Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 90 (21.11.1934)
- Date
- 1934-11-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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T i * ■ Der Wundertäter, NYlr .hatten wieder einmal aber eine im übrigen elne jener Sozial-Besprechunwahre Begebenheit 8en' w.ie sie durch die Not .. , der Zeit so häufig erforderlich werden. Wir — das waren, wenn Sie gestatten, uns Ihnen vorzustellen: Leiter-von JugendundGroßorganisationen, Sozialreferenten, Journalisten. Pädago-- gen, Juristen, Kaufleute etc., Experten und Laien also auf dem Gebiete der sozialen Arbeit. Auf der Tagesordnung stand die so bitter notwendige und meist so stark vernachlässigte Frage der triuerüng konstruktiv ex'Maßnahmen zur Einführung judischer Jugendlicher-in den Arbeitsprozeß. Im Augenblick hatte das Gespräch gerade die Sichtun" der vorhandenen Möglichkeiten und die Erschließung weiterer zum Gegenstand. Da bat ein junger Pädagoge um das Wort: ° ° 6 „Meine Herren,u führte er sich ein. ,.ich glaube Ihnen da von einigem Nutzen sein zu können--'■ Pause gespanntester Erwartung. ..In meiner Bekanntschaft existiert ein Mensch, der in seiner~Art ein Genie ist. Dieser Mann verfügt zwar weder über große Kapitalien noch über Arbeitsplätze, aber über eine erstaunliche Sorte Phantasie. Er erfindet n ä in lieh Berufe..." „Nanu!" „Ja, Sie mögen es mir glauben oder nicht, er erfindet Beruf e. wie ein anderer Kolbenzylinder, Trockenbatterien oder Schwefelhölzer erfindet.'1 „Wird der Herr schon beim Patentamt geführt?" : erkundigten wir uns. ..Meine Herren, ich bitte Sie, das völlig ernst zu nehmen. Dieser Herr kommt auf die naheliegendsten und auf die ausgefallensten Dinge. Er hat überraschende Erfolge .und hat auf diese Weise eine Anzahl Menschen aus seinem. Bekanntenkreis in Brot und . Arbeit gebracht." „Also, das ist unser Mann!" „Her mit ihm!'" „Aber, wird er sich uns auch zur Verfügung stellen, hat er noch Zeit übrig?" „Doch, doch. Zeit hat er eigentlich zur Genüge —"? . > „Ja. die Sache ist die," — sehr zögernd — „er selbst hat nämlich noch keinen Beruf..." Die Sitzung mußte sofort abgebrochen werden. Haka. Orthodoxer Jude — evangelifcher Priefler Juden, die Christen sein wollten uiul doch Juden Miellen; «arm die l.u e k ■ n ll t-r , die Aidlüll^er jenes llbujilir ^.liiliilje Politik, deuiiler deui snüter angenommenen Namen Theophil Christian Lucki die Lehre predigte, daß mir der ein richtiger,' frommer und orthodoxer Jude sein könne, der an Christus glaube. Lucki, ein Idealist und Schwärmer, fand Anhänger, besonders in Polen und llußlniid, wo' für religiöse Grübler immer fruchtbarer Roden gewesen war. Lucki verlangte von seinen Anhänger», daU sie streng an den jüdischen Cesctzen und Gebrauchen festhalten mußten, so wie er selbst ganz orthodox lebte. Nur an Christus müßten sie glauben. . . k Lucki hatte in der Judeiimission eine glänzende Stellung einnehmen können, er Ichute es ab, irgend etwus von »einer religiösen Uberzeugung preiszugeben. Er zog iu den Ländern umher merika, wurde dort sogar evangelischer Prediger und Von Juden, dieChriflen fein wollten- — und anderen erfolglofen Gottfuchern Gibt es unter den Juden Sekten? Diese Frage kann _ mit einer starken Einschränkung — bejaht werden; die Frage ist aber zu