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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-11-21 · 90 (21.11.1934) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
90 (21.11.1934)
Date
1934-11-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BERLIN 21. November 1934 PREIS 25 PF. Nr. 90 / 14. Jahrqanq JUDISCHE AUGEMEME SchritUeitnnj und Geschäftsstelle: Kcrlio W 15, UhLudstr. 158. Fernruf: j 2 Oliva 6968. Bankkonto: Kreditverein für Handel und Gewcrl« eGmbll. Berlin; N31. — Bezugspreis: BM. 1,— monatlich (zuzügl. RS!. 0,10 Zeitungsgebühr und Bestellgeld), bei Streifbandversand zuzügl. RM- 0,30. J||f |§sr i ff» ^lillll^ ÜF ^1 Verla«: VärlaKS£euoa»easuh&fl io Demwhluml ausa4d|far Juüeu eiifuML (kt Gründung), Berlin W 15, 'Uhlanttstr. Iü8. Auxaitfflnpreüio: Diu 12tfesn*K. mm-2uUe IUI. 0,15. f. Fauulieiiaazcitui. KM. 0,1^ t BtuUeugesuutie UM. 0,0*. Bot unverschuldeter NichttK'lieforuug leateht koia Auapmcli auf Vtr^ütuas;. NEUE FOLGE DER JUDISCH-LIBERALEN ZEITUNG Das Ende des Berliner Theaters Ku 11 u r Ii ii ii d - A ii f 1 ah r un pe n bis Ende d e r S ]> i c I z c i t g e s i c Ii e r t Wie in der- Tagrsprcssr veröffentlicht wird, hal die' Stadt Berlin den Gebüudekomplex in der Charlottcnstraße. zu dem das »Berliner Theater"- gehört, in der Versteigerung für 100001) Mark erworlicn. Das Berliner Theater, in dem seit einem Jahr der Kulturbund deutscher Juden seine Aufführungen veranstaltet, soll abgerissen und an seiner Stelle ein Croßgaragrnbau errichtet werden. Wie der ..Jüili-clicn Allgemeinen" hierzu auf Anfrage von der Leitung des Kulturbundes mitgeteilt: wird, ist die vertragliche und baupolizeiliehe Genehmigung bis Ende der Spielzeit 1934/33 erteilt. Verhandlungen mit den zuständigen Stellen wegen der nächsten Spielzeit sind sofort eingeleitet worden. * Das „Berliner Theater",, eines der ältesten der ltcichshauptstodt,, war ursprünglich für den Zirkus Benz erbaut und dann später zu einer Variete- und Operettenbühne umgestaltet worden, ts führte zunächst den Namen „Walhalla-Theater". Den jetzigen Namen erhielt es mit der Übernahme der Direktion durch Ludwig Bnrnay. Tauf propuganda Wie die christlich-jüdische Verständigung des Jesuitenpaters Bicblznair auasieht Wien. Die Ansicht der Skeptiker, die hinter der in der vorigen Woche in einem in der „Rcichspost" erschienenen Artikel des Jesuitenpaters Bichlmair angekündigten' christlich-jüdischen VerstSndigungsaktion ein Manöver der Missianskreise sahen, ist durch den Inhalt der ersten Nummer der für diese Aktion bestimmten Zeitschrift „Die Erfüllung" bestätigt worden. Den größten Raum nehmen zwei Aufsätze des Konvertiten Johannes Oesterreich er ein, in denen erklärt wird, Israel, das versagt habe, als Jesus Christus erschienen war, könne wieder der Gnade, teilhaftig werden, wenn es sich der Taufe .zuwende. In jüdischen Kreisen wendet man sich verbittert von diesem Bekcbrungswcrk ab und erklärt, daß eine solche „Verständigung" durch Aufgabe des Judentums schon vor der spanischen Inquisition möglich gewesen wäre. Die jüdische Wochenschrift „Die Stimme" schreibt zu diesem Fall u. a.: „Wir Juden hegen gegen die christliche Kirche keinen Haß. Es besteht zwar kein Zweifel, daß auch im Judentum eine Mission notwendig ist, und zwar in der Richtung der Vertiefung des Wissens vom Judentume und der Religiosität. Aber dieses innere Missionswerk muß bei den Juden von Juden geleitet werden. Die christlichen Kreise mögen ihre Mission in ihren Kreisen vornehmen und wir Juden werden dasselbe hei uns besorgen. Das erscheint uns als der einzige Weg zur Bereinigung der sicher vorhandenen Differenzen."; In einer Massenversammlung im Hotel Continental, bei der die Wiener jüdische Bevölkerung Gelegenheit, hatte, zu den Gegenbungei zum Ausdruck kommen und stellte fest, daß die Juden