Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 93 (12.12.1934)
- Date
- 1934-12-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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LUNÄ BENAMOR I Erzählung von V1CENTE BLASCO. IBANEZ Vicente Blasen Ibanez, der Autor der Erzählung von der Liebe eines spanischen Konsuls und der Jüdin Luna lienamor, mit deren Abdruck wir in dieser Nummer beginnen, ist 19» im Alter vpn 61 Jahren, fern von seiner spinischen Heimat, in Mentoae gestorben. Diis Bomane des berühmten Dichters sind auch in Deutschland bekannt geworden. Im Krieg schrieb er „Die apokalyptischen Heiter", deren Verfilmung sein Werk in tendenziöser Weise entstellt hat. Im Vorwort zu seinem Koman „Die Arena" hat Ibanez ausdrücklich betont: „Ich bin nicht der Feind des deutschen Volkes, als den man mich oft hat darstellen wollen, gegen kein Volk der Erde balnj ich jemals Haß empfunden." In der von uns zum Abdruck gelangenden farbenbuutea, Erzählung haben des Dichters weite Reisen und Menschenkenntnis einen eindrucksvollen Niederschlag gefunden. Fast einen vollen Mouat hielt sich Luis Aguirre schon in Gibraltar auf, wohin er mit der Absicht gekommen war, den nächsten nach Sydneyabgehenden Postdampier zu benutzen. Ks «rar die erste grolic Reise seines Lebens; denn bisher hatte er nur im Ministerium zu Madrid und einigen eleganten Badeorten Südfrankreichs Dienst getan. Seine Eltern lebten nicht mehr; doch einflußreiche Verwandte sowie das Prestige eines Namens, der seit hundert Jahren im Ministerium des Äußern eine Holle spielte, Borgten für eine rasche Karriere. Mit neunundzwanzig Jahren ' zum Konsul in Sydney ernannt, trat er die Heise mit der fiebernden Erwartung eines Gymnasiasten an, der einen Mick in die Welt tun darf. . In Gibraltar grüßte ihn zum erstenmal diese ferne, exotische Welt mit ihrem Gemisch von Sprachen und Rasseh, und fast neigte er zu Zweifeln, ob dieser ins Meer hinausspringende Felsen, auf dem einer fremde Flagge wehte, überhaupt noch ein Stück der heimatlichen Halbinsel bilde. Als er aber auf die blaue Bucht hinabschaute, überzeugten ihn die rosigen Berge mit den Häuscrf lecken--von La Linea, San Roque und Algeciras, die in dem blendenden Weiß andalusischer Dörfer aufleuchteten, daß er sich immer noch in Spanien befand. Doch wie verschieden waren die Menschen am Rande dieses vom Meer gefüllten Hufeisens! Von Tarifas vorgeschobener Spitze bis zu den Toren Gibraltars nur die fröhlichen Laute der undulusischen Mundart; der breitkrempige, mit Pfauenfeder geschmückte Hut; Frauen, die den Man ton und Blumen im Haar trugen. Hingegen, auf dem riesigen, dunkelgrünen Felsen, der die Bucht im Osten abschließt, ein brodelnder Kessel von Rassen, ein Sprachenbabel, ein Karneval von Trachten: Inder, Türken, Hebräer, Engländer, spanische Schmuggler, Soldaten in roter Jacke und Seeleute aus aller Herren Länder. In der Enge der Fcstungsanlagen lebten sie unter militärischer Disziplin, sahen, wie die Tore dieses kosmopolitischen Pferchs sich frühmorgens nach einem Kanonenschuß öffneten, sich nach einem anderen abends wieder -schlössen. Und als Rahmen dieses lärmenden Bildes, dessen Farben sich ständig verquickten, stiegen jenseits der Enge die Berge Marokkos auf, das andere Ufer dieser verkehrsreichsten