Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 74 (14.9.1934)
- Date
- 1934-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Oscar Wassermann Einem schweren Herzanfall ist in G a r m i s c h , wo er i sich zur Kur aüfhielt, der Bankier Oscar Wassermann : erlegen. Wassermann nahm nicht nur in der Bankenwelt, weit j über Deutschland hinaus, eine hervorragende und einfluß-; reiche Stellung ein, er gehörte auch zahlreichen jüdischen : Organisationen.mit dem ganzen Einsatz seiner energiegelade-" nen' Persönlichkeit an. So war er stellvertretender Vorsitzen- . der des Verwaltungsvorstandes der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, er war Mitglied des Kuratoriums der , Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums; Oscar; Wassermann setzte sich auch unter voller Wahrung : seiner deutschen Gesinnung für die Förderung des jüdischen , Aufbauwerks m Palästina tatkräftig ein. Er wurde Präsident i des Keren Hajcssod für Deutschland und später auch in das ’ Direktorium des allgemeinen Keren Hajcssod gewählt. Als Führer der am jüdischen Palästinaw'erk mitarbeitenden Nichtj zionisten in Deutschland Unterzeichnete er den Gründungspakt; der erweiterten Jewish Agency und war seither .Mitglied des; Administrative Committee der Jewish Agency. Auch für chari- : tative Zwecke hat der Verstorbene stets eine, warme Hilfs-; bereitschaft bekundet. Die Deutsche Bank und Discontogesellschaft hat ihrem ehemaligen Vorstandsmitglied einen tiefempfundenen Nachruf ■ gewidmet, in dem die reichen Erfahrungen und die Vorbild- : liehe Berufsauffassung, die er in voller Hingabe in den Dienst dieser Bank gestellt hat, hervorgehoben werden. „Wir betrauern,“ heißt es da, „den Verlust dieses Freundes aufs tiefste und -werden seih Andenken allezeit in hohen Ehren halten.“ Auch in einer-Reihe von Tageszeitungen werden die Verdienste Oscar Wassermanns eingehend gewürdigt. So schreibt die „Frankfurter Zeitung“: „Seine bankgewerbliche Laufbahn war eine Seltenheit, sein Menschentum nicht weniger. Er-.- war gebürtiger Bayer, aus der alten, seit über 150 Jahren in* Bamberg und inzwischen auch in Berlin ansässigen Bankfirma A. E. Wassermann. Seine dortige Partnerschaft gab er am l.-April 1912 auf, als die Direktion der Deutschen Bank für ihre Aufgaben. auf dem Wertpapier- und Konsortialgebiete und für die GelddTsposition eine Ergänzung suchte und längst auf den weiten Gesichtskreis und die Qualitäten des Mannes aufmerksam geworden war. Mit solchen Eigenschaften verband sich eine fast allgemeine Beliebtheit in der Bank- und Börsenwelt. Wassermann bewährte sich, wenn Sorgcnbcladene zu ihm kamen, wenn der Ausgleich zwischen Bankiers, öffentlichen Instituten und auch mit konkurrierenden jüngeren wie älteren Großbanken gesucht wurde, wenn Gewitterwolken sich über Wirtschaft und Volk zusammenzogen, -wenn die Reichsbank im Gcneralrat' oder sonst intim zu beraten hatte, wenn das "Reichsfin'anzministerium Ratschläge und Entwürfe für seine Emissions- und Refinanzierungsarbeiten gebrauchen konnte. Wassermann war im Grunde für diese Zeit und für die führende Position in einer Bank geboren, und er hat ihr alles gegeben, was er zu geben hatte. Am Wachstum des Instituts bis 1929, an seiner inneren Organisation und an ihrer Repräsentanz nach außen hafte er einen starken Anteil, nicht weniger an den Bereinigungsarbeifen im Kunden- und im Bankbereich. Sein Ansehen im Auslande war groß. Die Verschmelzung mit der Disconto-Gesellschaft steigerte die Ansprüche an die Vorstandskräfte und an die Nerven dann von neuem; geriet doch alles, hoch mitten in Rationalisierung und Umbau, sehr bald in den Strudel der Kredit-Rückziehungen und dann, nach der Zollunionsidee, der Bankenerschöpfung von 1931. Damals hatten Regierung und Währungsführung schon weitgehend den Kontakt mit der Privatbankwelt verloren, ja sich auf Grund eigener Eindrücke abgewendet. Es hat Wassermann, der auch ein kühler Realpolitiker sein konnte, nicht weiter verdrossen, daß die Rolle der Banken, soweit sie überhaupt bestand, mit dem Zusammenbruch der Danatbank und der öffentlichen Sanierung der übrigen aüsgespielt war. Wohl aber nahm er schwer Abschied von der Bank. Er diente um der Sache willen und wehrte dabei für seine eigene Person alle Ehrungen ab.. Es genügte ihm, daß das-große Ganze und zahlreiche Unternehmungen in guter wie böser Zeit seine Erfahrungen, .'seinen durchaus volkswirtschaftlich empfundenen Standpunkt und seine Kombinationsgabe sich zunutze machten. Darüber hinaus war er von hilfsbereitem Verständnis gegenüber allen in Not Befindlichen.“ Die Beisetzung Die Beisetzung Oscar Wassermanns fand am Mittwoch auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee statt. In einer ergreifenden Trauerrede zeichnete der Präsident der Reichs- Vertretung der deutschen Juden, Dr. Leo Baeck ,-den Verstorbenen als eine repräsentative Persönlichkeit im deutschen Judentum, in der Tradition wurzelnd, ein Kenner der Geschichte und Wissenschaft des Judentums und zugleich jeder neuen großen Aufgabe erschlossen. „Er war ein Mann, der seltene Gaben des Geistes mit seltener Wärme des Herzens verband, ein Vorbild auf dem Felde der Wirtschaft und zugleich ein gütiger und unermüdlicher Helfer.“ Unter den Trauergästen befanden sich zahlreiche Persönlichkeiten der Bank- und Wirtschaftskreise sowie Abordnungen aller jüdischen Verbände, an deren Arbeit der Verstorbene Anteil genommen hatte. Synagoge wird Turnhalle Hannover. Kurz vor Rosch haschanah wurde die zur i Turnhalle umgebaute AlteSynagoge feierlich eingAveiht. Das Haus wurde seit etwa 1870 nicht mehr benutzt, war fast; völlig in Vergessenheit geraten und drohte zur Ruine zu wer- : den. Da rief der Umstand, daß den Turnvereinen vortseiten der Behörden die Benutzung der städtischen Turnhallen ver- | sagt wurde, den,Vorsitzenden der Vereinigten Turnerschaften, : Herrn Adolf Cohn, auf den Plan, dessen Tatkraft im | Verein mit gebefreudigen Helfern es gelang, den Bau so zu gestalten, daß er zu Turnhalle, Versammlungsraum und i Bethaus für die Hohen Feiertage gleichermaßen geeignet ist. . i Die Feier wurde durch Chorgesang eingeleitet.. Nach einer Ansprache des Herrn Adolf Cohn, in der er allen; dankte, die in Hilfsbereitschaft das schöne Werk gefördert : haben, schlug Kommerzienrat Berliner die Mcsusa mit | folgenden Worten an: Zu Ehren unseres allmächtigen Gottes, | zur Ehre unsrer einzigen Gotteslehre, zur Ehre unsrer altj ehrwürdigen Synagogengemeinde Hannover. Sodann sang j Oberkantor Alter die Mandelbrod’sche Komposition „Der; Herr segne dich“. In seiner Ansprache dankte der 1. Vor-; steher, Kommerzienrat Berliner, Gott für die Gnade, daß er, i der. am 15. September 1S70 als Chorknabe, den Auszug aus , der Alten Synagoge und die Weihe des neuen Hauses miterlebt i hat, heute von dieser Stätte, da das ‘ alte Haus neugeweiht werde, sprechen dürfe. Landrabbiner Dr. Freund ging in seiner Weiherede auf die reichbewegte Geschichte des alten : Gotteshauses ein, der Männer gedenkend, die seine erste \ Begründung und Erhaltung gefördert hatten. Rabbiner i Dr. Schorsch rief die Jugend zum treuen Festhalten am! angestammten Glauben auf, damit sie ebenbürtig werde jener Geschlechter, die dereinst dies Haus erbaut und in ihm geweilt ■ haben. Zum Abschluß sang Oberkantor Alter das Hallelujah : von Hummel. Mit dieser erhebenden Feier fand ein Werk | seine Krönung, dessen Schöpfer und Helfer mit unauslösch- : liehen Lettern in die Geschichte der Gemeinde eingeschriei ben sind. S. B. Ans den Gemeinden Karlsruhe i. B. In der hiesigen Ortsgruppe der liberal-jüdischen Vereinigung hielt Frau Rabbiner Dr. Appel aus Dortmund ein Referat über die Welt- : konferenz des religiös-liberalen Judentums in London. Frau Dr. Appel hat es verstanden, die Zuhörer zu fesseln durch die Art, wie sie den geistigen Inhalt der Konferenz darlegte und den Hörern vor Augen führte. Der Vortrag wurde bei sonders lebendig dadurch, daß Frau Dr. Appel vom gesellschaftlichen Leben und der Gastfreundschaft der Londoner- 1 Juden erzählte und manche interessante Betrachtung' über ■ einzelne Persönlichkeiten der Konferenz und der Weltstadt;London einflocht. Der sehr gut besuchte Vortrag fand starken i Beifall. In der nächsten Zeit soll ein weiterer Vortrag über; das Wesen des religiös-liberalen Judentums; stattfinden, da diese Frage, wie sich bei diesem Vortrag! gezeigt hat, allgemeines Interesse hat. Dr. K. Kassel. Am ersten Tage des Rosch haschanah-Festes | beging der Leiter des Israelitischen Waisenhauses, Lehrer L. Heilbrunn, mit seiner Gattin das Jubiläum der ■ 25iährigen Tätigkeit im Dienste der Waisen. Die Jubilare erfreuen sich bei ihren früheren Zöglingen, von denen viele kaufmännischen, handwerklichen und anderen Berufen hauswirtschaftlicher Art zugeführt wurden; andere auch den Lehrerberuf ausüben, großer Wertschätzung, die als Zwangs-, läufiges Ergebnis der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Leitern des Waisenhauses und ihren Schutzbefohlenen zu betrachten ist. Wenn die Jubilare in anerkennenswerter Fürsorge für das von ihnen trefflich geführte Haus auch jede persönliche Ehrung ablehnten und sie durch Datnprwäscherei Schnabel.,Köpenick, Grünauerstr. 