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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-09-07 · 72-73 (7.9.1934) · page 12

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
72-73 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Stellung der Kohanim und der Leviten :— und heute noch leben überall in der Welt deren Nachkommen. Vom Vater auf den Sohn hat sich immer wieder die Kenntnis jener einstigen Stellung im Heiligen Lande vererbt. So genießen heute — nach vier _ Jahrtausenden noch .— die Kohanim und die Leviten eine -bevorrechtete Stellung in der Ordnung des Gottesdienstes — sichtbares Zeichen der Bedeutung jüdischer Familientradition. Rudolf Meliti. ftoiroeitM&feeit 6cs ßibdlßfens Von Alfred Hadrä /. In Tagen der Unsicherheit greift der Mensch gem zu ■ einem Buch, an dem er sich aufrichten, und aus de.® er neue Kraft für kommende Tage schöpfen kann. Wir deutschen Juden, die wir uns in Not befinden, wir greifen zu dem Buch, welches das heiligste ist, das wir unser eigen nennen, zu der Bibel. Viel ist in den letzten Jahren über die Bibel gesprochen und geschrieben worden, aber die wenigsten haben sich mit dem Inhalt der Bibel beschäftigt. Es genügt nicht, einzelne markante Stellen aus der Bibel zu kennen, die Bibel mit ihrem Inhalt muß Allgemeingut der Menschen werden. Denn irgendein Grund muß doch vorhanden sein, daß dieses Buch der Bücher in alle Kultursprachen übersetzt worden ist und fast in jedem Haus zu finden ist. Der Grund liegt doch wohl nicht nur darin, mit dem Lesen der Bibel einer Pflicht zu genügen, sondern darin, weil ihr Inhalt für einen jeden, mag er arm oder reich, jung oder alt sein, bestimmt ist. ■ Wir wollen nun einen Blick in diese Bibel werfen. Zunächst sehen wir, daß sie in .'drei große Teile zerfällt, in die Thora, in die Propheten und in die Schriften. In der Bibel ist die Geschichte unserer Glaubensgemeinschaft niedergeschrieben. Lesen wir sie, wir können aus ihr für unsere so schnellebige Gegenwart viel lernen. Wenn wir etwa die eine Stelle im 2. Buch Moses Kap. 20 Vers 1 und folgende lesen, da unser großer Gesetzlehrer Moses am Berge Sinai die beiden steinernen Tafeln, die zehn Gebote, erhält, die zur Grundlage für die gesamte Kultunvelt geworden sind,-so glauben wir, diesen erhabenen Augenblick mit zu erleben, glauben selbst am Berge Sjnai zu stehen und die Tafeln aus der Hand Gottes zu empfangen. Schlagen wir eine andere Stelle auf, die im 3. Buch! Moses Kap. 19 Vers 1 und folgende steht, das Heiligkeitskapitel, welches am Versöhnungstag aus der Thora gelesen wird; so stellen wir fest, daß hier die Grundlage zur sittlichen Weltordnung der Menschheit gelegt wurde. Wenn wir uns zu dem zweiten Teil.der Bibel, zu den Propheten, wenden, so finden wir in den Reden unserer großen Propheten Worte, die sie gesprochen haben, als hätten sie die Zeit, die wir jetzt durchleben, vorausgesehen, denn diese Worte sind wie für uns geschrieben. Einige Beispiele, wahllos aneinander gereiht, mögen dies beweisen. Da heißt es an einer Stelle: „Gott wird richten zwischen den Nationen und -zurechtweisen die Völker. Dann werden sie ihre Schwerter zu Sicheln umschmieden und ihre Lanzen zu Rebmessern, eine Nation wird nicht fürder gegen die andere das Schwert erheben, und sie werden nicht mehr das Kriegführen lernen“. (Jes. Kap. 2 Vers 4). Eine andere Stelle lautet: „Fördert das Wohl der Stadt, wohin ich Euch geführt, denn in ihrem Wohle liegt auch euer Wohl" (Jer. Kap. 29 Vere7). Wieder eine andere: „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Ewige von dir fordert: nichts, anderes als Recht tun, Liebe üben.und in DemuLwandeln vor deinem Gotte“ (Micha Kap. 6 Vers 8). Undnodteine Stelle: „Haben wir nicht alle einen Vater, hat uns nicht alle ein Gott geschaffen?“ Warum sind wir treulos einer gegen den anderen?