aller großen Seestraßen. Der Konsul wohnte in einem Hotel der Calle Real, in die alle auf- und absteigenden Gaßchen der Stadt einmünden. Beim Morgengrauen durch den Kanonenschuß geweckt, der die Scheiben seines Zimmers klirren ließ, hörte er bald darauf das eilige Getrappel Tausender von Füßen: spanische Tagelöhner, die von La Linea kamen; um im Arsenal zu arbeiten; Bauern aus La Roque und Algeciras mit Gemüse und Früchten. -Wenn Aguirre,. den der Lärm'nicht länger schlafen ließ, aus dem Hotel trat, füllte die Calle Real schon quecksilbriges Leben. Meist hielt er sich - in der Mitte der Straße, wo er nur den! leichten, segeltuchüberspannten Wägelchen ausweichen mußte - Rechts und links hingen vor den Tabaklädengrelle Plakate, deren Figuren und Köpfen die verschiedenen Sorten ihren Namen verdankten; wie Ziegelsteine waren in den Schaufenstern die Tabakpakete aufgeschichtet und neben ihnen glänzten staniolumwickelte . Monsterzigarren. Durch die offenstehenden Ladentüren der Israeliten erspähte man prächtige, von der Decke herabhängende Spitzen oder Regale, gefüllt mit Seiden- und Samtballcn. Die indischen Bazarcjedoch breiteten ihre Kostbarkeiten auf der Straße aus:-. Teppiche, auf denen die Lotosblume in seltsamen Zusammenstellungen leuchtete; mit schrecklichen Gottheiten und phantastischen Tieren bestickte Gewebe; Kimonos in wunderbar zarten, undefinierbaren Tönen; Porzellanvasen mit feuerspeienden Ungeheuern; bernsteinfarbene Schals, dünn wie ein gewebter Hauch. Und in den Tiefen der gleichfalls zur Auslage verwandten Fensternischen häufte sich alles, was das Morgenland' an kunstvollen Arbeiten in Silber, Elfenbein oder Ebenholz hervorbringt. Dickbäuchige Buddhas standen neben schwarzen Elefanten mit weißen Stoßzähnen; unter Filigranschmuck und mysteriösen Amuletts lagen vom Griff bis zur Spitze ziselierte Dolche. Mit diesen Läden wechselten von Juden betriebene Zuckerbäckereien und zahllose Cafes ab, manche in spanischem Stil gehalten, mit kleinen runden Marmortischen, dem Klappern der Dominosteine, von Zigarettenrauch geschwängerter Luft und schrei-: ehder, durch lebhafte Gesten unterstützter Unterhaltung; andere, mehr dem Charakter der englischen Bar entsprechend, voll von unbeweglichen, schweigsamen Kunden, die einen Cocktail nach dem andern schlürften, ohne daß die Wirkung sich durch mehr als eine etwas stärkere Röte ihrer Nasen zeigte. Auf der Straße selbst bewegte sich wie ein Maskenzug eine Hcersthar von Trachten und Typen. Mauren aus Tanger schritten würdevoll durch die Menge. Sie versorgten Gibraltar mit Hühnern und Gemüse und bargen ihr Vermögen in den gestickten Lcdcrtaschen ihrer Leibbinden. Juden aus Marokko in seidenen Kaftanen und einem kleinen Küppchcn, wie es katholische Geistliche tragen, gebrauchten einen Stab als Stütze für ihre zaghafte, weiche Fettleibigkeit. Lang, mager und blond ließen die Soldaten der Garnison das Pflaster taktmäßig unter der Schwere ihrer Stiefel erdröhnen. Plötzlich war die ganze Straße mit Weiß bedeckt: eine Lawine von Schneehühnern schien zu nahen. Marinemützen I Das Mittelmeergeschwader schickte die. dienstfreie Mannschaft an Land. Überall sah man sorgsam rasierte, sonnengebräunte Matrosen, die nackte Brust vom blauen Kragen umsäumt, in weiten, schlotternden Hosen, die