Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 66 (17.8.1934)
- Date
- 1934-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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mm --BL*I tmd alles was dazu gehört — Moderne MOOei Tn*ichn, ns«#, 81«, Pnnrtlan BMkfcMg im WackcMadUottn z. vernünftig. Prallen Hqns Schneider Li tzeuburgerst^n^CurfürstendJ überschattetes Schrifttum, waren die großen Midrasch- Sammlungen der Haggada und diese selbst als ein fast versiegter Strom jüdischen Geisteslebens w i eder entdeckt und nebenher der Predigt im jüdischen Gottesdienst das wissenschaftliche Recht zurückgewonnen. Ein langes. Martyrologium erstand ferner aus den gelehrten Büchern: „Die synagogale Poesie des Mittelalters“, „Literaturgeschichte der synagogalen Poesie“ und „Die Riten des synagogalen Gottesdienstes“. An solchen Leistungen oder den Arbeiten AbrahamGeigers, die betont derWissenschaft und dem Leben dienten, konnte die Umwelt nicht mehr vorübergehen. . .t. Dazu trug wesentlich bei, daß sie in deutscher Sprache abgefaßt waren. Es war, als ob etwas von dem Ernst, der Sorgfalt und Gediegenheit der damals aufblühenden, in der ganzen'Welt bewunderten, deutschen Wissenschaft auf die Werke dieser jüdischen Gelehrten überging. Blickt man auf den. Ausstrahlungsradius dieser deutsch-jüdischen Wissenschaft, so reichte er von der Newa bis zum Schwarzen Meere, und von den Mündungen des Rheins bis zudessen Quellgebiet. Und in diesem gewaltigen Raum stand die Wiege fast aller Forscher; um Männer wie Zunz, Jost, Geiger, Frankel, Grätz, Cassel, Sachs, Joel, Perles aus dem engeren, scharten sich die Letteris, Dukes, Kämpf, Jellinek, Steinschneider, Loew, ■ Neubauer, Pinsker u. a. aus dem weiteren deutschen Sprachgebiet. Ungezählte. jüdische Menschen deutscher Zunge nahmen an den Früchten ihrer Werke teil; andre wie Munk und Dernburg verpflanzten Methode und Wissenschaftlichkeit nach Frankreich, .wieder andre nach England und Amerika. Wie öde und beschämend würde uns heute der Zustand jüdi: scher Kultur Vorkommen, wenn wir, aus der deutschen Arbeit verbannt, die jüdische etwa auf dem Niveau des 17. oder 18. - Jahrhunderts antreffen würden! Eine besondere Behandlung erfuhren bei allem Wissenschaftsbetrieb im deutschen Judentum Bibel .un-d Talmud. Jene war und blieb Heilige Schrift der. Gemeinde; dieser mit seinen vielen Nebenwerken umschloß die ehrwürdige Tradition, Erläuterung, Erweiterung, Fortbildung des „Gesetzes“. Langsam lichtete sich der beengende Begriff der ’ Verbalinspiration; immer deutlicher trat zutage, daß eine allzusehr am Buchstaben, an Ausdruck, Wortform und Konstruktion orientierte Exegese statt zu erhellen und aufzuklären. das Verständnis verdunkelte und hemmte. Besonders in seinen Werken „Urschrift und Uebersetzungen der Bibel“ und „Vordie Geschichte des Judentums“ schlug" Geiger Bresche in einen verwachsenen Wald von Fehlurteilen und Mißverständnissen. Er verbreitete neues Licht über das Zustandekommen der kanonischen Texte, erkannte in ihrer Geschichte das Spiegelbild langdauernder, religiöser Strömungen und Kämpfe.' Ebenso lehrte er, die Misclma statt wie bisher aus der Gemara aus sich selbst verstehen, zeigte an Beispielen die Entwicklung der Gesetzesübung unter dem Gesichtspunkte der Anpassung an den Fortschritt der Zeit, ja an die Erfordernisse der Stunde. Richtig ist es, daß auf diesen Gebieten andere jüdische Forscher noch mehr Zurückhaltung übten als der Meister, besonders wo es um die so verantwortliche Exegese und Einführungswissenschaft der Bibel ging. Man begnügte sich mit volkstümlichen Bibelwerken, die in rascher Folge Gotthold Salomon, S. Herxbeimer, Zunz, Fürst und Philippson der Gemeinde schenkten. Die zersetzende, oft verletzende Bibelkritik' der Stade-Wellhausenschen Schule fand keine Jünger; wenngleich aufmerksames Studium'. {Wollen wir dies heute beklagen, wo auch die protestantische Exegese eine neue Wendung genommen und die Herabsetzung der geistigen Höhenlage der Bibel sehr unerwünschte Folgen gezeitigt hat? Wir wollen vielmehr