Wiens einer „Lösung der Judcnfrage", wie sie in der Zeitschrift angestrebt werde, selbstverständlich ab 1 eli n e n d -gegenüberstehen. Wir Juden, sagte der Redner, haben niemals Proselyten gemacht, da nach unserer Anschauung die Frommen aller Völker der Seligkeit teilhaftig werden. Einen ganz anderen Standpunkt vertritt in dieser Frage die katholische Kirche. Doch die jüdische Antwort kann hier nur heißen: Sacra non längereI Unsere Stellung zu dieser Frage ist klar und eindeutig. Unsere Aufgabe ist es, den inneren Kern des Judentums zu festigen. Das Judentum zu verinnerlichen, auf daß jeder Jude wisse, warum er sich zu uns bekennt. Die heimliche Tanfe und Entführung der Anna Levy Saloniki. (J.T. A.) Der Fall des minderjährigen jüdischen Mädchens Anna Lcvy, das auf der .Insel Tinos von Nonnen heimlich getauft wurde und seither vermutlich in einem Kloster verborgen gehalten wird, beginnt nunmehr, die Öffentlichkeit auch außerhalb Griechenlands zu beschäftigen. Da man vermutet, daß Anna Lcvy sich in einem italienischen Kloster befindet", hat eine prominente jüdische Persönlichkeit in Italien den Ministerpräsidenten Mussolini mit diesem Fall bekannt gemacht Mussolini hat daraufhin persönlich der Polizei den Auftrag gegeben, Nachforschungen, nach der jungen Athener Jüdin anzustellen. Wie die Eltern Anna Levys dem JTA-Vertreter mitteilen, haben sich die maßgebenden katholischen Kreise in Rom nunmehr ernsthaft! mit der Sache befaßt, so daß zu hoffen ist, daß die Nachforschungen.bald zu einem Ergebnis führen werden. , Die heimliche Taufe und Entführung der Annä Levy ist vor einiger Zeit im griechischen Senat von dem venizelistischen Senator Mavrogordatos zum Gegenstand einer Anfrage gemacht worden. Die Äbtissin des katholischen - Nonnenklosters in Tim» wurde vom; Staatsanwalt vernommen, und der katholische Bischof Mgr. Philipucci wurde ersucht, Aufklärungen zu geben. Wie der Rechtsanwalt der Familie Levy mitteilt, konnte bereits ausreichendes Beweismaterial über die proselvtische Praktik des Klosters in Tinos gesammelt werden. - ' Geilt und Blut Von Dr. FELIX HEIMANN \or einigen .Monaten jährte sich zum "ffmfzigsint MaIc der Todestag des Gregor Johann Mendel. Der wur cints Itmiem Sohn und ist als Abf des Augusünerordeus zu Brünn in Mahren gestorben; I lorhbcrütnnt durch Pnauzcir/üchtuugcii luid uatur- \visscnsthaflliehe Beobachtungen, ist er in jahrelanger Arbeit zu einer Summe von Ergebnissen gekommen, die die Forschcrwclt ..Mendclismus" — „Mendelschc Hegeln4* — nennt. Auf Meinem „Gesetz" und auf den Erkenntnissen Sir Fram-is Gnttons. des wissenschaftlichen Begründers der Eugenik, fuÜcu Männer mic Hermann Muckcnnann und Oswald Mrnghin. Dpr Priester und bedeutende Eugeniker Hermann Muekermann kommt bei "der Erörterung des „für Staiat und Kirche entscheidenden Problems einer eugeniseh-differenzierten Fortpflanzungauch auf die Fragen der RasHcnmisrhunp und dci Verminderung oder Ausscheidung von „Fremd rassigen*1' zu sprechen, lehnt jedoch den, Begriff „minderwertige Hasse4* ub. Für Muckermann gibt es nur „andersartige Rassen", und er rechnet die Juden sogar ni den „hochwertigen Menschenrassen", wenn er sie auch in Beziehung zu Deutsehland nicht als „h e i m - rassig** bezeichnet. Einen Ähnlichen Standpunkt vertritt auch Oswald M e n c h i n, der berühmte Verfasser der „Weltgeschichte der Steinzeit'' und Ordinarius für Urgeschichte des Menschen an der Wiener Universität. Sein Buch „G eist und Blut" ist vor kurzem in zweiter Auflage erschienen. (Verlag von Anton SrhrnJI tu Co., Wien 1934.J Mit aTier Entschiedenheit wendet sich — wie Muckermann — der Verfasser gegen die Auffassung von der Ungloichwer tigk ei t der Menschenrassen. Er betont zwar die „Verschiedeaartiglseit" der Menschenrassen, fügt jedoch hinzu, daß die Erforschung dieser