“ (Maleachi Kap. 2, Vers 10). Dieses sind wohl Beweise genügend für die Gültigkeit dieser Prophetemvorte noch in unserer heutigen Zeit. . Und nun noch der dritte Teil: die Schriften. Psalmen lesen wir, die der große König David gesungen hat, Sprüche hören wir, die die sprichwörtlich gewordene Weisheit des Königs Salomo .ausgesprochen hat. Dann kommt das Buch des großen Dulders Hiob, der trotz allem herben Schicksal, das ihm auferlegt war, doch das Gottvertrauen nicht verliert. Gerade von Hiob können wir deutschen Juden lernen, daß wir nie den Kopf sinken lassen sollen. Die Bibel sollen wir wieder lesen, genau so, wie es unsere Väter vor uns getan haben, mit dem nötigen Verständnis und mit der notwendigen Hingabe-an dieses Buch. Der Wunsch zum Beginn des neuen Jahres lautet: Vertieft Euch in unsere Bibel und zeigt damit, daß wir uns an ihr aufrichten. Lest Sabbat für Sabbat -unsere Wochenabschnitte und die . Worte unserer Propheten, lest nicht nur Ihr sie, sondern lest sie Euren Kindern vor, dann Wird im neuen Jahr in all unsere Herzen der Geist des alten prophetischen Judentums kommen, der uns in der Gegenwart so bitter not tut. „Eine Stunde Kurzweil'* Köln. Achtung! Achtung! Hier ist der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr! So begann ein hübscher Abend, betitelt „Eine Stunde Kurzweil“. Ernst Worin, der ehemalige Leiter der literarischen Abteilung des Westdeutschen Rundfunk, ist eine bekannte, früher allerdings nur akustische Erscheinung. Daß in der Saal-Veranstaltung zu der angenehmen humorbewegten Stimme des Vortragenden noch sein gütiges Antlitz sichtbar wurde, war eine Bereicherung. Kurze Prosa- und Poesiestücke wurden verknüpft oder unterbrochen durch geschickt gewählte Grammophonmusik. Es war . ein programmloser Abend und dennoch mit einem guten Programm. Ein Kabarett feiner Ausschnitte von Busch, Keimann, Kaleko und Worm selbst brachten das Publikum zum Lachen und Nachdenken. Ein Formfehler war die übermäßige Ausdehnung des Abends: Was in einer Stunde Kurzweil bedeutet, kann schon in anderthalb bis zwei Stunden zur Langeweile werden. Trotzdem ging das Publikum dankbar mit. O. SL Wussten Sie das? Das Schofarblasenam Neujahrstage fand ursprünglich, wie der Talmud berichtet, frühzeitig beim Morgengebet statt. Nachdem aber einmal, wahrscheinlich in politisch erregter Zeit, die Römer jene Töne als Signal zam Aufrühr aufgefaßt und daraufhin die Juden überfallen und niederganaebbhaiten^ wurde das -Schofarblasen in den Mnsafgottesdienst verlegt, weil zu einer späteren Tagesstunde über den festlichen Charakter der Funktion ein Zweifel nicht mehr aufkommen konnte. * Es ist nicht allgemein bekannt, daß nicht nur der Versöhnungstag, sondern auch das Neu j ah rs fest als Fasttag begangen wurde. Mit der Auffassung der Roschhaschanah als Bußtag hing es zusammen, daß zu Beginn des Mittelalters viele Juden fasteten, und wenn das später auch für den ersten Tag untersagt wurde, so blieb es doch am zweiten gestattet, bis man es unter Berufung auf Nehemia 8,10 auch an diesem Tag verbot , - Während der Gottesdienst am Vers'öhn.ungstage heute in den Synagogen — mit Ausnahme der Reformgemeinde . — pausenlos durchgeführt wird, wird von jRabbi Akiba mitgeteilt, daß er den Gottesdienst unterbrach, um den Leuten Gelegenheit zu geben, in ihre Häuser zu gehen. Auch aus der amoräischen• Zeit wird von solchen Pausen im Gottesdienst berichtet, was darauf schließen läßt, daß man im allgemeinen den ganzen Tag mit Gebeten ausfüllte. * Das größte aller bestehenden Waisenhäuser ist das jüdische-Waiseninstitut in New-York. Es ging aus einer. Sammlung hervor, die im Jahre 1820 für einen erkrankten jüdischen Veteranen veranstaltet wurde. Den nach seinem Tod übrig gebliebenen Betrag verwendete man als Grundstock eines Kapitals, mit dem 1909 ein- Waisenhaus für 1224 Insassen eingerichtet wurde. K' « f '! Gebetsammlungen sind innerhalb des Judentums verhältnismäßig jung. In alter Zeit herrschte die Anschauung, daß Gebete nicht schriftlich aufgezeichnet werden durften. „Wer Gebete aufschreibt, versündigt sich, als würde er die Thora verbrennen.“ Erst nach dem ö.- Jahrhunderts wurden Gebete niedergeschrieben und gesammelt. Die älteste Gebet- Ordnung stammt von dem Gaon Natronai aus der' Zeit um 860. Von Gebetbüchern ist das älteste erhaltene das von Gaon Amram um 875 nach Spanien gesandte, das 1865 in Warschau im Druck erschien. i I Wenn Sie Kisten aller Art benötigen, so wenden Sie sich an die Kistenfabrik Oskar Kämpfe Berlin S 42. Wdssertorstr. 42 a 7D0niio»33< Diese liefert auch Holzwolle engros -=— i Möbel- Kamerllng N, Kastanienallee 56 E. FchrbcIllflerSb,. 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