dankbar ein spätes Bibelwerk von Benno Jacob entgegennehmen, der, mit dem Rüstzeuge der kritischen Methode ausgestattet, neue Zugänge zum wahren Verständnis der Bibel eröffnet. Dankbar wollen wir der protestantischen Theologie für das von ihr erschlossene bessere Verständnis der Propheten sein, die bei uns allzulange im Schatten der Tora standen. Daß wir aber in unserer ganzen jüdisch-theologischen Wissenschaft so überkritische Geister wie Feuerbach, D. Fr. Strauß oder gar Bruno Bauer nicht aufzuweisen haben, dürfen wir wohl feststellen. Wir huldigten immer einer gläubigen Wissenschaft. (Weitere Artikel folgen) Warum der Film ..FrQhlingsstimmen“ verboten wurde Die zuständigen deutschen Filminstanzen haben,, wie bekannt, den von einer jüdischen Firma in Österreich hergestellten Film „F r ü h 1 i n g s s t i m m e n“ zur Aufführung in Deutschland nicht zugelassen'. In der Begründung heißt es: Dem Anträge des Reichsministers für Propaganda, die Zulassung des Films „Frühlingsstimmen“ zu widerrufen, war stattzugeben. Er verletzt das nationalsozialistische Empfinden und ist geeignet, die öffentliche Ordnung zu gefährden. Gemäß den Grundsätzen der Filmoberprüfstelle ist zu beanstanden, daß der Film in tragenden Rollen früher in Deutschland tätig gewesene Darsteller zeigt, die von der Bewegung abgelehnt werden. Es kommt hinzu, daß einer der nichtarischen Darsteller in'-einer gemütvollen väterlichen Rolle als Familienoberhaupt einer deutschen Familie gezeigt wird. Sein ausgesprochen nichtarisches Aussehen verletzt den deutschen Besucher. Es sind daher bei weiterer Vorführung des Films auch Ruhestörungen zu befürchten, wie die gegen den Film bereits eingetretene Protestbewegung belegt. Verwaltungsaufgaben. Sie braucht sie, um Gemeindemitgliedern auf Wunsch einen Ausweis über ihre Mitgliedschaft in der Gemeinde zu geben. Die Gemeinde braucht die Kartei nicht für Steuerzwecke, denn die Namen der steuerpflichtigen Gemeindemitglieder erfährt die Gemeinde lückenlos von den Finanzämtern. Darum muß jedes Gemeindemitglied den Fragebogen ausfüllen, der bei allen Dienststellen der Berliner Jüdischen Gemeinde zu erhalten ist. Letzte Nachrichten Noch keine vollkommene Ruhe in Constantine Paris. Wegen Teilnahme an dem Pogrom in der algerischen Stadt Constantine sind 70.Araber zu zwei bis drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Lage in Algerien ist immer noch nicht befriedet. Die Behörden haben den Wochenmarkt in Bone an der .Mittelmeerküste verboten, da sie. fürchteten, es könnte dort zu neuerlichen Unruhen kommen. l Die jüdischen Geschäfte in der Stadt sind geschlossen. Die moslemitischen Truppen werden in den Kasernen gehalten, und europäisches Militär bewacht die Stadt, verstärkt durch Matrosen von den Kreuzern „Matelot*' und „Leblanc“. Es wird berichtet, daß vor einigen Tagen ein Auto von Arabern angehalten und der Führer, ein jüdischer Barbier namens Henry, ermordet wurde. Im Krankenhaus von Constantine ist die bei dem Pogrom schwer verwundete Frau Zerbib gestorben. Dreihundert jüdische Geschäfte sind bei den Unruhen demoliert worden. Wie aus Tel Awiw gemeldet wird, hat der dortige Stadtrat für die Opfer des Pogroms von Constantine eine Trauerkundgebung veranstaltet. Außerdem wurde an die französischen Behörden die dringende' Aufforderung gerichtet, weiteres Blutvergießen zu verhindern; Jüdische Geistlichkeit gegen sittenverderbende Filme Rom. In einer Audienz, die P a p st Pius Kl. dem Sekretär des Internationalen Vereins der Film-Presse, Maurizio Wildy, und dem Vorsitzenden des belgischen Vereins der Filmzeitüngen gewährte, gab er seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß sich der von den katholischen Bischöfen Amerikas eingeleiteten Aktion zur "Bekämpfung sittenverderbeader Filme auch die angesehensten Vertreter der jüdischen Geistlichkeit und der übrigen .Bekenntnisse angeschlossen haben. Die Kirche erwarte, von dieser Zusammenarbeit der christlichen und jüdischen geistlichen Welt hohen Nutzen für die Bewahrung der Jugend vor sittlichen Gefahren und