an Elefantenbeine gemahnten. Schmale Köpfe, kindliche Züge und klobige Hände, die hcrunterhingen, als vermöchten die Arme das schwere Gewicht nicht zu tragen. Bald zerstreute sich die Schar der Urlauber in den Seitensträßchen, auf der Suche nach Tavernen. Resigniert schauten ihnen die Polizisten im Korkhelm nach, überzeugt, daß sie mit etlichen über kurz oder lang im Namen des Königs" zu tun haben und andere beim abendlichen Kanonenschuß sinnlos betrunken an.Bord schaffen würden. Zwischen all diesen kriegerischen Leuten drängten sich dunkelhäutige Zigeuner und Zigeunerinnen; städtische Juden im Cehrock und Zylinder, auf dem. Wege zur Synagoge begriffen; Nigger aus den englischen Kolonien; bronzefarbene Inder mit hängendem Schnurrbart, in weiten, kurzen Höschen, die einer Schürze glichen; hochgewachsene, schlanke hebräische Damen aus Gibraltar, sehr elegant in Weiß gekleidet, korrekt wie englische Ladies; korpulente Jüdinnen aus Marokko, die ein buntes Tuch um die Schläfen geknotet trugen; schwarze Sutanen katholischer Priester; lange lose Leibröcke ehrwürdiger bärtiger Rabbiner. Und diese ganze verschiedenartige Welt, in den engen Raum einer kleinen Festung gepreßt, schwatzte und schrie gleichzeitig in hundert Sprachen. Aguirre verfolgte bewundernd dies bunte, ständig wechselnde Bild. Die Bewohner der ganzen Welt schienen zwischen den beiden. Häuserreihen .der Calle Real zu defilieren. Jetzt wälzte sich eine Woge dunkler Filzmützen heruu, unter denen strähniges Haar und platte Nasen sichtbar wurdcu: russische Auswanderer. \Vie eine' Sturzwelle überschwemmten sie die Straße, füllten Läden und Cafes und verschluckten die Einwoluier der Stadt. Nach zwei Stunden — ihr Dampfer hatte das Kohlen beendet — brauste die Flut zurück, um wieder Korkhelmen und Marinemüuteu Platz zu machen. So folgten sich im Laufe eines jeden Tages rapide,, lärmende Invasionen von Menschen niler Rossen in dieser Studt, dem Torweg Europas, der einen Teil der Welt mit Indien, den anderen mit. Amenku verbindet. Sobald die Sonne verschwand, blitzte auf dem Gipfel ein Schuß auf, und der Donner der „Abendkanoue" malmte die - Fremden, die Stadt zu verlassen. Der Zapfenstreich zog durch die -Straßen, Trommler und Pfeifer um "die bei den Briten so beliebte große Pauke geschart, die ein schwitzender Athlet in umgekrempelten 'Ärmeln schlug. Hinter der Musik marschierte an der Spitze der Wache „Sankt Peter", ein Uifizier mit den Schlüsseln der Stodt. Tore und Gatter wurden verschlossen. Gibrultar blich gcticunt vom-Rest der Welt. Auf sich selbst angewiesen, gub es sich der Andacht hin und fand für diese Stunden vor dein Abendessen in der Religion einen angenehmen Zeitvertreib. Die Hebräer zündeten die Lampen in ihren Synagogen an und sangen zuni Ruhme Jehovas; die Katholiken beteten in ihrer Kathedrale Rosenkränze; aus der protestantischen Kirche, deren maurischer Bau einer Moschee glich, drangen von Urgcltori begleitete Mädchenstimmen; die Mohammedaner vereinigten sich im Hause ihres Konsuls, um endlose Suren zu-iiüselu. in den von puritanischer Frömmigkeit errichteten Tciiiperciizlokalen, deren Kampf dem Laster der Trunkenheit galt, tranken Soldaten und Seeleute Limonade oder Tee und stimmten Choräle an. Die Religion füllte das Dasein dieser Menschen