verneinen, wenn sie lautet: Gibt es jüdische Sekten? Die Geschichte des jüdischen Sektierertums lehrt, daß zwar Juden als Sektengründer auftreten, daß aber ihre Lehren früher oder später immer in den großen Strom einer anderen Religion einmündeten. Die Sekte, soweit und so lange sie überhaupt weiterbestand, . hörte auf „jüdisch'- zu sein, da sie die Grundichren der jüdischen Religion nicht mehr oder nur mit Änderungen und nichtjüdischen Zugaben anerkennen wollte. Die Karäer fterben aus So sehr sich die alte Scparatistcngcmcindc der Karäer abzutrennen versuchte, sie hatte immerhin noch zu viel mit dem echten Judentum Gemeinsames, um nicht als jüdisch zu' gelten. Gewiß: die Karäer verwarfen den Talmud und alle rabbinischen Auslegungen und hielten sich —'• bis zur extremsten Buchstabentreue — au die Vorschriften der Tora. Solange sie 'dies taten, hatte die Karäergemcinde eine große Anhängerschaft — zeitweise hunderttausende Mitglieder in den verschiedenen Ländern. Sie behaupten, noch beute etwa 40 000 Karäer in der Krim, in Polen, . in Litauen, in der Türkei und Palästina zu zahlen. Das ist maßlos übertrieben. Die Karäer sterben aus: es sind ihrer wobl kaum noch der zehnte Teil, wahrscheinlich viel weniger, die — überall zerstreut — in kleinen und winzigen Gemeinden fprtcxistieren und in absehbarer Zeit entweder im allgemeinen Judentum oder — dahin zielt ,dic Entwicklung — im Christentum und, soweit es sich um Rußland handelt, im' Atheismus verschwinden Daß die Neigung' besteht, in den Ländern, in denen die' christliche Religion vorherrschend ist, im Christentum aufzugehen, dafür bietet einen Beweis die alte und bekannteste Karäergemcinde in Troki bei'Wilno. Abgesehen davon, daß die Karäer sich rassemäßig nicht den Juden, sondern'den Tartaren zurechnen, zeigen sie auch sonst eine Abneigung gegen die Juden und lehnen eine Mischehe mit ihnen ebenso ab, wie mit Angehörigen einer anderen Glaubensgemeinschaft. Diese TJistanzicrung vom Judentum verhalf ' iluiea dazu, auch in den Zeiten schlimmster Judenverfolgungen, besonders in Rußland, eine Ausnahmestellung einzunehmen und vor jedem Pogrom und jeder Hintansetzung ouch in wirtschaftlicher Hinsicht bewahrt zu bleiben. Der unliebfame Davidflern In Troki erklärten die jungen Karaiten bereits vor einigen Jahren, sie neigten mehr den Christen zu als den Juden. Sie setzten es durch, daß der Mögen Dowid — der Davidsstern — von . der Kuppe! der "Synagoge entfernt wurde. Das Rauschkaschono - Fest wird von den Jungen nicht mehr am ersten Tischri — also im Herbst —, sondern am ersten Nissan, dem Frühlingsanfang, gefeiert. Der Bruch mit den alten Sitten ist zugleich der Bruch mit dem Judentum überhaupt. Die Gemeinden werden in nicht allzu langer Zeit ■ das Schicksal der einst größten und angesehensten Karaitcngcmcinde von Tschufut Kaie in der Krim teilen, wo ein einziger alter Mann-— der. ehemalige Priester der Gemeinde — wehmütig an den Trümmern der Synagoge dei für immer verschwundenen Zeit nachtrauert. Kleine, zersplitterte Ccmcindcn sind noch in Palästina und in der Türkei zu^ linden. Auch sie passen sich in der jüngeren Ccneration der Zeit an -und verlöschen. Wer find die Dönmelis? Als S a b b a t a i Z e w i — über den ju schon genug geschrieben worden ist — sich als Messias ausgab und die sahtmtianischc