für die sittliche Wohlfahrt der ganzen Welt. Hiex antwoxtot die : Statistiker. Im Kanton Luzern wohnten nach der letzten Volkszählung'von 1931 501 Juden. A, N., München. Die Geschäftsstelle des Jüdischen Frauenbundes E. V. befindet sich in Berlin-Charlottenlrrfahrten ausgewiesener illegaler Palästina-Einwanderer Haifa. Drei jüdische Mädchen, die sich nicht mit Einwänderungserlaubnis ausweisen konnten, wurden in Haifa verhaftet und nach ihrer Ausweisung auf einen italienischen Dampfer gebracht. Die italienischen' Behörden gestatteten ihnen jedoch nicht, in Italien zu landen, so daß die bürg, Kantstraße 158, wo auch die Jüdische Bahnhofshilfe ihren'Sitz hat. E. L., Beckum. Ein Verzeichnis von Wanderunterkünften erhalten Sie vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gegen Übersendung eines Freikuverts. Kulturgeschichte. Als Zeichen der Trauer um den Fall des zweiten Tempels wurde in den Zeiten des Synhedriohs u. a. bei Übertünchung eines Hauses mit Kalk eine Stelle unangestrichen gelassen. Hilde M. Der Komponist der Oper Carmen, Georges Bizet, war Halbjude; er hieß eigentlich Alexander Cesar Leopold. — Der spanische Dichterfürst Jehuda ben Halevy hieß mit seinem arabischen Namen Abul Hassan AlläwL Fragebogen ausfüllen! Die Jüdische Gemeinde zu Berlin arbeitet seit Monaten an der Schaffung einer M i t g 1 i e d e r k a r t e i. Zu diesem Zweck gingen den Gememdemitgliedem Fragebogen zu, die jedoch nur von einem Teil ausgefüllt zurückgeschickt wurden. Die Gemeinde braucht die Kartei .für die Wirtschaftshilfe, die Berufsberatung und den Arbeitsnachweis. Sie braucht sie zur Gewinnung einer Übersicht über die Altersschichtung der Gemeindemitglieder, die von Bedeutung für die Errichtung und Erhaltung von Schulen, für den Ausbau der Jugendpflege und der Altershilfe ist. Sie braucht sie für zahlreiche weitere DampfwBocherel Drtelbaeh, Annahme sSmtl. Haus* ü. Leibwäsche. Neu eingerichtetr Abt. LelhwSiche, Tixchtüdtcr OßO, Servietten 0,07, Handtücher 0,08, Wischtücher 0,05 Groß-Beeren, Berliner Str. 60, Tel. Groß-Beeren 152. Abholung n. Lieferung täglich f drei Mädchen auf dem Dampfer dreimal die Reise zwischen Palästina und Italien zurücklegen mußten, bis der italienische Kapitän bei den palästinensischen Behörden die Landungserlaubnis für sie durchsetzte. Sie befinden sich jetzt im Gefängnis zu Bethlehem,' wo über ihr weiteres Schicksal entschieden wird. Der „Haolam“ gibt die Zahl der im Gefängnis wegen illegaler Einwanderung untergebrachfen jüdischen Frauen mit 50 an. Wieder antisemitische Propaganda in Polen Warschau.' Die erneuten antijüdischen Ausschreitungen in Lodz haben die Behörden veranlaßt, den Nationaldemokratischen Klub in der Brzezin-Straße zu schließen und drei nationaldemokratische Führer zu verhaften. Die Verhafteten sollen unter Anklage des Versuchs, die bestehende Staatsordnung zu stürzen, vor Gericht gestellt werden. Der Führer der Jugendsektion der nationaldemokratischen Partei in der Lodzer Vorstadt Balut, Felix Cieszilinski, ist in ein I sol i erun gs 1 a ger eingeliefert worden. Er wurde dieser Tage mit seinen engsten Mitarbeitern unter der Beschuldigung verhaftet, judenfeindliche Unruhen in Lodz hervorgerufen zu haben. Feyerabend, C 25 Kl. Alusnderstr. 16 Fordern Sie unverbindlich Kostenanschlag. Sämtl. Reparaturen, Umbauten tisw.xu bilL Preisen Schlosserei •Klempnerei I Brillanten - Ankauf! pÄ, IlindÄ"’, TTT>T TPTT Uhren, konkurrenzlose Kassapreise -S-c-K-M-X% .Mil TauentxlenstoBe 14, hochptr* (Stillerhaus). Telefon: B 4 Bavaria 3271. Auch Verkant! Xfu eröffnet "ZlQarrenheue Heut KSfiigotraBo 60 gegenüber der Eva - El Berolina 2460 Qualltttts-Zlgarran Walter Maiwald. Lieferung frei Haue J04*MaB«Sdmelderel Handbgl. . 1,25, slmtl. Reparaturen, Chem.Reinig. A* Draslar, Cbarlbg., Schlflterstr. 9 Ceadws / Sessel □rößtes Lager Polsterwerkst, (oha. Steglitz, ZWaawmiAiistr. 26 MÖbel- Kamerlins N, Kastanienallee 56 E. FehrbelUuerStr. Eigene Werkslitt. Augen lall iMiniiHmr, ScJuafzIanar, hlldscMa. 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