Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 68 (24.8.1934)
- Date
- 1934-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit dieser feinsinnigen und symbolhaften Einleitung gibt -Mann das Leitmotiv für seinen ganzen Roman, Leitmotiv im wahrsten Sinne. Denn seine Deutung des Schöpfung»- Herganges trägt in sich den Gedanken von der dauernden Erneuerung der Schöpfung, die in der Polarität von Seele und Geist begriffen liegt. . Oft ist der Geist noch mit-sich selbst nicht im klaren; unruhig und unstet verfolgt er seine Sendung, die er lediglich zu ahnet vermag. So setzt er sich in Bewegung. Wir denken an Abraham, der von dieser inneren Unruhe, von Zweifeln an dem Götterglauben seiner Umwelt geplagt wird. Er wandert und wandert bis er ins Land Kanaan kommt, wo ihm seine Mission halt gebietet. Er vernimmt die Stimme Gottes, den er erkannt hat und der ihm sagt, daß all seine Qual und sein Suchen nicht umsonst gewesen, ja daß sie viele Seelen befruchten und ein Segen sein wird. Mit diesem Segen nun, der von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben wird, hat es eine besondere Bewandtnis. Er wird nämlich nicht nur gegeben, sondern er muß vor allem erworben werden. Gegeben werden kann lediglich die Anlage zu einem gesegneten und segensreichen Leben. Und so nur ist es recht zu verstehen, daß der Segenserschleichung noch keine große Bedeutung beigelegt wird. Der eigentliche Bund mit Gott — so wollen wir den Begriff des Segens verstehen, da dann eine'Verpflichtung in ihm liegt — wird erst in jenem Traume Jakobs in Beth-EI geschlossen. Hier erhält er die innere. Erhebung, hier den Namen Israel, Gotteskämpfer, der . ihm den Vorrang vor seinem Bruder verleiht. Seit dieser Stunde fällt jedoch Jakob keineswegs das Glück in den Schoß, sondern nach sehr schwerem Ringen wird ihm erst Erfolg beschießen. Der Kampf mit dem materiellen Leben wird ihm erleichtert durch die Liebe zu Rahe). Die Begegnung mit ihr ist der Übergang von jener übersinnlichen Welt, in der er Gott schauen durfte, zum,Leben des Alltags. Sagt Schiller nicht: Durch die Schönheit wird der geistige Mensch zur Materie zurückgeführt und der Sinnenwelt wiedergegeben? In trauriger Schicksalhaftigkeit muß er im äußeren Leben erfahren, wie ein Von ihm begangener (sicher schuldloser) Betrug nun in mehrfacher Wiederholung an ihm begangen wird. Laban, der von dem Ringen Jakobs nichts versteht, sich immer materiell übervorteilt vorkommt und dem Segen und Wunder keine Gläubigkeit entgegenbringen kann, ist der Gegenpol Jakobs. Er ist der vernichtende Geist, der kritische, skeptische, geschäftstüchtige, der bei aller. Klugheit und Tücke andern gegenüber sich selbst hineinlegt. Letzten Endes bleibt er als der Betrogene allein, ohne menschlichen, geistigen und seelischen Rückhalt zurück. Geist und Seele, Jakob und Rahel, haben den Sieg der Vereinigung davongetragen, und zwar keineswegs auf eine wunderbare Weise. Thomas Mann versuchf, und es glückt ihm auch, alle Vorgänge des Lebens (andere zum Teil unerklärliche Wunder) auf natürliche und menschliche Art zu erklären und deutlich zu machen. Die vergangene Zeit ist Geschichte, die uns nicht unnahbar ist, und in die nur der eindringen kann, der wundengläubig ist. Jeder von uns kann sic bis in alle Phasen miterleben und wer es versteht, daß Mann einen frei gewählten Auszug zu einem künstlerisch Abgerundeten und Ganzen gemacht, wird erkennen, daß stets in dem Teile das Ganze, in der Entwicklung das Symbol enthalten ist. Andere Namen und andere Handlungen sind oft'nur Formen und Umkleidungen, die zwar sehr wichtig sind, weil man an ihnen den Fortschritt erkennt, aber der Kern, das Ringen des Menschen um. Geist, Schönheit, ihre Vereinigung, das Ideal des Sittlichen und den Glauben, er bleibt derselbe, Antrieb und Träger der Entwicklung zugleich.- Die Geschichten Jakobs ersparen aber keineswegs die Lektüre der Bibel, sondern im Gegenteil: die zeitgemäße Abwandlung ‘ läßt Ohs erst recht wieder. erkennen, wie die Bibel, das Lebensbuch, niemals veraltet, niemals nur Ver- Dampfwfischml Schnabel. Küpenick, Grfinaucntr. 