Bewegung wie eine Sturmflut sich überall hin, wo Jifdeu wohnten, ergoß, da glaubten seine Anhänger an den Sieg der Idee für die. Ewigkeit. Sabbatai Zewi trat dann, voll Angst vor einem gewaltsamen Tode, zum Islam über. Seine Bemühungen, den Übertritt zu rechtfertigen und sich noch immer als den jüdischen Messias aufzuspielen, scheiterten — die Flut trat zurück und verlief sich rasch und stetig. ' Ein winziges Häuflein blieb zurück: Mohammedaner, die sich doch ab Juden fühlten, Juden, die mohammedanische Riten pflegten: die Dönmehs werden sie genannt. Es ist ein . Schimpfname — Abtrünnige, vom Glauben Abgefallene bedeutet Dönmehs, aber sie selbst empfinden den Namen nichtals schändend. Auch Dönmehs soll es fünfzigtausend gegeben haben 1— ihre Zahl dürfte ebenfalls kaum den zehnten Teil erreichen. Sie sind in Saloniki zuhause, in Konstontinoncl, in Smyraa — der Geburtsstadt Sabbatai Zcwis —, in Jerusalem. In allen diesen Städten haben sie ihre Versammlungshüuser, kleine Bctatubcn in ' versteckten Gossen Grüne Lampen bezeichneten früher diese Versammlungsorte — heuto findet nur der Eingeweihte den Weg. Eine Gebetsstätte? Wie man's nimmt. Es ist eine Gemeinde da — Männer, Frauen und Kinder sitzen an Tischen und Bänken. Der Priester liest aus einem Buche einige hebräische Gebete, veränderte, mit seltsamen Anspielungen. Der Trauertag als Freudenfeft Vom Judentum halten sie noch an der Bcschncidung am achten Tage fest, halten einige Feiertage, allerdings mit starken Abänderungen, und mancherlei islamischem und christlichem Einschlag. Ihr Haupt- und Licblingsgebct ist das Schir Haschirim, das Hohelied S a I o m o n i s, das sie ganz verzückt rezitieren, besonders am Tischo bcaw, diesem Trauertag der gesamten Judenhcit, der jedoch nach der Bestimmung Sabbatai Zewis als Freudentag gefeiert werden soll, weil an diesem Tage. Sabbatai Zewi, also der „Messias", geboren worden war. ■ Die Dönmehs werden immer weniger, und es ist kaum verstandlich, was diese kleinen Gemeinden, meist nicht mehr als zwei öde; drei Familien, zusammenhält. Wohl ein wenig Tradition, ein wenig Gewohnheit, ein wenig Gcselligkcitsbedürfnis. Die Dönmehs sind weder eine Religion noch eine Sekte, sondern heute die verstiegene Idee von einigen Menschen, die sich ungern von etwas trennen, was sie als eine Art von altem, liebgewordenem geistigen I lausrat betrachten. ging nach Amerika. blieb dabei — merkwürdigerweise — »einer orthodox-jüdischen Lebensführung getreu. Aber mit Feuereifer warb und predigte er für Jesus, den wahren Messias. Iiis in die neueste Zeit ging sein; Wirken — er starb erst während des Weltkriege«, l'.Uu. in Berlin — doch die Zahl seiner Allhänger, er hatte welrhe ebenso unter Christcirwi« unter Juden, war gering und ging iioch_ seinem Tode so zurück, daß jetzt nur einzelne zerstrrtiie Gläubige seiner Lehnirgendwo leben dürften, die in keiner Verbindung miteinander mehr sind. Keine religiöse, sondern eine mehr ethische Sekte waren die- M qra I i s teil,. deren Gründer Rabbi Israel Lipkiu. nach seinem Geburlsort auch Suhmr— geheißen, gewesen ist. Die Moralisten strebten keinerlei Änderung von Zcrrnmninlwrsrn oder Ritus an. Sie wollten nur moralisch, ethisch sein. Da» Gute zu üben, das Gute zu fördern, nach ständiger Selbslerk.....itni» zu streben und Ruße' zu tun. .,M u s n r" hieß dir Zeremonie, dir solchen Ilül>iingru voranging. Einer der Moralisten stellte sieh im Beth lluniidrasch, dem jüdischen Lehrhause, auf dir .Kanzel und predigte lluße. Er sagte: „Musar". Wie er es sagte, dos war wichtiger :\U was er sagte. Die Wirkung war nicisl sehr stark. Man bereute, man ging iu sieh, und Weinen und Jammern hob au. wenn die Rede beendet war. Es war eine Art seelischer £rlhstzerflcischung, die^folgtc. . Ruße, t^illkehr, das wird, ja den Juden sehr oft gepredigt, namentlich an den höchsten Feiertagen. Heue (Eiukrhr). Gehet und Wohltun werden als dir Mittel gepriesen, um Gnlfzti versöhnen und himmlicehe Strafen abzuwenden. Dir Moralisten .machten ein System alltäglicher flhimgen daraus -;uud dirso Überspannung mnehtc der gewiß gut gedachten Bewegung ein Ende. Als Rabbi Liiilcin-Suiani^ 1RR3 gestorben war. versuchten Nachfolger die Moralislenlehre. zu erhalten und weiter zu verbreiten. Doch sie paßte mit ihren ührrsliegrucii Iliißflhiiiigeu und Fordeningen nicht in die nunmehr stürmisch dahinjagende Zeit, . und nur ven-in/i-lt hielten sieh noch MiisarhAuser iu Polen, in ütauen, iu lliifMiiiul.' Dr. lt. Seil. Uir' LrliriuiNlult für tlls WIssAnseliart «Ii-m Judentums lwiil,MU-lilitil. ihre tlu't.jülitii:eLi MuaUiKsvtclCHmiKen im* .liimmr l'.CATi ,|rm AmU-nkr» vwi Musr-s Mr.iliumülcs zu widmen, tlossen (ielmrlHtttu im Kriilijulir 7.IH11 800. Mute wiederkehrt. _ Von links nach rechts: 1. Teil der'Bihel, 8. Südfrucht, 9. Hohlmaß, II. Gezcil, 13. nordischen Cüttcrgcschlccht, 14. VI»- . ehenraum, 15. Zeitabschnitt, 17. Teil de» Auges, 18. Nebenfluß., des Dop, 20. Ferment, 22. Dcstillationsprodukte, 24. jüdischer Monat, 26. Mutter des Romulus, 27. plötzlichen kurzes Geräusch, 28. Schwester Mose**, 29. Gestirn. Von oben 1111 c Ii u 111 e n : 1. Land iu Kleinasicn, 2. musikalisches Zeichen. 3. englischer Fluß, 4. Wappcnvogel, STlKlutt und Stadt in der Tschechoslowakei, 6. Ungutes, 7. deutscher Dichter, 10. Stammvater, 12. See in Sibirien, 14. türkischer Titel, 16. englisches liier, 19. Klebstoffe, 21. ungarischer 1-andrstril, 23. Waldrand, ■ 25. Brettspiel, 27. Vater Sauls. BERLIN twipfehCeaswecte tBzzugsqueUen BERLIN Auto-Pension A K O GmbH. Berlin-Wilmersdorf RudolatBdtaratr. B1-BT H 7 Wilmersdorf 3129 Spezial-Garage für Herrenfahrer Factimdnnlaah» sorgfältig* AutopfHvga Tag diu Hacbt gtOfliat | 9Robe°6alon 2>eut?d)e 'Stau | | öonniöeifer g | (£^crrtotttn6urg,9Jeue(5roltnottnf,traBe2 | älllllilllllllllllllllllllllllNINIllNIllMINNIIIIIIllllNIIINIIIIinillllllinillNIIIIIIIIIlNIIINNIIIIIliil I Die maBSGiineiflerei Kurt Kathen Neu-Westend, Reicbssir.37 J9n«r,tr.3828 Reparaturen, Kndarrunqen. HandbUgeln, rjgeneKön«hneräii.Hauai 1 MARKISEN - Kl LZ W57. Wlnt«rfeldtstr.13 B7PHUJS855 Leopold Brand Senklng-Herde Eiserne Oelett .Bade-Anlagen Berlin-Charlburg.2 KantstraBe 28 Fernruf: C l Steinplatz 7490 Teilzahlunsen Wasch- und Ptatlanatnlt aar Wlcbraaaaitr. 4, an Utzowpl. Herren., Damen-. Luzuswlscbe. Oardinen u. Hsuswlscae. Zattf. Prataa Telei. B 5 2200 Uatanrel hat Kaaa Möbel- Kam erlint; N, KastanieaalleeM E-FehrbellinerStr. Eigene WerturUtt. Ciuentr.27C45312 1 Paul Sauer 1 1 Baa-Xlampneral, Schlosser*!, Repa-1 BJ ratnrwtrkslaH, Spez. Transparente. 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