derart aus, daß die Nationalität in den Hintergrund trat. Den Einwohnern war es in Fleisch und Blut übergegangen, sich gegenseitig nach dem Glauben zu unterscheiden, und Aguirre wußte, daß er in Gibraltar in erster Linie Katholik, nachher erst Spanier wur. Auf seinen Spaziergängen durch die Calle Real machte er regelmäßig an der Tür eines Bazars halt, der Khiamull, einem Inder aus Madras, gehörte. In den ersten Tagen hatte er bei ihm Geschenke für seine Kusinen in Madrid, die Töchter eines ehemaligen Botschafters, gekauft. Seitdem plauderte er täglich mit dem Bronzcmännchen, dessen tief schwarzer Schnurrbart sieh wie die -Uurthuorc einer Robbe sträubte. Seine sanften, fcuchlschimmeniden Antilopcnaugen schienen Aguirre weich wie Samt zu liehkosen. Sic unterhielten sich auf Spanisch, in das der Inder eine Menge^ Worte aus anderen, auf seinen Reisen erlernte|i Sprachen mischte. Manchmal sah er gunz jung aus, dann wieder verwittert, greisenhaft." .Menschen seiner Rosse schienen kein bestimmbares Aller zu haben. Mit der melancholischen Stimme eines Verbannten erinnerte er sich an sein fernes Sonncnland, den großen Heiligen Strom und die schlanken, blumengeschmückten Jungfrauen, die zwischen cdelstcinbcsetzten Jäckchen und dem bedruckten Kaltunrock den lironzeleib einer Statue zeigten. Achl wann würde er wohl genug erspart haben, um dorthin zurückzukehren und sein Glück bei einem dieser kaum der Kindheit entwachsenen'llindumädchen zu finden? . . . Oh, nur nicht fern vom Heiligen Strom sterben 1 Doch bei der'Beantwortung der vielen Fragen des neugierigen Spaniers mußte er husten, hustete mit-schmerzvenerrtem Gesicher und das Blut unter seiner Broozehaut schien plötzlich einen grünlichen Farbton anzunehmen. Bisweilen fragte sich Aguirre, wie aus einem Traum erwachend, was ihn an Gibraltar festschmiedete.- Seit seiner Ankunft waren drei nach Australien bestimmte Postdampfer durch die Meerenge gekommen. Er hatte sie abfahren lassen, hatte getan, als wüßte er nichts von ihnen, und seinem vielvcrmögcnden Onkel in Madrid schrieb er Briefe, in .denen er vage von einem. Leiden sprach, das seine Einschiffung verzögerte. Warum? Warum? . . . II. Am ersten Tage seiner Ankunft hatte Aguirre beim Erwachen mit der Neugier des Fremden durch die Vorhänge seines Fensters geblickt. Der Himmel war bewölkt — ein Oktoberhimmel —, aber, die Schwüle am früheu Morgen verriet die 'Nähe der afrikanischen Küste. Auf dem flachen Dach eines Nachbarhauses stand ein sonderbarer Bau. eine aus Rohrstangen errichtete und mit grünen Zweigen besteckte Laube. Hinter ihren haften Cardinchen sah er einen Tisch, Stühle und eine vom" Laubendach herabhängende Lampe antiker Form. Sonderbare Menschen, die vorzogen, auf dem Dache zu leben ... Dann "klärte ihn dos Zimmermädchen auf. Zum Gedächtnis un die lange Wüstenwanderung feierten die Juden das Laubhüttenfest, und die grünen Lauben, in denen sie ihre Mahlzeiten .einnahmen, sollten sie an die Zelte ihrer nomadisierenden Vorfahren erinnern. Besonders Strenggläubige, die zähe un den alten Bräuchen festhielten, aßen sogar stehend, einen Stab in der Hand, als wollten sie nach dem letzten Bissen den Marsch fortsetzen. Die reichen Kauflcute der Calle' Real bauten ihre Lauben auf Dächern und Altanen, die Bewohner der