4Ö. Tel. F4 Köpenick 1605 SorgfSlügste Behandlung! -In drei Tagen zurück. PfundwSsehe Lieferung . Abholung Montag u. Donnerstag frei Haus gangenheit, sondern stets auch Gegenwart bedeutet. Entwicklung, Kontinuität wird oft am Ewigen, am: Zeitlosen lebendig. Erika Löwenstamm Bund deutschjüdischer Jugend Berlin (Westen ll-lli) Kontingentierung and Kontrollmassnahmen Die Durchführung des Schächtens in Oberschlesien Gleiwitz. Wie bereits mitgeteilt, wird auf Grund einer mit der Reichsregierung getroffenen Vereinbarung vom 27. August ab in Oberschlesien wieder geschächtet werden können. Das Abkommen ist lediglich dazu bestimmt, die Bedürfnisse der jüdischen Minderheit im.Abstimmungsgebiet nach koscher Fleisch zu decken, und der Berechnung der Kontingente ist ausschließlich der Bedarf der jüdischen Bevölkerung in Oberschlesien zugrundegelegt. Irgend eine Versorgung der Juden im Reich mit koscher Fleisch kommt daher nicht in Frage. Zur Schächtung von Großvieh wurden die Schlachtfiöfe in Beuthen und Gleiwitz freigegeben, während die Schächtung von Geflügel in sämtlichen Gemeinden des Abstimmungsgebietes erfolgen darf. Die kleineren Gemeinden werden ihren Fleischbedarf in folgender Weise decken: durch Beuthen die Gemeinden Hindenburg, Groß-Strehlitz, Guttentag, Kreuzburg, Landsberg, Rosenberg; durch Gleiwitz die Gemeinden Oppeln, Ratibor, Karlsruhe, Kätscher, Langendorf, Oberglogau, Peiskretscham, Tost. Das Kontingent wurde aus dem durchschnittlichen Fleischverbrauch der Gemeinden des Abstimmungsgebietes für die Jahre 1930, 1931 und 1932 errechnet. Der Synagogengemeindeverband hat strenge K o n - trollmaßnah men geschaffen, die darüber wachen werden, daß keinerlei Versand durch die zur Schächtung und zum Handel mit koscheren Fleischwaren zugelassenen Personen über das Abstimmungsgebiet hinaus erfolgt. , Verbot freiwilliger arabischer Grenzwachen Blutige Zusammenstosse bei Jaffa Jerusalem. In der jüdischen Kolonie C h e d e r a, einer Siedlung zwischen Jaffa und Haifa, ist es zwischen Arabern und Juden zu blutigen Zusammenstößen gekommen, wobei ein Araber getötet wurde. Um weitere Unruhen zu verhindern, sind Polizeiverstärkungen nach Chedera abgegangen. Auch in der Nähe von N a t h a n i a hat sich zwischen arabischen und jüdischen Jugendlichen ein Kampf abgespielt. Die Zusammenstöße wurden durch illegale arabische Wachkorps zur Verhinderung jüdischer Einwanderer, die ohne gesetzliche Erlaubnis nach Palästina kommen wollten, hervorgerufen. Nach einem amtlichen Bericht über die jüngsten Vorfälle hat'eine arabische Abteilung in Pfadfinderuniform unter Vorantragung einer Fahne die jüdische Kolonie Nathani.a in der Richtung zum Meeresufer passiert, um dort einen Patrouillendienst gegen die Landung illegaler Einwanderer einzurichten. Hierbei wurden die Einwohner Nathanias durch Absingen von Kampfliedern und das aufreizende Verhalten von Teilnehmern an dieser Kundgebung provoziert. Es kam zunächst zu vereinzelten Zusammenstößen, die sich später zu einem offenen Kampf am Meeresufer außerhalb der Kolonie steigerten. Mehrere Personen wurden verletzt. ln dem amtlichen Communique werden seitens der Regierung praktische Maßnahmen zur Verhinderung der illegalen Einwanderung angekündigt. Außerdem wird die Aufstellung freiwilliger privater Grenzwachen unter ein scharfes Verbot gestellt. Die Polizei, die erst im Frühjahr ihre Kampagne gegen „Illegale“ gelockert hatte, wurde verstärkt. und sogar mit Flugzeugen ausgerüstet. Die illegale jüdische Einwanderung in der letzten Zeit wird auf,tausend Personen im Monat geschätzt. Acht Juden durch Steinwürfe und Mesaersticfae verletzt Judenfeindlkhe Ausschreitungen in Litauen Kowno. Wie die Kownoer Blätter melden, kam es in der litauischen Stadt Schau len zu judenfeindlichen Ausschreitungen, wobei acht Juden durch Messerstiche und Steinwürfe verletzt wurden. •Die Ausschreitungen haben folgende Vorgeschichte: Tags zuvor war ein nichtjüdischer litauischer Apotheker .mit einem Juden auf der Straße in Streit geraten, der in Schlägereien ausartete. Dabei wurde der Apotheker angeblich durch Messerstiche am Kopf verletzt. Eine öruppe jugendlicher Litauer drang gegen 10 Uhr abends, mit Messern und Steinen bewaffnet, in eine jüdische Versammlung ein und ging gegen die Anwesenden vor. Zu gleicher Zeit wurden im Stadtpark an mehreren Stellen Juden überfallen und mißhandelt, wobei auch Schüsse fielen, die jedoch niemanden trafen. Als die Polizei an Ort und Stelle erschien, vvaren die Täter bereits geflüchtet. Es ist eine strenge Untersuchung eingeleitet'worden. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht große Erregung. Wann? Wo? Am 26. August, nachmittags 3 Uhr, veranstaltet der , "ddeuiscll‘iSdischer Jugend auf dem Sportplatz Grunewald der Jüdischen Gemeinde sein erstes Bunde s s p o r t f est. Wie im vergangenen Jahre finden auch in diesem Jahre an den Hohen Festtagen liberale Gottesdienste des Jüdischen Religionsvereins Friedenau„ £ t,e. e} ‘1 z„ und Umgegend im Atbredfttshof, Steglitz, Schloßstraße 82f83 und konservative Gottesdienste im Beisaat Friedenau, Stierstraße 21, statt. Die Preise der Plätze betragen RM 8,— bis 2,—. Der Kortenverkauf erfolgt in der Stierstraße 21 I, von 10—1 Uhr am 26. August, 4., 5. und 6. September. Am 28. August, abends 8 Uhr, spricht im Rahmen der J u gendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeinde im Logenhaus Joadhimsthaler Straße 13 George Goetz über: „Modernes“ Judentum oder Reform-Judentum? Letzte Nachrichten Keine nichfarischen Wohlfahrtspfleger Nach einem Erlaß des preußischen Kultusministers ist die' staatliche Anerkennung als Volkspfleger (bisher Wohlfahrtspfleger) Personen nichtarischer Abstam-. mung künftig nicht mehr zu erteilen. Reichsleiter Rosenberg über die Freiheit der Wissenschaft In einer Unterredung mit einem Vertreter des „International New Service“ hat sich Reichsleiter Rosenberg u. a. über die Stellungnahme der NSDAP zur Freiheit der Wissenschaft geäußert. Er führte aus, daß die freie Forschung in Deutschland nirgends unterdrückt werde. „Was zu dieser Meinung geführt hat, ist bloß die Tatsache, daß leider eine große Anzahl jüdischer, aber auch deutscher Hochschullehrer die Freiheit des Forschers mit der Freiheit des Beschimpfens des deutschen Namens verwechselt haben. Wenn ein Herr Einstein der weißen Rasse überhaupt, das Recht auf die Behauptung einer morahschen Höhenvertigkeit gegenüber Negern abspricht und die Kolonial Völker zu einer Revolte gegen die weiße Rasse aufruft, so hat das nichts mehr mit der Freiheit des Forschens zu tun, sondern ist eine weltkommimistische Propaganda gewesen.“ Rosenberg fährt dann fort: „Im übrigen glauben wir, daß ebensowenig wie der Neger imstande sein wird, die europäische Kultur in ihrem Wesen zu erfassen, auch der aus Syrien stammende Jude dies nicht tun kann. Und wenn man dies geglaubt haben sollte, so hat Deutschland jedenfalls an seinem Leib die Tatsache tausendfach erlebt, daß dies nicht möglich war, sondern daß nahezu alle jüdischen Gestalten auf deutschen Lehrstühlen sich politisdh gegen die deutsche Staatlichkeit und weltanschaulich gegen das deutsche Wesen gestellt haben.“ Haßatett, Htnor Jte&tauxantb | CAF£ LEON Die herrliche Gartenterrasse Kurfürstendamm 155 PENSION ZI ESCHE Kurfüralmlamm 23S Elegante Zimmer m. jedem Komfort billigst. Dauerautenthalt Sondcrarrangem. Hotel Heflier am Zoo1 Stammessen M. 1,50 Kaffee Konditorei | Qartonv*nnda irfiffn« L50 | Itorell fll«t | Koodttorei nemetz "Ä'iÄ Bln.-Charl. .Grolmanstr. 29 u. Wilmersdorferstr. 104 j i 2537 Steiner*s Eis-Dielen UhtaadstrsB* 1SS am Hohenzollemdamm _ WUaaaekar StnB« 57 bis 12 Uhr geöffnet Eis-Konditorei rassaoer-Eck Pamoarttr., Ecka Augsburgsrstr. . Coodttoref-Citt Franz Wcalscb (früher M. 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Hauptschriftleiter und verantwortl. für den gesamten redaktionellen Inhalt: Dr. Eugen Tannenbaum, Berliu- Wilmersdorf;Xeitung der Anzeigenabteilung und verantwortl. für den Inhalt der Anzeigen: Qeorg Michaelsohn, Berlm-Charlottenburg. — Redaktion und Geschäftsstelle: Ber- Im-Charlottenburg 4, Mommsenstraße 40; Feniruf: J 6 Bleibtreu Sammelnummer 1545. Bankverbindung; Kreditverein für Handel und Gewerbe e.Q.m.b.H., Berlin N 24. Postscheck- ‘Sntoi,-”Iu<^'y£rale?!ütuij£l?,erl!ü 22!64- DA. VII/34 5125. — Drack: Sonnendruckerei G.m.b.H. (Felix Wolf), Berlm-Charlottenburg 4, Weimarer Straße 18. - Bezugspreis: MooBuicn 1,35 RM. zuzugi. Bestellgeld. Abonnements werden bei allen Postanstalten angenommen. Anzeigen nach Tarif, Bei Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Oewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren.