erklärung. Diese liest unbewußt hinein, was sie heute für das einzig mögliche hält, und trübt dadurch die Historische Wirklichkeit. Das schadet nicht; denn sie sucht praktische Frömmigkeit für heute I Der Wissenschaftler aber geht vom. Menschen aus, von. den Schriftstellern und ihrenj leiden und Gedanken und ihrer Wirkung auf uns', wahrend der* Orthodoxe von Gott und seinem Willen au uns ausgeht^ Dem Kritiker . sind infolgedessen ganz'andere Tcxt-Eigcnhciten wichtig; ihm gilt als Zufall, was jenen als tiefste Weisheit erscheint, und umgekehrt. ,.üos Wort „Erklärung'- bedeutet also beiden zweierlei ganz \'crscliiedenesl - . - . Dazu kommt noch ein Besonderes: Es findet sich überall in der Bibel eine unerhörte Menge von Schwierigkeiten, nicht blolS im Text, sondern auch in Gedanken, Anordnungen, Widersprüchen, Wiederholungen. In 200jährigcr Arbeit haben viele Hunderte von ernsten Forschern schließlich ein plausibles Bild von der Literatur- und ItcUgionsgcschichlc der biblischen Zeit konstruiert, das im wesentlichen genannt wird: die Theorie Weyhausens. Es muß zugegeben werden, daß dieses Bild nicht einfach ist, und daß es. manche Schwierigkeiten in sich birgt. Aber sie sind nicht größer als die orthodoxe Geschichtsauffassung. Manchmal werden diese Forscher auch wirklich unserer jüdischen Begeisterung über die welthistorische Bedeutung unserer Ahncnwelt , nicht genügend gerecht. Aber au der Verbesserung der Theorie haben seit CU Jahren viele Gelehrte weitergearbeitet und sind der -llnuptthcsc Wellhauscns trotzdem treu geblieben. Für jeden Liberalen, der nicht selbst ein allumfassender Forscher ist; ergibt sich daraus, daß er sich zunächst an den bisher anerkannten Meister hallen muß: „Mit ihm zu irren,.ist dir Ccwimi!'' So hat auch D u b n.o w in seiner großen jüdischen' Geschichte .getan, und ebenso Elias Auerbach in seinem Werke „Wüste und Gelohtes Land". Wer liberal ist und die Bibclkrilik angreift, muß erst ein besseres Bild von der llcligionsgcschichte Israels vorlegen, — sonst hat er. kein Hecht dazu, und wir glauben ihm nicht! Aber freilich gibt es auf dem Boden des Liberalismus noch ■ eine zweite Möglichkeit der Bibelcrklärtuig, das ist diejenige, die fragt: Was bleibt für uns als Wahrheit'!' In der Bibel liegen eine ungeheure Menge Wahrheiten verborgen; und wenn wir zu ihrer Erkenntnis oft auch die Bibel nicht nötig hätten, so finden wir doch in ihr noch viel häufiger den schlagkräftigen Ausdruck, der unmittelbar auf unser Herz und Gewissen" wirkt. Das ist es, was Spinoza in seinem Theologisch-Politischen Traktat den pädagogischen Wert der Bibel nennt! Der Geist ihrer Helden, ihrer Schriilstellcr, ihrer Sprache ist etwas Heiliges und Göttliches! Abgesehen davon, daß ihre großen Offenbarungen, die" längst Gemeingut'der monotheistischen Menschheit sind, nur aus dem göttlichen, gestaltenden Willen der Menschheitsgeschichte erklärbar sindl Geht der Liberale auf diese Hcrausarhcituiig des göttlichen Geistes aus, der sich in allen Teilen der Bibel findet ohne Rücksicht aul ihre Entstehungszcit — so wird sich manche Berührung mit orthodoxen Erklärungen finden —, -wenn auch der ülwralc Erklärer z. B. als den Autor der Tora statt Gott den; großen Schriftsteller rühmen wird und etwaige Schwächen einer Bibelstcllc der Zeitgebundenheit des Autors in der Antike zugute halten wird. Auf keinen Fall aber braucht man, weil man diese zweite liberale Bibclerkläning betreibt, die erste, die wissenschaftlich-kritische, zu verleugnen! Das wäre eine Undankbarkeit ohnegleichen; denn sie hat uns neue Schönheiten 'und geschichtliche Werte in der Bibel erkennen gelehrt, die kein Orthodoxer jemals gefunden hat. Wenn gar kein Liberaler gegen die Kritik zu Felde zieht, sq, bedeutet das ein Liebäugeln mit der Orthodoxie, das früher oder später pädagogisch höchst gefährliche Wirkungen erzeugen muß. Der liberale Prediger und Lehrer braucht sich nicht zu spalten in einen kritischen Gelehrten und einen orthodox scheinenden Nahen! Der wahrhaft religiöse Liberale hat auch die orthodoxe Maske nicht nötig: Er hat vielleicht anderes, aber sicher ebenso viel zu Herzen Gehendes in der Bibel zu finden wie jener. Wenn mau z. II. dir sieben Verheißungen Gottes an Abraham, die in \ ciM-bicdencu „Quellen'-, stehen, als ein gewolltes einheitliches System hinstellt iwas der Endrcdaktiou nicht zuzutrauen ist), su hrdeiilcl das: sich orthodox gebärden; im einzelnen aber wird der Liberale mit \iclcn Erklärungen von Samson llaphacl Hirsch zum Anfanum Gen. 12 übereinstimmen; er wird aber auch hinzufügen, ■wic'wuuderhai v» anmutet, wenn ein Schriftsteller zu Saluiuos A-il (etwa 'JIM v.J hier ausspricht, daß 501) Jahre vor Mose die Eigenart der llcligii.siliil der Erzväter in der Forderung des Altruismus („W erde Segen! ) bestanden hätte. Der Uberale braucht also bei erbaulicher liibcl. crklärung seine Wissenschaft nicht zu vergessen; und weil er es nicht braucht, so darf er es auch nicht! Wenn heute zum Zweck einer stärkeren jüdischen F.rwacliM ncubildung mehr U i b c 1 s t u d i u m gefordert wird, m. dfirltn diese Tatsachen nicht vergessen - werden! Ganz gewiß liegen in unserer Bibel die Wurzeln unserer Kraft, und die tEigenart jüdischer Frömmigkeit kann nirgends besser erkannt und wuchtiger unerzogen werden als durch intensive Bihelleklüre. Aber „Uicssed und Emetli, Herzensfrüinniigkeit und Wahrhaftigkeit müssen sich berühren, wo Tugend und innerer Frieden sich küssen sollen"! So sicher es viele Punkte gibt, in denen Orthodoxie und Liberalismus sich zur Einheit jüdischer Frömmigkeit zusammenfinden können; so gefährlich muß für beide ein schillernde» 'Verwischen ihrer Gegensätze sein, da wo solche wirklich vorhanden sind. W er dein Judentum ernsthaft dienen will-, muß auch äußerlich erkennbar machen, daß er des Talmudwortcs eingedenk ist: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit und Wahrhaftigkeit!" UNSERE QHaiiam * David Friedländer zur Rechtfertigung Der Mann, dessen 1(10. Todestages wir am 2.7. Dezember gedenken, wird den deutschen .luden aller Itichliingcii aller Voraussicht nach Stull zu lebhafter Diskussion geben. Ivt ist au/.u;- nrhim.il, daß man etwa in David Fricdlunder den Prototyp des liberalen Juden nachzuweisen versucht und damit den radikalen Assituilanlcn meint. Bei diesem Bemühen wird jenes historische Dokument wieder aus den Archiven geholt werden, in dem es heißt: „. . . wie bekennen uns zu den Wahrheiten, die uUett lteligiuneu gemeintara flinü: zur Kinhcit UoLtcs, zur Uiutterhticlikuit der Seele, zu dem Ziele der sittlichen Yarvallk«(utuaiiuu. Iüuhu Prinzipien haben Moses wie Chrhttus den von ihnen gciiLiftetr.u Mcliuinncn zugrunde gelegt . . . Belehren Sie uu.s. etiler Tugendfreund: wenn wir uns entschließen sullten, dio grutje christlich)) protestantische Gedelhtehaft zum Zufluchtsort,, zu erwählen, welches öffentliche ttekeuntnis würden Sio, würden diu Männer, die mit Ihnen in dem ehrwürdigen Rate sitzen, von uns fordern7"- Dicscs in echtem aufklärerischen Ccistc abgefaßte „Sendschreiben an Seine I lochwürden Herrn Oberkonsistorialrat und Probst Teller zu Berlin, von einigen Hausvätern jüdischer Ilcliginn" aus der Feder von David Fricdländer, zeigt ihn als echten Liberalen, aber wohlgcmerkt: als politisch Liberalen.- fli der Tat war das Mitglied des Berliner Gcmeindcrnls und dcr'Gciicraldeputicrle der jüdischen Gemeinden David Fricdländer ein eiiiiueul politischer Mensch, der so sehr von staatlichen Ideen seiner Zeit erfüllt war wie der beste Mannauf nichtjüdischcr Seile. Diese Tatsache zum Anlaß des in jüdischen Kreisen heute gemeinüblichen Anwurfs des Verrats aus Eigensucht zu nehmen, heißt, ungcschirhtlich denken, heißl, die ohne eigenes Zutun veränderte Zeitinge von uns Heutigen zur iniirnlisch Höherwertigen erklären und zum Maßstab für geschichtliche Epochen, die doch zunächst aus sieh selbst heraus verstanden werden müssen. . Wieviele der heule so erbitterten Anli-Asshnilnntcn haben und hätten nicht dem dumals für die deutschen .luden nusgcgclicucn' Huf: „Laßt uns zusammen durch das Tor des Christentums in die Religion' der Vernunft treten" nicht aus Gründen der reinen, sondern aus Gründen einer sehr praktischen Vernunft Folge geleistet, wenn sie das Gesetz nicht daran hindern würde? Damals hoffte Wilhelm von IlmulioMl: „Die Individuell werden gewahr werden, daß sie nur ein Ccrcmonial-Ccsct/. und eigentlich keine Heligioll hatten, und werden, getriclien von dem angehörend, menschlichen5" Bedürfnis nach einem höheren Glaube«, sich von selbst zu der christlichen wenden." Und SüvernrMitglir.d der Sektion des Cultils und öffentlichen Unterrichts, meinte: „Die •luden werden vielleicht Palästina vergessen, wenn man sie in Europa nur völlig einheimisch macht, werden vielleicht glauben, Jesus sei der Messias, wenn man sie nicht mehr zwingt, eines Anderen zu harren.'1 David Fricdländer hat diese Erwartungen nicht gerechtfertigt. Cewiß, er war ein Kind der Zeit und von ihrem Geist vielleicht »türker befangen als vom Geist des Judentum». Was die großen religiös Liberalen des vorigen Jahrhunderts auszeichnete, das historische Element in ■ ihrem jüdischen Bewußtsein, das hatte er nicht. Aber trotzdem — er hat es in praktischer Arlwit für die jüdische Gemeinde unter Beweis gestellt — war er bcwußter und vor allem: cm aufrechter Jude,. Seine „trockene Taufe", wie man den Vorschlag seines Sendschreibens scherzhaft nannte, war" zum Unterschied von-vielcn seiner Zeitgenossen und deren Epigonen keine heimliche Taufe. Daß er diese anonyme Form des Eingangs in die europäische Kultur verachtete, beweist der Teil seines Sendschreibens, in dem es heißt: „Pflicht und Gewissen fordern von uns, daß wir unseren bürgerlichen Zustand durch Reinigung unserer religiösen Verfassung vcrliesscnu aber auch schlechterdings nicht auf Kosten der Wahrheit und der Tugend unsere Glückseligkeit erkaufen und erschleichen sollen. Wir sehen, daß viele aus unserer Mitte sich leichtsinnig in den Schoß der Kirche werfen: ein paar Worte erretten sie vor Hechtlosigkcit; die Vermehrung solcher Ncophytcn kann alier einen ver ständigen Menschen nicht freuen ..." Als man den Forderungen seines Gewissens nicht entsprach, blieb Friedlander Jude. H. K, DIE BIBEL ERZÄHLT im Wodienabfchnitt Schemaus vom Schicksal Israels in Aegypten. Jiin neuer König, tief von Josef itieltls \*cilS,_gelaii«l zur Herrschaft. MiUtrauiseh beuhaelitet er die schnelle "Vermehrung tler Israeliten. Harte Sklavenarbeit soll "ihre Krall brechen. Schließlich befiehlt tler König," jeden neugeborenen Knaben in den iNil zu werten. Um diese Zeit uird Mose geboren. Nach , langem Zögern setzt ihn seine Mutter im iNil aus. Kr u ird von der Tochler des Königs gerettet und am Hure erzogen. Als er groli gettorden ist, geht er zu seinen ISrütlern hinaus. JCr steht, wie ein Aegypler einen Israeliten schlägt, lötet den Acgypter, Hiebt nach Mittjan und gelangt in das Haus Jilhios. lir dient ihm als Hirte. üa erscheint ihm Gott am lloreb und befiehlt ihm, nach Aegypten zurückzukehren und Israel zu erlösen. _ Kin neuer König erstand, der von Josefnichts wuUlc. W as jüdischer tleist zur. Kettling der Aegypler gelang gerät riiscli in Vergessenheit.' Man sieht in den Israeliten nicht nur Fremde, sondern Feinde,- vor dencfi man sieh schützen - iniiU. Was unsere Välcr erlebt haben, wiederholt sich in unserer Zeil. Die jüdische Leistung auf den verschiedenen (ubieten der deutschen Kultur findet keine Beachtung mehr. Wir haben in schicksalsschwerer Zeit dem deutschen Volke unsere Treue bewiesen. Das hat uns nicht davor bewahrt, als Fremde und Gegner betrachtet zu werden.; Wodurch entsteht 'dieses MiUirnueiiV Her aegyplische König kann den Israejiten kein Unrecht vor' werfen, doch er sieht, dalS ihre Zahl initiier größer wird. Darin allein schon erblickt er.eine Gefahr, der mau begegnen mutt. Ein typischer Zug in der jüdischen Geschichte, tritt damit hervor. Wo immer die Zuhl der Juden als zu grolA empfunden wird, tla fühlt mim sich veranlaßt, strenge Maßnahmen gegen siii zu ergreifen. Dieselbe Sitlra, die von tler Kucchtiuig Israeli« UericliteV, erzählt mich von der Geburt Moni», tler sie erlösen sollte. Jn der Darstellung seiner Jugend laßt die Tora deutlich die sittlichen Krittle erkennen, durch die er der Kelter seines Volkes werden konnte. M» et groß geworden war, ging er zu geinen Urütlern hinaus, die im Elend lebten. Aua dem Glanz den Kßiügahavues treibt ihn sein Herz zu Beinen geknechteten Brüdern. Er tütet den Aegypter, der einen Israeliten »eblägt. Sein Gewissen ertrügt es nicht, dali Unrecht geschient. Ein Hechtsgefühl von elementarer Kraft offenbart »ich in' leidenschaftlicher Tut. Hechtsgefühl und selbstlose Liebe sind auch in unseren Tagen notwendig, wenn unser Schicksal sich wenden soll. Unser sittliches Füll/eil darf durch die Gewöhnung au die Wirklichkeit nicht abgestumpft werden. Wer selbst noch nicht tlie härteste Not tlcs Lehens zu tragen hat, muß'den Weg zu seinen Urütlern rinden Nur selbsiliWe Liehe, tlie nicht müde wird, «Jen Kampf gegen das Elend zu führen, vermag uns zu retten. Und wie Mose am Horch die Stimme Gottes gehört hat, tler zu ihm speach: „Ich habe tla» Elend meines Volkes in Aegypten gesehen und sein Hufen ist zu mir gedrungen", so muß auch bei uns der Glaube au Gottes erlösende Liehe vorhanden sein. - Lewkowilz-Ucrlin. Freitagabende in Breslau Bericht für die ,,.l Ii d i s e Ii c Allgemeine" Breslau, im Dezember. Der hiesige II e I i g i ö s - I. i b e r u I e V e r e i n der Syllngogeiigeiiieinile hat jetzt Kreilngabeiidfeieril ins 1-chcn gerufen, tlie von nun nu jede» Freitag' abend abgehalten ^werden. Alu ersten Abend hallen »ich 1511 Teilni lliner, Alte niiil Junge,-eine groUe Familie im festlichen Knill der Lessiiiglogc »iisnmniengcfiiiidrn. Lunge Tafeln, weil» gedeckt, hübsch grschinlifkl. Auf den Tischen strahlen in Abständen Lichter, die. dem Cniizeji etwa» ungemein l-S-slliihes geben. Der Sinn dieser Krcitngubrn*dfeiern: lliligiun «"II immer mehr /.um » e e I i » r Ii e n Halt werden, die jüdischen Menschen unserer Tage werden lernen, zu den allen, von Vätern und CroUväteru geübten Irräiieliell /.urückzukrhrrn. Aiillcrilein, hauptsächlich Millen Menschen bedacht wrrdi-li, ileneii es «im wiit^eliaftliehen Crftnden nicht vergönnt ist, einen Freitagabend, liiit allein, was dazu gehört, zu erleben. Nachdenklichkeit *picKclt sich in vieler Augen, die Frohes und Festliche» durch den (ilnliz der Sabb.nkcrzen brkimmien. Soziale Ainlersehiede gibt esin dieser grillten Familie, die jeden Freilag wechseln soll, nicht. Kinder kamen in der Hcligionsschulr. an die. I*hrer heran, ■da sie von den r'rcitngnbendfeiern gehört hallen, und baten flehentlich die Kllcm, niilziikinnniciC' Sic Micken staunend, und m> mancher Junge und «i manche» Mudel, da» vielleicht auch im ..llirnd'- 'nie so einen rechten Fainilicnfreiliignlirnil erlebte, wird schon in der folgenden Woche" die Eltern fragen: „Wo bleibt ' unse-- eigener FreitngnW.nd'i" Zu der ersten die.»er verdienstvollen Vcrnnstalliingcii waren diCVerlretcr der hiesigen Gemeimlerciiräsentnnz, die liberalen Hahhiiicr, Herren vom (lemcindevorslaml lind von den Organisationen erschienen. Alier nicht, für sie war der Freitagaliend eingerichtet. Diu e.nipfnnd jeder. Alte liebe Freilngoliendlicdrr wurden gesungen, die. gülige. 1 lousfrau de» Ileligiös-Lilieralen Vereins, Frau Grete Ilial, sprach herzliche Worte. Herr Philipp I.achs, Dr. Voge.l stein würdigten den Snhhat. Auch Künstlerisches wurde gelmlen, ein Junge In» mit viel Verslflndni» Bihelwortc. Seelisch frei'werdende Menschen erlebten den-Freitogabend. Gewiß, auch früher halte man Freitagahendfeiem veranstaltet Der „Iii" hotte sie im kleinen Rahmen versurht. Aber man w»r

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