armen Viertel in den. Höfen auf, wo sie ein Stück Himmel sehen konnten, und die Allerärmsten, die enggedrängt in elenden Spelunken hausten, wurden mit der Brüderlichkeit einer durch die erlittenen Verfolgungen eng verbundenen Rasse unter das grüne Dach der Wohlhabenden geladen. Die Laube, die sich Aguirres Augen darbot, gehörte den Scnores Aboab (Vater und Sohn), deren Bank und Wechselstube sich ein Stück weiter in der nämlichen Straße befand. Der Sohn leitete die Geschäfte, indes nahm auch der Vater noch an allem teil, mit der unfehlbaren, geheiUgtcn Autorität, deren sich,da» Alter bei den jüdischen Familien erfreut. „Ganz Gibraltar kennt die Aboahs, und ebenso Tanger, Rabat und Casablanca", sagte das Zimmermädchen mit dem gehässigen Respekt, den ein als Unrecht empfundener Reichtum bei den Besitzlosen auslöst. „Hat der Herr Konsul noch nicht von ihnen gehört? . . . Ah, sie haben ungeheuer viel Geld, Berge von Goldmünzen und Stöße englischer Pfundnotcnl Aber wenn der Herr Konsul die Bank sieht, schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Ein Loch,, ein dunkles Loch!" Als Aguirre nach dem Frühstück in sein Zimmer zurückkehrte, um seine Shagpfeife zu holen, hotte sich die Laube drüben gefüllt. Am Ende des Tisches gewahrte er einen ehrwürdigen Putriarchenkopf, zu beiden Seiten- Röcke, Hosen und auf der Tischplatte ruhende Hände von Personen, deren Oberkörper die Gardinen verdeckten. Jetzt traten zwei junge Mädchen heraus, schlenderten zur Brüstung, schauten einen Moment auf den Neugierigen am Hotelfenster, um aber sofort gleichgültig fortzublicken. Aguirre fand nichts Besonderes an den Senoritas Aboab und überlegte, daß die stets gerühmte Schönheit der Jüdinnen eine der vielen durch Gewohnheit und Zeit geheiligten Lügen sei, die man ohne Prüfung hinnimmt. Prachtvolle,; mandelförmig geschnittene Augen, aber datüber dichte, zusammengewachsene Brauen wie breite Tintenstriche. Unddicke Nasen ... Nun gesellte sich eine üppige ältere Dame zu ihnen, zweifellos die Mutter. Alle drei hatten einen gelblichen Teint, und ihre zu . starken, schwäch bläulichen Lippen ofrciibarten, daß die Reinheit ihrer asiatischen Rasse durch einen Tropfen afrikanisches Blut getrübt war. „llallo, hallo 1" murmelte Aguirre plötzlich, aufs höchste überrascht. Eine vierte Dame erschien — eine Engländerin,- wie der Beobachter fest glaubte.. Eine brünette Engländerin mit wunderbarer Figur und anmutigen Bewegungen. -— Ohne irgendwelche Schüchternheit blii-kle sie zum llotrlfeiistcr hinüber und musterte den Fremden eingehend wie ein dreister Jtuigc. Dann drehte sie sich graziös auf dem Absatz,' umschlang die jungen Mädchen und versuchte, sie zu ein puar Tunzschrittcu 'zu bewegen. Kaum waren sie in die Laube zurückgekehrt, so verließ Aguirre seinen Beuhachtungsposten, um den lluleldirektür aufzusuchen. „All, Sic meinen 1-un'u . . . I.nniln lleiiainor, Herr Konsul", kam dieser seinenhallten Fragen entgegen. „Sie ist die. Enkelin ''des alten 'Aboub. Eine Schönheit, nicht wahr? Und reich, sehr - reich!" :— Also doch eine Jüdiil! Seither traf Aguirre sie häufig in den Straßen der kleinen Stadt, folgte ihr uueh einige Male zur Puerta de Mar oder zur Alaincda. Ganz, im Gegensatz zu der strengen spanischen Sitte ging Lunu fast stets allein; doch auch