Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 78-79 (28.9.1934)
- Date
- 1934-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Allerlei aus Hamburg oBticf an Sie „3ü3ixfi-(i6eiate Scitiiiuj“ Hamburg. Nach -längeren Vorbereitungen fand die Gründung der Ortsgruppe Groß-Hamburg des Reichs- .♦e'rband'es für den jüdischen Mittelstand statt. In den Ansprachen der Herren Bernhard Heinemann, dem Vorsitzenden des. Vereins jüdischer Handwerker .und Gewerbetreibender von 1905, des Herrn Dr.. Joseph Eisemann sowie des Herrn Julian Lehmann wurde die Notwendigkeit betont, die Ortsgruppe des Reichsverbandes zu gründen. Die wichtigsten Aufgaben seien vor allem: die Fühlungnahme mit Institutionen und Behörden, der Ausbau der Kreditorganisationen, die Steuer-, Rechts-, Wirtschafts- und Werbeberatung, die Bearbeitung der Berufs- und Wirtschaftsfragen sowie der Angestelltenangelegenheiten. Da der Verband auf völlig neutraler Basis stehe, sei ihm die dringend erforderliche Zusammenarbeit mit allen bestehenden Organisationen selbstverständliche Pflicht. Auch mit der'Berliner Zentralstelle stehe er naturgemäß in engster Zusammenarbeit; wolle sich aber dennoch seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit bewahren. Nach vollzogener Gründung wurde der Vorstand gewählt und Herr Julian Lehmann als Geschäftsführer bestimmt. Das dritte Mal zu Beginn des Winters rief die Deutsch- Israelitische, Gemeinde die Damen und' Herren, die sich auch in den Vorjahren bei den H a usblÖcks am m 1 unge n ■ der Nots tandsh i 1 f e als Bezirksleiter bestens bewährt hatten, zu einer Besprechung über die diesjährige Sammlung zusammen. In den verschiedenen Ansprachen von Frau Dr. Ascher, der Leiterin des gesamten Sammlungswerkes, und Herrn Wigederowitsch wurde die dringende Notwendigkeit betont, in diesem Winter die ganze Kraft einzusetzen, um den Ausfall der Gemeindeeinnahmen, der ja vor allem bedauerlicherweise die Wohlfahrtsposten 'betreffen müsse, da andere Einsparungen kaum vorgenommen werden könnten, ein wenig ausgleichen zu helfen. Da die Vorarbeiten schon fast abgeschlossen sind, hofft man, im Oktober schon mit der Hausblocksammlung beginnen zu können. In Anlehnung an die Sammlungen unter den jüdischen Gemeindemitgliedern in andern Städten, wird auch die Hamburger Sammlung unter dem Motto „Für Hilfe und Aufbau“ stehen. Die über Hamburg hinaus bekannte Künsthistorikerin Dr. phil. Rosa Schapire beging ihren sechzigsten Geburtstag. Frau Rosa Schapire, die. unendlich anregend und befruchtend auf das Gesamtkunstleben Hamburgs gewirkt hat, erwarb sich die besondere Schätzung weitester Kreise durch ihren feinen Scharfblick und ihr kluges,Verstehen nicht nur der Vergangenheit und ihrer großen Schöpfer, sondern gerade der Gegenwart und ihrer .jungen Kräfte. mey. Oie Pläne der Künstlerhilfe Dresden Dresden. Mit einem schönen, gehaltvollen Programm wirbt die Künstlerhilfe-der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden um Beteiligung an. dem bevorstehenden 2. Kunstwinter. Es sind 10 Abende vorgesehen. Beginn: 4. Oktober mit einem Konzertabend von Simon Goldberg, der früher in Dresden tätig war, und Paul Aron, der aus Dresden stammt. Ludwig Hardt wird sodann Ernstes und Heiteres von jüdischen Autoren rezitieren, und hierauf folgt ein Theaterabend, bestehend aus zwei Offenbach-Operetten, musikalisch einstudiert von Walter Goldmann.' Im November wird Rabbiner Dr. Swarsensky über „Die religiöse Haltung der Gegenwart“ sprechen, worauf der ’2.- Theaterabend mit Schauspielen von Schnitzler und Strindberg vonstatten gehen "-^T)as neue Jahr bringt zunächst etwas für Dresden SeltenesTttjmlich einen Kantoralen Abend von Oberkantor ' Neu-München- Ihm schließt sich ein Konzert mit Erläuterungen von Dr. A. Landau über Gustav Mahlers Liedschaffen ■ an, worauf wieder ein Vortrag, und zwar von Rabbiner Dr. Prinz geplant ist. Im März soll das Wittenberg-Trio zusammen mit Paula Lindberg konzertieren und als vorläufiger Schluß ist ein heiterer Schauspielabend vorgesehen. reb. Kunst an Rhein und Ruhr Wuppertal-Elberfeld.- Auftakt der Winterarbeit des Jüdischen Kulturbunds Rhein-Ruhr: Konzert Lotte Leonard- Franz Osborn. Wenn Lotte Leonard singt, dann ist es eigentlich ganz gleichgültig, was sie singt. Ob sie den Hörer mit alter Musik aus der vorklassischen Zeit bekannt macht, ob sie eine Arie von Händel zu Gehör bringt, oder ob sie die Von der Reise znrfick: Dr. Halle, Kurfürstendamm 211 Halt — Nase — Ohr — Plastik aus Konzerten bekannteren Lieder von Hugo Wolf und Brahms singt — das Publikum kann der Gewalt dieser Stimme nicht widerstehen. Jeder läßt sich willig und berauscht fortreißen von dem wundervollen Wohlklang und der Beseeltheit, die ihm da entgegenströmen. Franz Osborn zeigte seine hohe Kirnst nicht nur als Begleiter, sondern auch als Solist in Werken von Bach-Liszt, Brahms und Chopin. Die technischen Schwierigkeiten einer Bachschen Fuge existieren nicht für Bin. Klar und rein arbeiten sich die Motive heraus, und in logischem Aufbau ersteht vor uns das Werk. Für Chopin und Brahms stehen Osborn nicht allein die technischen Fertig- . keiten zu Gebote, sondern vor allem die tiefe gefühlsmäßige Durchdringung und die in hohem Maße vorhandene Gabe, den Stimmungsgehalt des Werkes dem Hörer zu vermitteln. Das Publikum dankte mit Beifallsstürmen. Einleitende Worte sprach der neue Leiter des Kulturbundes Rhein-Ruhr, Dr. Levinger. Aus seinen programmatischen Erklärungen war zu entnehmen, daß das 2. Aroeitsjahr des Kulturbundes viel Schönes bieten wird. Sehr erfreulich war sein Appell an die Mitglieder des Kulturbundes, die er aufforderte, nicht hur durch Zahlung der Beiträge der Idee und der Sache treu zu bleiben, sondern durch Mitteilung ihrer Wünsche und durch fruchtbare Kritik das Werk zu fördern. Hede Israel. Nichtarier vom Zeitungsvertrieb ausgeschlossen Die Reiclisfachschaft des Deutschen Zeitungs- und Zeit-. schriften-Einzelhandels, Frankfurt a. M., hat den Grundsatz, aufgestellt, daß Nichtarier dem Verbände nicht angehören können, womit ihnen alsbald die Ausübung des Berufes .verwehrt ist. Es handelt sich dabei z. B. auch um alle jene Fälle, in denen ein nichtarischer Zeitungshändler nur nicht nationalsozialistische Zeitungen verkauft hat. Irgend welche Ausnahmen, wie sie sich sonst fast allgemein in der Gesetzgebung der Reichsrcgienmg, z. B. im Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, in den Anordnungen über nichtarische Ärzte und Anwälte oder auch im Schriftleitergesetz finden, sind für Zeitungshändler nicht zugelassen worden. Aus einem Schreiben, das im Namen : des Präsidenten der Rcichspressekammer (der die Rcichsfachschaft des deutschen Zeitungs- und Zeitscliriften-Einzelhandels angehört) erging, wird ersichtlich, daß dieser Standpunkt von dieser Stelle gebilligt worden ist. Wie es heißt, soll diese Maßnahme -Sich auf alle Untergruppen der Haupt-, gruppe „Vertrieb“ erstrecken, also auch weiter auf die Reichsfachschaft des Großhandels, des Bahnlhofsbuchliandels, der Lesezirkel und der werbenden Zeitschriftenbuchhändler'. Ein iudenfreies Land Unter dieser Überschrift veröffentlicht das Nürnberger 8 Uhr Blatt nachstehenden Bericht aus Reykjavik: „In Island ist die Judenfrage fast unbekannt, weil wir hier nicht, wie andere Länder, unter der Judenplage zu leiden haben. Unsere, dünn bevölkerte Insel stellt für den Juden keine fette Weide dar. Es ist auf die Dauer zu wenig für ihn zu erschachern, und so sind wir in der glücklichen Lage, iin ganzen Lande keine Juden zu haben. Vielleicht ist es ihnen auch zu kalt bei uns. Allerdings fällt doch ein Wermuts-Tropfen in unser Glück. Einige, Male im Jahre kommen nämlich aus Dänemark jüdische Händler nach Island, um ihre Geschäfte hier zu machen. Sie bleiben jedoch immer nur kurze Zeit hier. Ein Judenkenner sagte einmal zu mir: ,Es genügt, wenn diese Juden jährlich ein- oder zweimal nach Island zum Kassieren kommen, dann haben sie doch den ganzen Rahm abgeschöpft und den Lohn für die harte Arbeit eingeheimst, die unsere Bevölkerung jährlich leisten muß.“ Es ist jedenfalls immerhin noch erfreulich, daß diese schnell wieder verschwindenden jüdischen Händler die einzigen Juden sind, die wir hier sehen.“ . Arbeitsgemeinschaft für Sänger und Sängerinnen. Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin errichtet im Oktober eine Arbeitsgemeinschaft für Sänger und Sängerinnen (Oper und Konzert), deren Kreis aus jüdischen Sängern und. Sängerinnen gebildet werden soll, die eine über Gesangs¬ und Korrepetitionsstudium hinausgehende Weiterentwicklung erstreben. Diese praktische Weiterentwicklung, wie sic sich früher durch Proben und Aufführungen im Engagement von selbst ergab, soll in der geplanten Arbeitsgemeinschaft besonders nach der stilistischen und musikalisch-gestaltendcn Seite :hin gepflegt werden. Die Leitung wird Kapellmeister Ewald Ernst Gebert übernehmen. Meldungen nur von 'Berufssängerinnen und -Sängern bis 10. Oktober an die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde, Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158. RN 10000-15000 Sicherheü'von -. Eigengeber an-Hans Hirschberg, Bei von - Oefl. Angebote ■Wilmersdorf, Nassauische Straße 3. gesucht. :rnn-' Die jüdische Heldengedenkfeier auf dem Wiener Zentralfriedhof .Wien. An der großen jüdischen Hetdcngedcnkfcier, die, wie bereits kurz berichtet, auf dem Wiener Zentralfriedhof abgehalten wurde, nahmen Vertreter der Regierung,, des Bundesheeres, der Generalität, der Scliutzformationcn, der Vaterländischen Front, der Stadt Wien und der Israelitischen Kultusgemeinde teil. Nach einem von dem Direktor des Deutschen Volkstheatcrs, Jakob Fe l'dh a m me r, der selbst Kriegsteilnehmer und Mitglied des Bundes jüdischer Front- . Soldaten ist, mit tiefer Empfüidung gesprochenen Prolog nahm der üundcsfiihrer der jüdischen Frontsoldaten, Hauptmann Edler von Fried m a n n das Wort, der den toten und den überlebenden jüdischen Soldaten des Weltkrieges zurief: „Ihr habt gleichberechtigt mit allen anderen Söhnen der Heimat gekämpft, Ihr seid gleichberechtigt mit "ihnen in den Tod gegangen. Gleichberechtigung im Sterben, aber auch Gleichberechtigung im Leben!" Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g sagte' u. a. in seiner Gedenkrede: „Schweigen wir über alles, was an Mißverstehen, was an .minderer Einschätzung des Wertes unserer Leistungen .als Unbill uns widerfahren ist. Kein Million soll diese herrliche Stunde " .stören.. Diese Gräber sind Zeugen unserer Liebe zum Vaterland, die in i t u u s e r e in Blute besiegelt wurde. Es sprachen außerdem noch der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Desider F r i c d m a n n , und Vertreter der Behörden, wobei Generalmajor H o p p e mit aufrichtiger Wärme die ausgezeichneten Leistungen der jüdischen Frontsoldaten schilderte. Ihm selbst Italic ein jüdischer Frontsoldat mit großer Tapferkeit das Leben ge-, rettet. Der General gab seiner Entrüstung lilicr jene gewissenlose Hetze Ausdruck, die die Leistungen der Juden im Weltkrieg herabset/en will, wiewohl es unter den Juden so viele Familien gäbe, die ihre im Kriege gefallenen Angehörigen beweinen. Die offiziellen Ehrengäste palimcn dann die Defilierung der jüdischen Frontsoldaten ab, die in mehreren Regimentern in Uniform und Zivil, geschmückt mit den im Kriege erworbenen Auszeichnungen erschienen waren. An den Gräbern der jüdischen Kriegsgefallenen von Tilsit— Tilsit. Au den Gräbern der am 12. September 1914 für. die Befreiung der Stadt Tilsit gefallenen jüdischen Soldaten 'fano .eine vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten veranstaltete Gedenkfeier statt, bei der Rabbiner Dr. Bösel an die Begeisterung erinnerte, mit der vor 21) Jahren der Retter der Stadt, Generalfcldmarschall von Hin den bürg, von Tilsits Bevölkerung begrüßt wurde. Daß soviclc deutsche Soldaten, unter ihnen auch viele Juden, bei der Befreiung Tilsits ihr Leben lassen mußten, sei ein bitterer Wermutstropfen in dem Becher der Festesfreude gewesen. Das Andenken an diese junge Helden möge den Juden. Tilsits und dem geliebten deutschen Vaterland zum Segen gereichen. Im Auftrag des Oberbürgermeisters Dr. M i x legte der zweite Vorsitzende der Tilsiter Ortsgruppe des RjF., K.-A. Dr. Hugo Ehrlich mit einer kurzen Ansprache Blumensträuße - an den Gräbern der jüdischen Kriegsgegfallenen nieder. Anläßlich der Befneiungsreier der Stadt Tilsit vom' 'russischen Joch wurden auch einige jüdische Mitkämpfer, die der Einladung der Stadt gefolgt waren, mit der von der Stadt gestifteten Bcfr/MltTrgs- Plakette ausgezeichnet. Die Ka'mme rstrclchve re Inlgung und Singge me in sc ha f ( tler Musikfreunde in Frankfurt - am Main (Leitung Artur Halde) wird in ihrem ersten Winterkonzert Chorwerke von Händel, Mozart, Schubert und Streichwerke von Mozart, Oskar F.ried und Max Reger zur Aufführung bringen. (flebtauxantb, Htno , liuumiuniiimiiiiiiiiiimiiiiniiiuumiiuiiuiiiiiimiiiiiiiiuiiiiiiiuuiuiuiiciimiiiiiiiiiiiiiimi Tanz-Kaffee Trianon W 30. Bayerischer putz 1 * lahaher s. Bernstein Mitglied der jfidiseben Gemeinde. Täglich nachmittags und abends Tanz,#« Für Vereine, Hochzeiten, Oeburtstage, Konfirmationen usw. stehen separate . 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