Dinge noch viel zu wenig fortgeschritten sei, um endgültige Feststellungen zu erlauben. Ebenso wie es sicher sei, daß es geistige Rassenraerkraale gebe, die gewiß einen erhaltungswürdigen Wert darstellen können, so sei es „absolut unzulässig", aus dieser Tatsache einen Primat des Körperlichen Über das Seelische abzuleiten. Menghin kommt dann nach Untersuchung der Begriffe „Volk" und „Volkstum" auf die wissenschaftlichen Grundlagen der Judenfrage zu sprechen und betont, daß die einzigartige Bedeutung dieser Frnge für die gesamte Menschheit zu einer möglichst allseitigen und tiefschürfenden Prüfung ihrer wimtenschoftLiehen Grundlagen verpflichtet. Die Juden seien rassisch ein Geroenge, wie alle Völker der Gegenwart. Die europäischen Völker seien in ihrer rassischen Zusammensetzung den Juden um so ähnlicher, je weiter man nach Süden komme. Dos sei geo- ^iiiphi^rd bedingt und anthropologi-wh-historisch nu weitgehend erhärtet, daß jeder, der mit dieser Tatsache nicht1 rechne, ein« Healilät des Yülkerlehcn* in seinen lirtcilHiii.dui.gen A-nuichl/issige. Die Orientalin he Hn**e habe daher für den Müdlumler nicht* Abbüßende», im Gegenteil. All da* »ei psycho logisch leicht verständlich und erkläre in «einer Viclgcslalligkeit auch die xaltlrciehen Widersprüche in dem Verhüllen der europäischen Men*chheit gegen die Juden. De.- YrrfuHM-r bejuht am Schlüsse seiner (Jiitrrnurhung da» jüdische Volkstum, wobei er alt entscheidend „kulturelle Tatsachen" ins Treffen führt. Er stößt dabei auch, in die rcligiÖMi Sphäre vor, die er ausdrücklich aht den „archimedischen Punkt" bezeichnet, „von dem mw sieh das Wesen eines Volkstum* häslimml". Es sei lüerbci völlig gleichgültig, oh der moderne intellektuelle Jude noch an etwas glaube, oder ab ihm die Heilige Schrift ein Buch mit sieben Siegeln, der Talmud vielleicht gar „ein Kuriosum** sei. Er sei jedenfalls nicht so gepanzert, daß ihm seine tradiüonsgetrankte jüdische Umwelt nicht xu beeiufhiMe* vermöge, mit jedem Atemzuge vielmehr zieh« er Geist vom Geiste der Vater ein, und e* gebe keine starker« Macht auf des 'Welt, als das Flutdum, dos au» der Religion Ohe* ö&e Knltur out dl« Menschen ströme. — Solange t» daher Juden geh«, die aut uam Rattgiou «tw»« halten, gleichviel in welchem Gl ■;V<|L ■«,«■.-•/ / S-,-;* -r>*m ~r ,VV> Jüdische Schüler spielen Schiller Eine Szene aut „Wilhelm Teil", dargeflellt von Knaben der Schulen in der Kai/er- und Ryke-Strafie I. Grade von Bachtgllubiriuh, solang» groliartigen nationalen Tradition dar werde es „Ehrfurcht vor der Juden" und solange werde es auch ein jüdisches Volkstum geben. Es sei vorhanden und werde zusammengehalten durch Religion, Kofi, Sitte, Ceainnug and rassische Cemcfnsamlreilgau Es sei gewiß schwer bedroht, vor allem durch Mine sprecauene Auflösung und durch die Verfolgung-. Aber wio in Vorweiten mlehm es aus dem .Leben neue Kraft und „erlebe vor unseren Auge* die zionistische Renaissance". - Der Verfasser bezeichnet es als. „merkwürdig", datt eis Teil des Judentums den zionistischen Weg nicht gut hellle und aui dem „Assimilalionsgedanken" beharre. Vom deutschen Standpunkte ata sei jedenfalls das Hecht zu bejahen, bei der VerschiodcnartigkeiC des deutschen und des jüdischen Volkstums, dem .Judentum aia Gesamtheit" den Gintritt in die deutsche Volksgemeinschaft za verwehren. Ks künne für die deutschen Juden daher nur den zionistischen. Weg geben, wobei es dahingestellt bleiben könne, ob sich nicht in andereii Ländern, bei denen die Gegeusatw zwischen der einheimischen Bov51kerung und den Juden nicht ■• stark seien wie in Deutschland — etwa in England oder Frankreich — Fortsetzung auf der 2. Seite <> <? wV c "^■w •^5>. T \&! » . \ l>.?i. v$?i>. i vfr^» -V*h -■<••' ^M^.. * wm r ym * % phot. 8cnn.nf.ld.

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