so war sie vor Belästigungen sicher; denn in dieser: Hinsicht glich die Stadt einem großen Hause, in dem einer' den anderen keimt. > Wenn sich die beiden begegneten, wechselten nie einen kühlen Blick, doch mit der Miene von Menschen, die sich oft gesehen haben. Noch luslete auf dem Konsul das Gefühl der erstell Bestürzung — verständlich bei einem Spanier, der mit jahrhundertealten Vorurteilen belustct'war. Eine Jüdiul Wahrhaltig, das hätte er nie für möglich gelullten! . . . Gunz Dante, unterschied sie; sich von den Ladies der Garnison höchstens durch die Vurliebc-für lebhaftere Farben ihrer Seidenkleider und für kuslhure Schmucksachen; Mit dem Luxusbcdürfni» einer Amerikanerin, die -sich nicht um Tageszeiten kümmert, trug sie schon vormittags eine prachtvolle Perlenkette und große llrillautohrrüige. Mittlerweile hatte Aguirre in den Cafes die Bekanntschaft einiger liebenswürdiger Nichtstuer geiuachi, die täglich mit ihm die Calle Real uuf- und abschleuderten. Begegnete ihnen Lunu ' Bcuamor, so sagten sie andächtig: „Mehr uU eine hüllte Millionl" Alle kannten die Höhe ihrer Mitgift, alle kannten auch ihren . Verlobten, der in Südamerika au der Verdoppelung seines Vermögens arbeitete. Ohne, das damuls zwölfjährige Mädchen zu befragen, war diese Heirat von den beiderseitigen Familien beschlossen worden, und Luna wartete bereits zchii^ Juhro* auf die Rückkehr ihre-* Verlobten aus Buenos Aires, überzeugt, daß der Moment, den e.r für die Hochzeit festsetzen würde, der richtige sei. „Diese Jüdinnen", bemerkte einer von Aguirres Bekuiintcu, „kennen keine Eile. Sic lernen die Geduld von ihren Vätern und Urcllcrn, die seit Jahrtausenden, ohne müde zu werden,.auf den Messias warten." (Fortsetzung folgt.) %abtbtaüüH 1 Koadimral und Citö _._ VMWMttnsi jf_J ■ pjamiaa___ VorzOgf. Kachetuaswibl. Vcrsaadaiäca all. Stadtteilen. Zaalr. Zeitungen vorn. (MtfMrat-OrH Run waofst* (IrOber M. Dobrln) am Spittelmarkt 15 erwartet Ihren Besuch Alles In bester Quillt» Aö Merkur 2085 Konditorei Leon^^ Kurftlratana'amm ISO Säle 40-800 Pcrnmm fOMtml ßr Viranftaltunam jeder Art (rti A RESTAURANT RUBINSTEIN X A loachlmtthaler Str. 41, Dorotheen- ^ilr. 77-78. Tel. 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Charlbg.) neuzeiuicüB ftuiosamerüi Paul Klawohn W, Kaiserallee 19 J 2 Oliva 1842 Carl WlUnor, Ms-Itowatsr-Wtrtatatt Kr aU* Harltat« Slellolicherel. Schlott««!. Liekleferel. Siltlerel. 141 Prhuautr. 114 PI 2494 hrta Fitutcs * /strir^/tatkia BniM Urwueriftf, CUrtottsasara I, Berllaer Str. Ul nlbs Knl«. Wagenpllcgc, Lotsenu. Fahrdienst, Kontroll- und AbKhffllrrdleflflt. Benzin, Oala Tagu. Nachlrul: CO Ffaunholrf ISIS Aulo-Fahndiule „Sport" Ina. Obküm. Hirns aiapsl Wilmersdorf, Kaiserallee 48 H 8 Emterplilz 0425 ' B. Altmann Scbasrgandorf, nur BrtlMttr. 2S Karoaaarla Waaanaau Saortaarata - Holzen«! Tel. H S Scbmargeodoil f807 I Batteriedienst des Westens I IbiWaBndnfa tsk. Kurt bnMl ■■CSt, Daalasa*str.14 ■■■ Teltfoa J « Bltibtreu 283 Shr Stammdino Emser Clchtspiele am LudwIgklrcbpltU Ab Dienstag: NarOol ahell Ab Freitag: Ick tsua aar 11/ Dltk Unterricht arunafaatiulkuraa VolUUnd. Unterrltbt In kl. Gruppen, elnacbl. Gymnastik. Ostern Nauantangar. Aucb Nacbblllt and Schularbeiten, eurl. 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