46. Tel. F4 Köpenick 1605 Sorgfältigste Behandlung! In drei Tagen zuruck. Pfundwäsche Lieferung - Abholung Montag u. Donnerstag frei' Haus Spenden für die Waisen abzulösen wünschten, so waren sie an ihrem Ehrentage doch Gegenstand zahlreicher Aufmerksamkeiten, da mit dem Jubiläum fast gleichzeitig auch die Silberhochzeit verbunden werden konnte. Recklinghausen. Zum Bezirksrabbiner für Westfalen mit dem Sitz in hiesiger Gemeinde ist. Rabbinatssubstitut Dr. Selig Auerbach, bisher in Würzburg tätig, gewählt worden. Dr. Auerbach ist Schüler des Hildesheimerschera Rabbiner-Seminars in Berlin. tjfamUieH-cCftroHlß (Aufnahmen ln diese Rubrik kostenlos.) Berlin. Am 23. 9. begehen Julius Schacher, pensionierter Feuerwehrmann, von 1873 bis 1900 im Dienst der Stadt Berlin, und Ehefrau Friederike, geb. Simon, im Altersheim der Jüdischen Gemeinde Berlin, Schönhauser Allee 22, das Fest der diamantenen Hochzeit in voller Rüstigkeit. Berlin. Herrn Prof. Hans Saliriger und Frau, geb. Deutsch, wurde ein Sohn geboren. Berlin. Herr Isaak und Frau Anna Cohn feierten im Logenheim in Lichterfelde in ungebrochener geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Berlin. Frau Margarete Grabowski, geb. Feiertag, Charlottenburg, Kantstraße 11S/19, beging ihren 60. Geburtstag. Leipzig. Der Staatslotterie-Einnehmer Leopold Müller, Petersstraße 11, und seine Gattin Emma, geb. Wallach, begingen äm 9. September das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Herr Müller ist seit Jahrzehnten auch .als Synagogen-Kommissar tätig. Letzte Hathriihten Ausschluß nichlarischer Apotheker von Wohlfahrtslieferungen unzulässig In einem Runderlaß des preußischen Innenministeriums zur Frage eines Ausschlusses von Apotheken, die sich in nichtarischem Besitz befinden, von Wohlfahrtslieferungen, heißt es, daß eine endgültige Regelung der Frage, inwieweit nichtarischen Apothekern der Weiterbetrieb einer Apotheke gestattet sein, soll, noch nicht erfolgt sei. Bis zur Klärung dieser Frage hält es der preußische Innenminister, in Übereinstimmung mit dem Reichsminister des lnnern nicht für angängig, daß örtliche Stellen mit Sondermaßnahmen eingreifen, da hierdurch der geordnete Apothekenbetrieb gefährdet und die ArzneiversoN gung der Bevölkerung beeinträchtigt werden könne. „Es ist auch nicht erwünscht,“ heißt es in dem Erlaß, „daß, solange der Staat einem nichtarischen Apotheker die Konzession beläßt, diesem auf indirektem Wege die Lebensmöglichkeit genommen oder beeinträchtigt wird. Die gleiche grundsätzliche Auffassung wird auch von dem Reichsarbeitsminister bezüglich der Haltung der Krankenkassen nichtarischen Apothekern gegenüber vertreten. Zum Schluß ersucht der Innenminister Einzelanordnungen künftig zu unterlassen und bereits getroffene gegenteilige Anordnungen sofort rückgängig zu machen. Gitta Alpar und Franziska Gaal bleiben Jüdinnen Budapest. Gitta Alpar, die, wie bekannt, mit dem Filmschauspieler Gustav Fröhlich verheiratet ist, dementiert in einem ungarischen Blatt die Nachricht, daß sie aus dem Judentum austreten wolle, um in Deutschland auftreten zu Können. Das Gerücht von einem Übertritt zum Christentum, dessen Begründung schön deshalb sinnlos ist, da ja die Arierbestimmungen in Deutschland auf konfessionelle Momente keine Rücksicht nehmen, soll von Theaterkreisen böswillig' ausgestreut worden sein, weil Gitta Alpar wegen ausländischer Verpflichtungen ihr Auftreten in der nächsten Operettennovität des Hauptstädtischen Operettentheaters abgesagt hatte. Ähnliche Gerüchte wurden auch über die Filmsdiau- , Spielerin Franziska Gaal verbreitet, die mit einem katholischen Anwalt verheiratet ist. Inder jüdischen Zeitschrift „Szombat“ wird demgegenüber festgestellt, daß Franziska Gaal sich gegenüber einer angesehenen Dame der Pester Gesellschaft verpflichtet hat, Jüdin zu bleiben. 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